Mr. Robot 4x06

© zenenfoto aus der Episode 406 Not Acceptable der US-Serie Mr. Robot (c) USA Network
In 406 Not Acceptable zieht sich die Schlinge um unsere Charaktere enger, denn während Krista (Gloria Reuben) von Vera (Elliot Villar) festgehalten wird, gerät auch Darlene (Carly Chaikin) in arge Bedrängnis, als sie von Dom (Grace Gummer) überrascht wird. Elliot (Rami Malek) sieht sich unterdessen gezwungen, seinen Zeitplan zu beschleunigen und setzt Olivia Cortez (Dominik Garcia) ohne Rücksicht auf ihren labilen Zustand unter Druck.
Crossing a line
Vera hält Krista in ihrem Apartment gefangen und beginnt damit, ihr Anekdoten aus seiner Vergangenheit zu erzählen. Damit schafft er es, sie Stück für Stück einzuschüchtern, um ihr schließlich etwas zu entlocken, mit dem er Elliot brechen kann. Schließlich gibt er ihr nach einigen spärlich versteckten Drohungen klar zu verstehen, dass es in ihrem Interesse liegt, Elliot fallen zu lassen und ihm zu geben, was er von ihr will, wenn sie die Sache heil überstehen will. Daraufhin bricht sie in ihrer Notlage ihre Schweigepflicht, um ihm das Geheimnis von Mr. Robot zu offenbaren.
Darlene bekommt derweil unerwarteten Besuch von Dom, die sie im Auftrag der Dark Army aufsucht, um ihr den Aufenthaltsort von Elliot zu entlocken. Als sie Janice (Ashlie Atkinson) den Status ihrer Mission mitteilt, erteilt diese ihr den Auftrag, Darlene umzubringen, die Informationen auf ihrem Handy zu bergen und ihr es zu übergeben, sobald sie es abholen kommt. Dom kann sich nach einigem Hin und Her nicht dazu durchringen, den Abzug zu drücken und bittet Darlene letztendlich verzweifelt darum, sie zu erschießen, damit der Albtraum für sie und die Gefahr für ihre Familie vorbei ist. Doch Darlene ist wiederum nicht in der Lage, diese Bitte zu erfüllen, was einer perplexen Janice bei ihrer Ankunft nicht entgeht. Zuvor gelingt es Darlene jedoch noch, die Daten von ihrem Handy zu löschen, bevor die Vertreterin der Dark Army es nutzen kann, um ihren Bruder aufzuspüren.
Dieser stattet Olivia einen Besuch ab, um sie zu einem Anruf zu zwingen, mit dem er essentielle Logindaten ihres Vorgesetzten abgreifen kann. Als er die Karten auf den Tisch legt, weist Olivia ihn entrüstet zurück, woraufhin er zu stärkeren Druckmitteln greift, um sie zur Kooperation zu zwingen. Von seinen Methoden übermannt und durch die Situation emotional überfordert, versucht sie sich im Bad das Leben zu nehmen, was Elliot gerade so noch verhindern kann. Geschwächt gibt sie schließlich nach und tätigt den Anruf für Elliot, der daraufhin aus ihrer Wohnung verschwindet. Ein Anruf von Krista, die ihm ihre Lage schildert, bringt ihn kurz darauf dazu, einen Umweg einzuschlagen, auf dem er von Veras Schergen abgefangen wird.
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Do the ends justify the means?
Mr. Robot dreht sich in 406 Not Acceptable viel um Moral beziehungsweise um Gewissen und die Frage, wie und ob man abscheuliche Taten vor sich rechtfertigen kann und sollte. Das resultiert in vielen Momenten, welche einem das Schauen aufgrund einiger schwer verdaulicher Inhalte zu einem unangenehmen Erlebnis werden lassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gezeigte nicht gelungen ist, es entfaltet so vielmehr wohl exakt die gewünschte Wirkung.
Fangen wir jedoch erst einmal bei den kleineren Details an, welchen man darüber hinaus etwas Beachtung schenken sollte: Im Gegensatz zu seiner Assistentin (Jing Xu), hat Whiterose (BD Wong) nicht vor, Elliot (Rami Malek) zu eliminieren, sondern präferiert vielmehr immer noch, ihn mit ins Boot zu holen, indem er ihm das zentrale Geheimnis seines Vorhabens offenbart. Dabei sollte man ebenso mit einbeziehen, dass es dementsprechend völlig zwiespältig wäre, vorher seine Schwester zu töten, wenn man im Anschluss auf sein Verständnis und seine Kooperation hofft. Daher kann man beinahe davon ausgehen, dass dieser Befehl für Dom von dessen Assistentin ausging und sich womöglich als kleiner Hoffnungsschimmer für sie in einer ausweglosen Situation entpuppen könnte. Zudem blitzt beim Wiedersehen mit Leon (Joey Badass) schon etwas foreshadowing auf, denn dessen Wink mit dem Zaunpfahl, dass seine Loyalität als Freelancer nun ganz dem allmächtigen Papier gilt, wurde sicherlich nicht umsonst platziert und könnte ihn als zukünftigen Verbündeten ankündigen.
Wenn die Episode einen Schwachpunkt hat, dann ist es der Part um Vera (Elliot Villar) und Krista (Gloria Reuben), was hauptsächlich daran liegt, dass Veras Charakter es bisher nicht schaffen konnte, besonderes Interesse zu wecken, so dass seine ominösen Andeutungen, er und Elliot wären von Anfang an verbunden gewesen, eher ohne Wirkung verhallen. Es fühlt sich einfach wie ein Nebenplot an, der aktuell von den wichtigen Geschehnissen und Fragen ablenkt. Das einzig Bemerkenswerte im Kontext der Episode ist dabei, dass Krista sich nun zu den Kollateralschäden in Elliots Orbit gesellen kann. Ob dieser Plot noch an Spannung und Bedeutung gewinnen kann, wird sich wohl erst in der nächsten Episode zeigen.
Beim Handlungsstrang von Dom (Grace Gummer) und Darlene (Carly Chaikin) kommt da schon deutlich mehr Spannung auf: Auch wenn man sicherlich davon ausgehen konnte, dass Darlene überleben wird, gilt dies zum einen nicht für Dom und zum anderen ist es die schiere Dramatik und Ausweglosigkeit der Situation, die dafür sorgt, dass man den deutlichen Drang verspürt, des Ganze weiterverfolgen zu wollen. Darlene mag zwar noch im letzten Moment eine Lebensversicherung aufgenommen haben, indem sie ihr Handy gelöscht hat, doch nach all den kleinen mit Bedacht eingestreuten Szenen, die ihr eine unheimliche Aura verleihen, will man wirklich nicht erleben, zu was für Grausamkeiten Janice wirklich fähig ist. Für Dom, deren Ringen mit sich selbst sie in dieser Episode vor eine Grenze der Belastbarkeit gestoßen hat, ist eigentlich der einzige Weg aus der Geschichte, sich auf die Seite von Elliot und Darlene zu schlagen, bevor etwaige Sanktionen der Dark Army etwas Permanentes mit ihr oder ihrer Familie anstellen.

Der Episodentitel ist für Elliots Verhalten in dieser Folge eine maßlose Untertreibung, denn zum ersten Mal wünscht man sich als Zuschauer wirklich, man hätte Einfluss auf unseren Freund und könnte ihn dazu bringen, mit dem aufzuhören, was er im Begriff ist zu tun. Mr. Robot (Christian Slater) versucht, ihm dabei noch ins Gewissen zu reden, doch es scheint so, als habe Elliot schon zu viel geopfert, um umzudrehen. Wer sich noch daran erinnern kann, wie er in der ersten Staffel in eps1.4_3xpl0its.wmv einen Mitarbeiter im Steel Mountain verbal auseinandernahm, der sah damals schon Elliots düstere Seite aufblitzen, in deren Zügen der Zweck für ihn die Mittel heiligt.
Doch im Falle von Olivia geht er noch ein ganzes Stück weiter und versucht krampfhaft, es vor sich zu rechtfertigen, dass sie sich ihrer Rolle hinter den düsteren Machenschaften hätte bewusst sein müssen. Sie demontiert jedoch seine Rechtfertigungsversuche und scheut sich verständlicherweise nicht, seine zum Selbstschutz errichteten Illusionen einzureißen, um ihm deutlich zu machen, dass auch er auf eine ganz perfide Art ein Monster ist. Dadurch lässt sie seine aufgebauten Narrative und Argumentationen immer dünner werden. Doch er lässt nicht locker, wohl um die Konsequenzen wissend, die sein Handeln nach sich zieht, denn er ist im Begriff, ein Leben zu zerstören. Voll und ganz über ihren labilen Zustand im Bilde, setzt er sie immer weiter unter Druck, so dass es keineswegs überraschend zu einem Suizidversuch kommt. Die Materie an sich und die zuvor geschaffene Sympathie für Olivia als Mensch, der täglich gegen Dämonen kämpfen muss, um nicht in ein Loch zu fallen und einen positiven Ausblick auf das Leben zu behalten, machen es unglaublich unangenehm, diese Szenen mit anzuschauen. Auch wenn Elliot sie letztendlich vor dem Ende bewahrt, so hat er doch etwas Unverzeihliches getan, welches einen erstmalig hinterfragen lässt, ob unser Protagonist nicht längst das Territorium der Antihelden betreten hat, ohne dass wir es richtig gemerkt haben. Rami Malek und Dominik Garcia haben zudem eine fantastische Chemie miteinander, weswegen diese Szenen umso mehr unter die Haut gehen.
Fazit
406 Not Acceptable ist eine Episode, die stellenweise so unangenehm ist, dass man sich danach emotional ausgelaugt fühlen kann. Das ist jedoch kein Vorwurf, sondern ein Kompliment, denn es bedeutet, dass einige Momente einen mit solcher Wucht treffen können, dass man noch über die Episode hinaus über die Implikationen des Gezeigten reflektiert. Knisternde Spannung durch ausweglos erscheinende Situationen, Grenzen und Ethik lauten die Kernpunkte einer Folge, die einen so schnell nicht loslässt.
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Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Mr. Robot, 407 Proxy Authentication Required (4x07):
Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 12. November 2019Mr. Robot 4x06 Trailer
(Mr. Robot 4x06)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 4x06
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