Pachinko – Ein einfaches Leben 1x01

© in Ha in der Serie Pachinko (c) Apple TV+
Apple TV+ hat die Eigen-Produktion Pachinko seit der offiziellen Serienbestellung vor fast vier Jahren stets als etwas sehr Kostbares behandelt. Der Streamingservice, den es selbst erst seit Herbst 2019 gibt, gab der Chefautorin Soo Hugh (See, The Terror) so viel Vorbereitungszeit, dass sie ihren Cast handverlesen konnte (was sie nach eigenen Angaben auch tat, indem sie jede Rolle mit ihren Wunschkandidat:innen besetzte). So ist nun beispielsweise die erst im Vorjahr mit dem Oscar gewürdigte Schauspielveteranin Youn Yuh-jung („Minari“) mit dabei; genauso wie der Devs-Star Jin Ha.
Jedoch das beste Händchen bewies Showrunner Hugh - die „Pachinko“ basierend auf dem gleichnamigen Bestsellerroman der New Yorker Journalistin Min Jin Lee adaptierte - mit der Wahl des Regisseurs Kogonada („After Yang“). Er hat die drei ersten Episoden der achtteiligen Auftaktstaffel inszeniert und dabei Bilder eingefangen, die genauso gut als Gemälde in Museen hängen könnten. So findet die Serie sogar ein wenig Schönheit in einer der düstersten Zeiten der asiatischen Geschichte. Es beginnt alles mit der brutalen Invasion Japans im Nachbarland Korea...
Worum geht's?
Vier Generationen ein und derselben koreanischen Auswandererfamilie begleitet „Pachinko“ über eine Zeitspanne, die fast das ganze 20. Jahrhundert umfasst. Zusammengehalten wird all das durch Sunja, die Tochter eines alten Fischers, die früh das Leben von der härtesten Seite kennenlernt. Als kleines Mädchen (gespielt von Yu-na) erlebt sie Mitte der 1910er Jahre, wie die japanischen Besatzer in ihrer Heimatstadt Busan mit Terror herrschen. Mit 16 (dann gespielt von Kim Min-ha) lernt Sunja den zwielichtigen Fischhändler Koh Hansu (Lee Min-ho) kennen, der mit seinem weltgewandten Auftreten und mit seinem feinen Anzug durchaus Eindruck auf sie macht.
Die nächste Zeitebene ist rund um den Todestag von Kaiser Hirohito im Jahr 1989 fixiert. Sunja (nun gespielt von der eingangs erwähnten Youn) ist inzwischen eine alte Dame, die es trotz ihrer japanischen Jugendtraumata nach Osaka verschlagen hat. Wie das genau zustande kam, wird vor dem Publikum zunächst geheim gehalten. Dafür lernen wir Sunjas Sohn Baek Mozasu (Soji Arai) kennen, der die leuchtende Pachinko-Spielhalle aufgebaut hat, die für den Serientitel und die wahrscheinlich tanzwütigsten Opening Credits seit Peacemaker verantwortlich ist.
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Die vierte Generation wird vertreten durch Sunjas Enkel Solomon (Ha), der nach seinem Studium an der prestigereichen Columbia University in Amerika geblieben ist und bei einer weltweit vernetzten Bank Karriere machte. Als seine Firma ihn nach Japan schickt, um dort eine alte Koreanerin davon zu überzeugen, ihr Grundstück zu verkaufen, damit dort ein schicker neuer Büroturm gebaut werden kann, nutzt Solomon die Reise zunächst natürlich für ein Wiedersehen mit seiner Familie. Zwischen ihm und seiner Großmutter entstehen schnell Spannungen, weil er so verwestlicht und sie vermeintlich in der Vergangenheit feststeckt. Ein universeller Generationskonflikt, der sich so oder ähnlich in vielen Familien finden lässt.
Wie ist es?
Genau darin liegt die überwältigende Stärke von Pachinko, denn diese sehr spezifische Familiengeschichte - eingebettet in eines der prägendsten Kapitel Asiens, das so schlecht aufgearbeitet wurde, dass man noch heute Werbetafeln in Seoul sieht, auf denen Reparationen seitens Japans gefordert werden - sollte weltweit vergleichbare Gefühle auslösen. Auch in Europa wurden durch die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg Millionen von Menschen aus ihrer Heimat vertrieben oder wurden ermordet. Derartiges Unrecht schlägt sich mehrere Generationen später noch in persönlichen Biografien nieder. Und es sorgt für Missverständnisse zwischen uns und unseren Großeltern, die vollkommen andere Erfahrungen gemacht haben, die für uns weitestgehend verwöhnte Friedenskinder überhaupt nicht nachvollziehbar sind.
Als Fazit der drei ersten Episoden der beeindruckenden Eigenproduktion von Apple TV+ kann man also ziehen: Achtet die Alten, denn sie haben einen Berg von Härteprüfungen überwunden, vor dem wir wahrscheinlich auf die Knie gehen würden. Doch die „Pachinko“-Adaption von Soo Hugh hat noch andere weise Antworten auf die universellen Lebensfragen gefunden. Es geht um Identität, um Familie und auch darum, ob Heimat wirklich ein Ort ist oder nur eine Erinnerung, in der man nicht einziehen kann. Die grandiose Hauptdarstellerin Youn Yuh-jung strahlt bei der Ergründung all dieser Fragen übrigens eine Würde aus, die einen zu Tränen rühren kann.
Und dann sind da noch die lebendigen Bilder von Regisseur Kogonada, dem es nicht nur gelingt, die Natur und die Gerüche des alten Korea in unsere Wohnzimmer zu holen, sondern auch den leicht überfordernden Charme des modernen Japans. Auch verliert er dabei nie den Blick für die Figuren, die mit so viel Ruhe und Greifbarkeit porträtiert werden, als wären sie wahre historische Persönlichkeiten. So fühlt sich „Pachinko“ gleichzeitig wie ein Epos an, an das man sich noch lange erinnern will, als auch wie ein intimer Einblick, den man uns schenkt. Ich jedenfalls war schon nach dem unerwarteten Intro zur Serie schockverliebt und spiele in Gedanken längst mit dem Begriff Meisterwerk...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Apple-Serie Pachinko:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 25. März 2022Pachinko – Ein einfaches Leben 1x01 Trailer
(Pachinko – Ein einfaches Leben 1x01)
Schauspieler in der Episode Pachinko – Ein einfaches Leben 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?