Osmosis 1x01

© zenenfoto aus „Osmosis“ (c) Netflix
Die große Liebe finden, den Partner fürs Leben, gar einen Seelenverwandten. Was heute schon Algorithmen, Dating-Apps und Psychotests in Zeitschriften versprechen, wird in der neuen französischen Serie Osmosis auf ein ganz neues Level gehoben. Das Geschehen spielt dabei in einer nahen Zukunft, in der die Menschheit noch abhängiger von ihren Technologien ist und sich bereits virtuelle Räume um das Sexleben der Nutzer kümmern. Doch natürlich birgt diese starke Abhängigkeit enorme Risiken, besonders bezüglich des Datenschutzes. Während manch einer von einem solch technologischen Fortschritt träumt, sieht der andere darin den Untergang der Welt, wie wir sie kennen. Was sich die Produzenten der auf Netflix veröffentlichen Serie dachten? Spielen wir das Ganze doch einmal durch...
Jeder hat ein Anrecht auf Liebe
Völlig ausgereift ist das Projekt Osmosis noch nicht. Es soll später einmal jedem Individuum die Möglichkeit auf einen Seelenzwilling garantieren und anders als die bisher bestehende App „Perfect Match" eine echte Verbindung zwischen ihnen herstellen. Endlich soll Schluss sein mit lockeren, platonischen Beziehungen und Orgasmen mit substanzlosen Avataren in virtuellen Räumen. Während Esther (Agathe Bonitzer) der kreative Kopf hinter der Idee ist, kümmert sich ihr älterer Bruder Paul (Gossip Girl-Star Hugo Becker) um den unternehmerischen Part ihres Vorhabens.
Um die Betaversion zu testen, hat das Unternehmen mehrere Probanden nach perfiden Ausnahmekriterien ausgewählt und bereitet sie auf die Einnahme einer Pille vor, die sich mit ihrem Unterbewusstsein verknüpfen wird und so mithilfe sozialer Medien ihre bessere Hälfte finden soll. Für die erste Testperson, Paul selbst, hat dies bestens funktioniert. Jederzeit kann er sich über das Tattoo an seinem Handgelenk mit seinem Seelenzwilling Joséphine (Philypa Phoenix) verbinden und ihr in einem Kosmos, in dem es nur sie beide gibt, nahe sein.
Unter den Probanden ist auch Ana (Luana Silva), die vor Unsicherheit nur so strotzt und gar nicht glauben kann, dass jemand sie jemals bedingungslos lieben wird. Niels (Manoel Dupont) stößt erst später zu den Testern hinzu. Der noch Minderjährige leidet schon seit vielen Jahren unter seiner Pornosucht und hofft, sich durch einen Seelenzwilling ändern zu können. Wie die anderen steht auch er dem Experiment positiv gegenüber und freut sich, Teil der revolutionären Entwicklung zu sein. Denn: Was kann schon schiefgehen?
So ziemlich alles
Die düstere und beklemmende Stimmung, die bereits ab Sekunde eins aufgebaut wird, lässt uns Zuschauer erahnen: Es wird so einiges falsch laufen. Und das Unheil lässt auch nicht lange auf sich warten, als der Geschäftsführer Paul von den Investoren des Unternehmens gebeten wird, seinen Platz jemand anderem zu überlassen. Doch dieser lässt sich lieber den Geldhahn zudrehen, setzt die Datensicherheit des Projektes aufs Spiel und verspricht, Osmosis bereits innerhalb eines Monats auf den Markt zu bringen. Sofort kommt es zu den ersten Angriffen auf das Sicherheitssystem des Servers...
Nebenbei erfahren wir, dass die Mutter von Esther und Paul sich im Krankenhaus befindet und dort dement vor sich hin vegetiert. Als wir zudem herausfinden, dass Esther die Probanden neben den offiziellen Versprechungen der ewigen Liebe auch dazu nutzen will, um das Gedächtnis ihrer Mutter wiederherzustellen, zweifeln wir erstmals an den wahrhaften Motiven der Geschwister.

Lohnt es sich?
Es lohnt sich definitiv, Osmosis eine Chance zu geben und in die Welt der unendlichen technischen Möglichkeiten einzutauchen. Zumal die Serie mit ihrem Thema an das tief verwurzelte Verlangen nach Liebe und Zuneigung anknüpft, das in uns allen steckt. In Verbindung mit der durchaus im Bereich des Möglichen liegenden Zukunftsaussicht von „Osmosis“ dürfte es daher ein breites Publikum ansprechen und unter Umständen einen ähnlichen Erfolg wie die Anthologieserie Black Mirror erreichen.
Obwohl ich der Serie anfangs noch mit Skepsis gegenüberstand und keine hohen Erwartungen an das zum Scheitern verurteilte Projekt der Geschwister hatte, wurde ich positiv überrascht und habe die Story mit Spannung verfolgt. Denn, obwohl der Zuschauer weiß, dass alles schrecklich schiefgehen wird (wann ging eine Geschichte, in der wir von Technologien gesteuert werden, auch schon mal gut aus?), wird man gleichzeitig von den futuristischen Elementen der Serie eingenommen und kommt nicht umhin, sich zu fragen, welches Ende das Projekt nehmen wird.
Neben der sehr guten produktionstechnischen Leistung, wie man sie von einer Netflix-Serie nicht anders erwartet, überzeugen auch die Darsteller. Besonders das zwiespältige Verhältnis von Esther und Paul, das immer wieder zwischen Machtkampf und Geschwisterliebe schwankt, birgt viel Konflikt- und somit Unterhaltungspotential.

Fazit
Wer sich einmal für die Idee einer von Technologie durchtränkten Welt (ja, noch mehr als heute) öffnet, der wird auch schnell Interesse an der Sci-Fi-Serie Osmosis entwickeln. Zu ansprechend und gleichzeitig verheerend ist der Gedanke, durch die einfache Einnahme einer Tablette seinen Seelenzwilling finden zu können. Ich werde auf jeden Fall weiter am Ball bleiben.
Verfasser: Greta Kaiser am Freitag, 29. März 2019(Osmosis 1x01)
Schauspieler in der Episode Osmosis 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?