New Amsterdam: Review der Pilotepisode

New Amsterdam: Review der Pilotepisode

Die neue Krankenhausserie New Amsterdam spielt in einem der ältesten öffentlichen Krankenhäuser New Yorks. Hier treffen Tropenkrankheiten, UN-Abgeordnete und das übliche Chaos aufeinander. Mittendrin ist der neue medizinische Leiter Dr. Max Goodwin, der es wieder zum alten Glanz bringen will.

Szenenfoto aus „New Amsterdam (2018)“ (c) NBC
Szenenfoto aus „New Amsterdam (2018)“ (c) NBC
© zenenfoto aus „New Amsterdam (2018)“ (c) NBC

NBC hat eine neue Krankenhausserie namens New Amsterdam (2018) gestartet. Ryan Eggold spielt darin Dr. Max Goodwin, der neu als medizinischer Leiter des titelgebenden Krankenhauses einsteigt. In den letzten fünf Jahren gab es fünf Personen auf diesem Posten. Die Patientenmischung ist bunt: Denn neben Insassen von Rikers Island und UN-Politikern werden hier auch Seuchen wie Ebola, psychische Probleme oder ganz normale Patienten behandelt.

Goodwin ist kein üblicher Bürokrat, sondern jemand, der anpackt und die Zustände verbessern will. Für ihn geht es nicht darum, Geld aus dem Fenster herauszuwerfen, sondern darum, die Pflege und Behandlung zu verbessern - und damit beginnt er sofort nach Arbeitsantritt, auch wenn früh wetten laufen, dass er kaum ein Jahr durchhalten wird. Seine oft gestellte Frage im Auftakt lautet: „Wie kann ich helfen?

How can I help?

Goodwin ist ein Wirbelwind, gefühlter Tausendsassa und darüber hinaus noch jemand, der gerne mit anpackt und nicht hinter dem Schreibtisch hockt. In einer seiner ersten Amtshandlungen feuert er direkt eine ganze Reihe von Ärzten und will sie durch frische Köpfe ersetzen und wissen, wie er die Abläufe und Zustände im Krankenhaus verbessern kann. Seine Schwester und er wurden einst selbst in diesem Krankenhaus geboren, während seine Schwester mit nur acht Jahren hier wegen einer vermeidbaren Infektion verstarb, die sie sich vor Ort zugezogen hatte. Außerdem will er die Chefs der Abteilungen mit neuen Kräften entlasten. Ein paar Mediziner fallen ihm sofort auf. Dr. Hana Sharpe (Freema Agyeman) etwa, die das öffentliche Gesicht des Krankenhauses ist und lieber medienwirksam Interviews gibt, als Medizin zu praktizieren. Sie stellt er vor ein Ultimatum: Er will sie lieber im Krankenhaus als im Fernsehen sehen, weil sie talentiert genug ist, um einen großen Unterschied zu machen.

Dr. Lauren Bloom (Janet Montgomery) will etwa den Warteraum abschaffen und so schneller zur Behandlung kommen, was Goodwin sofort durchwinkt. Der Psychologe Dr. Iggy Frome (Tyler Labin) hätte gerne frische und gesunde Lebensmittel, was ihm ebenfalls erlaubt wird. Er ist im Auftakt mit einer jungen Patientin beschäftigt, die von einer Pflegefamilie zur nächsten wandert, dabei ständig Missbrauchserfahrungen macht und deswegen zu niemandem außer ihrem Arzt Vertrauen aufbauen kann. Im Endeffekt soll die Tochter ihrer ersten Pflegemutter sie unter ihre Fittiche nehmen, da die beiden einiges gemeinsam haben...

Dr. Anil Kapoor (Anupam Kher) kümmert sich um den Fall einer für bereits tot gehaltenen Frau, die fälschlicherweise mit Parkinson diagnostiziert wurde, aber eigentlich einen Tumor hat. Zwar wird sie weiterhin in Kürze sterben, hat jedoch, weil der Arzt seine Behandlung nicht überstürzt hat, Gewissheit und kann ihre Familie in der alten Heimat noch einmal sehen, nachdem ein Gefallen bei einem UN-Botschafter eingefordert wird. Denn manche UN-Politiker sind wegen eines Gaslecks ebenfalls hier in Behandlung...

Dr. Floyd Reynolds (Jocko Sims) gehört eigentlich zu den Ärzten, die gefeuert werden sollen, weil Dr. Bloom jedoch ein gutes Wort für ihn einlegt - und die beiden eine Affäre haben - schaut sich Dr. Goodwin seine Akte einmal genauer an. Dabei stellt er fest, dass es sich um einen guten Mediziner handelt, dem seine Patienten am Herzen liegen und der nicht sofort zum operativen Eingriff tendiert, sondern durchaus alternative Heilungsmethoden in Betracht zieht.

Chaotischer Alltag im New Amsterdam

Man merkt schon, dass offenbar immer etwas los ist im New Amsterdam, denn ein Junge wird auf Ebola-Verdacht eingeliefert, was bereits oberste Vorsicht bedeutet. Doch dazu kommt noch, dass ein Terrorverdacht besteht, weil der Junge von der ISIS als Werkzeug missbraucht worden sein könnte. Statt jedoch in ein Hostel am Times Square zu gehen, ist er ins Krankenhaus und lässt sich dort behandeln, weswegen sich Dr. Bloom und Goodwin um ihn kümmern und dabei versuchen, seine Unschuld in der Sache zu beweisen.

Nebenbei hat der Leiter des Krankenhauses auch privat alle Hände voll, denn seine Frau erwartet Nachwuchs, allerdings nicht ohne Komplikationen, so dass sie ins Krankenhaus kommen muss, wo es zunächst einen Schreck um den Herzschlag der Kleinen gibt und, weil das noch nicht alles sein kann, hat Dr. Goodwin selbst ebenfalls Krebs, wobei wohl in den folgenden Episoden Dr. Sharpe ins Spiel kommen soll. Glücklicherweise handelt es sich im Endeffekt nicht um Ebola, sondern um das gut behandelbare Lassa-Virus, auch wenn Dr. Bloom ihr Leben riskiert, um dem Jungen, der einen Anfall hat, zu helfen.

Operation gelungen?

Krankenhausserien gibt es immer wieder und sie gehören zu den großen Publikumslieblingen. Langlebige Erfolge wie Chicago Hope, Emergency Room, Grey's Anatomy oder House beweisen, dass die US-Zuschauer gerne dabei zuschauen, wenn die Götter in Weiß aktiv sind. Mit The Resident, The Good Doctor, Chicago Med und „Grey's“ ist auch im Networkfernsehen das Angebot an Medical-Serien bereits groß. Dennoch finde ich, dass der Cast in der neuen NBC-Serie seinen Job eigentlich ganz gut macht.

Dem Piloten kann man anlasten, dass er etwas zu vollgestopft ist und auf Biegen und Brechen alle relevanten Ärzte einführen möchte, wobei das wiederum im Genre eigentlich üblich ist, mit so viel Personal zu jonglieren. Dennoch braucht es meistens einen Twist, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Beim „Good Doctor“ ist es der Autismus-Faktor, der in eine ähnliche Kerbe schlägt wie die Genialität von House, bei dem das analytische Geschick dem eines Sherlock Holmes glich, auch wenn die Formel irgendwann erkennbar war. Bei „Grey's Anatomy“ ist es der große Soapfaktor mit einer Mischung aus spannenden und abwechslungsreichen Fällen. New Amsterdam (2018) versucht nun, den greifbaren Hospitalleiter zu etablieren, der ein absoluter Gutmensch ist, so viel Heilung wie möglich anpacken will und dabei mit verkrusteten Strukturen bricht. Das kann im Prinzip eigentlich recht unterhaltsam sein, wenn es spannende Patientenfälle bereitstellt.

Allerdings sind einige Entscheidungen bei genauerer Betrachtung auch großer Quatsch, wenn man sich beispielsweise die Szene rund um die Ansprache anschaut, in der Ärzte einfach so gefeuert werden. Hier wartet geradezu eine Reihe von Prozessen auf das Krankenhaus, wie man schon am Griff der Ärzte zum jeweiligen Handy sieht. Ob die Änderungen bürokratisch überhaupt so schnell umgesetzt werden können, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt. Gesundheitlich ist so viel hands-on-Mentalität des Leiters auch nicht gut, da muss er delegieren lernen, was in den kommenden Folgen sicherlich passieren wird.

Dazu kommt auch das Zwischenmenschliche, was im Auftakt zwischen Bloom und Reynolds angedeutet wird. Durch die Lage des New Amsterdam sollten die Serienmacher dazu in der Lage sein, bisweilen auch einige besondere Fälle rund um Politiker und Gefangene präsentieren zu können.

Fazit

Da die Darsteller rund um Eggold, Labine, Sims, Agyeman und Montgomery eigentlich recht sympathisch daherkommen und die Patientenfälle im Auftakt handwerklich gut gemacht und kurzweilig gestaltet sind, halte ich einen Erfolg von New Amsterdam (2018) für möglich. Hier wird zwar kein Heilmittel für echte Krankheiten erfunden, aber grundsolide Krankenhausunterhaltung abgeliefert. Im Piloten sind es noch zu viele Handlungsbögen auf einmal, aber man muss sicherlich erst einmal die Zuschauer bei der Hand nehmen und mit den Gepflogenheiten vertraut machen, ehe man aufs normale Erzähltempo geht.

Trailer zur Episode Golden Boy (1x02) der US-Serie New Amsterdam:

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