Peaky Blinders 1x06

© er Shelby-Clan in âPeaky Blindersâ / (c) BBC Two
Die Gang Peaky Blinders, deren Markenzeichen eingenĂ€hte Rasierklingen in der Kopfbedeckung sind, versuchen im Birmingham des Jahres 1919, die Kontrolle ĂŒber die StraĂen der Stadt zu ĂŒbernehmen beziehungsweise zu erhalten. Doch eine abgefangene Waffenlieferung, ein möglicher Konflikt mit der IRA, rivalisierende Gangs sowie ein kompromissloser Polizist, zu dessen Zielscheibe sie werden, machen ihnen das Leben alles andere als leicht.
Thomas Shelby against the whole bloody world
Thomas Shelby und die âPeaky Blindersâ werden von den Bewohnern der Stadt gleichzeitig respektiert und gefĂŒrchtet. Doch mit dem Einzug des rĂŒcksichtslosen und zielstrebigen Inspector Campbell (Sam Neill) wird die abgefangene Waffenlieferung gleichzeitig zu Fluch und Segen, da Thomas (Cillian Murphy) dadurch zwar ein Druckmittel erhĂ€lt, aber im selben Zug auch im Fadenkreuz Campbells landet.
Dieser ist im Auftrag des zukĂŒnftigen Premierministers (damals noch Kriegsminister) Winston Churchhill (Andy Nyman) fĂŒr die Wiederbeschaffung der Waffenladung verantwortlich und ĂŒbernimmt dementsprechend die Kontrolle ĂŒber die lokale Polizei. Seine Methoden sind dabei Ă€hnlich fragwĂŒrdig wie die des âAbschaumsâ, den er zu bekĂ€mpfen gedenkt.
Allerdings hat Campbell ein Ass im Ărmel: Die hĂŒbsche Grace Burgess (Annabelle Wallis) soll die Peaky Blinders im Auftrag der Krone infiltrieren und heuert als Bardame in deren Stammpub an. Dabei kommen sie und Thomas sich immer nĂ€her, so dass ihre LoyalitĂ€t zu ihrer Mission zunehmend infrage gestellt werden kann.
Auch an anderen Fronten werden die Shelbys vor Probleme gestellt. Tochter Ada (Sophie Rundle) heiratet gegen den Willen ihrer Familie den Kommunisten Freddie Thorne (Iddo Goldberg), der die Arbeiterschicht der Industrie Birminghams gegen ihre Arbeitgeber aufwiegelt. Als dieser sich dann als Vater von Adas (Sophie Rundle) Kind entpuppt, vervielfacht sich der Konflikt mit Thomas.
Arthur (Paul Anderson) und John (Joe Cole) haben es im Schatten ihres Bruders nicht leicht. WĂ€hrend Arthur sich auf naive Weise von Vater Arthur Senior (Tommy Flanagan) eine betrĂ€chtliche Summe Geld abknöpfen lĂ€sst, wird John von seinem Bruder zwangsverheiratet, um einen drohenden Konflikt mit einer rivalisierenden Familie abzuwenden und so den Einfluss der Shelbys zu vergröĂern.
Tante Polly (Helen McCrory) sieht sich als weibliches Familienoberhaupt und versucht, die Familie zusamenzuhalten und Thomas bei seinen Unternehmungen sowohl zu unterstĂŒtzen als auch zu hinterfragen. Dabei erweitert dieser nicht nur den Einfluss der Familie, es gelingt ihm auch, sein eigenes legales WettbĂŒro zu etablieren. Doch Wettmogul Billy Kimber (Charlie Creed-Miles) hat nicht vor, seine GeschĂ€fte kampflos aufzugeben und auch Inspector Campell hat noch eine Rechnung mit den Peaky Blinders offen.

My suits are on the house, or the house burns down
Peaky Blinders entfĂŒhrt den Zuschauer in die dreckigen StraĂen des industrialisierten Birminghams und offenbart bereits frĂŒh eine seiner StĂ€rken: Die QualitĂ€t der Produktion, angefangen bei den Kulissen und den KostĂŒmen ist wirklich ansprechend und trĂ€gt auf konstant hohem Niveau in der Summe zu einem sehr atmosphĂ€rischen Gesamtbild bei.
Nicht nur das macht die britische Gangsterserie zu einem echten Hingucker: Mit Bedacht eingesetzte Close-ups sowie situativ angepasste Parallelmontagen sind ein auffĂ€lliges Stilmerkmal, bei dem letztere mehrmals als Beispiel fĂŒr gelungenes Filmhandwerk zu bewundern sind. Auch die Audioabteilung steht der visuellen QualitĂ€t der Serie in nichts nach. Mit dem einprĂ€gsamen Introsong âRed Right Handâ der Band Nick Cave and the Bad Seeds als Vorreiter verleiht eine Mischung aus Rock, Blues und Jazz von Interpreten wie beispielsweise Jack White dem historischen Setting einen modernen Touch.
Diese auĂergewöhnliche audiovisuelle Umsetzung hilft dem Zuschauer, in eine Welt einzutauchen, in der sich auch die Darsteller von einer guten Seite zeigen. Allen voran steht Cillian Murphy mit seiner ruhigen, aber unglaublich intensiven Art, den zielstrebigen Thomas darzustellen. Dabei mimt er den AnfĂŒhrer der Peaky Blinders, der zudem nach seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich mit seinen eigenen DĂ€monen zu kĂ€mpfen hat, stets mit einer Selbstsicherheit, die ohne Frage der Figur ihre StĂ€rke verleiht. Dabei sticht die sich im Schlaf dargestellte Manifestierung seiner Ăngste unter der unerschĂŒtterlich wirkenden OberflĂ€che heraus.
Antihelden sind noch nicht ausgestorben
Ein interessanter Aspekt ist dabei herauszustellen, wie einfach es doch ist, den Gangster Thomas dem rĂŒcksichtslosen Polizisten Campbell vorzuziehen. Das liegt nicht daran, dass Thomas dabei unglaublich sympathisch herĂŒberkommt, sondern vielmehr daran, dass der Zuschauer sehr schnell miterlebt, wie verbohrt und rĂŒcksichtlos der Polizist gegen den âAbschaumâ trotz möglicher KollateralschĂ€den vorgeht.
Die verbalen Duelle zwischen Sam Neill und Cillian Murphy gehören im Laufe der Staffel immer wieder zu den Highlights. Gerade, wenn man denkt, der AnfĂŒhrer der Peaky Blinders könne die Oberhand gewinnen, muss man feststellen, dass Campbell noch wesentlich gefĂ€hrlicher ist, wenn er in die Ecke gedrĂ€ngt wird.
Allerdings treffen nicht alle HandlungsstrĂ€nge ins Schwarze. So sehr mich ein Wiedersehen mit Sons of Anarchy-Veteran (Tommy Flanagan) gefreut hat, seine Storyline um Shelbybruder Arthur (Paul Anderson) war ziemlich vorhersehbar und charakterisierte diesen als wesentlich naiver und dĂŒmmer als seinen selbstsicheren Bruder. Das ist ebenso ein möglicher allgemeingĂŒltiger Kritikpunkt am Gangsterepos: Viele Ăberraschungen erwarten uns in der ersten Staffel nicht.
ZusĂ€tzlich ist das relativ ruhige ErzĂ€hltempo nichts fĂŒr Ungeduldige, denn die Serie zieht erst im spĂ€teren Verlauf der Staffel deutlich an. DafĂŒr wird deswegen allerdings auch eine starke AtmosphĂ€re aufgebaut, die sich beispielsweise immer wieder in kurzen Gesangsszenen manifestiert.
Dies fĂŒhrt uns zu Grace (Annabelle Wallis), die trotz ihres unschuldig wirkenden Wesens ein wenig die Rolle einer Femme fatale einnimmt. Dabei versucht sie stets, ihren Platz zu finden und sich einzuordnen, was durch die aufkeimenden GefĂŒhle fĂŒr Thomas nur noch schwieriger wird. Konsequent ist sie bei ihrer Antipathie gegenĂŒber der IRA, die sie und den AnfĂŒhrer des Shelby-Clans auch prompt in groĂe Schwierigkeiten stĂŒrzt. Alles in allem liefert Annabelle Wallis dabei einen charmanten und gelungenen Auftritt ab.

Besonders interessant ist auch das emotionale Wechselbad, ausgelöst durch den Kampf im Staffelfinale. ZunĂ€chst bereiten wir uns gemeinsam mit den ĂŒbrig geblieben Gangmitgliedern auf den aussichtslosen Kampf vor und werden dabei von der begleitenden Musik auf das Bevorstehende eingestimmt und mit angeheizt, so dass man sich trotz der aussichtslosen Lage fast schon auf das kommende BlutvergieĂen freut. Doch dann taucht Ada mit ihrem Kind auf und hĂ€lt den MĂ€nnern und stellvertretend auch dem Zuschauer einen Spiegel vor die Augen und gibt die Sinnlosigkeit der bevorstehenden Gewalt wieder. Familien werden ihre Söhne und EhemĂ€nner verlieren, wenn die Gewalt eskaliert. Als Zuschauer fĂŒhlt man sich fast schon ertappt dabei, sich auf den Konflikt gefreut zu haben, wurde aber von der inspirierenden Ansprache und der Musikuntermalung auch in diese Falle gelockt. Eine wirklich starke Sequenz.
Fazit
FĂŒr Peaky Blinders spricht eine hervorragende ProduktionsqualitĂ€t mit atmosphĂ€rischer Optik, ansprechendem Soundtrack und vor allem guten bis sehr guten Darstellerleistungen. Wem das grundsĂ€tzliche Setting gefĂ€llt und wer sich an dem schrittweise schneller werdenden ErzĂ€hltempo nicht stört, darf seinen Blick durchaus auf die StraĂen des Birmingham aus dem frĂŒhen 20. Jahrhundert richten.
Verfasser: Tim KrĂŒger am Dienstag, 26. Mai 2015(Peaky Blinders 1x06)
Schauspieler in der Episode Peaky Blinders 1x06
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