Nikita 3x13

Nikita 3x13

Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn sich alte Bekannte wiedersehen. Ein wahrhaft fesselndes Erlebnis! Man setzt sich zusammen. Ein Feuer wird entzündet. Und man plauscht innig über das, was einem so auf dem Herzen liegt.

Bekommen unfreiwillig Gelegenheit zu einer Aussprache unter alten Feindinnen: Amanda (Melinda Clarke, l.) und Nikita (Maggie Q, r.). / (c) The CW
Bekommen unfreiwillig Gelegenheit zu einer Aussprache unter alten Feindinnen: Amanda (Melinda Clarke, l.) und Nikita (Maggie Q, r.). / (c) The CW

Das passiert in der Nikita-Folge Reunion:

Ari (Peter Outerbridge) und Amanda (Melinda Clarke) haben Percys Black Box neu verschlüsselt - mit einem zweiteiligen Code, von dem jeder von ihnen nur die Hälfte besitzt. Ari fürchtet nun, dass Amanda seinen Sohn entführen könnte, um ihn zu erpressen. Stefan Tasarov (Dylan Minnette, Awake) geht in der Schweiz auf die Schule. Tatsächlich unternehmen Amandas Leute einen Versuch, ihn zu entführen, was jedoch von seinem deutschen Bodyguard Krieg (Andrew Divoff, Lost) verhindert werden kann.

Nikita (Maggie Q) und Alex (Lyndsy Fonseca) fliegen in die Schweiz, um Aris Sohn in Sicherheit zu bringen. Das Problem ist nur: Ari hat keine Möglichkeit, Krieg zu kontaktieren. Und nach dessen letzten Kenntnisstand, ist Division der Feind. Das macht es für Nikita und Alex naturgemäß etwas schwer, ihm überhaupt begreiflich zu machen, dass sie gekommen sind, um zu helfen. Und dann ist da auch noch Amanda, die hinter dem Jungen her ist...

Wieder in Form

Nach den zuletzt etwas schwächeren Folgen trumpft Nikita mit Reunion mal wieder richtig auf. Oder frei nach Alex: Es fühlt sich an wie in alten Zeiten. Sie und Nikita - gemeinsam auf einer wichtigen Mission. Mit Amanda haben sie eine absolut würdige, weil gleichermaßen gefährliche wie gerissene Gegnerin gegen sich (siehe zum Beispiel die Szene, in der sie die Schweizer Polizei ruft, um dann das Standardverfahren von Division zur Ablenkung der polizeilichen Maßnahmen für die Ortung von Nikita und Alex zu benutzen; das ist schon große Klasse!).

Herr Krieg

Und als besonderen Clou spielt die Folge auch noch „Terminator 2“ mit einem deutschen Widergänger von Arnold Schwarzenegger nach: Als hiesiger Zuschauer ist es vielleicht ein bisschen schwer zu glauben, dass ausgerechnet der viel gescholtene Verfassungsschutz (oder doch vielleicht der MAD? - das geht aus der Bezeichnung „german counter-intelligence“ nicht so klar hervor) eine solche Kampfmaschine von Bodyguard hervorgebracht haben soll. Aber sei's drum. Die Geschichte vom Leibwächter, der weit mehr als nur ein bezahlter Aufpasser ist, sondern aus einem geradezu väterlichen Beschützerinstinkt heraus alles tut, um den Jungen vor Schaden zu bewahren, gibt der Folge einen schönen emotionalen Anker.

Darüber hinaus darf er am Ende sogar noch das zu Beginn der Episode angesprochene Klischee von der deutschen Humorlosigkeit brechen. Da verzeiht man dann auch, dass bei seinem Deutschsein so ziemlich gar nichts stimmt. Die deutschen Anzeigen auf seinem Computer-Display sind fehlerhaft („05 sekundenverbleiben“). Sein deutscher Akzent klingt falsch. Wo sind Götz Otto oder Claude-Oliver Rudolph, wenn man sie mal braucht? Aber egal. Die Folge macht trotzdem großen Spaß.

Nikita und Amanda

Nikita erfährt von Ari, dass Amanda erst richtig durchgedreht ist, nachdem Nikky sie in Power verschont - und nicht erschossen hat, obwohl sie die Gelegenheit dazu hatte. Das dürfte in etwa hinkommen: seitdem ist Amanda davon besessen, Nikita zu beweisen, dass man nicht in diesem Job tätig sein kann, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Sie will - auch als Rechtfertigung sich selbst gegenüber - zeigen, dass sie und Nikita gar nicht so verschieden sind.

Das wird auch wieder in dem Gespräch deutlich, das die beiden während des Feuers führen: Amanda sieht es so, dass Nikita Alex „geschaffen“ habe, genau so wie sie selbst Nikita „geschaffen“ hat. Für Nikita handelt es sich dabei lediglich um eine Weitergabe von Fertigkeiten. Doch für Amanda ist es sehr viel mehr als das: Sie sieht es offenbar als eine Art von Elternschaft. Dafür spricht auch die Antwort, die sie Nikita gibt, als diese danach fragt, wer sie „geschaffen“ habe: „You are not the only one with daddy issues.

Der umgekehrte Ödipus-Komplex

Der emotional intensivste Augenblick der Folge kommt jedoch schon ein wenig früher, als Amanda über Alex die Voraussage trifft: „Like everything else you love she will turn against you.“ Und es ist ziemlich klar, dass sie hier von ihrer eigenen Erfahrung spricht: Auf ihre eigene seltsame Weise hat sie Nikita wie eine Mutter geliebt. Und hat es miterleben müssen, wie sich Nikita - wegen Alex - von ihr und allem, wofür Amanda steht, abgewandt hat.

Im klassischen Ödipus-Komplex ist der Sohn in die Mutter verliebt - und auf den Vater eifersüchtig. Was wir hier in Nikita vorfinden, ist so eine Art spiegelverkehrte Variante davon: Die „Mutter“ (Amanda) sehnt sich nach der Anerkennung der Tochter (Nikita) - und ist eifersüchtig auf die Enkeltochter (Alex). Ob man dieser Deutung nun folgen mag oder nicht: unbestreitbar ist wohl, dass das Figurendreieck Amanda-Nikita-Alex mit zum Interessantesten zählt, was die Serie an Charakterbeziehungen zu bieten hat.

Und es überrascht keineswegs, dass Amanda am Ende, nachdem ihr Aris Sohn durch die Lappen gegangen ist, sich nun also an Alex hält. Um Nikita zu erpressen, könnte sie kein besseres Druckmittel finden. Genau das macht diesen Cliffhanger so stark.

Ein deutsches U-Boot in der Arktis...

Gar keine gute Figur macht unterdessen Owen (Devon Sawa): er glaubt, dass Ari etwas über seine frühere Identität wissen müsste (was per se schon eine sehr optimistische Annahme ist). Als Ari ihm dann den Plot von Zero Hour auftischt, ist er eher bereit, diesen für bare Münze zu nehmen, als die viel wahrscheinlichere Erklärung, dass Ari tatsächlich nichts weiß. Und dann bringt er mit seinem überhitzten Gemüt auch noch Nikita in Gefahr.

Es mag ja Fans von Owen geben. Ich persönlich muss dagegen sagen, dass der beste Moment mit ihm in dieser Folge derjenige war, in dem Michael (Shane West) ihm die Kunst-Faust ins Gesicht rammt.

Fazit

Spannend, emotional, actiongeladen - diese Folge von Nikita hat wieder richtig Spaß gemacht!

Trailer zu Folge 3x14 „The Life We've Chosen“

[videosj=nikita-3x14-trailer]

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 10. März 2013
Episode
Staffel 3, Episode 13
(Nikita 3x13)
Deutscher Titel der Episode
Folge 13
Titel der Episode im Original
Reunion
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 8. März 2013 (The CW)
Autoren
Terry Matalas, Travis Fickett
Regisseur
Jon Cassar

Schauspieler in der Episode Nikita 3x13

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