Nikita 3x18

„I am not leaving Alex behind. I can't let Birkhoff be braver than me.“ (Tja, Sean, hättest Du Deinen Stolz einfach mal runtergeschluckt...)
Das passiert in der Nikita-Folge Broken Home:
Division ist durch die Meuterei in hellem Aufruhr: Michael (Shane West) und Sean (Dillon Casey) landen in einer Arrestzelle. Owen/Sam (Devon Sawa) ist zwar auf freiem Fuß, kann die Anlage aber mit der von ihm erbeuteten Black Box nicht verlassen. Alex (Lyndsy Fonseca) steht grundsätzlich auf Seiten der Rebellen, Probleme hat sie jedoch mit Rachel (Jessica Camacho).
Während Alex vor allem daran interessiert ist, dass alle heil herauskommen, verfolgen Rachel und ihre unmittelbaren Gefolgsleuten einen deutlich radikaleren Ansatz. Birkhoff (Aaron Stanford) bekommt das sehr direkt zu spüren. Weil er der Einzige ist, der die Division-Agenten aufspüren könnte, auch nachdem ihre Tracker deaktiviert wurden, ist er seines Lebens nicht mehr sicher.
Nikita (Maggie Q) ist unterdessen immer noch Amandas (Melinda Clarke) Gefangene - und Teilnehmerin an einem unfreiwilligen Psycho-Experiment. Amanda lässt Nikita mittels drogenunterstützter Suggestion die eigene Jugend nacherleben. Auf diese Weise erfährt Nikita, wo die Ursprünge für Amandas Karriere als Folter-Queen liegen...
Broken Home
Broken Home - schon lange hatte keine Nikita-Folge mehr einen so passenden Titel. Denn um ein kaputtes Zuhause geht es in beiden Handlungssträngen. Nikitas Rückkehr zu Division hatte im vergangenen Jahr unter der Überschrift Homecoming gestanden. Doch dieses Zuhause zerbricht unter den Folgen der Meuterei: am Ende ist Sean tot, Alex verschwunden, Division verwüstet und die Mehrzahl der Agenten fort. Der Versuch Nikitas, alle Division-Angehörigen durch das zwischen Ryan (Noah Bean) und der Präsidentin geschlossene Abkommen zu retten, ist spektakulär gescheitert.
Zugleich lernen wir in Broken Home noch ein weiteres kaputtes Zuhause kennen - das Zuhause, in dem Amanda aufgewachsen ist und welches auf verstörende Weise Assoziationen an den Fall Fritzl und ähnlich gelagerte Verbrechen in der Wirklichkeit weckt. Ein Vater (Christopher Heyerdahl, Sanctuary / Hell on Wheels) hält seine Tochter im Keller gefangen und missbraucht sie. Wenn auch nicht sexuell, sondern - nicht minder schockierend - als Versuchskaninchen für ein grausames Experiment, während ihre Zwillingsschwester bei ihm oben wohnt und lange Zeit nichts unternimmt.
Knapp gehalten
Wenn es etwas gibt, was man an Broken Home kritisieren kann, dann, dass die Szenen in Amandas Elternhaus durch den ständigen Wechsel mit dem Division-Hauptplot fast ein bisschen zu kurz kommen. Man hätte vermutlich analog zu Alex' Psycho-Trip in [episodes=Echoes, Nikita] auch Nikitas mentale Reise in die Vergangenheit Amandas in den Mittelpunkt einer Folge stellen können.
Allerdings macht die Kombination der beiden Geschichten in Broken Home durchaus auf mehreren Ebenen Sinn: thematisch (das zerbrochene Heim; die Erkenntnis, nicht jeden retten zu können) und auch vom Plot her (Nikitas Gefangenschaft bei Amanda erklärt ihre Abwesenheit in der Division-Zentrale, ohne die sich die Ereignisse dort nicht auf die gleiche Weise hätten abspielen können). Von daher soll das der Episode gar nicht als ein größeres Manko angerechnet werden.
Helen/Amanda
Auch so gelingt es der Folge - unter der Regie von Altmeister John Badham („War Games“, „Das fliegende Auge“, „Gegen die Zeit“) - schließlich, Amanda für uns weiter zu „entschlüsseln“ und eine Antwort auf die in Reunion aufgeworfene Frage zu finden, wer sie eigentlich „gemacht“ hat. Wir erleben Helen als ein Mädchen, das unvorstellbare Qualen zu erleiden hatte, weil sein Vater unbedingt einen Weg finden wollte, Soldaten zu helfen, damit sie im Krieg nicht an einer posttraumatischen Störung erkranken. Und deren Schwester, „Papas Prinzessin“, ihr zu spät hilft - und zu inkonsequent. Nämlich ohne den letzten Schritt zu gehen und den Vater zu töten.
Auf diesem Hintergrund wird natürlich verständlich, wie Amandas moralischer Kompass durcheinander geraten ist. Warum gerade der Versuch, anderen zu helfen und sie zu retten, wie ihn Nikita regelmäßig unternimmt, für Amanda ein solches Reizthema ist. Und warum sie umgekehrt, das Killer-Training, das sie den Division-Rekruten hat eingedeihen lassen, für eine gute Sache, ja geradezu ein Geschenk hält.
Faszinierend ist darüber hinaus, was die Folge über das Verhältnis von Amanda zu Nikita offenbart. Der Twist, dass Nikita in Amandas kleinem Psycho-Schauspiel in Wahrheit nicht sie, sondern ihre Zwillingsschwester darstellt, kommt zwar nicht völlig überraschend. Gelungen ist er aber trotzdem, weil es deutlich macht, welchen Platz Nicky in Amandas Bewusstsein einnimmt: den der Zwillingsschwester. Als „Papas Prinzessin“ ihr verhasst. Und doch kann sie nicht anders, als ihr über den Tod hinaus eine Lektion erteilen zu wollen. Gut möglich, dass das auch hinter ihrer Hemmung steckt, Nikita zu töten: sie hat ihren Zwilling einmal ermordet. Noch einmal ist sie dazu bei deren Wiedergängerin nicht im Stande.
Herzschlag-Finale
Das ist psychologisch komplex gestrickt - und stellt ein gutes Gegengewicht zu dem auf Spannung und Action angelegten Division-Plot dar. Dieser lebt vor allem von der schieren Unübersichtlichkeit. Da ist auf der einen Seite die Meuterei, dann schießt auf der anderen aber auch noch Owen/Sam quer. Alex, gequält von ihren Schuldgefühlen gegenüber all den Menschen, die sie in der Vergangenheit zurückgelassen hat, hofft, dass die Meuterei doch noch ein gutes Ende findet. Als die Jagd auf Birkhoff losgeht, muss sie ihr Scheitern einsehen. Der Moment, als sie langsam zu Boden geht und sich weinend zusammenkauert, ist dabei sogar noch um ein Vielfaches herzerweichender als später ihr Abschied von Sean.
Die Schießerei in der Ops ist ein echtes Herzschlag-Finale, welches beweist, dass Spoiler im Einzelfall durchaus spannungssteigernd wirken können. Wer wie der Rezensent nur die Überschrift einer SERIENJUNKIES.DE®-Meldung vom Freitag gelesen hat „48794“, der konnte damit rechnen, dass sich in dieser Szene etwas Schlimmes zutragen würde. Sollte es etwa den heldenhaft in Division zurückgebliebenen Birkhoff erwischen? Oder gar Alex? (Aber doch nicht ohne eine Verabschiedung von Nikita, rief eine Stimme in mir) Nein, am Ende traf es Sean, was - Dillon Casey-Fans mögen es mir verzeihen - fast einer Erleichterung gleichkam.
Letzter Dienst an der Serie
Casey hat seine Sache nicht schlecht gemacht. Und doch ist Sean als diese merkwürdige Mischung aus Navy Seal und Mamasöhnchen eine Spur zu blass geblieben, als dass man wirklich mit ihm mitgefiebert hätte. Das gilt auch für seine Beziehung zu Alex: Es hat nicht gestört, dass die beiden zusammenwaren. Aber - im Gegensatz zu Mikita - hat einen die Beziehung auch nie sonderlich emotional bewegt. Letztlich muss man, so hart es klingt, sagen, dass die Entscheidung, Sean sterben zu lassen, das Beste war, was die Autoren aus der Figur noch herausholen konnten: tot ist er eine schwere Sinn- und Lebenskrise für Alex. Lebend wäre er nur eine Verdopplung von Nikita gewesen, was die Funktion angeht, sich um Alex zu sorgen.
Fazit
Die Meuterei erreicht ihren Höhepunkt, Amanda erteilt Nikita die ultimate Lektion: Broken Home ist in jeder Hinsicht eine spannende, interessante und höchst kurzweilige Folge, mit der die Serie den nächsten großen Umschwung einleitet: Division scheint endgültig erledigt zu sein. Welche Richtung schlägt Nikita nun als nächstes ein? Mir persönlich hat ja das kleine familienähnliche Team am Ende von Staffel 2 - Nicky, Alex, Michael, Birkhoff und Sean (R.I.P.) - sehr gut gefallen.
Trailer zu Folge 3x19 „Self-Destruct“
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 21. April 2013(Nikita 3x18)
Schauspieler in der Episode Nikita 3x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?