Nikita 4x06

„I could never sit on a beach, anyway...“
Das passiert im Nikita-Serienfinale Canceled:
Nikita (Maggie Q) und Alex (Lyndsy Fonseca) überfallen einen Gefangenentransport, mit dem Jones (David S. Lee) verlegt werden soll. Sie zwingen ihn, die Namen der übrigen Mitglieder der Gruppe zu verraten, bevor sie den Transporter in die Luft jagen. Bald schon macht die Nachricht die Runde, dass drei hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik ebenfalls ermordet worden sind. Senator Chappell (John Getz) ist außer sich: er kann nicht fassen, dass Nikita, nachdem ihr gerade erst die präsidiale Freiheitsmedaille verliehen worden ist, sich auf einen derartigen Rachefeldzug begibt. Michael (Shane West) bietet ihm an, Nikita aufzuspüren und zu stoppen. Birkhoff (Aaron Stanford) ist dagegen ganz auf Nikkis Seite, macht aber schließlich doch bei der Suche nach ihr mit.
Die restliche Gruppe beruft unter Führung von Trevor (Vincent Ventresca) ein Krisentreffen ein, zu dem Amanda (Melinda Clarke) ausdrücklich nicht eingeladen wird. Trevor hat den - nicht ganz unzutreffenden - Eindruck, dass sich das Schicksal von The Shop in dem Augenblick zum Schlechteren gewendet hat, als Amanda hinzugestoßen ist. Sie will sich aber nicht so einfach ausbooten lassen und plant, die Kontrolle über die Doppelgänger zu übernehmen. So gesehen kommt es ihr sehr gelegen, als sie beobachtet, wie Nikita und Alex das Treffen der Gruppe sprengen - und die Mitglieder gefangen nehmen. Nikita ist zu allem entschlossen: sie will die Liste mit den Doppelgängern. Und sie will die Gruppe bezahlen lassen für Ryans (Noah Bean) Tod...
Ein Blick zurück
Das war es also. Nach dreieinviertel Staffeln ist Nikita mit Canceled zu Ende gegangen. Was für ein passender Episodentitel für eine Serie, die ja bekanntermaßen selbst gecancelt worden ist.
Als Nikita 2010 auf Sendung gegangen ist, da ist die Serie eine Riesenüberraschung gewesen. The CW steckte damals noch knietief in den Teenieserien - und brachte mit Nikita erstmals seit längerer Zeit wieder eine Serie an den Start, die ein tendenziell älteres und auch (im Vergleich zu den übrigen CW-Serien damals) eher männliches Publikum ansprach. Damit war Nikita der Exot auf dem Sender. Das, die stark fortgesetzte Erzählweise und das hohe Tempo führten dazu, dass der Serie auf dem ohnehin krisengeschüttelten Sender kaum hohe Einschaltquoten zuflogen. Es ist müßig darüber zu spekulieren, wie es für die Serie auf einem anderen Sender ausgesehen hätte.
Qualitativ stach Nikita von Anfang an hervor: die Serie war intelligent erzählt, das heißt sie setzte auf die Intelligenz des Zuschauers, die komplexen, wendungsreich erzählten Plots zu durchschauen. Die Serie hatte Herz: die Freundschaft zwischen Nikita und Alex ging uns sehr nahe, ebenso wie die von Fans später Mikita getaufte Beziehung zwischen Nikki und Michael. Und es gab immer viel zu sehen: schöne Frauen, chice Technik und tolle Stunts.
Die Netflix-Staffel
Für mich persönlich stand Nikita als Actionserie in der Nachfolge von 24 (und das nicht nur wegen dem wunderbaren Xander Berkeley). Mit dem großen Unterschied, dass Nikita (mehr oder minder) als Einzelkämpferin gegen das Establishment und die korrupten Autoritäten kämpft. Das machte die Serie thematisch sehr sympathisch.
Ähnlich wie 24 wurde Nikita in Staffelbögen erzählt - mit allen Vorteilen und Fallstricken, die das mit sich bringt. Gelang Staffel 1 ein sehr runder Bogen, hakte es jeweils zu Beginn von Staffel 2 und 3 etwas, bevor sich die Serie dann wieder fing. Staffel 4 wiederum ist nur noch als Zugeständnis an Netflix entstanden. Auf The CW brachte Nikita nur noch verheerend schlechte Quoten. Aber Nikita gehört zu den Serien, die im Deal mit Netflix enthalten sind. Und die Online-Videothek weiß fortgesetzte Serien zu schätzen, allerdings sollten sie einen runden Abschluss mitbringen. Genau aus diesem einen Grund wurde eine erheblich verkürzte vierte Staffel produziert, die - bedingt durch die Kürze - etwas weniger komplex daherkam. Und auch bei Budget sichtbare Abstriche zu machen hatte. In puncto Action präsentierte sich die Serie in den letzten Folgen jedenfalls deutlich weniger ambitioniert als in den Staffeln zuvor.
Das fällt auch im Serienfinale Canceled auf, wo es bei weitem nicht so viel kracht, wie man das bei einer Actionserie - und auf dem Hintergrund der bisherigen Nikita-Staffelfinale - erwarten könnte.
Die Rächerin
Trotzdem ist es eine gute Folge. Dass Nikita in Folge von Ryans Tod zu einer Kamikaze-Rächermission aufbricht, ist durchaus plausibel. Dabei hat sie zunächst die Oberhand. Spannend wird es, als sie diesen Vorteil verliert, weil sich ihre Freunde, wie es scheint, gegen sie wenden. Das ist - zumal im Finale - zum Teil sehr schwer zu verdauen. Da hatte man sich am Ende von Bubble darauf gefreut, Nikita und Alex endlich wieder als Waffenschwestern vereint zu sehen - und dann dauert es gar nicht lange und die beiden liegen im heftigsten Clinch miteinander.
Geheimniskrämerei
Stellenweise fällt es etwas schwer die Dringlichkeit nachzuvollziehen, mit der Michael und schließlich auch Alex darauf bestehen, dass die Doppelgänger-Liste um jeden Preis geheim bleiben soll, weil das sonst - angeblich - irgendeinen großen Schaden anrichtet. Der Rezensent hält es dagegen eher mit Nikita und Birkhoff (und dem in diesen Angelegenheit irgendwie immer unsichtbar anwesenden Edward Snowdon): die Öffentlichkeit hat ein Anrecht, informiert zu werden. Schluss mit der staatlichen Geheimniskrämerei! Umso mehr freut es einen natürlich, als Birkhoff am Ende sein Shadownet öffentlich macht - als Gegenwehr der Massen gegen die staatliche Schnüffelei. Es lebe die „open source anarchy“!
Auch das ist ein Punkt, der Nikita immer wieder ausgezeichnet hat: ihr Bezug zu aktuellen politischen Themen und Diskursen, durch die selbst die krudesten Verschwörungsthriller-Plots eine Grundierung in der Wirklichkeit erhalten haben. So sehr die Serie auch ihre eigene - häufig reichlich fantastische - Thriller-Realität schuf, ging nie ein gewisses Gefühl der Relevanz verloren, was natürlich auch für die Spannung gut war.
Die Falle
Doch zurück zu Canceled: Nikita wird, so hat es den Anschein, von ihren Freunden den staatlichen Autoritäten ausgeliefert, nachdem sie die Gruppe vollständig liquidiert hat. Gefangen im Hochsicherheitstrakt ist sie in den Händen von Colonel Slocum (Joshua Peace) - und Amanda, welche den Slocum-Doppelgänger dirigiert. Ein letztes Mal glaubt sie über ihre Erzfeindin zu triumphieren. Es freut sie diebisch, dass Nikita für sie die Schmutzarbeit erledigt hat - und dabei zu der Killerin geworden ist, die sie doch nicht mehr sein wollte. Es sieht so aus, als habe Amanda auf ganzer Linie gewonnen.
Doch - klack. Da schnappt die Falle zu! Vielleicht hätte man sich schon denken können, dass das alles ein abgekartertes Spiel von Nikita und ihren Freunden - ihrer Familie, wie sie sagt - gewesen ist. Und ja, natürlich ist auch dem Rezensenten zwischendurch dieser Verdacht gekommen. Nicht minder groß ist jedoch die Befriedigung darüber, dass Nikita tatsächlich einen dermaßen raffinierten Plan ersonnen hat, der ihre Widersacherin dazu brachte, freiwillig ins Gefängnis zu marschieren! Und der auch von der Entwicklung der Charaktere her ein so befriedigendes Resultat hervorbringt: Nikita kann demonstrieren, wie sehr sie als Person gewachsen ist. Das „Raubtier“ ist immer noch ein Teil von ihr, doch sie hat inzwischen andere Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung, ihre Ziele zu erreichen. Sie wird von dem Raubtier nicht mehr dominiert. Gleichzeitig fügt sie Amanda die wohl härteste nur denkbare Strafe zu. Sie tötet sie nicht, sondern sperrt „Helen“ in einen Keller ein (siehe Broken Home).
Es ist vielleicht kein sonderlich spektakuläres, aber doch ein sehr zufriedenstellendes Ende!
Happy End
Einige Leser hatten schon befürchtet, dass Nikita das Finale nicht überleben würde. Das tut sie. Aber natürlich stellt sich die Frage: Quo vadis, Nikita? Nachdem sie Amanda und The Shop besiegt hat und von der US-Regierung für all ihre Verbrechen begnadigt worden ist, wo kann die Reise für Nikita hingehen? Wie soll ihre Geschichte enden? An einem Strand mit Michael? So sieht es zunächst aus. Die beiden haben den Bund fürs Leben geschlossen - und lassen es sich in Ecuador gut gehen. Doch Nikita wäre nicht Nikita, wenn sie ein Unrecht sehen und wegschauen könnte. Und so bekommen wir am Ende den Eindruck, dass sie genau mit dem weitermacht, was sie schon die letzten Jahre über getan hat.
Und für die Serie ist das natürlich ein ganz wunderbarer Schluss. Die Geschichte ist zu Ende erzählt. Die großen Handlungsbögen sind abgeschlossen. Und doch lässt die Serie einen Weg offen, wie Nikita in unserer Fantasie weiterleben kann. Als die Heldin, die sie entgegen aller anderslautenden Bekundungen, einfach ist.
Fazit
Das Finale von Nikita - es ist vielleicht nicht der ganz große Wurf. Aber es ist auf jeden Fall ein würdiger Abschied von einer Serie, die drei Jahre lang sehr viel Spaß und beste, spannende Unterhaltung geboten hat.
Schade, dass es vorbei ist! Du wirst uns sehr fehlen, Nikita Mears! Wir werden Dich und Deinen Kampf gegen die bösen Schattenregierungen dieser Welt - Division, Gogol, Oversight, The Shop - aber stets in Erinnerung halten!
Unsere Heldin.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 29. Dezember 2013Nikita 4x06 Trailer
(Nikita 4x06)
Schauspieler in der Episode Nikita 4x06
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