Nikita 2x12

Nikita (Maggie Q) gewährt Alex (Lyndsy Fonseca) bei sich und Birkhoff (Aaron Stanford) Unterschlupf, was jedoch keineswegs ungefährlich ist. Denn Alex hat ja immer noch die Uhr ihres Vaters am Handgelenk, in welche Sean (Dillon Casey) einen Sender implantiert hat. Er weiß also genau, wo Nikitas Zufluchtsort ist. Da er Alex jedoch nicht in Gefahr bringen will, beschließt er, Nikita auf eigene Faust auszuschalten.
Unterdessen lässt Percy (Xander Berkeley) Amanda (Melinda Clarke) wissen, dass er innerhalb von 24 Stunden aus seinem gläsernen Käfig auszubrechen beabsichtigt. Sie hält das für unmöglich, trotzdem wird sie ganz schön nervös. Den Mitgliedern von Oversight bereitet die ganze Situation - die Angst vor Nikita, die schwarzen Boxen von Percy - derweil so viel Kummer, dass sie mit Ausnahme von Seans Mutter (Alberta Watson) der Ansicht sind, dass Division als solches ein Fehler war - und nur noch ein radikaler Schnitt helfen kann...
Vergessen sind die lahmen Folgen vom Staffelauftakt. Das ist Nikita, wie Nikita sein soll: Schnell, spannend, dramatisch. Sanctuary knüpft qualitativ nahtlos an die vorangegangene Folge Pale Fire an - und bietet dank eines dicht und clever gewobenen Plots Thriller-Spannung vom Feinsten. Zugleich verliert die Episode aber auch die emotionale Seite nie aus dem Blick.
Nikita ist für Alex mehr denn je die verständnisvolle, fürsorgliche (aber im Zweifelsfall - wenn das Kind zu Drogen greift - auch gestrenge) Mutterfigur. Die beiden wieder vereint zu sehen, ist einfach nur schön. Und mitunter auch witzig (als ihnen beispielsweise klar wird, dass sie sich in Looking Glass fast über den Weg gelaufen und nichtsahnend einander ins Grab gebracht hätten).
In emotionaler Hinsicht besonders bemerkenswert ist in Sanctuary aber natürlich die Konfrontation zwischen Percy und Amanda, welche darin gipfelt, dass Amanda zum ersten Mal einen Anflug von Gefühlen zeigt. Als Percy ihr unmissverständlich klar macht, dass sie niemals Gleichgestellte waren und es auch niemals „etwas Besonderes“ zwischen ihnen gab, da zeichnet sich ganz klar Verletztheit auf ihrem Gesicht ab.

Vor allem nachdem wir erfahren, dass es Amanda war, die Percy die ganze Zeit über bislang bei Bewusstsein halten wollte, drängt sich hier der Verdacht auf, dass es ihr, mehr noch als um Informationen, hauptsächlich darum ging, von Percy endlich als ebenbürtig anerkannt zu werden. Als sie das nicht erreicht, als er sie abkanzelt und sie sogar noch aus dem Käfig heraus mit der Ankündigung seines bevorstehenden Ausbruchs provoziert, da kann sie ihn genau so gut ins Koma versetzen. Das, was sie von ihm haben will, bekommt sie nicht. Dabei gibt sie sich doch so viel Mühe, es Percy gleich zu tun - und immer noch ein As in der Hinterhand zu haben. Oder in ihrem Fall einen mysteriösen Kompagnon, mit dem sie sich mittels eines versteckt gehaltenen Handys über einen gemeinsamen „Plan“ austauscht.
Oversight - allen voran der formidale Harris Yulin - wartet derweil mit der größten Überraschung der Folge auf: der Überlegung, Division samt Mann und Maus mit VX-Gas in die Agentenhölle zu befördern. Das hat einerseits die paradoxe Folge, dass wir uns - ähnlich wie Nikita - wohl zum ersten Mal um Division Sorgen machen. Andererseits erhöht es geschickt die Zahl der Bälle, auf die der Zuschauer zu achten hat: Während wir annehmen müssen, dass das Guardian-Team, welches zu Percys Befreiung unterwegs ist, mitten in das von Oversight geplante Massaker hineingerät, ist es am Ende genau umgekehrt. Der Kill Switch wird zum Druckmittel, mit dem sich Percy die Freiheit erpressen will.
Natürlich ist es ein bisschen arg zufällig, dass die Guardians gerade so rechtzeitig im Versteck von Oversight auftauchen, dass der Kill Switch schon entriegelt, aber noch nicht ausgelöst wurde. Die Wendung ist allerdings so mitreißend, dass sich die Handlungslogik hier ganz klar hinten anstellen muss. Ähnlich wie bei der ebenfalls etwas verblüffenden Rettung Nikitas durch Alex, welche gerade im richtigen Zeitpunkt am Strand auftaucht, als Ex-Navy-Seal Sean ihrer Freundin eine Kugel in den Kopf jagen will. Wollte Alex nicht eigentlich Milch und Brot einkaufen? Egal! Sie hat - wenn auch unbeabsichtigt - die Gefahr über Nikita gebracht, da ist es nur recht und billig, dass sie auch für Abhilfe zu sorgen hat.
Zugleich bereitet diese Szene natürlich auch die unterhaltsamste Nicht-Folterung der jüngeren TV-Geschichte ein: Statt Waterboarding wird ein Glas Wasser angeboten! Herrlich!
Fazit
Wird Nikita Division retten können? Oder Oversight? Wer hätte gedacht, dass das einmal der Cliffhanger einer Nikita-Folge sein würde? So oder so: Es steht offenbar mal wieder eine große Wende ins Haus. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf Clean Sweep.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 15. Januar 2012(Nikita 2x12)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x12
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