Once Upon a Time 1x11

Sidney Glass (Giancarlo Esposito, Breaking Bad) hat ein Hühnchen mit der Bürgermeisterin (Lana Parrilla) zu rupfen. Nach der verlorenen Sheriff-Wahl hat sie ihn wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Er hat seinen Job bei der Zeitung verloren - und schaut deshalb inzwischen etwas tiefer ins Glas, als ihm gut tut.
Um es Regina heimzuzahlen, schlägt er Emma (Jennifer Morrison) eine Zusammenarbeit vor: Er will sie auf die Spur von Reginas dunkelen Machenschaften führen. So berichtet er ihr beispielsweise von 15.000 Dollar, die aus der Stadtkasse verschwunden sind. Sidney und Emma versuchen unter Einsatz nicht ganz koscherer Mittel herauszubekommen, was mit dem Geld passiert ist. Die Antwort darauf ist jedoch ganz und gar nicht das, was sie erwartet hätten.
In der Märchenwelt wird der Geist aus der Lampe (ebenfalls Esposito) derweil von dem gütigen König Leopold (Richard Schiff, The West Wing) mittels Wunsch-Magie aus der Lampe befreit. Leopold macht den Geist mit seiner Gattin (Parrilla) bekannt, was sich als verhängnisvoller Fehler erweist...
Als Fruit of the Poisonous Tree, die Frucht des vergifteten Baums, bezeichnet man in der US-amerikanischen Rechtspflege Beweismittel, die auf illegale Weise beschafft wurden und die deshalb vor Gericht nicht zulässig sind. Emma und der Geist aus der Lampe naschen beide von dieser Frucht - Emma im wörtlichen, der Geist im übertragenen Sinne.
Entgegen ihres besseren Wissens und ihrer Überzeugung greift Emma im Kampf gegen die Bürgermeisterin zu „schmutzigen“ Tricks wie einem illegalen Lauschangriff und einem Einbruch. Geschickt nutzt Sidney Emmas Gefühle für Henry (Jared Gilmore) aus, um ihren Zorn gegen Regina zu befeuern. Dass Mary Margaret (Ginnifer Goodwin), berauscht von ihrer Affäre mit dem verheirateten David (Josh Dallas), davon schwadroniert, dass so ein bisschen Sündigen doch nicht verkehrt sein kann, wenn es um Bestimmung geht, ist natürlich ebenfalls keine große Hilfe.
Emma lässt sich dazu verleiten, aus den richtigen Motiven das Falsche zu tun. Und prompt hat Regina sie genau dort, wo sie sie haben will: Es bereitet geradezu physische Schmerzen, die Szene anzuschauen, in der Regina genüsslich enthüllt, dass das, was sie vor allen verborgen hat, ein Kinderspielplatz ist. Und mit einem Mal hat die Bürgermeisterin wieder Oberwasser. Es ist eine geschickt errichtete Falle, bei der man Emma nicht einmal einen Vorwurf machen kann, sie nicht gesehen zu haben. Die manipulierte Bremsleitung war tatsächlich ein „nice touch“. Spätestens ab diesem Moment musste sie ja davon ausgehen, dass Regina wirklich etwas Schlimmes zu verbergen hat.
Fruit of the Poisonous Tree könnte einem geradezu das Herz brechen: Emma und Henry verlieren nicht nur ihren (vermeintlich) geheimen Treffpunkt, das Holz-Schloss am Meer, sondern werden von Regina am Ende auch physisch getrennt. Wenigstens haben sie noch ihre Funkgeräte.
Auch der Geist aus der Lampe kann seine Finger nicht von einer verbotenen Frucht lassen: in seinem Fall handelt es sich um die Königsgattin, welche gleichzeitig Schneewittchens Stiefmutter ist. Die Königin ist gefangen in einer Ehe, in der sie nur eine Existenz im Schatten von Schneewittchens verstorbener Mutter führt. Was immer auch später zwischen ihr und Schneewittchen vorgefallen ist: Die Tatsache, dass Leopold seine Tochter in einer Linie mit ihrer Mutter zur „Schönsten im ganzen Land“ erhebt, ist ohne jede Frage in psychologischer Hinsicht ein guter Nährboden für die eher negativen Gefühle, welche die Evil Queen ihrer Stieftochter entgegenbringt. In gewisser Weise kann man ihre Kränkung und das Gefühl der Zurücksetzung sogar nachempfinden.
Aber zurück zum Geist: Dieser lässt sich betört von seiner Liebe zur Königin zum Mord an deren Gatten verleiten. Natürlich stellt sich die Frage, warum er nicht schon an dieser Stelle von seinem Wunsch Gebrauch macht. Ja, er kann sich durch die Lampe keine Liebe herbeiwünschen (das hat er selbst dem König anfangs schließlich erklärt). Aber er hätte sich doch für die Königin die Freiheit wünschen können. Bei ihm selbst hat es doch auch geklappt. Es wirft auf jeden Fall kein gutes Licht auf seinen Charakter, dass er erst in dem Augenblick an die Lampe denkt, als ihm klar wird, dass die Königin ihn hereingelegt hat. Sein Wunsch, immer bei ihr zu sein, geht zwar in Erfüllung, aber gänzlich anders, als er es sich vorgestellt hat: er wird zu einem Teil ihres Spiegels - und hat damit letztendlich ein Gefängnis gegen ein anderes eingetauscht.
Die große Frage lautet nun: Wie sehen seine Gefühle aktuell gegenüber der Königin / Bürgermeisterin aus? Ist er wirklich immer noch der ihr treu ergebene Lakei, der ein doppeltes Spiel mit Emma treibt? Oder tut er nur so? Sein Mienenspiel am Ende lässt auf jeden Fall Raum für dahingehende Spekulationen.
Ein Verdacht, der sich derweil zu bestätigen scheint, ist die Vermutung, dass es sich beim Fremden (Eion Bailey) um den Verfasser des Buches Once Upon a Time handelt. Es dürfte jedenfalls feststehen, dass er zu dem Werk eine besondere Beziehung hat. Immerhin hat er es, noch bevor es Regina in die Hände fallen konnte, an sich gebracht.
Fazit
Fruit of the Poisonous Tree ist eine dicht gewobene, spannend erzählte Folge, von genau jener Qualität, die man mittlerweile (nach nur wenigen Wochen) von Once Upon a Time gewohnt ist: Emotional berührend, gleichzeitig dank der zahlreichen Verweise (man könnte auch sagen: Spiegelungen) zwischen Märchenwelt, Märchenvorlagen und Storybrooke auch kognitiv stimulierend. Mit anderen Worten: eine dreiviertel Stunde bester Unterhaltung.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 31. Januar 2012(Once Upon a Time 1x11)
Schauspieler in der Episode Once Upon a Time 1x11
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