Pennyworth: Review der Pilotepisode

© ie ist der Auftakt der US-Serie „Pennyworth“ gelungen? (c) Epix/Warner
Prequels aus dem Superhelden- und Sci-Fi-Genre kommen immer häufiger vor. Ob nun Smallville und Krypton bei Superman oder Gotham bei Batman - der Blick zurück wird gerne genutzt, um Figuren in den Fokus zu rücken, die eigentlich nichts oder wenig direkt mit der Hauptfigur zu tun haben. Bei Pennyworth ist das ein bisschen was anderes, denn Alfred Pennyworth (hier gespielt von Jack Bannon) ist üblicherweise nach dem Mord an Bruce Waynes Eltern seine moralische Stütze und sein Ersatzvater. Doch das ist zum Start der Serie noch viele Jahre in der Ferne...
In dieser neuen Serie von Epix, die im Herbst auch in Deutschland bei Starzplay laufen wird, erfahren wir, wie der aufopferungsvolle Butler und Hausdiener eigentlich früher war. Auch in Gotham oder der Animationsserie Beware the Batman haben wir ihn allerdings schon aktiver erlebt als in anderen Serien und Filmen, wo er oft als Glucke und passiver Wunschableser dargestellt wird.
Witzig an der Situation ist außerdem, dass viele die Existenzberechtigung dieser Serie infrage stellen. Besonders „Teen Titans Go! to the Movies“ hat sich darüber schon lustig gemacht, indem Alfred, das Batmobil und der Utility Belt Batmans einen Solofilm erhalten haben, bevor Robin die Aufmerksamkeit zugerichtet wurde.
Aber, wenn man mal ehrlich ist, braucht es die meisten Serien ohnehin nicht. Aber eine überzeugende Geschichte kann auch die fadenscheinigste Prämisse rechtfertigen - und Pennyworth hat immerhin durchaus viel britischen Charme im Auftakt zu bieten.
Worum geht es in Pennyworth?
Alfred Pennyworth hat einst als Kriegsheld für die Queen beim SAS gedient und versucht nun, nach seinem Dienst auf eigenen Beinen zu stehen. Zunächst probiert er es als Türsteher und Springer für einen Nachtclub, wo er sowohl die Kellnerin Esmé (Emma Corrin) kennenlernt als auch über einen überraschenden Schlag ins Gesicht eines weiblichen Gasts Bekanntschaft mit Thomas Wayne (Ben Aldridge) macht. Eigentlich träumt er davon, seine eigene Sicherheitsfirma zu gründen und somit eine große Nummer zu werden, doch bisher konnte er keine großen Aufträge an Land ziehen.
Nach seinem Dienst fürs Vaterland bleibt er eng mit Dave Boy (Ryan Fletcher) und Bazza (Hainsley Lloyd Bennett) befreundet, die ihm immer zur Seite stehen, wenn er sie braucht. Alfred gilt als warmherzig und viel zu nett für die raue Businesswelt. Das merkt auch die angehende Schauspielerin Esmé, die sich schnell in ihn verliebt und bald Bekanntschaft mit seinen Eltern macht. Allerdings scheinen sich ihre Vorstellungen von einem Traumleben nicht verwirklichen zu lassen, weswegen sie die Beziehung beenden will. Sie wird dann aber von einer Gruppe von angeblichen Patrioten entführt, die ihre Freilassung erst veranlassen wollen, wenn Alfred ihnen Thomas Wayne bringt, der einer Finanzverschwörung auf der Spur ist. Alfred beginnt zu hinterfragen, ob er den Entführern trauen kann oder Wayne womöglich zu Recht die Bücher genauer untersucht. Also gilt es, Esmé zu befreien und gleichzeitig Wayne zu beschützen.
Alfie

Was mich an diesem Prequel zunächst wirklich überrascht, ist, wie britisch hier fast alles zugeht. Die Akzente sind stellenweise sehr dick und wir haben es mit einem London der 1960er (?) Jahre zu tun, in dem Diebe noch öffentlich an den Pranger gestellt wurden und ein Krieg um die Seele des Landes zwischen rechts und links lodert. In meinen Augen wird die Zeitperiode allerdings nicht unbedingt sofort klar, manchmal wirkt es fast ein wenig so, als wären wir in den 1920ern. Die Stadtaufnahmen sind mit diversen Filtern ausgestattet, die dem Ganzen einen altmodischen Techni-Color-Charme verpassen und Alfie, hat als Protagonist auf jeden Fall das Herz am rechten Fleck.
Der andere Aspekt, der sofort auffällt, ist die Lauflänge von über 70 Minuten beim Auftakt. Ich bin ein Freund des Mottos „in der Kürze liegt die Würze“ und muss bei einem Serienpiloten nicht sofort mit so einem Laufzeithammer erschlagen werden, besonders, wenn das Konzept es ohnehin schon schwer haben dürfte, nicht verlacht zu werden.
Die meisten Performances sind trotzdem recht charmant, wenn auch manchmal überzogen. Ich mag zwar, dass die Figur von Esmé (bin ich der Einzige, der an Melissa Benoist erinnert wird?) zwar in Gefahr gerät, aber mehrere Anläufe unternimmt, sich selbst zu befreien und dabei vor große Hürden gesetzt wird, so dass man glaubt, dass es einiges an Anstrengung kostet, sie zu befreien. Aber gleichzeitig wirkt die Handlung des Piloten auch merkwürdig geschlossen auf mich. Man hätte es fast auch bei diesem „Film“ bewenden lassen können, denn am Ende der Folge haben Alfred und Co eigentlich alles erreicht, was sie wollten: Esmé geht es gut, Thomas Wayne ist in Sicherheit und ein potentieller Auftraggeber sowie Alfred werden von der Queen mit Ehrenwürde ausgezeichnet. Wir sehen zwar, dass es ein paar verschwörerische Aktivitäten in hohen Kreisen gibt, aber welchen Anreiz geben diese, damit man weiterhin zuschaut?
Raven Society

Die Schurken des Auftakts sind okay gelungen: Lord Harwood (Jason Flemyng) ist ein selbsternannter Patriot für das Vaterland, der von der reichen Oberklasse respektiert zu werden scheint und meint, einen Umbruch im Land erwirken zu müssen. Seine Argumentation für sein Handeln ist sogar einigermaßen rational und er selbst mag möglicherweise nur ein kleines Rad in der Verschwörung sein. Bet Sykes (Paloma Faith) ist die Frau für das Grobe, die beispielsweise die Entführung von Esmé, aber auch anderen Personen initiiert, um Thomas Wayne in ihre Klauen zu bekommen. Ihr Sprachduktus sticht hier besonders heraus. Eventuell vertuschen selbst die Queen und der Premierminister etwas oder auch nicht. Wir müssen es wohl abwarten, weil mich der Abschluss der Folge auf Anhieb nicht schlauer gemacht hat, wer denn nun eigentlich die Fäden zieht. Was aber vielleicht auch die Neugierde anstacheln soll...
Kennt Ihr Wayne? Wayne interessiert's?

Alfred wirkt oft wie ein unbeholfener Proto-James-Bond, was zwar durchaus unterhaltsam ist. Gleichzeitig ist die Action, beispielsweise bei der großen Befreiungsaktion auch sehr brachial und erinnert schon fast an das wenig subtile Gotham, bei dem der Produzent und Drehbuchautor Bruno Heller jahrelang das Sagen hatte und so manche Figuren gerne mal ohne Deckung mit Maschinengewehren durch die Gegend geschossen haben...
Eine Frage, die ich mir gestellt habe: Würde man die Serie auch schauen, wenn die Figuren nicht Alfred Pennyworth oder Thomas Wayne heißen würden? ich glaube, dass ich diese Frage nicht unbedingt bejahen würde und der Pilot liefert eben auch nur bedingt Gründe, warum man die Serie weiterhin verfolgen sollte. Es ist alles einigermaßen nett und charmant, aber eben auch nicht sehr viel mehr, so dass man in der umkämpften Peak-TV-Serienwelt wohl eher dranbleibt, wenn man gerade partout nichts anderes auf der Watchlist hat. Nun ist Epix natürlich auch nicht HBO, Showtime, Netflix oder Amazon und erhofft sich mit dem Bat-Namen wohl einfach eine Serie, die von mehr Menschen als die üblichen Produktionen verfolgt werden. Es bleibt abzuwarten, ob das von Erfolg gekrönt sein wird.
Immerhin hat man die Serie international durch Starzplay schon verkaufen können, so dass finanziell schon mal kein Totalausfall zu erwarten ist. Und das ist die Serie auch nicht. Sie ist einfach nur etwas zu banal und wenig herausragend für meinen Geschmack. Nett, aber eben nicht mehr und das reicht heutzutage selten bei der gewaltigen Konkurrenz und der begrenzten Zeit, die für Serienkonsum vorhanden ist.
Fazit

Pennyworth tut wahrscheinlich keinem weh, ist aber im Prinzip auch ein ziemlich unnötiges Prequel aus der „Batman“-Mythologie. Aber immerhin mit einem charmanten britischen Einschlag und kompetenten Darsteller/-innen, die den einen oder anderen vielleicht auch für die Dauer einer Staffel um den Finger wickeln können. Wer schon immer wissen wollte, was wäre, wenn Bruce Waynes Butler ein badass-Soldat wäre, der kann wohl nach dem Anschauen der Serie beruhigt schlafen. Dem Rest dürfte das alles hier herzlich egal sein.
Hier abschließend noch der Serientrailer zur neuen US-Prequelserie Pennyworth: