Once Upon a Time in Wonderland ist ein Spin-Off, auf das niemand so richtig gewartet hat und das trotz mancher guter Momente klar hinter der Mutterserie zurückbleibt. Die Schöpfer hätten die Zeit und Energie besser in das Original investiert.

Sophie Lowe spielt Alice in „Once Upon a Time in Wonderland“ / (c) ABC
Sophie Lowe spielt Alice in „Once Upon a Time in Wonderland“ / (c) ABC

Das passiert in der Pilotfolge von Once upon a Time in Wonderland Down the Rabbit Hole:

Alice (erst Millie Brown, später dann Sophie Lowe) kehrt aus dem Wunderland nach Hause zurück. Ihr Vater (Shaun Smyth) kippt fast aus den Schuhen, hat er seine Tochter doch für tot gehalten. Ihren Geschichten darüber, wo sie gewesen ist, schenkt er nicht den geringsten Glauben. Tatsächlich geht er so weit, dass er sie, nachdem sie wieder und wieder „ins Wunderland“ verschwunden ist, in ein Irrenhaus schließen lässt. Dort will Dr. Lydgate (Jonny Coyne) sie auf recht radikale Weise behandeln, indem er ihr den Kopf aufbohren und alle Erinnerungen an das Wunderland entfernen möchte.

Zum Glück taucht da noch rechtzeitig der Herzbube (Michael Socha) auf, um sie zu befreien. Den Auftrag dazu hat er vom weißen Kaninchen (Stimme im Original: John Lithgow) bekommen. Doch Alice will zunächst gar nicht mitgehen. Dass ihr jemand die Erinnerungen zu nehmen versucht, ist ihr gar nicht mal so unrecht, bedeuten diese Erinnerungen für sie doch große Pein.

Während ihrer Zeit im Wunderland hatte sie sich nämlich in Cyrus (Peter Gadiot) verliebt, der als Geist in der Lampe wohnt. Allerdings hatte sie mitansehen müssen, wie Cyrus bei einer Auseinandersetzung mit Truppen der roten Königin (Emma Rigby) ums Leben gekommen ist. Da sagt der Herzbube ihr jedoch, dass Cyrus noch lebt. Prompt kommt Alice mit ihm mit und folgt ihm und dem weißen Kaninchen auf eine neue Reise ins Wunderland...

Die Mutterserie

Als Once Upon a Time 2011 auf die Bildschirme kam, da wurde die Serie von einer überaus interessanten Idee getragen, die einen sofort voller Neugier einschalten ließ: eine Stadt voller Märchenfiguren, die vergessen haben, dass sie Märchenfiguren sind. Und nur die Tochter von Schneewittchen und Prinz Charming kann den Fluch der bösen Königin, der Schuld ist an der kollektiven Amnesie, brechen. Diese faszinierende Ausgangsidee, welche ein fantasievolles Spiel mit den verschiedenen Märchenelementen erlaubte, kombiniert mit einer Lost-Flashback-Erzählweise und einem grandiosen Casting (allen voran Lana Parrilla und Robert Carlyle) machte Once Upon a Time zum fantastischen Must-See TV des Jahres und zu einem großen Quotenerfolg.

Vor allem seit der zweiten Hälfte der zweiten Staffel sind jedoch deutliche Schwächen erkennbar geworden. Seit der Auflösung der ursprünglichen Serien-Prämisse tut sich Once Upon a Time etwas schwer damit, neue Geschichten zu finden, die genau so mitreißend und genau so tragfähig für einen großen Staffel-Handlungsbogen sind. Einen echten Tiefpunkt hat die Serie mit den beiden - zum Glück inzwischen entsorgten - Möchtegern-Bösewichtern Greg (Ethan Embry) und Tamara (Sonequa Martin-Green) erlebt, welche die meiste Zeit über selbst nicht so genau zu wissen schienen, was sie eigentlich tun - oder weshalb. Ob die Serie mit der dritten Staffel und dem Neverland-Handlungsbogen die Wende schaffen wird, bleibt noch abzuwarten.

In dieser Situation ein Spin-Off auf den Markt zu bringen, erscheint auf jeden Fall reichlich gewagt. Um nicht zu sagen überhastet. Als hätte man so viele gute Geschichten und wüsste nicht wohin mit ihnen. Die bittere Realität für Once upon a Time in Wonderland ist: es ist eine Serie, auf die niemand gewartet hat. Nicht wenige Zuschauer werden sich aktuell vor der Entscheidung stehen sehen, ob sie das Original weiterschauen wollen oder nicht. Die Voraussetzungen für eine weitere OUAT-Serie könnten also nicht ungünstiger sein.

Widergänger

Zur Serie selbst: Bereits in den Kommentaren zur Quoten-Meldung sind viele Aspekte angesprochen worden „54072“, denen durchaus zuzustimmen ist. Vor allem, was die rote Königin und Jafar (Naveen Andrews, Lost) betrifft, die tatsächlich im Augenblick nur wie ein schlechter Abklatsch von Regina und Rumpelstilzchen daherkommen. Schlecht deshalb, weil sie einerseits (im Falle der Königin natürlich auch durch das Ausgangsmaterial bedingt) sehr ähnlich angelegt sind, ihnen aber andererseits (noch) die sorgfältige psychologische Ausarbeitung fehlt, welche Autoren und Darsteller bei Regina und Rumpel inzwischen geleistet haben.

Ja, es ist der Pilot von Once upon a Time in Wonderland und da können die Figuren noch nicht so detailreich ausgestaltet sein. Das ist richtig. Aber natürlich stellt das wiederum die Weisheit in Frage, überhaupt ein solches Spin-Off auf den Markt zu bringen, wenn man die Geschichte nicht mit Figuren erzählen kann, die sich deutlicher von der Mutterserie unterscheiden.

Simpel gestrickt

Der vielfach von Zuschauern geschilderte Eindruck, dass Once upon a Time in Wonderland ein eher kindliches Publikum zu adressieren scheint, geht wohl auf mehrere Faktoren zurück: zum einen das jugendliche Alter der Protagonisten, dann aber auch das Wunderland selbst, welches von der konzeptionellen wie visuellen Ausgestaltung eher an einen Disney-Zeichentrickfilm denken lässt.

Auch fehlt es Once upon a Time in Wonderland bislang an der emotionalen Komplexität, welche die besseren und besten Folgen von Once Upon a Time bisher ausgezeichnet hat. In der Ausgangsserie wurden, gerade wenn wir an die Anfänge zurückdenken, immer wieder profunde Themen und Konflikte vor allem rund um die Eltern-Kind-Beziehung verhandelt. Das war und ist der emotionale Haken, welcher Once Upon a Time so spannend macht.

Wonderland“ ist in dieser Hinsicht bislang wesentlich einfacher gestrickt. Primäre Triebfeder für Alice ist die verlorene Liebe. Und die Kernbotschaft, welche die Episode zu vermitteln sucht, lautet: Erkenne, wer Du selbst in Wahrheit bist. Was - Zufall oder nicht - exakt die gleiche Message ist, die in derselben Woche auch in der Folge von Once Upon a Time prominent in den Vordergrund gestellt wurde, was der neuen Serie so ganz und gar nicht hilft. Warum soll man schließlich eine Serie schauen, die nicht den geringsten (emotionalen) Mehrwert mitbringt?

Kein Totalausfall, aber...

Nun hat Once upon a Time in Wonderland sehr wohl seine unterhaltsamen Momente. Allein der Blick von Dr. Lydgate, als er das sprechende Kaninchen sieht, ist einfach unbezahlbar. Auch die Kampfszenen sind sehr schön aufgenommen und zeigen eine Alice, die sich ihrer Haut sehr gut erwehren kann. Der Einschätzung, dass Once upon a Time in Wonderland ein per se schlechter Pilot ist, kann daher so nicht zugestimmt werden. Gäbe es Once Upon a Time nicht schon, dann würde man sicherlich sagen: Ach, was für ein netter Einfall! Doch wir kennen nun mal Once Upon a Time schon. Und auf dem Hintergrund dieser Erwartungen bleibt „Wonderland“ natürlich ein ganzes Stück zurück.

Fazit

Es ist nicht so, dass Once upon a Time in Wonderland überhaupt nicht unterhalten würde. Doch, eine Dreiviertelstunde kann man sich damit schon vertreiben. Aber es ist bislang keine Serie, die begeistert. In ihrem Anspruchsniveau bleibt sie deutlich hinter der Mutterserie zurück. Selbst manche Kinderserien, wegen des britischen Akzents vieler Figuren muss ich vor allem an The Sarah Jane Adventures denken, fordern ihr Publikum mehr heraus als „Wonderland“.

Anmerkung in eigener Sache

Manchen wird es schon aufgefallen sein. Aktuell gibt es auf SERIENJUNKIES.DE® keine Reviews zur dritten Staffel von Once Upon a Time. Der Hintergrund ist folgender: Um endlich, endlich mit meiner Doktorarbeit (natürlich über Fernsehserien...) weiterzukommen, habe ich meine Stundenzahl bei Serienjunkies.de reduzieren müssen. Dieser Maßnahme sind dann auch die OUAT-Reviews zum Opfer gefallen. Ich hoffe sehr, sie zu einem späteren Zeitpunkt nachholen oder doch noch irgendwo dazwischenschieben zu können. Vielleicht finden wir auch redaktionsintern eine andere Lösung. Vorerst sieht es jedoch so aus, dass Emma, Regina & Co. Henry in Neverland suchen müssen, ohne dabei von unseren Reviews begleitet zu werden...

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