Outsiders 1x13

Outsiders 1x13

„Ged-gedyah!“ Die Farrells haben es durch die erste Outsiders-Staffel geschafft und lassen uns mit einem Cliffhanger zurück, bei dem die Unterscheidung zwischen Realität und Mythologie schwierig wird.

Cast der Serie „Outsiders“ / (c) WGN America
Cast der Serie „Outsiders“ / (c) WGN America

Die Serie Outsiders darf mit Recht in eine Reihe mit anderen Serien genannt werden, die aufgrund ihrer Senderherkunft - und manchmal auch aufgrund ihres Marketings - kaum jemand auf dem Plan hatte und die uns dann im Positiven überrascht haben. Dazu kommt, dass die WGN America-Serie auf eine Düstere-Emotionen-trifft-Subkultur-Strategie setzt, die traditionell loyale Fans mit sich bringt. Das Timing, um diese Fans abzufangen war gut, Sons of Anarchy und Justified waren zu Ende gegangen und trotz Banshee sowie Vikings war Bedarf für Neues vorhanden.

Kreislauf aus Angst und Verzweiflung

Neben der geringen Erwartung aufgrund des eher kleinen Senders, war das erste, was der Serie Outsiders in die Hände spielte, ein sehr starker und gut ausgewählter Cast. Mit der Wahl von Ryan Hurst als überloyalem Quadfahrer war zumindest der Pilotepisode ein hoher Durchschnitt an trauernden Sons of Anarchy-Fans sicher. Innerlich und äußerlich ist die Figur des Li'l Fosterb auffällig offen an Opie angelehnt.

Serienjunkies erklärt: Was ist Was ist eine Pilotepisode??

Auch die anderen Darsteller bringen im Gepäck Erinnerungen an andere starke, düstere Serien mit: David Morse erinnert an Treme, Thomas M. Wright an The Bridge (US) sowie Top of the Lake und Christina Jackson an Boardwalk Empire. Dazu schmeißt man eine Handvoll eher unbekannter, einprägsamer Gesichter wie Phyllis Somerville und Mark Jeffrey Miller sowie einen attraktiven Typen aus der unterhaltsamen Ecke (Kyle Gallner wie einst Beaver in Veronica Mars) - und fertig ist das Erfolgsrezept.

Doch nun muss man mit einer eindringlichen Story nachlegen, damit die Zuschauer dabeibleiben. Die Outsiders-Autoren entscheiden sich für eine Subkultur, die den meisten von uns kaum fremder sein könnte. Sie erzählen uns die Geschichte einer kleinen Gemeinschaft aus wenigen Familien, die aus der Gesellschaft ausgestiegen sind und auf dem Berg ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Sie brauen ihren eigenen, sagenumwobenen Schnaps, pflanzen ihre Lebensmittel an und haben ihr eigenes Rechts-, Schul- und Sozialsystem. Was sie aus den Läden des Flachlandes brauchen, nehmen sie sich, dem Prinzip des Gelds widersetzen sie sich.

Joe Anderson als Asa © WGN America
Joe Anderson als Asa © WGN America

Das erste, was einen so ehrgeizigen Plan zum Scheitern verurteilen kann, ist die Ästhetik. Wenn man statt Outlaws glaubt, Städter in Verkleidungen zu sehen, dann löst das die gesamte Illusion schnell auf. Wir wollen mitgenommen werden in eine fremde Welt und wir sind gewohnt, dass eine US-Serienproduktion das nicht nur mit einem starken Drehbuch und guten Darstellern bewerkstelligt, sondern auch mit einer lückenlosen Kulisse. Im Fall von Shay Mountain gelingt dieses Vorhaben gut. Die einzelnen Orte sind zunächst nur schwer zuzuordnen, aber im Ganzen ergibt genau das ein stimmiges Bild einer nur schwer durchdringlichen Gemeinschaft, die nicht am Reißbrett entstanden ist.

Nicht nur die Kultur auf dem Berg treffen die Serienproduzenten gut, auch die Hoffnungslosigkeit in dem kleinen Städtchen am Fuß des Berges lässt sich nachfühlen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, der Drogenkonsum ebenso, die Verzweiflung wächst mit jedem Tag. Über den Verlauf der ersten Staffel sehen wir, wie Meinungsmache und Hetze einen tödlichen Mechanismus in Bewegung setzen und auch die in Mitleidenschaft ziehen, die gar nichts damit zu tun haben wollten.

An der Schnittstelle zwischen Mystik und Brutalität

Die Story ist dabei nicht zimperlich. Auf beiden Seiten gilt ein Menschenleben nicht unbedingt mehr als das große Ziel und die Kämpfertruppen setzen sich aus aufgehetzten Jungspunden zusammen. Die Wurzel des Übels kommt von außen, in Form der eiskalten Geschäftsfrau Haylie Grimes (Francie Swift), die nur die finanziellen Interessen ihres Auftraggebers im Auge hat. Sie ist der personifizierte Kapitalismusalbtraum. Sie repräsentiert eine freie Wirtschaft, die sich der Polizei und anderer staatlicher Institutionen so bedient, wie es ihr passt, aber auch vor der Zusammenarbeit mit Kriminellen nicht zurückschreckt. Ganz im Gegenteil: Sie ist es, die aus unauffälligen Bürgern erst Kriminelle macht.

Ryan Hurst und David Morse als Li%26#039;l und Big Foster © WGN America
Ryan Hurst und David Morse als Li%26#039;l und Big Foster © WGN America

Erst am Ende der Staffel erfahren wir, dass sie ein Kind hat, doch das hat sie wohlweislich nicht mitgebracht. Als ihr Kollege ins Visier der Farrells gerät, sagt sie ihm, dass dies kein Gewerbe für Weicheier sei. Im Laufe der Ereignisse wird immer deutlicher, dass man dieses Business überhaupt nur mit ihrer Berechnung überstehen kann. Zu ihrer Familie hat sie mehr oder weniger - wenn überhaupt - nur geheim Kontakt. Statt ein Familienleben hat sie ein weit entferntes, abgeschottetes Kind und eventuell andere Verwandte. Ihren Alltag bestreitet sie als Kampfmaschine, die man nicht aus der Reserve locken kann. Es scheint, als wenn sie kaum eigene Gefühle hat - man kann sie weder reizen noch verletzen, sie lässt sich nicht von ihrem Ziel abbringen, ihrem Arbeitgeber Geld zu verschaffen.

Bis zu ihrer Ankunft haben die Bewohner auf und vor dem Berg eine schwierige, aber relativ beständige Koexistenz geschaffen. Die bröckelt im Verlauf der ersten Staffel nun vor sich hin, bis es immer größere Opfer zu verzeichnen gibt.

Zu dieser Seite der schmutzigen Realität kommt eine mystische Note in der Serie Outsiders. Nicht nur, dass Stadtbewohner wie Wade (Thomas M. Wright) den Farrells eine magische Kraft unterstellen. Auch in der Story finden sich einige surreale Elemente, die der kalten Brutalität eine weitere Ebene hinzufügen. Am deutlichsten wird das im Finale, als der tote Foster-Sohn wieder auftaucht. Auch der fast gleichalte Junge auf der anderen Seite der Story, Wades Sohn Caleb (Jackson Frazer) ist von einem Hauch Unwirklichkeit umgeben, die ihn dazu bringt, schlafzuwandeln und die Erinnerung an seine Mutter auf eine ungewöhnliche Weise damit wachzuhalten.

Das Element der Mystik lässt die Figuren ihrer Vergangenheit nicht entkommen. Wade selbst hat nach seinen Visionen in der Höhle endlich das lang gesuchte Gefühl des Abschlusses, doch die Geschichte holt ihn im Cliffhanger ein. Als er den Farrells gegenübersteht, setzt ein Gewitter ein, was die Erinnerung an den Tod des Vaters durch einen Blitzschlag kurz nach dem damaligen Angriff auf das Bergvolk aufblitzen lässt.

So sehr es Haylie und den anderen auch um reinen Profit geht, so sehr wehrt die unwegsame Gegend sich auf ihre eigene Art. Noch etwas steht sich gegenüber. Während Haylie ihre Familie und Gefühle abgehangen hat, um in den Kampf zu ziehen, sind genau diese zwei Dinge die größten Beweggründe für die Farrells überhaupt anzutreten: Die Familie im weiteren Sinne geht ihnen über alles, das Zusammenleben gründet auf Loyalität und Vertrauen.

Phyllis Somerville als Lady Ray © WGN America
Phyllis Somerville als Lady Ray © WGN America

Es hört sich an wie der Albtraum aller, die von der sich stetig wiederholenden Praxis des Liebesdreiecks genervt sind: In der ersten Staffel der US-Serie Outsiders begleiten wir ein kompliziertes emotionales Viereck durch dramatische Entwicklungen - und es nervt nicht! Das, was die Story dabei rettet, ist die Tatsache, dass es sich in der WGN America-Serie nicht um ein Happy End oder um die Frage dreht, wer am Ende Hand in Hand in den Sonnenuntergang geht. Es ist ein verzwicktes und schmutziges Tauziehen um Loyalität, Enttäuschung, Rettung und Macht, in dem die vier sich wiederfinden.

In dieser Hinsicht wiederholt die Serie die Shakespeare-Anleihen, die schon Sons of Anarchy ausgezeichnet haben. Alle vier, Big Foster (David Morse), Asa (Joe Anderson), Li'l Foster und G'Winveer (Gillian Alexy) gehören der Führungsriege dieser Spartengesellschaft an, alle haben mehr im Visier als das eigene Liebesglück, auch wenn es manche eine Weile kostet, das zu sehen. Die Loyalität mit den eigenen Leuten steht letztendlich an oberster Stelle.

Fazit

Die erste Staffel der US-Serie Outsiders hat sicherlich Längen und Schwächen, aber es ist eine unterhaltsame Serie für alle, die eine düstere Mischung aus großen Emotionen und Surrealismus zu schätzen wissen. Es dauert nicht lange und die Serie entwickelt einen eigenen Charme, der Fans halten kann und nicht nur wie ein Beschäftigungsprogramm für gelangweilte Justified-Fans wirkt. Dass die Serie bereits für eine zweite Staffel verlängert wurde, macht insbesondere das Staffelfinale mit dem Cliffhanger viel besser erträglich.

Trailer zur US-Serie „Outsiders“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 26. April 2016
Episode
Staffel 1, Episode 13
(Outsiders 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Marsch auf den Shay Mountain
Titel der Episode im Original
Long Live the Bren'in
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 19. April 2016 (WGN America)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 30. Mai 2019
Autor
Peter Mattei
Regisseur
Peter Weller

Schauspieler in der Episode Outsiders 1x13

Darsteller
Rolle
David Morse
Joe Anderson
Asa
Kyle Gallner
Christina Jackson
Thomas M. Wright

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