Outsiders 1x01

In der Pilotepisode der Serie Outsiders, betitelt nach dem berüchtigten Getränk des Clans - Farrell Wine - lernen wir die Bewohner eines unwegsamen Berges in Kentucky kennen. Dort leben die Familien Shay, Farrell und McGintuk seit 1792 nach ihren eigenen Regeln und Gesetzen.
Worum es geht
Auf Shay Mountain herrscht eine eigene Ordnung und zwar die von Lady Ray (Phyllis Somerville, The Big C), der Mutter des Clans. Doch diese Vormachtstellung wird in der Episode Farrell Wine von ihrem eigenen Sohn, Big Foster (David Morse, Treme), streitig gemacht. Dieser tritt meistens in Begleitung seines erwachsenen Sohnes Lil' Foster (Ryan Hurst, Sons of Anarchy) auf. Manchmal vertreiben sich die beiden mit Faustkämpfen die Zeit, dann wieder ziehen sie in die Stadt, um Zutaten für den „Farrell Wine“ aus dem Supermarkt zu stehlen. Wobei stehlen kaum das richtige Wort ist für eine Horde Männer, die während der Öffnungszeiten auf Quads in den Laden fahren, alles einpacken, was sie brauchen, und wieder abhauen. Ja, die Farrells sind Outlaws, sie leben nicht nach den Regeln der Gesellschaft, wie wir sie kennen.
Doch auch in dieser sehr geschlossenen Gemeinschaft sind nicht alle gleich weltabgewandt. So haben wir zum Beispiel Hasil (Kyle Gallner, Veronica Mars), einen Cousin von Big Foster. Während des besagten Besuchs im Supermarkt lernt er die Kassiererin Sally-Ann (Christina Jackson, Boardwalk Empire) kennen. Er ist offensichtlich von ihr angetan und versucht sie zu einem Date einzuladen, was sich ohne Geld jedoch schwierig gestaltet. Die nun folgenden Ereignisse, sein Versuch, eine Flasche Farrell Wine an einen Drogendealer in der Stadt zu verkaufen um dadurch an Geld zu gelangen, wird er mit dem Verlust von Körperteilen bezahlen. Die Gesetze auf dem Berg sind hart, Verzeihen ist keine Option, besonders nicht, wenn Big Foster die Gelegenheit hat, Dinge auf seine eigene Weise zu klären, ohne seine Mutter Lady Ray zu involvieren.
In der Stadt sorgt der Alkohol aus den Bergen ebenfalls für großes Drama, doch dazu sei nicht zuviel verraten.
Ein weiterer Farrell, der in der Pilotepisode Farrell Wine auffällt, ist Asa (Joe Anderson, Hannibal). Einst ist er losgezogen, die Welt zu erkunden, und ist dabei bis an die US-Westküste gekommen. In Kalifornien hat er nicht nur lesen gelernt (was die meisten auf dem Berg nicht können), sondern ist auch in Schwierigkeiten geraten, die ihn beinah in den Selbstmord getrieben haben. Doch statt abzudrücken, kehrt er zurück auf den Berg. Von seiner Familie wird er nicht mit offenen Armen empfangen. Um genau zu sein: Wenn wir ihn wiedertreffen, lebt er angekettet in einem Verschlag. Das liegt in erster Linie daran, dass Big Foster im zurückgekehrten Sohn eine Gefahr für seinen Führungsanspruch sieht.

Unterdessen scheint Big Fosters eigener Sohn Lil Foster kein Interesse an dem Thron zu haben, oder zeigt es zumindest nicht. Doch auch mit ihm liegt Konfliktpotential für Asa in der Luft: Als Teenager waren Asa und G'Winveer (Gillian Alexy, McLeod's Daughters, Damages) ein Paar, teilten eine besondere Liebe - bis zu dem Tag, an dem sich Asa für das große Abenteuer entschied. Nun ist die Heilerin mit Lil Foster zusammen, doch tiefliegende Gefühle für den Rückkehrer sind nicht unwahrscheinlich. Das dürfte selbst dem milde gestimmten Lil Foster an die Substanz gehen.
In der Pilotepisode sehen wir, dass es selbst für Outsiders wie die Bergmenschen nicht einfach ist, unter sich zu bleiben. Vor allem nicht, wenn das Land, auf dem sie leben, ins Visier eines Kohleunternehmens gerät. Der Mann, der ihnen die Räumungsanweisung überbringen muss, ist Sheriff Wade Houghton (Thomas M. Wright, Top of the Lake, The Bridge (US). Doch der hat eine eigene Vergangenheit mit dem Clan, denn er glaubt, dass dieser für das Verschwinden seiner depressiven Frau verantwortlich ist. Wie viele Bewohner Blackburgs glaubt auch er daran, dass die Mitglieder des Clans uneinschätzbare Fähigkeiten haben, die ihnen ermöglicht haben, mehr als 200 Jahre ohne fremde Hilfe auf dem Berg zu leben: „Human snake things come out at night, she-wolves, all kinds of stuff.“ Die Lehre, die er daraus zieht: Er will sich nicht mit ihnen anlegen. Doch die Vertreter des Minenunternehmens und der Regierung sehen das anders.
Wie kommt es rüber?
Das erste Bild der Episode Farrell Wine ist die Skyline einer Metropole - wir sehen Asa, der alleine durch die nächtliche Stadt streift und keiner Menschenseele begegnet. Die Straßen sind voll Autos, hinter den Fenstern leuchten die Zimmer, doch alles bleibt anonym. Asa zieht eine Waffe und setzt sie sich an die Schläfe, doch später finden wir heraus, dass er stattdessen doch zurück auf den Berg seiner Kindheit gefunden hat. Doch vor welchen Dämonen er flieht, das wissen wir nicht.
Für den Moment symbolisiert seine Rückkehr das, was die Outsiders-Macher uns in der Pilotepisode zeigen wollen: das enge Zusammenleben auf dem Berg gegen die Anonymität der Gesellschaft. Asa selbst sagt seiner einstigen Liebe G'Winveer, dass das Leben in der Stadt für ihn das wahre Gefängnis ist, niemand kümmere sich um den anderen, Familienzusammenhalt gebe es nicht.
Doch schon in der Episode Farrell Wine sehen wir die Schattenseite der engen Gemeinschaft auf Shay Mountain. Schutz wandelt sich in Enge und die wird zu Kontrolle. In einer Welt, in der die Gemeinschaft alles zählt, muss der Einzelne bisweilen Opfer bringen. Doch die wirklich tragischen Konsequenzen zeigen sich, wenn einer an die Macht kommt, der auch mal im Alleingang entscheidet, wie Big Foster.
Die Atmosphäre der Pilotepisode ist so dicht, dass man bereits zum Ende der Pilotepisode das Gefühl bekommt, schon Stammgast auf dem Berg zu sein. Doch das könnte auch daran liegen, dass für viele Zuschauer, die der neuen WGN-Serie eine Chance geben, eine alte Liebe der Auslöser sein dürfte. Nicht nur das Wiedersehen mit Ryan Hurst erinnert an das 2014 zu Ende gegangene Sons of Anarchy. Nach Farrell Wine fühlt es sich auch an wie ein Wiedersehen mit Opie. Hursts neue Figur hat viele Gemeinsamkeiten mit seiner alten, unter anderem die, dass sie eine treue Seele zu sein scheint, loyal zu ihrem Anführer, selbst wenn es Nachteile für sie selbst bedeutet.

Auch andere Charaktere haben den Sprung von der Harley aufs Quad geschafft, kann man wohl kaum die Parallelen zwischen Clay (Ron Perlman) und Big Foster übersehen. Auch Tara findet man wieder - in Asa, dem verlorenen Sohn. Tara stammte aus Charming und hatte eine gemeinsame Vergangenheit mit den Tellers, die sie selbst abgebrochen hat. Doch wie Asa kehrt sie zu Beginn der Story zurück in eine Heimat, die sie hinter sich lassen wollte. Beide haben gemerkt, dass das Leben in der Ferne ebenfalls weit von einem Idyll entfernt ist und beide kehren zurück in die Arme der Familie, wo sie sich jedoch beweisen müssen. Die Teller-Morrows und die Farrells lässt niemand ungeschoren im Stich.
Doch das Bezaubernde an der Serie, das, was SoA-Fans wie auch andere in den Bann ziehen kann, ist der Blick in eine geschlossene Gemeinschaft, der mit einem Auge fürs Detail aufwartet. Die Macher haben sich eine ähnliche Ausgangssituation geschaffen wie einst Kurt Sutter. Wie Charming ist auch Blackburg eine strauchelnde Stadt, in der schlechte Lebensbedingungen die Grundlage für ein Machtvakuum geschaffen haben, in der Hoffnungslosigkeit um sich greift und die Bewohner sich auf sich selbst statt auf Institutionen verlassen. In dieser Welt hat sich eine Parallelgesellschaft gebildet wie eine Mafia, die sich selbst zu einer Art kriminellen Adel entwickelt hat - vielleicht nicht geehrt, aber gefürchtet und respektiert von allen anderen.
Outsiders schafft, was Kurt Sutters The Bastard Executioner nicht geschafft hat, ohne dabei das Gefühl zu erwecken, einfach dieselbe Geschichte wie Sons of Anarchy zu erzählen. Neben vielen neuen, interessanten Figuren liegt der besondere Charme in einem charismatischen Cast und einem Autorenstab, der sich in seiner Materie auszukennen scheint.
Fazit
Outsiders könnte das Loch füllen, das Sons of Anarchy bei vielen Serienjunkies hinterlassen hat. Doch das muss nicht der einzige Grund sein, der Serie eine Chance zu geben. Wir bekommen einen starken Cast in einer gut erzählten Dramaserie mit einem Hauch großer Tragödie und einem Blick in eine unbekannte Welt.
Trailer zur Serie „Outsiders“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 27. Januar 2016Outsiders 1x01 Trailer
(Outsiders 1x01)
Schauspieler in der Episode Outsiders 1x01
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