Nashville 4x21

Wie Deadline berichtet, wurden zwei Enden für diese Staffel gedreht, einmal mit Cliffhanger und einmal mit Happy End. Die Nashville-Macher bei Lionsgate haben sich dazu entschieden, das erstere ausstrahlen zu lassen und geben damit wohl ihrer Hoffnung deutlich Ausdruck, dass eine Rettung durch eine andere Senderheimat nach wie vor möglich ist. In Betracht könnten dabei unter anderem Hulu, Lifetime, CMT, Epix oder E! kommen.
Unter den Hashtags #BringBackNashville und #NashvilleFinale kämpfen zur Stunde nicht nur Cast und Crew, sondern auch jede Menge Fans in den sozialen Medien um den Erhalt der Musikserie. „Die Unterstützung der BringBackNahville-Kampagne ist wunderbar“, so Serienschöpferin Callie Khouri. „Nashville-Fans sind die besten. Wir sind so dankbar für die große Loyalität. Wir haben noch Geschichten zu erzählen und Lieder zu singen.“
Auch bei Lionsgate versprüht man öffentlich Zuversicht mit Tweets wie diesem hier.

Während wir also die Daumen drücken, dass die Bemühungen vor und hinter den Kulissen von Erfolg gekrönt sind, werfen wir einen Blick auf die Episode Maybe You'll Appreciate Me Someday.
Juliette im Ungewissen
Die letzten Sekunden des Staffelfinales bringen den großen Cliffhanger: Juliettes Flugzeug hat Probleme und wir bleiben zurück mit einem verzweifelten Avery (Jonathan Jackson), der sein Baby im Arm hält. Der mögliche Serientod der zentralen Figur heizt die Gerüchteküche weiter an. Bereits nach der Absetzung der Serie war darüber spekuliert worden, ob Hayden Panettieres private Situation einen Anteil an der Entscheidung gehabt haben könnte. Die Schauspielerin leidet seit der Geburt ihres ersten Kindes unter postnatalen Depressionen, mit denen sie bereits früh an die Öffentlichkeit gegangen ist und wegen derer sie sich zeitweise auch stationär behandeln lässt. Mit dem Staffelfinale halten die Serienmacher sich die Tür offen, die Story ohne einen ihrer Hauptstars weiterzuspinnen.
Auch die Serienfigur Juliette litt an postnataler Depression. Doch nun hat sie ein anderes Problem, nämlich den Tod von Jeff Fordham (Oliver Hudson), der umkam als er sie vom Selbstmord abhalten wollte. Hinter den Ermittlungen, den Schuldgefühlen, den Offenbarungen steckt ein Eifersuchtsdrama - und die vielleicht letzte Bösewichtin der Serie: Layla. Doch Avery ist nicht ganz so doof wie er manchmal scheint. Passend zum Serienfinale erkennt er, was los war und dann geht plötzlich alles ganz schnell.
Juliette trifft eine Entscheidung, die sich am meisten wie ein Serienfinale anfühlt. Sie hat viele fragwürdige Dinge im Verlauf der Serie getan und nun stellt sie sich der Öffentlichkeit mit dem Anliegen, der Welt zu zeigen, dass sie nicht diese großartige Person ist, die alle in ihr sehen. Und sie zeigt Reue, die man ihr abnimmt. Sie wäscht sich rein und gewinnt damit Averys Gefühle zurück. Fast kann man das Ende schon riechen, genauso fühlt sich ein Abschied in der Seifenopernsphäre an.
Und doch ist noch nicht gesagt, dass die Serienmacher das wirklich durchziehen für den Fall, dass eine weitere Staffel produziert wird. Die Leben der Figur und der Darstellerin haben sich in Bezug auf die Krankheit so sehr verwickelt, dass man sich kaum entscheiden kann, wofür man die Daumen drücken soll. Laut ihren eigene Posts hat Hayden Panettiere immer noch mit der Depression zu kämpfen und man wünscht ihr, dass sie sich Zeit für sich und ihre Familie nimmt, wie es einst Juliette erst lernen musste. Aber man möchte auch, dass es ihr so gut geht, dass sie ihre Arbeit wieder aufnehmen kann.
Platform for our agenda
Die Nashville-Crew hat nie einen Zweifel daran gelassen, wie sie über die aktuelle Diskussion der Homosexuellenrechte in den USA denkt. Nachdem der republikanische Gouverneur Bill Haslam in Tennessee ein Gesetz (House Bill 1840) unterzeichnet hat, das Therapeuten und anderen Menschen in seelsorgerischer Funktion die Erlaubnis erteilt, Patienten abzuweisen, deren Lebensstil den eigenen Idealen widerspricht, haben die Serienmacher und die Stars der in Nashville ansässigen Produktion mit einem Boykott gedroht.
Für das Staffelfinale haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Sänger Will (Chris Carmack) geht in die Höhle des Löwen und tritt in der Talkshow von Cynthia Davis auf, die der Reihe nach alle homophoben Anschuldigungen rausholt, die einem so einfallen. Angefangen bei der Bibel bis hin zu angeblicher Gehirnwäsche von Jugendlichen ist alles dabei. Doch Will kontert mit ruhiger Stimme und einer emotionalen Rede, die dem Darsteller und den Autoren zur Ehre gereicht. Und die nicht an der Grenze der Serienwelt ihre Durchschlagkraft verliert.
Naja, am Ende muss eines in dieser Serie ja sein: Will findet mit seinem Mitkämpfer Kevin auch noch die große Liebe. Man kann es ihm mehr als vielen anderen gönnen.
Comes with the territory. So many people think that way.
Auch eine andere Storyline bleibt nicht bei Liebesdrama stehen, sondern widmet sich in der vielleicht letzten Episode einem ernsten Thema, das den Serienmachern am Herzen liegt: der sexuellen Ausbeutung von Frauen in der Musikindustrie.
Rayna und Deacon sind zu Beginn der Episode darauf angewiesen, ihre älteste Tochter in sozialen Medien zu stalken um Neuigkeiten aus ihrem Leben zu erfahren. Und dort erfahren sie auch, dass Maddie mit einem Produzenten arbeitet, der einst schon versucht hat, Rayna zu vergewaltigen. Verletzlich und beschämt, so beschreibt Rayna ihre Gefühle, als sie geschwiegen hat, nachdem sie in ihrer Karriere sexuell belästigt wurde. Doch Deacon zeigt ihr, was wichtig ist: dass sie nun etwas sagt.
Und wie es in der Musikserie Tradition hat, schafft sie es mit ihrem öffentlichen Geständnis ihre Tochter direkt in dem Moment zu erreichen, in dem die Situation für sie kippt. Das gibt Maddie die Gelegenheit, sich selbst aus der Situation zu befreien und sich nicht lediglich auf die Erfahrungen ihrer Mutter zu verlassen. Und es macht auch die Entscheidung einfach, wie der Mann zu beurteilen ist. Eine Entwicklung hat er in den Jahrzehnten nicht durchlaufen, die Sache muss schnell gehen und daher kann es im Staffelfinale nur schwarz und weiß in dieser Storyline geben. Doch so lange haben wir diese Familie begleitet, haben wir den beiden Töchtern beim Aufwachsen zugesehen und mit den Eltern durch deren dramatischen Liebe gelitten. Mit all diesem emotionalen Gepäck, mit der langen Vorarbeit kann man dann auch mal ein paar Tränen vergießen, als die Familie sich endlich in den Armen liegt, besonders als die beiden Schwestern sich wiedersehen.
Am Ende finden auch die beiden zueinander, die wie kaum zwei andere füreinander bestimmt sind: Scarlett (Clare Bowen) und Gunnar (Sam Palladio) brauchen keine großen Worte, sie brauchen nur einen Kuss. Der - wohl bemerkt - auf der Bühne stattfindet. Die beiden sind vom Charakter her die privatesten Personen des Casts, und doch finden fast alle ihrer großen Momente vor Publikum statt. Wo der Vollprofi Rayna und die abgebrühte Juliette eine Show aus dem Ärmel schütteln, leiden Scarlett und Gunnar aus vollem Herzen. Ob ihr Zusammenbruch wegen ihrer Mutter oder ihre Trennungen: Die beiden sind nicht gut im Vorspielen und Unterdrücken. Sie sind dafür umso besser darin, uns die Hoffnung zu geben, auf einer Konzertbühne echte Emotionen zu bekommen.
Genauso wie die politischen, gesellschaftlichen und nun auch sendertechnischen Bemühungen des Casts und der Crew uns zeigen, dass auch die Serie für die Macher mehr als nur ein Broterwerb ist. Dass sie ihre Bekanntheit für den Fortschritt in der echten Welt einsetzen und dass auch sie an der Story hängen.
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 26. Mai 2016Nashville 4x21 Trailer
(Nashville 4x21)
Schauspieler in der Episode Nashville 4x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?