NCIS: Sydney 1x01

© CBS
Das passiert in der Episode „Gone Fission“ der Action-Crime-Serie „NCIS: Sydney“
Special Agent Michelle Mackey (Olivia Swann, Legends of Tomorrow) geht in NCIS: Sydney mit ihrem Partner DeShawn Jackson (Sean Sagar, Our Girl) einem Fall schwerer Strahlenvergiftung nach. Gemeinsam mit ihren australischen Polizeikollegen Eve Cooper (Tuuli Narkle, „Mystery Road: Origin“) und Jim „JD“ Dempsey (Todd Lasance) stößt sie dabei auf eine Schläferzelle, die sich an atomaren Geheimnissen der US Navy zu schaffen machen will.
Nichts Neues in Down Under
Wer das NCIS-Universum kennt, weiß, dass die Zuschauenden in der Regel nicht viel Neues erwartet. Die Fälle laufen fast immer nach demselben Whodunit-Schema unterteilt in fünf Akte (Cold Open plus Teaser sowie vier weitere Akte) ab. Die Motive variieren dabei zwischen krimitypisch und militärisch angehaucht. Pro Folge gibt es oft zwei Actionsequenzen, die sich in eine Verfolgungsjagd und Schießerei unterteilen und am Ende steht ein lockeres Beisammensein, um den Teamzusammenhalt zu beschwören.
Aufgepeppt ist das Ganze mit dem typischen Stilmittel des Schwarz-Weiß-Standbildes, das bestimmte Momente einfängt, oder in Zeitlupenform auf bald kommende Ereignisse verweist. So lässt sich im Groben der Aufbau einer Standard-Episode irgendeiner NCSI-Serie beschreiben.
Man kann sich also leicht vorstellen, dass die eigentliche Chemie, die das Publikum vor die Bildschirme lockt, in der Zusammenstellung des Teams liegt. Diese besteht üblicherweise aus einem Abteilungschef nebst Stellvertreter und zwei oder drei „Fußsoldaten“, die von einem brillanten Computernerd und einem nicht minder brillanten Rechtsmediziner unterstützt werden.
„NCIS: Sydney“ bildet da keine Ausnahme, wobei die Serie zusätzlich mit ihrer ungewöhnlichen Location außerhalb der USA zu punkten versucht. Grundsätzlich könnte der Coup auch gelingen. Die Supertotalen der atemberaubenden Metropole Sydney sind wie immer routiniert mit der Kamera eingefangen, die Blicke auf das berühmte Opera House kommen nicht zu kurz und natürlich dürfen auch Einblendungen von Kriegsschiffen und anderem Navy-Material nicht fehlen.
Das Ensemble
So betrachtet könnte man also resümieren, dass alles wie immer ist, wenn denn das Team eine ähnliche Sympathie wie etwa Scott Bakula, CCH Pounder und Zoe McLellan im New-Orleans-Ableger versprühen würde. Auch die Besetzung von NCIS: Hawai'i weiß in Sachen Wiedererkennungswert und publikumsseitigem Wohlwollen zu überzeugen.
Auf die Kombination Swann, Lasance, Sagar und Narkle will der Funke allerdings nicht wirklich überspringen. Das liegt zum einen an der betont cool auftretenden Swann, die ihrer Figur eine gewisse Überheblichkeit verleiht, die spätestens nach 25 Minuten an den Nerven zu zerren beginnt.
Lasances Figur Jim Dempsey hinterlässt hingegen einen beinahe schon harmlosen Eindruck, der der Episode sichtlich nicht guttut. Ein typisches Beispiel hierfür ist eine Szene, die sich auch im Hawai'i-Ableger des Öfteren manifestiert und die eine gewisse Holzhammermethodik nicht verleugnen kann.
Dempsey verfolgt einen Verdächtigen, der gut zu Fuß ist. Natürlich entwischt der vermeintliche Bösewicht dem gut durchtrainierten Cop. Letztlich ist es dann Mackey, die locker lässig an der Hintertür wartend den Gangster stoppt. Wenn es an dieser Stelle bei dem einen oder anderen Zusehenden klingelt, ist das nur allzu verständlich. Denn die Tatsache, dass Frauen Männern in jeder Hinsicht ebenbürtig sind, wird hier auf eine inflationäre, viel zu oft gesehene, und inzwischen langweile Art präsentiert.
Man könnte meinen, dem Produktions-Team fiele einfach nichts Besseres mehr ein um die Zähigkeit einer weiblichen Figur deutlich zu machen. Zahlreiche andere Serien, vor allem auch aus dem europäischen Raum, machen es da um Längen besser und sorgen mit guten Ideen für Atmosphäre.
Innovationsarmut bei den Aussies
Auch der von William McInnes gespielte Rechtsmediziner Doc Penroy und seine Computernerdkollegin Blubird (Mavournee Hazel) lassen sich leider nicht als Quell der Inspiration beschreiben. Die beiden bilden den komödiantisch angehauchten Block im Ermittlersechstett, der für ein wenig Auflockerung sorgen soll.
In „NCIS: Hawai'i“ übernehmen diesen Part Jason Antoon als Ernie Malik und Seana Kofoed als Medical Examiner Chase, nur eben sympathischer.
Überhaupt vermisst man im Spin-off schmerzlich jedwede Form von Neuerung. Angesichts der Tatsache, dass der Serienerfinder und Drehbuch-Autor der Pilotfolge Morgan O'Neill bislang nichts mit dem Franchise zu tun hatte, ist das schon beinahe bezeichnend. Der in der Pilotfolge vorgetragene Fall ist zwar durchaus routiniert erzählt, hält einige Spannungsmomente bereit und spart nicht mit Lokalkolorit. Doch im Grunde genommen geschieht auch hier nichts Unerwartetes, so dass man am Ende der Episode ein wenig ratlos über die Frage zurückbleibt, ob einem die Folge nun gefallen hat oder nicht.
Fazit
Eigentlich sollte man von einem derart ausgebügelten Franchise wie dem „NCIS“-Universum doch den Mut erwarten dürfen, sich irgendwann neu zu erfinden. Stattdessen setzen die Produzenten und CBS auf Altbewährtes, das man inzwischen nun seit 1331 (inklusive der ersten drei Sydney-)Episoden wie ein Mantra abspult. Solange das Ensemble noch für Abwechslung sorgt und das gewisse Etwas mitbringt, kann man über die Hamsterradroutine noch hinwegsehen.
Allein dies gelingt im Fall von „NCIS: Sydney“ aber nicht, da die Figuren in der Pilotfolge weder einen bleibenden Eindruck noch das Gefühl hinterlassen, dass man diese Truppe unbedingt wiedersehen möchte.
Vielleicht hätte man sich besser auf Japan als neue Location konzentrieren sollen, um dem Publikum das gute Gefühl zu geben, in neue Gefilde einzutauchen. Für diesen Neuaufguss in alten sowie löchrigen Schläuchen gibt es daher drei von fünf „NCIS“-Basecaps.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 21. November 2023NCIS: Sydney 1x01 Trailer
(NCIS: Sydney 1x01)
Schauspieler in der Episode NCIS: Sydney 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?