Obi-Wan Kenobi 1x01

© zenenfoto aus der Serie Obi-Wan Kenobi (c) Disney+
Nach einer Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse aus den Episoden I-III von „Star Wars“ und dem Hinweis darauf, dass eine kleine Gruppe Jedi-Jünglinge der mörderischen Order 66 entgangen sein könnten, sehen wir Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor, Halston) zehn Jahre später in seinem neuen freudlosen Dasein unter dem schlichten Namen Ben auf dem Wüstenplaneten Tatooine wieder. Hier will er sein vorheriges Jedi-Leben vergessen und verdient seinen Lebensunterhalt in einer schäbigen Fleischfabrik. Owen Lars (Joel Edgerton, The Underground Railroad), der Ziehvater des kleinen Luke (Grant Feely, Creepshow), blockt sämtliche Versuche einer Kontaktaufnahme zu dem kleinen Sohn von Obi-Wans einstigem Schüler Anakin.
Die Lage wird bedrohlich, als drei Inquisitoren - der Fünfte Bruder (Sung Kang, Power) und die Dritte Schwester Reva (Moses Ingram, The Queen's Gambit) unter Führung des Großinquisitors (Rupert Friend, Anatomy of a Scandal) auf Tatooine landen und in äußerst grausamer Weise auf die Suche nach den letzten Jedi gehen. Fündig werden sie zunächst in einer Bar, in der sich der junge Jedi Nari (Benny Safdie, „Licorize Pizza“) versteckt, der jedoch entkommt.
Lukes Zwillingsschwester Leia (Vivien Lyra Blair, Mr. Corman) hingegen führt ein sorgenfreies Leben bei ihren Zieheltern Breha (Rebecca Jackson Mendoza, „Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith“) und Prinz Bail Organa (Jimmy Smits, How to Get Away with Murder) auf dem Planeten Alderaan. Das jedoch ändert sich, als Inquisitorin Reva, der es nicht gelungen ist, einen Jedi zu fassen, den Kopfgeldjäger Vect Nokru (Flea, hauptsächlich bekannt als Bassist der Rockband („Red Hot Chili Peppers“) und seine Bande damit beauftragt, Leia zu entführen, um dadurch die letzten Jedi zu alarmieren. Der Plan geht auf: Nachdem Bail Organa seinen alten Freund Ben alias Obi-Wan auf Tatooine um Hilfe gebeten hat, begibt sich dieser schließlich auf die Suche nach der kleinen Leia, die von Vect auf den verkommenen Planeten Daiyu verschleppt wurde.
Die Rückkehr einer Legende

Beide vorherige Live-Action-Serien aus dem Universum von „Star Wars“ wurden von den Fans der Saga mit äußerster und nur schwer erträglicher Spannung erwartet, aber der Rezensent behauptet kühl, dass dies vom Warten auf Obi-Wan Kenobi noch weit übertroffen wurde, ist der kühne Jedi-Ritter doch schließlich bis heute eine der beliebtesten und auch bekanntesten Figuren der Saga. Und so fällt es auch dem Rezensenten recht schwer, nicht in einen Zustand der Euphorie angesichts der ersten Folge der Solo-Abenteuer des Helden zu verfallen, sehr sogar.
In dieses wundervolle Fangefühl für „Star Wars“ mischt sich jedoch gleichzeitig leiser Argwohn, da bei den beiden vorherigen Serien aus dem Saga-Universum (bei der ersteren weniger, bei der zweiten mehr) bekanntlich nicht alles so glatt gelaufen ist, wie man es sich als Fan der ersten Stunde vielleicht gewünscht hätte. Doch nach den ersten rund zwanzig Minuten konnte sich der Rezensent entspannt auf seinem Sofa zurücklehnen, da sich diese Befürchtungen zumindest in der ersten Folge der neuen Serie nicht bewahrheiten. Allein das erste Auftauchen im Bild des deutlich gealterten Obi-Wan, Verzeihung, Ben bringt im Handumdrehen eine fingerdicke Gänsehaut hervor, da auch diesmal diverser Fanservice in die neue Serie eingebracht wird, allerdings in wesentlich weniger plakativer Form als bisher des Öfteren geschehen. Das alles schmeckt (bisher, um den Pessimismus noch nicht voll und ganz zu verabschieden) eindeutig nach einer weit, weit entfernten Galaxis vor langer Zeit.
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Junger Wein in alten Schläuchen

Die handlungsmäßigen Innovationen in der neuen Serie sind zweifellos vorhanden, doch präsentieren sie sich in eher verhaltener Form, da man als Fan schließlich weiß, was vorher und hinterher geschah. Dennoch beißt sich in der Geschichte nichts, da Charaktere wie der Großinquisitor eine wichtige Rolle in der (nach „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“ angesiedelten) Animationsserie Star Wars Rebels spielen und durch diesen Einblick in spätere Ereignisse bereits bekannt sind: Zumindest was die Kontinuität innerhalb der Saga angeht, kann man es mittlerweile ziemlich mühelos mit dem „MCU“ aufnehmen.
Einer der zweifellos interessantesten Charaktere in der neuen Serie ist definitiv die Dritte Schwester Reva, die in einer Mischung aus blindem Kadavergehorsam und höchst eigenen Intentionen ganz sicher noch eine ganz besondere Rolle erhalten wird: Auf ihre Weise scheint sie ein ähnlich eher tragischer Bösewicht wie Darth Vader (von dem wir wissen, dass er in „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“ auftauchen wird, der sich jedoch in der ersten Folge noch nicht blicken lässt) zu sein, und ihre augenscheinliche Grausamkeit ist stets begleitet von einer gewissen Traurigkeit. Ebenfalls absolut herausragend ist die gerade einmal neunjährige Vivien Lyra Blair, die die kleine Leia Organa spielt und dabei eine ebenso sympathische wie überzeugende Darstellung abliefert.
Kinoreife

Natürlich ist auch der Produktionsaufwand wie schon bei The Mandalorian und The Book of Boba Fett immens hoch und kann es erneut mit den Kinoproduktionen aufnehmen. Das allein reicht zwar freilich als Kriterium für einen wirklich guten und gelungenen Bestandteil der Saga noch nicht aus, doch trägt es auf der anderen Seite wesentlich dazu bei, ganz besonders in diesem Fall. Und wie wir spätestens am Ende der ersten Folge merken, erfüllen sich auch die Befürchtungen mancher Fans nicht, die neue Serie werde komplett auf Tatooine spielen: Der Abschluss von Folge 1 deutet auf anderes hin.
Gelungener Auftakt
Zwar präsentiert sich die erste Folge von Obi-Wan Kenobi in punkto Action vergleichsweise ruhig (schließlich stehen die Einführung in die Handlung und die Vorbereitung der Gesamtgeschichte im Vordergrund), doch hat sie zumindest den Rezensenten ab der ersten Minute abgeholt und in eines seiner Lieblingsuniversen versetzt. Gebe die Macht, dass dem so bleibt!
Hier schon mal der Trailer zur nächsten Episode, „Teil II“ (1x02), der Serie „Obi-Wan Kenobi“:
Verfasser: Thorsten Walch am Freitag, 27. Mai 2022Obi-Wan Kenobi 1x01 Trailer
(Obi-Wan Kenobi 1x01)
Schauspieler in der Episode Obi-Wan Kenobi 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?