Person of Interest 1x19

Die Maschine spuckt diesmal fünf Nummern gleichzeitig aus: Und zwar für die Köpfe der New Yorker Mafiafamilien. Reese (Jim Caviezel) und Finch (Michael Emerson) ziehen daraus den nächstliegenden Schluss: Um die Cosa Nostra unter seiner Führung zu vereinigen, will Elias (Enrico Colantoni) offenbar deren bisherige Anführer - einschließlich seines Halbbruders (Paul Schulze, 24) - eliminieren. Ein erster Versuch, einen der Mafiabosse vor Elias zu beschützen, schlägt fehl. Nachdem Reese ihn nicht davon überzeugen konnte, ihn als Schutz zu akzeptieren, kann er nur noch mit ansehen, wie der Mafioso und seine Leibgarde in die Luft fliegen.
Detective Carter (Taraji P. Henson) hat herausgefunden, dass Elias die stolze Summe von vier Millionen Dollar investiert hat, um Leute für seinen Feldzug anzuheuern. Da sie nicht auf die Schnelle herausfinden kann, wen er engagiert hat, will sie die verbliebenen Mafiabosse in Schutzhaft nehmen. Auf Reese und Finch ist sie nach wie vor nicht gut zu sprechen. Erst, als Reese ihr bei einem erneuten Anschlag von Elias das Leben rettet und sie erkennen muss, dass sie sich wegen des Bündnisses zwischen Elias und HR auf so gut wie niemanden in der Polizei verlassen kann, tut sie sich endlich wieder mit Reese und Finch zusammen...
HAMMER! Diese Folge ist einfach nur der Hammer! Man könnte meinen, dass Flesh and Blood das Staffelfinale von Person of Interest wäre. Das Format eines Staffelfinales - und eines grandiosen noch dazu! - hatte die Episode allemal. Aber nein - Person of Interest verwöhnt das Publikum bereits mehrere Wochen vor dem Ende der Season mit einer Episode, die nur als ein einziger 45-minütiger Leckerbissen beschrieben werden kann.
Und wir sind noch nicht einmal in den Sweeps! Eine solche Folge mal eben kurz vor Ostern rauszuhauen, grenzt ja geradezu an Verschwendung, siehe dazu auch die Einschaltquoten „39270“. Nicht dass dies als Klage gemeint wäre! Ganz im Gegenteil: Das übliche Schema eines Staffelbogens zu verlassen, gehört gerade zu den Überraschungen, mit denen Person of Interest seine dramaturgische Finesse beweist.
Flesh and Blood zeigt ein Power Play auf höchster Ebene und mit höchsten Einsätzen. Anstelle eines Falls-der-Woche dreht sich alles um zwei der großen, folgenübergreifenden Handlungsstränge: Die Gruppe der korrupten Cops, die sich selbst als HR bezeichnet, und den aufstrebenden Mafiaboss Elias, der - nach eigener Auffassung - die „Evolution des organisierten Verbrechens“ verkörpert.
Es grenzt an eine Binsenweisheit, trotzdem lohnt es sich, sie sich immer mal wieder ins Bewusstsein zu rufen: Je besser die Gegenspieler in einer Geschichte sind, desto stärker und spannender ist die Geschichte als Ganzes. Elias ist in dieser Hinsicht geradezu ein Geschenk des Himmels: Er ist, wie uns die Rückblenden noch einmal ins Gedächtnis rufen, hervorragend motiviert. Sein Vater (Mark Margolis) ist eine Mafioso, der nicht nur seine frühere Geliebte, Elias' Mutter, ermordet hat, sondern auch am liebsten seinen unehelichen Sohn um die Ecke gebracht hätte. Elias' Leben ist durch diese Ereignisse geprägt und verpfuscht worden. Er hat gelernt, dass er sich nur auf sich selbst verlassen kann - und ist dabei so hart geworden, wie der unter Hochdruck geformte Diamant, von dem sein alter Herr sprach.
Elias will seinen Vater nicht nur töten, er will ihm vorher noch beweisen, dass er ein besserer Mafioso ist, als dieser selbst, indem er das vollbringt, was seinem Vater nie gelungen ist: die Vereinigung der Familien unter einem Haupt. Das ist eine absolut überzeugende Prämisse. Was Elias darüber hinaus so faszinierend macht, ist diese - von Enrico Colantoni perfekt dargestellte - Mischung aus Sanftheit und Rücksichtslosigkeit. Im persönlichen Auftreten erscheint er ruhig, kultiviert, gebildet, ja höflich. Er erhebt noch nicht einmal seine Stimme. Selbst seine größten Drohungen artikuliert er mit der Haltung eines ebenso beharrlichen wie einfühlsamen Pädagogen. Gleichzeitig ist er in seinen Taten von einer gnadenlosen Brutalität und Härte. Er tut alles, um sein Ziel zu erreichen, egal welche Kollateralschäden das mit sich bringt. Auch Kinder und Familien sind für ihn kein Tabu.
Ein Stück weit ist diese Rücksichtslosigkeit aber auch seine Achillesferse: Indem er seine Leute schon mal auf die Familien von HR ansetzt, um im Fall der Fälle ein Druckmittel in der Hand zu haben, gibt er Finch den nötigen Ansatzpunkt, um ihn und HR auseinanderzudividieren. Teile und herrsche! Nach diesem Motto versucht auch einer der Mafiosi Carter und Fusco auseinanderzubringen, was ihm aber zum Glück nicht gelingt. Carter, die gute Gründe hat, daran zu zweifeln, wem sie überhaupt noch trauen kann, setzt zum Glück in dieser Folge auf die Richtigen.
Im Grunde ist es auch genau das, was die Episode so spannend macht: Wird sich das Bündnis zwischen unseren Hauptfiguren als stark genug erweisen, um es mit der geballten Macht von so wahrhaft furchteinflößenden Gegnern aufzunehmen? Natürlich machen wir uns Sorgen um Carters Sohn, als dieser von Scarface (David Valcin) entführt wird. Mindestens ebenso groß ist aber unsere Sorge, dass Carter vorzeitig aufgeben könnte, dass ihr Vertrauen in Reese nicht groß genug ist. Oder aber das Reese bei der Geiselbefreiung scheitert - und damit die gerade wieder vorsichtig geknüpfte (und mit einem Sack voll schwerster Bewaffnung besiegelte) Bande zu Carter zerbricht.
Tatsächlich bestehen unsere Figuren diese Feuerprobe. Ja, mehr noch, es gelingt ihnen überraschenderweise sogar, Elias hinter Gittern zu bringen. Auch wenn dies an seiner Machtfülle kaum etwas ändert. No surprise there.
Fazit
Flesh and Blood ist eine dicht gewebte, durch und durch packende Showdown-Folge - voller Witz, Action und dramatischer Herausforderungen für die Figuren, die nur eine Frage aufwirft: Was wollen die Produzenten von Person of Interest bloß jetzt noch als Staffelfinale bringen?
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 7. April 2012(Person of Interest 1x19)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 1x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?