Nikita 2x23

Nikita (Maggie Q) hatte Erfolg: Die Sprengladung hat tatsächlich die Steuereinheit für den SDI-Satelliten zerstört. Da Percy (Xander Berkeley) jedoch eine Kommunikationssperre über Division verhängt, können sie und Michael (Shane West) das Ergebnis ihrer Bemühungen aber nicht nach außen mitteilen. Der US-Präsident (Cameron Daddo) hat deshalb keine andere Wahl, als sich Percys Forderung zu beugen. Da er glaubt, dass die Bedrohung durch den Satellit nach wie vor besteht, zieht er seine Unterstützung für den afghanischen Friedensvertrag zurück, was Percy den gewünschten Zutritt in die Gruppe ohne Namen verschafft.
Für Nikita und Michael wird die Situation derweil immer brenzliger. Während sie von Division-Agenten gejagt werden, marschieren über ihren Köpfen die US-Marines auf. Denn, nachdem Percy enthüllt hat, dass die Geschichte mit dem Satelliten nur eine Finte war, ist der Präsident entschlossen, Division stürmen zu lassen...
Das Serienfinale, das zum Glück keines ist
Homecoming merkt man eines deutlich an: Die Produzenten haben, angesichts der schlechten Einschaltquoten auch kaum verwunderlich, offenkundig mit einer Absetzung von Nikita gerechnet - und die Folge deshalb als ein Serienfinale ausgelegt. Sonst hätte man Percy und Roan (Rob Stewart) wohl kaum sterben lassen.
Zu ihrem Abschied dürfen sich beide noch mal von ihrer besten (das heißt natürlich: bösesten) Seite zeigen. Die Widersprüche bezüglich des Plutoniums, die in der Rezension zur vergangenen Folge bereits Erwähnung gefunden haben „40137“, werden auf geniale Weise aufgelöst: Der gute Percy hat also nur so getan, als ob er eine Wunderwaffe besäße. Und alle sind darauf hereingefallen. Nikita, der Präsident - und natürlich auch wir Zuschauer. In Wahrheit droht er damit, auf wesentlich profanere Art und Weise eine weitere Kernschmelze herbeizuführen, wofür natürlich sein treuester Mitarbeiter, Roan, zuständig ist.
Die Tatsache, dass die Drohung einer weiteren Kernschmelze via Herz-Mechanismus an sein eigenes Wohlergehen geknüpft ist, nutzt Percy später, um Nikita in die Klemme zu bringen: Statt ihn ein für alle mal zu erledigen, ist sie sogar gezwungen, zu seiner Leibwächterin zu werden, nachdem er seinen bisherigen Untergebenen reinen Wein eingeschenkt und ihnen gesagt hat, dass er sie ohne ihr Wissen zum Teil einer höchst kriminellen Vereinigung gemacht hat, was die Division-Agenten zu einer gewissen Mordlust treibt.
Ein Gegner auf Augenhöhe
In dieser seiner letzten Episode bekommen wir damit noch einmal alles geboten, was Percy zu einem so großartigen Gegenspieler gemacht hat: Mit seinen Plänen häufig ein oder gar zwei Schritte voraus. Ein Meister der Täuschung und Manipulation, der sich darauf versteht, die vermeintliche Oberhand der Gegenseite zu seinem eigenen Vorteil zu verkehren. Ein durch und durch gewitzter und auf seine Weise auch witziger Antagonist, durch den Nikita stets enorm an Spannung und Klasse gewonnen hat. Mein Gott, jetzt verwandelt sich das hier schon in einen klagenden Nachruf auf einen Bösewicht!
Gleichzeitig zeigt Homecoming aber auch deutlich Percys Achillesferse: Denn nicht nur wir Zuschauer hatten stets Spaß daran, wenn er seine diabolischen Pläne in die Tat umgesetzt hat. Auch er selbst hatte daran Spaß. Zu viel Spaß. Wenn er selbst die Macht und die Oberhand hatte, wusste er einfach nie, sich zurückzunehmen. Er bringt den Division-Wachmann um, obwohl dieser ihn und Nikita schon passieren lassen wollte. Einfach weil er es kann. Und Percy kann es natürlich nicht lassen, sich vor aller Augen an Nikita Rache zu nehmen. Einfach weil er es kann. Weil niemand in der Lage ist, ihn daran zu hindern.
Doch genau darin liegt die geradezu klassische Hybris, die ihn schließlich zu Fall bringt. Und das im wörtlichen Sinne. Denn auch Nikita ist eine Meisterin darin, die Pläne ihrer Gegner zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen - und so beschließt sie einfach kurzerhand, das Signal, das von Percy im Falle seines Todes ausgeht dazu zu verwenden, Roan aufzuspüren.
Mehr noch als die reine Action, von der es in Homecoming natürlich reichlich gibt, ist es dieses Schachspiel zweier gleichwertiger Opponenten, durch das Nikita in den letzten zwei Staffeln so packend und reizvoll gewesen ist. Gut, dass es noch Amanda (Melinda Clarke) gibt, die sich mit dem Knacken von Percys letzter Box wieder als Gegnerin in Stellung bringt. Sonst müssten wir uns echt Sorgen machen, dass Nikita die würdigen Gegner ausgehen.
Die Kampfmaschine
Ebenfalls eine überzeugende Abschiedsvorstellung gibt natürlich Roan, der zum Abschluss noch mal so richtig draufhauen - und Alex (Lyndsy Fonseca) sogar den Arm brechen darf. Wie er sie und Sean (Dillon Casey) in Schach hält, unterstreicht noch einmal deutlich, was für ein physisch gefährlicher Gegner er ist. Im Grunde hatte er immer etwas vom Terminator. Und so ist es auch nur passend, dass er am Ende nicht direkt von Sean oder Alex, sondern von einem Stromschlag hinweggerafft wird.
Ach, sie werden uns fehlen, Roan und Percy!
Quo vadis, Nikita?
Zum Ende hin kommt Homecoming natürlich nicht umhin, sich mit der Frage zu beschäftigen: Und nun? Percy ist tot, Division in seiner jetzigen Form besiegt. Wie soll es jetzt weitergehen? In welcher Form sollen Nikita und ihre Freunde in unserer Fantasie (wenn die Folge tatsächlich das Serienfinale geworden wäre) oder auf dem Bildschirm weiterleben?
Die Antwort, die Homecoming darauf findet, stellt - zum wiederholten Male - einen radikalen Umbruch für die Serie dar. Um die Mitarbeiter Division, denen vor allem Sonya (Lyndie Greenwood) zuletzt ein Gesicht gegeben hat, vor dem Zorn der US-Regierung zu beschützen, stimmt Nikita zu, einer offiziellen Version von Divison beizutreten, welche unter der Leitung von Ryan Fletcher (Noah Bean) stehen soll „40332“.
Kann Division wirklich zu einem Instrument des Guten werden? Wird die erneute „Infiltration“ (wie Nikita es nennt) zu einer Verwandlung der Organisation führen können? Wir werden es in der kommenden Season sehen „40113“. Sehr schön ist auf jeden Fall, dass Homecoming mit einer gemeinsamen Szene von Nikita und Alex schließt.
So nett das Anbandeln von Alex und Sean auch anzuschauen ist, hat man dadurch in den letzten Folgen ein wenig die Interaktion zwischen den beiden eigentlichen Kern-Hauptfiguren vermisst. Davon wird es in der dritten Staffel hoffentlich wieder mehr zu sehen geben. Ebenso wie von Birkhoff (Aaron Stanford), der momentan den Don Juan der Nerds gibt - und jede Frau abzuknutschen scheint, die nicht bei Drei auf den Bäumen ist.
Fazit
Homecoming wäre ein gelungenes Serienfinale gewesen. Zum Glück ist es dazu nicht gekommen. Stattdessen ist es die Folge, die einem der genialsten Bösewichte der jüngeren TV-Geschichte und seinem Sidekick einen würdigen Abschied verpasst hat. Wir verneigen uns dankbar vor Xander Berkeley und Rob Stewart - und erwarten gespannt, wohin die an Wendungen schon bislang nicht arme Serie wohl als nächstes hinsteuern wird.

(Nikita 2x23)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x23
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?