Naomi 1x01

© erienposter zur Serie Naomi (c) The CW
Die Serien-Adaption Naomi dürfte einen DC-Rekord aufstellen für die Figur, die nach ihrem Comic-Debüt am schnellsten eine eigene TV-Serie erhalten hat, denn erst im März 2019 kam die erste Ausgabe der Miniserie von Brian Michael Bendis, David F. Walker und Zeichner Jamal Campbell heraus und im Januar 2022 erfolgt nun das Debüt beim US-Sender The CW, der sie in seine DC-Schiene integriert. Zwar spielt Superman eine passive Rolle im Coming-of-Age der potentiellen Heldin, aber die Macher rund um Ava DuVernay und Jill Blankenship geben sich Mühe, das Gesicht des Schauspielers dahinter nicht genau zu zeigen. Auf der Hand liegen würde ein Auftritt von Tyler Hoechlin, der in Superman & Lois zwar offiziell zum Arrowverse gehört, aber abseits von den Crossovern nur wenige Interaktionen mit anderen DC-Recken hat, wenn man mal Diggle (John Ramsey) ausklammert.
In ihrer eigenen Serie wird die Titelfigur Naomi McDuffie von Kaci Walfall gespielt. Der Nachname ist übrigens eine klare Hommage an den leider viel zu früh verstorbenen Comic-Autoren Dwayne McDuffie, nicht nur für Marvel und DC, sondern auch Milestone, der Heimat von „Static“, geschrieben hat.
Worum geht es in Naomi?

Naomi wird uns als lebensfroh und in der Schule durchaus beliebte Person bei einer Party vorgestellt, die ein gewisser Nathan (Daniel Puig) schmeißt. Er ist, wie wir bald herausfinden, auch der Exfreund von Naomi, den sie aber immer noch mag. Wie Superman selbst ist auch Naomi adoptiert. Ihre Eltern, Jennifer (Mouzam Makkar) und Greg (Barry Watson, 7th Heaven) - letzterer ein Soldat -, versuchen, so offen es eben geht, mit ihr umzugehen und ihr alle Freiheiten zu geben, die sie sich wünschen kann. Auch wenn sie im entsprechenden Alter ist, soll sie aber bis zum Highschoolabschluss mit ihrem Skateboard zur Schule fahren können (was sich im Verlauf der Pilotfolge ändert).
Naomi betreibt eine Superman-Fanseite. Manche glauben im von Militärfamilien bevölkerten Heimatort Port Oswego nicht daran, dass der Superheld existiert und auch Comics zur Figur (und anderen DC-Helden) findet man hier im Comicladen.
Mitten im Unterricht erreicht Naomi eine Textnachricht ihrer Freundin Annabelle (Mary-Charles Jones), denn im Stadtzentrum wurde der Mann aus Stahl gesichtet. Für ihre Webseite braucht sie den Scoop und eilt daher los. Doch, bevor sie etwas von der Action sieht, verliert sie unter mysteriösen Umständen ihr Bewusstsein. Neugierig, wie sie ist, befragt sie die Augenzeugen und schaut sich ihre Smartphoneaufnahme an. Später recherchiert sie auf eigene Faust und entdeckt einige Ungereimtheiten, etwa Sicherheitskameras, die jemand zerstört hat. Naomi ist sich sicher, dass mehr hinter der Geschichte steckt, und befragt den örtlichen Tattooshop-Besitzer Dee (Alexander Wraith), der sie jedoch nur mit kryptischen Worten verunsichert. Er scheint allerdings mehr zu wissen, als er zugibt...
Ebenfalls mysteriös: Gebrauchtwagenhändler Zumbado (Cranston Johnson), der Naomi und die Ereignisse im Stadtzentrum genau beäugt, sie dann später bei ihrer Recherche aufsucht und ein Artefakt mitnimmt, dass sie an einem Ort findet, an dem Superman ebenfalls gewesen sein soll. Später brechen Naomi und ihre Schulfreunde auf der Suche nach Antworten auch in sein Büro ein und finden dort ein paar neue Spuren zu den Geheimnissen der letzten Tage.
Wegen all dieser Ereignisse stellt sich Naomi die Frage, wer ihre Eltern wirklich waren und wer sie eigentlich ist. Denn vor allem Dee bringt sie richtig ins Grübeln und zeigt ihr am Ende der Folge sein Geheimnis: Metallflügel, die Comickenner vielleicht an Figuren wie Hawkgirl und Hawkman erinnern...
You're asking the wrong questions

Ich bin mit der ersten „Naomi“-Miniserie als Fan vom Output des Comic-Autoren Brian Michael Bendis vertraut und bin überrascht, wie nah sich The CW in vielen Belangen an die Vorlage hält. Es gibt typische Talking-Head-Szenen, für die Bendis bekannt ist, eine moderne Hauptfigur mit diversem Hintergrund und Freundeskreis sowie die Andeutung von offenen sexuellen Vorlieben und ebenso die Tatsache, dass sie adoptiert ist (wie einige von Bendis' Kindern). Naomi ist in gewisser Weise die logische Konsequenz beziehungsweise das DC-Äquivalent zu seiner vorherigen Schöpfung Miles Morales. Beide wurden - zumindest ein Stück weit - erdacht, um den Figurenpool durch Charaktere zu erweitern, mit denen sich junge Leser identifizieren können, denn sowohl bei DC als auch bei Marvel gab es lange Zeit über viele weiße Figuren mit ähnlichen Hintergründen. Gerade seit den 2000ern, eher den 2010ern bemühen sich die Superheldenverlage besser, realistischeren Ansprüchen gerecht zu werden.
Im TV- und Filmbereich ist die Zahl von Helden mit nicht-weißen Hintergründen (siehe BIPoC) auch auf dem Vormarsch, aber immer noch klar in der Minderheit: Black Lightning, Luke Cage, „Black Panther“, „Shang-Chi“, „Ms. Marvel“, „Blade“ und „Moon Girl“ (als Animationscharakter) und irgendwann sicherlich auch „Miles Morales“ (abseits von Cartoons und Videospielen) sind hier zu nennen, von denen vor zehn Jahren kaum einer eine Medienpräsenz abseits der Comics hatte.
Da „Black Lightning“ inzwischen schon wieder beendet wurde, übernimmt „Naomi“ nun also die Lücke in der DC-Abteilung von The CW und bedient gleichzeitig eine wahrscheinlich jüngere Zielgruppe als die anderen Arrowverse-Serien.
Es ist spannend, wie man die Serie über die bisherigen sehr wenigen Comicauftritte erweitern kann und ob sie von den Zuschauern angenommen wird. Die etablierten Serien verlieren bekanntlich immer weiter lineare Zuschauer, auch wenn Neustarts des Senders, zumindest anfangs, oft gut ankommen.
Who am I?

Naomi legt in meinen Augen einen grundsoliden Einstand hin und glänzt mit einem sympathischen Ensemble, das von Walfall gut angeführt wird. Der Auftakt scheint etwas hipper und moderner (ebenfalls gut: der Soundtrack) als manch andere Arrowverse-Produktion. Man kriegt hier eher ein Format in Richtung Superman & Lois oder Stargirl als Batwoman, was als Kompliment gemeint ist. Insgesamt würde ich sogar sagen, dass es einer der besseren DC-Piloten des Senders ist, wobei man natürlich nicht drum herumkommt viele, viele Geheimnisse (an der Grenze zu zu vielen) und Fragen aufzuwerfen, die aber sicherlich auch dabei helfen, die Zuschauer für eine erste Staffel bei der Stange zu halten. Denn wie schon bei Arrow spielen bei dieser Figur Geheimnisse aus der Vergangenheit, die offenbart werden sollen, eine größere Rolle als etwa bei The Flash oder Stargirl.

Lange Zeit ist der Pilot bodenständig, deutet durch die Superman-Beteiligung aber natürlich auch schon früh Superwesen an und besonders die letzten Minuten zeigen dann natürlich, dass wir es hier wahrscheinlich mit außerirdischen Wesen zu tun haben werden.
Im Comic hat Naomi zwar auch Freunde und ihre Familie, ich habe aber den Eindruck, dass man für die TV-Version die Clique bewusst etwas größer gestaltet, denn The CW liebt im Superheldenbereich die Gruppendynamik.
Schon von Beginn an haben wir Andeutungen eines Liebesdreiecks/-vierecks und natürlich den Clash der Cool Kids und der Nerds. Die Figuren Dee und Zumbado sind manchmal schon jetzt etwas drüber, aber in einer Comic-Adaption sind solche Überzeichnungen eigentlich völlig normal.

Fazit
Als Kenner der Comicvorlage finde ich den Auftakt der Serie Naomi durchaus gelungen. Das liegt vor allem an den Schauspielern, die Lust auf den Stoff haben und an einem Drehbuch mit ein paar Mysterien, die im Verlauf der ersten Season ergründet werden wollen. Der Pilot findet eine gute Balance - wie schon die Comics - darin, dass man andere Helden und Mythologien zwar andeutet, aber dennoch recht eigenständig bleibt. Es wäre zu wünschen, dass das in der ersten Staffel so bleibt und die Figur es lernt, auf eigenen Füßen zu stehen, ehe sie vielleicht einmal - bei entsprechendem Erfolg - ins Arrowverse involviert wird.
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur Serie „Naomi“:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 12. Januar 2022Naomi 1x01 Trailer
(Naomi 1x01)
Schauspieler in der Episode Naomi 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?