Neandertaler 1x01

Neandertaler 1x01

Mit Neandertaler präsentiert RTL II einen Serienpiloten, der sich wohl am ehesten als Trash beschreiben lässt. Dialoge, Kameraarbeit, Charaktere, Darsteller und Plot machen dabei vor allem Lust auf weniger.

Die „Neandertaler“ haben sich die Tiefstwertung aus dem Hause Serienjunkies verdient. / (c) RTL II
Die „Neandertaler“ haben sich die Tiefstwertung aus dem Hause Serienjunkies verdient. / (c) RTL II

Der deutsche Privatsender RTL II präsentiert mit Neandertaler seine zweite Eigenproduktion nach „Gottlos“, dessen Prämisse bereits zu dem absurdesten gehört, was uns Serienjunkies je untergekommen ist. Leider schaffen es aber weder Plot, Dialoge noch die Machart dabei, Lust auf mehr zu machen. Sie vermitteln einem stattdessen vielmehr das Gefühl, ganz im Sinne von Oliver Kalkofes „SchleFaZ“-Reihe, eine der trashigsten Serie zu sehen, die je produziert wurden.

Der Plot

Der Pilot beginnt dabei mit einer an „Hellboy“ in schlecht erinnernden „Origin-Story“ des Neandertalers, im Zuge derer wir sehen, wie 1991 irgendwo in Polen ein kleines haariges und mit tiefer Stimme grunzendes Baby geboren wird, das jedoch erst wieder im Zuge des nicht wirklich spannenden Cliffhangers aufgegriffen wird. Denn eigentlich geht es um die in der Jetztzeit lebende Gerichtsmedizinerin Lena Taubner (Natalia Belitski), die in einem vierfachen Mord ermittelt und dabei erschütternde Ergebnisse erzielt (es war ein Neandertaler).

Daneben widmet sich die vor allem durch schlechte Dialoge und willkürlich eingestreute Synchronisationen deutscher Darsteller aufstoßende Pilotepisode vor allem einer mit dem Schlaghammer im Eiltempo abgefrühstückter Exposition. Im Zuge derer erfahren wir, dass Lena Kontakt zu einem ehemaligen Professor der Genetik („DNA ist Wahrheit!“) sowie eine leider an Krebs erkrankte Schwester (böse DNA!) hat und nebenbei noch Kontakt zu einem Paläontologen mit dem Schwerpunkt Neandertaler aufbaut (jemand hat Neandertaler geklont!).

Weiterhin bekommen wir noch böse Pharmakonzerne serviert, die anscheinend in Polen bereits mehrere Neandertaler ins Leben gerufen haben, während noch ein paar an schlechtes Schulkabarett erinnernde Verweise auf Ausländerfeindlichkeit und Gleichstellung der Frau eingestreut werden. Denn eines ist mal sicher: Der Qualitätssender „RTL II“ will mit „Neandertaler“ nicht nur einen packenden Steinzeitthriller schaffen, sondern vor allem Missstände und Sozialkritik unserer Gegenwart aufzeigen.

Die Machart

Nachdem ich bereits die schrecklichen, der plumpen Exposition verschriebenen Dialoge und Synchronisationen aufzeigte, bleibt leider auch bezüglich der restlichen Machart kein allzu großer Wurf aufzuzeigen. So hält Lena die Scheußlichkeiten des Tatorts nur aus, indem sie sich des aus „The Boondock Saints“ bekannten Klischees der klassischen Musik bedient, in dem sich Willem Dafoes Charakter auf wesentlich eindringlichere Weise die Ohrstöpsel einsetzte.

Doch auch Szenen wie der Verzehr von trockenenen Bechernudeln wirken wesentlich verstörender, als sie irgendeine Form von selbstverständlicher Absurdität etablieren. Während man bezüglich der Hintergrundmusik vor allem auf das Credo „viel kann viel“ zu setzen scheint, so hinterlässt die Optik der Serie den Eindruck, hier das erste Low-Budget-Projekt eines Filmstudenten zu sehen denn eine wirkliche Senderproduktion. Das Blut sieht in jeder Einstellung wie Kunstblut aus, der kleine Babyarm mit Fell lässt auch nichts Lebendiges erkennen und die Kameraarbeit erzeugt trotz schiefer Einstellung und plumpen Schwenks auf bedeutungsschwangere Symbole auch leider keinen Augenorgasmus.

Fazit

Sollte Oliver Kalkofe irgendwann mal sein Repertoire von den „schlechtesten Filmen aller Zeiten“ auch hin zu den „schlechtesten Serien aller Zeiten“ erweitern, dann würde „Neandertaler“ ein Paradebeispiel dafür stellen. Die Darsteller bleiben mit Ausnahme des aus Dr. Psycho bekannten Ulrich Gebauer alle flach bis anscheinend so verfehlt, dass sie noch einmal nachsynchronisiert werden mussten. Der Plot ist nicht nur absurd, sondern einfach hanebüchen und trotz des ganzen archäologischen mumbo jumbo auch nicht interessanter zu gestalten und die der Exposition verschriebenen Dialoge bringen eher die Fußnägel zum Hochklappen, als irgendeine Form von Grundemotionen zu übermitteln.

Das mag jetzt zwar alles ziemlich scheußlich klingen, dennoch könnte „Neandertaler“ doch noch etwas für Zuschauer sein, die einen großen Spaß an der Fremdscham verspüren, wenn sie Trashproduktionen schauen. Sollte die Serie also allein aus diesen Gründen geschaffen worden sein, dann entschuldige ich mich natürlich für meine negative Wertung, soll diese dennoch irgendwie ernst gemeint sein, so lässt sich nur festhalten, dass „RTL II“ auch im Rahmen der fiktionalen Produktionen einen weiten Bogen um das Thema Qualität macht.

Verfasser: Henning Harder am Mittwoch, 21. September 2016
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Neandertaler 1x01)
Titel der Episode im Original
Folge 1
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 20. September 2016 (RTLZWEI)
Autoren
Matthias Dinter, Nikolaus Kraemer
Regisseur
Peter Gersina

Schauspieler in der Episode Neandertaler 1x01

Darsteller
Rolle
Natalia Belitski
Marc Ben Puch
NEO
Ulrich Gebauer
Bernd-Christian Althoff
Ulli Kinalzik

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