Nikita 3x19

Das passiert in der Nikita-Folge Self-Destruct:
Ryan (Noah Bean) erwacht aus seinem Koma - und muss feststellen, dass nichts mehr so ist, wie es vor Alex' (Lyndsy Fonseca) Angriff auf ihn gewesen ist. In Division ist nur noch rund ein Dutzend Leute als Personal übrig. Große Teile der Infrastruktur sind zerstört. Und die Präsidentin (Michelle Nolden) kündigt für die folgende Woche die Ernennung eines Nachfolgers für den verstorbenen Commander Danforth an. Spätestens dann, so fürchtet Ryan, wird auffliegen, dass Division nicht länger operationsfähig ist. Mit den bekannten Konsequenzen.
Um diesen zu entgehen, schlägt er die Zerstörung der unterirdischen Division-Basis vor. So könne niemand nachvollziehen, ob und wenn ja wie viele Division-Angehörige entkommen sind. Michael (Shane West) ist strikt gegen den Plan, so lange Amanda (Melinda Clarke) und Owen/Sam (Devon Sawa) immer noch im Besitz der Black Box sind, welche sie alle in Gefahr bringt.
Nikita (Maggie Q) ist unterdessen auf der Suche nach Alex, die inmitten ihrer Trauer um Sean ihren eigenen kleinen Ein-Frau-Feldzug gegen das organisierte Verbrechen gestartet hat. Nikita fürchtet, dass es sich um eine Selbstmord-Mission handeln könnte...
Thematische Gruppierung
Wie schon in der Folge zuvor gelingt Nikita mit Self-Destruct eine thematische Parallelführung aller Handlungsstränge rund um einen gemeinsamen Kern, nämlich die titelgebende Selbstzerstörung. Während Ryan darüber nachdenkt, die unterirdische Division-Basis in die Luft zu jagen, erleben wir, wie Alex genau die Art von Selbstmord-Mission durchzuziehen scheint, zu der sich auch Nikita unmittelbar nach Daniels Tod hingezogen gefühlt hat.
Das Überlebenden-Syndrom
Tatsächlich geht es Alex allerdings gar nicht primär darum zu sterben. Vielmehr macht sie genau dort weiter, wo sie mit der Division-Rebellion aufgehört hat: sie will Menschen aus Not befreien. Der Serie gibt das Gelegenheit, das Überlebenden-Syndrom, an dem Alex leidet, zu thematisieren: die Schuldgefühle, die sie angesichts der Tatsache verspürt, dass so viele Menschen um sie herum sterben, und die quälende Frage, warum sie es verdient haben soll, zu überleben.
Wie Nikita völlig richtig analysiert, ist es diese Schuld des Überlebenden, welche von Amanda für ihre Zwecke instrumentalisiert worden ist. Und Nikita versucht Alex begreiflich zu machen, wie sie diese Schuldgefühle in etwas Produktives, Kämpferisches verwandeln kann, was ironischerweise etwas ist, das Nikky von Amanda gelernt hat.
Das ist alles durchaus interessant anzuschauen - und natürlich ein notwendiger Schritt, um Alex zurück in die Familie zu holen. Nur die ganz große Spannung will sich in Self-Destruct nicht so recht einstellen. Dafür ist die Gang - entgegen aller Versuche, sie als Gegner aufzuwerten - einfach keine wirklich ernst zu nehmende Gefahr. Und auch der Konflikt rund um die Frage, was mit der Division-Basis passieren soll, lässt nicht wirklich die Funken sprühen.
Glückstreffer?
Was beiden Plots nicht hilft, sind außerdem gewisse Probleme mit der Handlungslogik: Da zieht Alex also los und legt sich mit irgendwelchen Straßenkriminellen an - in der vagen Hoffnung, dass es irgendwo weiter oben in der Gang-Hierarchie schon irgendwelche gefangenen Mädchen geben wird, die sie befreien kann. Das ist doch reichlich... optimistisch von ihr. So ganz nachvollziehen lässt es sich nicht. Aber gut - schieben wir es mal auf ihre von Amandas Halluzinationen und der Trauer um Sean umnebelte Wahrnehmung.
Nicht ganz nachvollziehbar sind außerdem Michaels Einwände gegen die Zerstörung von Division. Erstens, warum sollten sie nicht auch außerhalb von Division dazu in der Lage sein, Amanda und die Black Box zu jagen? In der zweiten Staffel kamen sie beispielsweise auch sehr gut ohne Division als Operationsbasis aus. Und dann die Sache mit der Black Box selbst: Wenn das Bekanntwerden ihrer wahren Identitäten eine so große Gefahr ist, warum geben sie sich jetzt nicht rasch noch neue Identitäten, vorzugsweise mit Pässen aus Ländern, in denen sie keine Kapitalverbrechen verübt haben? Es gibt gute Gründe, der Black Box nachzujagen (etwa die zuvor immer wieder beschworene nationale Sicherheit), aber irgendwie scheint die persönliche Sicherheit der Protagonisten nicht dazuzugehören.
Verantwortung und Vertrauen
Nicht unter den Tisch fallen sollen derweil zwei sehr schöne Figurenmomente: Da ist zum einen Ryan (über dessen wundersam spontane Wandlung vom schwer verwundeten Komapatienten zum fit und fidel in der Ops herumwuselnden Chef wir jetzt kein weiteres Wort verlieren), der sich seiner Percy-Tendenzen bewusst wird - und beschließt, gegenüber der Präsidentin die Verantwortung zu übernehmen, auch wenn es für ihn Gefängnis bedeuten sollte. Das ist der vielleicht beste, auf jeden Fall der sympathischste Auftritt von Ryan seit langer Zeit.
Zum anderen freut es einen als Zuschauer natürlich zu sehen, wie sehr sich Nikita für Alex einsetzt. Nicht nur, als es darum geht, Alex gegenüber der Gang beizustehen, sondern auch später in der Ops, als ein verständlicherweise etwas skeptischer Ryan die Vertrauenswürdigkeit von Alex in Frage stellt und Nikita wiederholt für sie eine Bresche schlägt, indem sie sagt: „Wenn Ihr Alex nicht vertraut, dann dürft Ihr auch mir nicht trauen. Ich war auch bei Amanda auf dem Stuhl.“
Fazit
Self-Destruct hat seine guten Momente, ist aber alles in allem eine gegenüber den Vorwochen wieder etwas schwächere Folge. Das Ende lässt allerdings natürlich Großes für das Staffelfinale erwarten: Nikita & Co., jetzt auf sich allein gestellt, im Kampf gegen Amanda und Sam.
Trailer zu Folge 3x20 „High-Value Target“
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 28. April 2013(Nikita 3x19)
Schauspieler in der Episode Nikita 3x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?