Nikita 3x14

„Heidi yodels in the woods, and someone files a noise complaint about it, I want to know it!“
(Birkhoff hat wieder mal die beste Dialogzeile der Folge...)
Das passiert in der Nikita-Folge The Life We've Chosen:
Amanda (Melinda Clarke) hat Alex (Lyndsy Fonseca) gefangen genommen und nach Südossetien verschleppt, wo seit dem Krieg zwischen Russen und Georgiern so eine Art Wilder Westen mit Kalischnikovs und Wodka herrscht. Amanda schlägt ein simples Tauschgeschäft vor: Sie lässt Alex frei, wenn Division ihr dafür Ari (Peter Outerbridge) ausliefert. Nikita (Maggie Q) geht auf den Deal ein, plant jedoch, Ari zurückzuholen, da dieser der Schlüssel zum Entkodieren von Percys letzter Black Box ist.
Ryan (Noah Bean) lässt Nikita gewähren, schlägt hinter ihrem Rücken aber eine ganz andere Vorgehensweise ein: Er lässt Ari einen Kill Chip einsetzen, den Owen (Devon Sawa) aktivieren soll, sobald der Austausch vollzogen worden ist. Nikita ist entsetzt, als sie dahinterkommt. Alex unternimt währenddessen gemeinsam mit einer mitgefangenen russischen Krankenschwester (Olga Fonda) einen Ausbruchversuch, der jedoch böse endet...
Für 49 Euro jetzt in ein Bürgerkriegsgebiet ihrer Wahl...
Ja, da und dort gibt es in The Life We've Chosen kleinere Schwachpunkte: So ist es zum Beispiel erstaunlich, wie unvorsichtig Sean (Dillon Casey) den Truck in einen ziemlich offensichtlichen Hinterhalt manövriert. Auch sollten die Produzenten von Nikita in Zukunft etwas mehr Sorgfalt beim Einkauf von stock footage (Archivbilder, die man zum Beispiel zur Illustration einer ausländischen Location in die eigene Produktion montiert) walten lassen: So staunt man als deutscher Zuschauer doch nicht schlecht, mitten in Südossetien auf einmal einen ICE fahren zu sehen (und, nein, es gibt keine Verbindung der Deutschen Bahn dorthin, ich hab nachgeschaut...).
Ist Ari das wert?
Ansonsten ist die Episode natürlich ein ganz wundervolles Stück Fernsehen, welches qualitativ nahtlos an die vorangegangene Folge Reunion anknüpft. Im Mittelpunkt steht ein starker moralischer Konflikt: Hat es ein übler Zeitgenosse wie Ari, auf dessen Konto viele, viele Verbrechen gehen, verdient, dass man sich seinetwegen in Gefahr bringt? Nikita findet: Ja. Sie sieht in ihm ein Opfer von Amanda. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Durchaus nachvollziehbar ist jedoch, dass sie es als Niederlage gegenüber Amanda begreifen würde, müsste sie Ari opfern. Außerdem ist Nikita zutiefst von dem Gedanken angewidert, dass Division wieder zu „diesem Division“ wird, das solche Entscheidungen trifft und Kill Chips implantiert.
Für Ryan - und letzten Endes auch für Michael (Shane West) und Birkhoff (Aaron Stanford) - ist es dagegen nur das kleinere Übel und eine notwendige strategische Entscheidung.
Ein Leben für ein anderes
Als wäre dieser Konflikt noch nicht stark genug, wird er im letzten Drittel der Folge auch noch dadurch zugespitzt, dass es auf einmal nicht mehr nur um die eigene Sicherheit geht, sondern die Wahl auf einmal auch noch eine sehr liebe Krankenschwester umfasst, die Alex geholfen hat - und die genau deshalb lebensbedrohlich verwundet worden ist. Und plötzlich steht das Team vor der unmöglichen Entscheidung: zwei Menschen, die gleichermaßen sofortiger Hilfe bedürfen, aber die Ressourcen reichen nur aus, um einen davon zu retten. Was tun? Soll man den Verbrecher opfern, um die Krankenschwester zu retten? Weil sie der bessere Mensch ist?
Letzten Endes ist die Wahl, die Nikita und Alex jeweils für sich treffen, aber wohl weniger von moralischen Gesichtspunkten geprägt, als vielmehr von der Bande, die sie mit den jeweiligen „Opfern“ geknüpft haben. The Life We've Chosen gelingt hier das Kunststück, diese persönliche Beziehungen nahezu eins zu eins parallel zu setzen.
Nikita vs. Alex
Nikita und Ari haben eine Verbindung: sie solidarisieren sich über das gemeinsame Ziel „Screw Amanda!“ In Aris „It's the life we've chosen“ kommt außerdem noch das Gefühl einer beruflichen Schicksalsgemeinschaft als Agenten zum Ausdruck. Bei Alex und Larissa ist es die ähnliche Lebensgeschichte, die sie verbindet: beide haben ihre Familie durch Gewalttaten verloren. Larissas Tochter war außerdem ein großer Fan der „Prinzessin“ Alexandra Udinov.
Larissa hilft Alex bei ihrem Fluchtplan. Ari hilft Nikita beim Überfall der Georgier.
Alex verspricht Larissa zurückzukommen, um sie zu retten. Nikita verspricht Ari, ihn aus den Händen Amandas zu befreien. Beide haben ihr Wort gegeben, zu dem sie auch stehen wollen.
Damit tritt auf sehr überzeugende Weise genau das ein, was Amanda vorausgesagt hat: Nikita und Alex verfolgen einander ausschließende Ziele. Und am Ende verlieren beide: Dadurch, dass sie sich trennen, dass sie nicht als Team agieren, verfehlen beide ihre Ziele: Sowohl Larissa als auch Ari kommen ums Leben. Zwar hat Nikita - durch Aris Hilfe - die Black Box sicherstellen können, so dass zumindest Ryan mit dem Ausgang der Mission sehr zufrieden ist. Sein Kompliment am Ende, welch tolles Team Nikita und Alex sind, ist ein vom Drehbuch jedoch ein wunderbar gesetzter Kontrapunkt zu der ganz augenscheinlichen Tatsache, dass sie das eben momentan nicht sein. Beide haben die Erfahrung machen müssen, dass die jeweils andere nicht für sie da war.
Das schmerzt die beiden. Das schmerzt die Zuschauer. Das stellt jedoch gleichzeitig natürlich eine sehr schöne Möglichkeit dar, zwischen den beiden einen Konflikt zu generieren.
Fazit
Ein starker moralischer Konflikt, der nicht nur zwischen Nikita und dem Rest von Division, sondern schließlich auch zwischen ihr und Alex steht, bildet die Grundlage für eine spannende, mitreißende Episode, welche dazu beiträgt, die Schwäche der ersten Staffelhälfte in Vergessenheit geraten zu lassen. Zugleich ist es eine würdige Abschiedsfolge für einen großartigen Gegenspieler: Do swidanja, Ari Tasarov!
Trailer zu Folge 3x15 „Inevitability“
[videosj=nikita-3x15-trailer]
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 17. März 2013(Nikita 3x14)
Schauspieler in der Episode Nikita 3x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?