P-Valley: Perpetratin' - Review der Pilotepisode

© erienposter von P-Valley (c) Starz
Die amerikanische Theaterautorin Katori Hall hat fast alle Preise gewonnen, die es in ihrem Metier zu gewinnen gibt. Vor allem „afroamerikanische Themen“ finden sich in ihren Werken immer wieder. In den letzten Jahren wuchs derweil ihr Interesse an der Welt des Striptease-Tanzes, weshalb sie zahlreiche Sexarbeiterinnen interviewte, was schließlich im viel besprochenen Stück „Pussy Valley“ resultierte. Kritikerinnen bemängelten allerdings, dass das Feld viel zu weit sei, um es an einem Abend auf der Bühne angemessen abzuhandeln. Darum entstand nun die Starz-Serie P-Valley, in der Hall das Thema vertieft.
Die Pilotepisode namens Perpetratin' heißt hierzulande „Übertritte“. Die deutsche Version erschien zeitgleich zur US-Premiere beim Prime-Video-Channel Starzplay, den die Abonnenten von Amazon Prime Video ganz einfach dazubuchen können.
Worum geht's?
Natürlich geht es in „P-Valley“ nur vordergründig um das Strippen beziehungsweise um Erotik. Im Zentrum stehen stattdessen die Menschen hinter dem Beruf, deren Lebensgeschichte logischerweise oft sehr bewegend und kompliziert ist. So sagt die Mutter einer der Tänzerinnen etwa: „Stripping is blasphemous.“ Woraufhin sie selbstbewusst erwidert: „No, Mum. It's art.“
Tatsächlich wird das Tanzen in der Serie sehr kunstvoll inszeniert, womit Hall als Showrunner und Autorin den Frauen vermutlich ihre Würde bewahren will. Nicht selten werden Stripperinnen in Film und Fernsehen wie Versagerinnen dargestellt, die in ihrer Not sogar die Kontrolle über ihren eigenen Körper verkaufen. „P-Valley“ zeigt jedoch, dass die Sache deutlich vielschichtiger ist: Man kann gleichzeitig verzweifelte Maßnahmen ergreifen und trotzdem Bestimmerin über das persönliche Schicksal bleiben - oder bleibt es gerade, eben weil man im Kampf um den Selbsterhalt dazu bereit ist, so weit zu gehen. Ein moralischer Spagat, der viel Spannung erzeugt und in fast allen Figuren dieses Formats sichtbar wird...

P-Valley spielt im fiktiven Stripclub Pynk, der als heißeste Adresse im gesamten Mississippi-Delta gilt. Die Geschichte beginnt direkt nach dem verheerenden Hurrikan Katrina, der unserer Protagonistin Autumn Night, gespielt von Elarica Johnson (A Discovery of Witches), die Existenz vernichtete. Um möglichst schnell an den allmächtigen Dollar zu kommen, widmet sie sich dem Stangentanz. Dadurch macht sie die Bekanntschaft mit illustren Charakteren wie dem durch und durch exzentrischen Uncle Clifford (Nicco Annan), Miss „Keyshawn“ Mississippi (Shannon Thornton) und Mercedes (Brandee Evans), der Grand Dame im Club, die das Geschäft eigentlich verlassen will. Aber ganz so einfach ist es natürlich nie...
Fazit
Ähnlich wie das David-Simon-Drama The Deuce, das im vergangenen Herbst bei HBO zu Ende ging, entzaubert „P-Valley“ die von außen glitzernde Welt der Erotik mit mattem Realismus und allerhand aufrüttelnden sozialpolitischen Einsichten.
Sowohl die Inszenierung der Regisseurin Karena Evans (Mary Kills People) als auch die Dialoge der famosen Drehbuchautorin Katori Hall haben etwas Gekünsteltes, worin sich die Theaterherkunft der Schöpferin wiedererkennen lässt. Damit steht „P-Valley“ wiederum im Konflikt zum beinahe naturalistisch geprägten Serienpendant The Deuce. Trotzdem schafft es die Serie, echte Emotionen zu erzeugen und profitiert sogar von ihrer oberflächlichen Ästhetik.
Statt uns einen klaren Eindruck zu vermitteln, wohin die Reise geht, wirft uns die Pilotepisode von P-Valley vielmehr in eine vielschichtige Welt - sozusagen in ein Biotop der theatralischen Dramatik, das es genauer zu erforschen gilt. Nicht alle Erkenntnisse werden uns Freude bereiten. Doch, wer die nötige Neugier mitbringt, wird aufgrund der Serie sicher sehr viel lernen. Auf jeden Fall ein Format, an dem man dranbleiben sollte. Wenngleich es uns die Starz-Serie deutlich schwieriger macht als zum Beispiel der Soderbergh-Streifen „Magic Mike“, beiläufigen Spaß am Thema Striptease zu haben...
Hier abschließend noch der Trailer zur Starz-Serie „P-Valley“: