Obi-Wan Kenobi 1x02

© zenenfoto aus der Episode Teil II der Serie Obi-Wan Kenobi (c) Disney+
An Bord eines Passagierraumschiffes fliegt Obi-Wan inkognito zum wenig einladenden Planeten Daiyu, auf den Vect Nokru (Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea) die entführte Leia Vivien Lyra Blair, Mr. Corman) gebracht hat. Hier macht er die Bekanntschaft des vermeintlichen überlebenden Jedi-Ritters Haja Estree (Kumail Nanjiani, „Marvel's Eternals“), der mit seiner angeblichen Begabung in der Macht potenziellen Flüchtlingen gegen entsprechende Bezahlung auf ihrem Weg weiterhilft. Obi-Wan findet sehr schnell heraus, dass es sich bei Hajas Kräften um Taschenspielertricks handelt, kann ihm jedoch einen Hinweis auf den Aufenthaltsort von Leia entlocken.
Nach einem Kampf mit Vect und seinen Schergen, den der Jedi für sich entscheiden kann, gelingt es ihm, Leia zu finden und mit ihr in die schummerige Planetenstadt zu flüchten, wobei sich die Kleine als ebenso gewitzt wie vorlaut erweist. Wenig später stellt sich heraus, dass Inquisitorin Reva (Moses Ingram, The Queen's Gambit) die Auftraggeberin der Entführung ist.
Sie setzt ein Kopfgeld auf Obi-Wan aus, was mancherlei finstere Spießgesellen auf den Plan ruft. Allerdings hat sie dabei vollkommen eigenmächtig gehandelt und wird vom eintreffenden Großinquisitor (Rupert Friend, Anatomy of a Scandal) auf das Schärfste gerügt und von dem Auftrag entbunden, was sie jedoch nicht davon abhält, den Jedi auf eigene Faust zu jagen.
Nachdem Leia nach der Erkenntnis, dass sie nur entführt wurde, um ihren Befreier auf den Plan zu rufen davonläuft, während die beiden von einer mittlerweile eingetroffenen Abteilung Sturmtruppen gejagt werden, wird Obi-Wan erstmals mit Reva konfrontiert: Bevor er dank der Hilfe Hajas zusammen mit Leia entkommen kann, erfährt er von Reva, dass sein einstiger Schüler Anakin (Hayden Christensen, „The Last Man“) als Darth Vader weiterlebt.
Die Action geht los
Zwar ist der Actionfaktor in der zweiten, zeitgleich zur ersten veröffentlichten Folge von Obi-Wan Kenobi nicht Hauptbestandteil der Handlung, macht jedoch einen wesentlichen Teil davon aus. Erneut gibt es eher unaufdringlich eingeflochtene Fanservice-Elemente (wie etwa einen am Straßenrand sitzenden bettelnden einstigen Klonsoldaten, so wie alle davon gespielt von Temuera Morrison, den man zuletzt in der Titelrolle in The Book of Boba Fett sah), ansonsten erinnert das Szenario der Flucht durch die heruntergekommene, von vielerlei Fremdwesen bevölkerte Planetenstadt auf Daiyu an die Verfolgungsjagd aus der zweiten Kinoepisode von „Star Wars“, was sicherlich nicht von ungefähr kommen dürfte.
Selbst die berühmte Szene aus dem Film mit den angebotenen Killersticks wird in der zweiten Folge variiert und erhält dabei einen völlig anderen, ungemein witzigen Anstrich. Im Vordergrund steht jedoch wie bereits gesagt dabei nicht die Action, sondern das Zusammenspiel zwischen Obi-Wan und der kleinen Leia, die dem alternden Recken nicht über den Weg traut, was für Konfliktstoff zwischen den beiden sorgt und letzten Endes dazu führt, dass der vergangene und künftige Jedi seine im Lauf der Jahre eingerosteten, weil vernachlässigten Macht-Fähigkeiten wieder reaktivieren muss. Von der einstigen Leichtigkeit dabei zu Zeiten der Kinoepisoden I bis III oder Star Wars: The Clone Wars ist dabei nicht mehr viel zu spüren, was den Hintergrund um die magische Macht um eine neue Nuance bereichert.
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Tragik
Am Ende von Folge II (so wie bereits die erste: inszeniert von der Showrunnerin der Serie, Deborah Chow, höchstpersönlich) ist dann auch erstmals die Rede von dem, was sicherlich einen wesentlichen Bestandteil der Gesamthandlung der Serie ausmachen wird: Obi-Wan erfährt von Reva, die allem Anschein nach selbst innerhalb der Inquisitoren eine höchst eigene Agenda besitzt, dass sein früherer Schüler Anakin nach wie vor am Leben ist. Obwohl wir als Fangemeinde von „Star Wars“ dies seit langer Zeit wissen, versetzt es uns doch einen Stich, das Leiden von Vaders einstigem Meister mit ansehen zu müssen, was Ewan McGregor selbstverständlich mit der ihm eigenen mimischen Begabung in anschaulicher Weise vermittelt. Natürlich gibt es anschließend auch einen ersten Blick auf Darth Vader, der in nichts mehr an den gütigen kleinen Jungen vom Wüstenplaneten Tatooine, der er einst war, erinnert.
Die Mischung macht's

Wenngleich zwei Folgen noch keine Gesamtwertung einer ganzen (wenn auch lediglich sechsteiligen Mini-) Serie ermöglichen, so sieht es doch zumindest bisher ganz danach aus, als habe man den Ton zumindest des Großteils der Fans von „Star Wars“ diesmal deutlich besser getroffen als bei der vielgescholtenen Vorgängerserie The Book of Boba Fett, bei der nicht wenige davon mit der Wandlung des titelgebenden Hauptcharakters nicht zurechtkamen. Bisher setzt Obi-Wan Kenobi sehr genau da an, wo die Kinofilme (die Animationsserie „Star Wars: The Clone Wars“ ist handlungsmäßig bekanntermaßen zwischen den Kinoepisoden II und III angesiedelt) einst aufhörten und schließlich in die klassische mittlere Trilogie überleiteten.
Das, was bisher zu sehen war, macht gespannt auf die weiteren Ereignisse und zeigt den Charakter des Obi-Wan so, wie man ihn vor und nach den Geschehnissen in seiner eigenen Serie kennenlernte, ohne größere Entwicklungen, die mancher Fan vielleicht als Verfälschung des Originals deuten könnte. Bleiben wir gespannt darauf, wie die Saga in den nächsten Wochen weitergehen wird - möge die Macht stark sein in uns!
Verfasser: Thorsten Walch am Freitag, 27. Mai 2022(Obi-Wan Kenobi 1x02)
Schauspieler in der Episode Obi-Wan Kenobi 1x02
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