Party of Five (2020): Review der Pilotepisode

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Party of Five (2020) ist das jüngste Mitglied der langen Reihe an 90er Reboots. Die Geschichte der halbwüchsigen Geschwister, die über Nacht auf sich alleine gestellt sind, wiederholt sich dieses Mal unter politisch aktuellen Vorzeichen. Denn statt eines Autounfalls nimmt die verschärfte US-Immigrationspolitik der Familie ihre Eltern.
Wovon handelt es?
In der Welt der Acostas ist alles in Ordnung. Die Eltern Javier (Bruno Bichir) und Gloria (Fernanda Urrejola) führen seit 18 Jahren ein erfolgreiches Restaurant. Der älteste Sohn Emilio (Brandon Larracuente) versucht sich als Musiker und Herzensbrecher. Verantwortungsbewusstsein ist mehr oder weniger ein Fremdwort für ihn. Der zweitälteste ist Beto (Niko Guardado). Ihn quält zu Beginn der Pilotepisode vor allem die Aussicht, seinen Spanischkurs nicht zu bestehen, weil seine Eltern mit ihm kaum die Sprache ihrer Herkunft sprechen. Seine Zwillingsschwester Lucia (Emily Tosta) hat das Problem nicht. Sie ist eine Musterschülerin und lernt lieber, als mit ihren Freundinnen Selfies zu machen. Die junge Valentina (Elle Paris Legaspi) ist viel schlagfertiger, als es ihre harmlos wirkende Niedlichkeit auf den ersten Blick verrät. Dazu kommt noch das Baby Rafael.
Doch die heile Welt der Acostas wird von einem Moment auf den anderen zerstört, als ICE-Agenten das Restaurant betreten und nicht auf der Suche nach den Angestellten sind. Denn die erfolgreiche Unternehmerfamilie hat ein Geheimnis: Die Einreise der Eltern in die USA vor 23 Jahren war nicht direkt legal und sie haben keine Papiere. Die Verschärfung der Immigrationsgesetze werden ihnen nun zum Verhängnis und unter den Schreien ihrer jüngsten Tochter werden sie aus ihrem eigenen Laden geführt.
Sechs Wochen später sieht es im Haus der Acostas nicht mehr so schön aufgeräumt aus wie vorher. Emilio beschäftigt sich weiterhin lieber mit seinen Konzerten und weiblichen Fans, als die Verantwortung zu übernehmen. Mit dem Restaurant lässt er Beto und Valencia ziemlich alleine. Unterdessen verwandelt sich Lucia von einer Musterschülerin zur Rebellin, die zum Nachsitzen antreten muss. Das Highlight der Woche ist der Besuch bei den Eltern in einem Lager, in dem sie ihrem Schicksal harren müssen.
Als Emilio jedoch bei der Schulleiterin seiner Geschwister antreten muss, weil deren Leistungen abgesackt sind, erkennt er, dass er sich zusammenreißen muss. Gleichzeitig entscheidet sich Lucia dazu, dass es sich nicht lohnt, brav zu sein und schmeißt eine große Party im Haus der Familie.
Aus dem Chaos fahren wir mit den Geschwistern direkt vor Gericht. Dort kämpfen die Eltern mit ihrer Anwältin um das Bleiberecht in den USA - erfolglos. Die Geschwister sind durch das Dreamer-Abkommen geschützt.
Nach der emotionalen Abreise der Eltern nach Mexiko wird deutlich: Die älteren der Geschwister müssen ihre eigenen Bedürfnisse nach hinten stellen und die Familie zusammenhalten.
Wie kommt es rüber?
Hinter dem Reboot Party of Five (2020) stehen wie beim Original Christopher Keyser und Amy Lippman. Gemeinsam schaffen sie es, die Ursprungsgeschichte auf die Mattscheibe zu bringen und ihr trotz deutlicher Parallelen frischen Wind einzuhauchen. Für Fans der 90er-Jahre-Serie ist schnell klar, wer hier wer ist. Die Charaktere der Geschwister aus dem Reboot sind mehr als deutlich an ihre Vorgänger angelehnt. Auf die neue Herausforderung reagieren sie relativ ähnlich wie damals. Doch darüber hinaus ist einiges anders. Die Eltern der Salinger-Kinder kamen einst bei einem Autounfall ums Leben. Nun ist es nicht so. Die Acostas leben, doch durch politische Umstände werden sie aus ihrem alten Leben gerissen und müssen ihre Kinder sich selbst überlassen. Die Pilotepisode nennt keine Politikernamen, die Mauer oder politische Ereignisse konkreter Natur, trifft aber eindeutig den Nerv der Zeit.
Damit finden die Serienmacher ein passendes Verhältnis zur Mutterserie, die Charaktere wiederholen sich, die Umgebung wird aktualisiert.
Fazit
Die Pilotepisode führt uns in eine emotionale Story ein und gibt dem Cast somit viel Raum, um zu glänzen. Ob Fan des Originals oder Neuzuschauer spielt kaum eine Rolle, denn die Serienmacher nicken der Vorlage zwar öfters mal deutlich zu, verlieren sich aber nicht in Melancholie und ruhen sich nicht darauf aus, einen großen Namen mitzubringen. Sie erzählen eine aktuelle und wichtige Story über eine Familie, die in den Strudel der großen Politik gerät. Wenn sie diesen Anspruch über die Pilotepisode hinaus aufrechterhalten können, dann dürfen wir uns über ein neues, starkes Familiendrama freuen.
Hier abschließend noch ein Trailer zur gerade angelaufenen, neuen Version der US-Serie „Party of Five“: