Ms. Marvel 1x02

© zenenfoto aus der folge volltreffer der serie ms. marvel (c) disney+/marvel studios
Nach ihrem Ausflug auf die Avergerscon strotzt Kamala Khan (Iman Vellani ) in der Schule nur so vor Selbstbewusstsein in Volltreffer, der zweiten Episode von Ms. Marvel. Sie traut sich sogar ihren Sportlehrer zu korrigieren, der sie jahrelang falsch nannte und die Turteltauben vor ihrem Spint zur Seite zu bitten. Zoe (Laurel Marsden), die ohnehin schon in der Schule und in Social Media zu den beliebten Personen gehörte, konnte ihre Followerzahl durch ihre Aufnahmen bei der Convention vervierfachen. Außerdem erzählt sie allen von ihrer Rettung durch „Night Light“, wie sie sie tauft. Derweil gibt es einen neuen Schüler namens Kamran (Rish Shah), der zu einer von Zoes Partys eingeladen wird, weswegen Kamala nun dort natürlich auch hin muss, denn sie ist sofort in ihn verschossen.
Even Rocky had a montage!

Mit Kumpel Bruno (Matthew Lintz) lotet Kamala derweil ihre neuen Kräfte und Fähigkeiten aus, wobei auch erörtert wird, ob es vielleicht Parallelen zu etablierten Helden gibt. Es mag für manche abgedroschen sein, aber mir machen Superhelden-Trainingsmontagen, besonders bei jungen Helden, immer wieder Spaß bei der Trial-and-Error-Phase. Bruno meint, dass das Armband womöglich ihre latenten Kräfte entdeckt hat, denn seine Messungen ergeben, dass aus dem Schmuckstück selbst nichts abstrahlt, was man erfassen könnte. Es sieht aktuell so aus, als könnte Kamala Konstruktionen aus „hard light“ erschaffen, die anfangs aber nur sehr kurz haltbar sind. Mit ein wenig Übung kann Kamala dann aber schon etwas rutschen und Konstrukte schaffen, die sie als Plattformen nutzen kann. Nur: Reicht das für den Ernstfall?
Die Moschee ruft
Zusammen mit Nakia (Yasmeen Fletcher) besucht Kamala die Moschee, wo sie sich darüber beschweren, dass man Imam in dem abgetrennten Frauenbereich nicht hören kann. Das ist eine Szene, die es in der Comicvorlage übrigens fast genau so ebenfalls gibt. Andere Geschlechtsgenossinnen machen derweil Selfies und werden dafür gerügt. Und Nakias teure Schuhe wurden gestohlen. Kein Einzelfall, denn 22 Diebstähle ähnlicher Art gab es wohl schon. Zufälligerweise steht auch schon bald eine Wahl in der Gemeinde an, bei der Nakia für das Mosque Board kandieren wird.
Party Time?
Wieder Zuhause entschuldigt sich Kamala für das Rausschleichen bei der Mutter, hilft ihr mit ihren Tüten und möchte zu bereits erwähnter Party. Diesmal will sie sich auch tatsächlich an die Verabredung halten und um 9 Uhr wieder heim sein. Doch das erste was passiert ist, dass Kamala ein Vodka mit Orangensaft untergejubelt wird. Auch das ist eine Szene direkt aus den Comics. Wobei die Nachwirkungen der Party sogar zur Originstory rund um die Terrigan-Nebel gehören, die im MCU wohl keine Rolle spielen werden.
Auch Schwarm Kamran ist da, der beeindruckend in den Pool springt und seinen trainierten Körper zeigt. Wenig später wird die Party allerdins auch schon von der Polizei aufgelöst und ausgerechnet Kamran hat ein passendes „Fluchtauto“ sseines Onkels. Zu Brunos merklicher Genervtheit verstehen sich Kamala und Kamran sofort. Besonders das Thema Bollywood-Filme verbindet die beiden Jugendlichen. Zudem möchte ich die musikalische Untermalung positiv erwähnen, die eine gute Mischung aus Klassikern und modernen Stücken ist.
Kamalas ultimativer Schulwahnsinn

Neben den Parallelen zu Never Have I Ever, „Spider-Man: A New Universe“ (plus den Spidey-Filmen mit Tom Holland), erinnert Ms. Marvel in den ersten Episoden auch öfter mal an den Pixar-Film „Rot“ aka „Turning Red“. In beiden hat die Protagonistin, eine Superkraft, die vor der Mutter verborgen wird und in beiden Disney-Produktionen wird die Tatsache normalisiert, das heranwachsende Mädchen eben ihre Periode haben können. Kamala ist in dieser Folge eine leuchtende Nase unangenehm, weswegen sie sich auf das Mädchen-Klo verzieht, wo Nakia ihr Beistand anbietet, wobei die Freundin auch noch nichts von den Kräften ahnt. Zudem sind die beiden Muslimas nicht auf den Mund oder Kopf gefallen, was für einige jugendliche Zuschauer sicherlich Vorbildfunktion haben könnte. Die nervige Fraktion der Zuschauer, die Wokeness reflexartig verteufelt (ein ziemliches Paradox für Leser/ sogenannte Fans von Marvel-Inhalten), wird das zwar wahrscheinlich trotzdem nicht für sich gewinnen. Aber das würde wahrscheinlich so gut wie gar nichts.
Bruno scheint derweil eine große Chance zu erhalten. Für ein Stipendium darf er im nächsten Semester mal in CalTech reinschnuppern. Matthew Lintz, den mancher vielleicht noch aus The Walking Dead kennt, versprüht in meinen Augen ähnlich wie Kollege Tom Holland einen gewissen Marty-McFly-Charme. CalTech klingt zwar wie eine große Chance, aber für Bruno eben auch wie eine halbe Weltreise, für die er (noch) nicht bereit scheint. Lehrer Mr. Wilson ist auch immer entspannt und auf Augenhöhe mit den Schülern und hat passende Popkulturbeispiele parat, um sie zu motivieren.
Kamala verabredet sich derweil nach der Schule mit Kamran, der sie sogar ohne Fahrerlaubnis zu ihrem Restaurant fahren lässt, wo man über Bollywood philosophiert. Zufällig kommt Bruder Aamir mit seiner Verlobten dazu. Kamala behauptet, dass Kamran ein entfernter Cousin sei, an den sich Aamir aber nicht auf Anhieb erinnert, zumal dieser keinen britischen Akzent hatte.
Eid Mubarak

Insgesamt bieten die ersten beiden Folgen viele Slice-of-Life-Momente, konzentrieren sich darauf, die Zuschauer mit der engsten Familie, den Bekannten und Freunden und dem sozialen und kulturellen Umfeld bekannt zu machen, was mir gut gefällt. Beim Familienessen - zu dem auch die Verlobten am Tisch versammelt sind - erfahren wir außerdem mehr über Pakistan und den Konflikt mit den Briten, der einst viele Familien getrennt hatte. So auch Kamalas Mutter Muneeba (Zenobia Shroff), die wie durch ein Wunder (trail of stars) nur ihren Vater nach der Trennung wiederfinden konnte.
Kamala wird beim Essen ohnmächtig, nachdem das Armband aufleuchtet, und ruft später die Großmutter an, doch auch hier werden Geheimnisse um das Armband gemacht, während die Kamalas Mutter Muneeba von Ur-Großmutter Aisha als Person spricht, die große Schande über die Familie gebracht hat und Fragen nach ihr abwürgt. Wegen ihr musste man offenbar um die halbe Welt ziehen...
Wunderbar lebendig wird ist das Eid-Mubarak-Fest dargestellt, also das Fest des Fastenbrechens nach dem Fastenmonat Ramadan, in dem die ganze Nachbarschaft zusammenkommt und Wahlkampf für Nakia betrieben werden soll. Vor allem die Vorstellung der „Gangs“ ist überaus charmant gelöst und lockert die Stimmung auf. Kann Nakia ihren größten Fisch Yusef Khan (Mohan Kapur) an Land ziehen? Zwar tritt sie gegen seinen besten Kumpel an, aber als Kamalas beste Freundin bringt sie ebenfalls eine gute Argumente an.
Derweil wird Zoe von den beiden Mitarbeitern der DODC (United States Department of Damage Control) verhört, die man schon in Episode eins im Abspann sehen konnte. Die Bundesbehörde will mehr zu Night Light aka Ms. Marvel erfahren und Zoe gilt hier als gute Anlaufstelle für Informationen.
Beim Fest bringt sich derweil ein Junge auf einem Turm der Moschee durch ein riskantes Selfie-Manöver in Gefahr. Ein Smartphone ärmer hängt er in Lebensgefahr. Kamala fühlt sich berufen zu helfen und wirft sich in das Cosplay-Kostüm. Mit der Frage nach dem Lieblingsessen und der merkwürdigen Antwort einer Eiscreme-Pizza (er kombiniert tatsächlich Eiscreme und Pizza) lenkt sie ihn ab und kann so ihre Kräfte im Ernstfall erproben. Knapp kann Kamala ihn retten und sieht schon einige Memes vor ihrem geistigen Auge, doch dann verliert die junge Heldin die Konzentration als sie in einer Vision plötzlich ihre Ahnin Aisha sieht. Die Rettung wird für den Jungen dann doch noch etwas unsanft als er auf einem Autodach landet.
Kamala ergreift die Flucht und wird von Damage Control eingekesselt. Kamran stellt zufällig (?) ihre Rettung dar, doch auf dem Rücksitz befindet sich seine Mutter, die Kamala wohl schon kennenlernen dürfte. Comicleser dürften wissen, dass es bei Kamran auch noch den ein oder andere Twist geben könnte. Warten wir mal ab, wie die TV-Serie von der Figur Gebrauch macht.
Fazit

Nicht ganz so spektakulär und zum bersten gefüllt mit Kreativität und liebevollen Details wie der Auftakt, aber als Aufbau für den Jersey-City-Mikrokosmos ist auch die zweite Episode ein gelungenes Kapitel für Fans der Figur, die sie schon immer im MCU sehen wollten. Mehr zum Schulalltag, dem religiösen Leben, aber auch erste Schritte in Richtung Superheldin werden hier unternommen und einige Gegenspieler oder zumindest Gefahren positioniert, sowie einige Hintergründe zu den Ursprüngen der Kräfte geliefert. Ein wenig fühlt sich Ms. Marvel von der Struktur her an wie die ersten sechs Ausgaben von „Ultimate Spider-Man“ von Brian Michael Bendis und Mark Bagley. Man lässt sich Zeit für die Figuren und ihre Umgebung und gibt die Superkräfte als Beiwerk obendrauf. Es findet also eine langsame Entwicklung statt, was ich besser finde als Ms. Marvel direkt als perfekte Heldin zu zeigen, denn jeder macht wohl am Anfang einige Fehler und muss harte Lektionen lernen. Bislang mag ich die Mischung und freue mich auf die weiteren Kapitel.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 16. Juni 2022Ms. Marvel 1x02 Trailer
(Ms. Marvel 1x02)
Schauspieler in der Episode Ms. Marvel 1x02
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