Mr. Robot 3x05

© ami Malek in „Mr. Robot“ / (c) USA Network
In der Episode eps3.4_runtime-err0r.r00 der Serie Mr. Robot steht Phase zwei des Plans der Dark Army kurz vor der Durchführung. Während Elliot (Rami Malek) dem entgegenzuwirken versucht, arbeitet Angela (Portia Doubleday) für die Gegenseite.
Do not leave me. Stay focused.
Zunächst scheint Elliots Arbeitstag bei E-Corp nichts Ungewöhnliches mit sich zu bringen. Doch das ändert sich äußerst schnell, als er feststellt, dass er seine Gegenmaßnahmen, das Recovery-Gebäude zu beschützen, nicht fortsetzen kann, da aus für ihn zu diesem Zeitpunkt nicht ersichtlichen Gründen seine Entlassung kurz bevorsteht. Verzweifelt versucht er, das Vorhaben der Dark Army zu durchschauen und deren Angriffspunkt zu identifizieren, während er gleichzeitig die Security des Konzerns ausmanövriert.
Schließlich muss er sich allerdings vorübergehend geschlagen geben und wird vor die Tür gesetzt. Diese wird zur selben Zeit von einem wütenden Protestmob eingerannt, der im Verborgenen von der Dark Army angestachelt wird. Der Mob sorgt für die Ablenkung, die Angela (Portia Doubleday) benötigt, um einen für Phase zwei wichtigen Backup zu machen, während um sie herum Chaos und Zerstörung toben. Auf dem Weg dahin muss sie nicht nur argwöhnische Sicherheitsleute überzeugen, sondern ist vor allem darum bemüht, die ganze Sache unversehrt hinter sich zu bringen, da die Protestierenden keine Rücksicht auf die Mitarbeiter oder die Einrichtung des Konzerns nehmen, um ihrer Nachricht mit Wut und Frust Ausdruck zu verleihen.
Tatsächlich gelingt es ihr, die Mission erfolgreich zu absolvieren, ihr Paket abzugeben und Irving (Bobby Cannavale) grünes Licht zu erteilen. Kurz darauf begegnet sie Elliot, dem kurz zuvor von Darlene (Carly Chaikin) gebeichtet wird, dass sie mit dem FBI zusammenarbeitet und Angela mit Mr. Robot (Christian Slater) unter einer Decke steckt. Ganz sicher hat er nun ein paar wichtige Fragen an seine Freundin...
Just 'cause we lit the fuse, doesn't mean we control the explosion
Mr. Robot ist mit seinen technischen Stilmitteln bisher stets experimentierfreudig und wenig zurückhaltend gewesen und kreierte dadurch bisher bereits eine Vielzahl an erinnerungswürdigen Szenen. Doch eps3.4_runtime-err0r.r00 wagt sich noch einen Schritt weiter: Die komplette Episode ist eine Art 45-minütiger Tracking-Shot und, kurz gesagt, nicht weniger als ein technisches Meisterwerk. Der Aufwand, die Kraft und die Planung, welche in die Dreharbeiten geflossen sein müssen, sind beeindruckend. Als kleiner Anhaltspunkt für den Umfang des Unterfangens: Allein die Szene, in der Angela im Serverraum zu sehen ist, während gleichzeitig die Fassade des Gebäudes von außen gezeigt wird, brauchte 27 Takes, um so perfekt zu sitzen, wie sie in der fertigen Version dargestellt wird.
Natürlich sind viele versteckte Schnitte in den Sequenzen, die man mit geübtem Auge entdecken kann, doch diese sind so geschickt platziert, dass wir mühelos ins Geschehen hineingezogen werden. Auch das Sounddesign hat diesmal ein dickes Lob verdient, angefangen von den subtileren „Glitch“-Effekten, bis hin zum stummen Kontrast während Darlenes Geständnisses, der Elliots Fokus und Schock durch die Nachricht unterstreicht, während der Geräuschpegel vor dem Eingang des Konzerns eigentlich seinen Höhepunkt erreicht. Ebenso stimmungsvoll sind die sich wiederholenden Warnmeldungen und Effekte, die während Angelas bedrohlicher Hälfte der Erzählung die Gefahr und das Risiko ihrer Mission verstärken.
Doch all das ist eben nicht nur eindrucksvolle Effekthascherei, denn die sehr bewusst gewählte Darstellungsart untermalt gekonnt die Paranoia und Angst der beiden Protagonisten während des Chaos im Hauptquartier von E-Corp. Als unsichtbarer Beobachter schweben wir um Elliot herum, während er die fehlende Puzzlestücke der jüngsten Entwicklungen zusammensetzt. Es ist gleichzeitig der größte Anteil an innerem Monolog, dem wir bisher lauschen durften. Vielleicht ist das sogar noch zu vorsichtig formuliert, denn vielmehr als nur lauschen spricht Elliot nicht nur direkt mit uns als Zuschauer, wir werden über dessen Schulter beziehungsweise Egoperspektive dazu animiert, mit ihm nach Lösungen zu suchen.
Dabei werden wir an einer Stelle von ihm getrennt, in der es besonders interessant gewesen wäre, seine Reaktion über den Verrat von Darlene und Angela mitzubekommen. Doch es bleibt kaum Zeit, darüber zu reflektieren, denn der Sprung in Angelas Perspektive sorgt für eine ganz andere Art von Spannung. Obwohl sie immer tiefer in die Ereignisse involviert wurde, so ist sie doch bisher weitestgehend von Gewaltentladungen der sich verändernden Welt verschont geblieben.
Umso schockierender wirkt das gewalttätige Chaos auf sie und perspektivenbedingt auch auf den Zuschauer, in dessen Zügen sie mehr als einmal nur knapp an Schlimmerem vorbeischrammt. Doch umso mehr bezeugt dies ihren Willen, sich für die Vision von Whiterose einzusetzen, wie auch immer diese nun aussehen mag.

Ein Kunstwerk in Episodenform
Doch Angela dürften auch einige Zweifel kommen, denn es scheint ihr zu dämmern, dass die Organisation sich nicht für die durch ihre Mittel zum Zweck verursachten Kollateralschäden interessiert, wie Irvings Reaktion am Telefon suggeriert. Die Explosion zu kontrollieren, ist nicht ihre Aufgabe, solange das daraus resultierende Ergebnis ihren Wünschen entspricht.
Außerdem sollte ihr klar sein, dass die arme Lydia Riley, die sie im Serverraum überraschte, dafür nun höchstwahrscheinlich mit dem Leben bezahlen wird. Dass ihre Sorge um die Evakuierung der Menschen des Zielgebäudes der Dark Army nun zum zweiten Mal sehr brüsk abgewiegelt wurde, dürfte auch nicht gerade einen vertrauenerweckenden Eindruck hinterlassen...
Währenddessen lohnt es sich, auch einen Blick auf das Weltgeschehen zu werfen, das nebenbei über die Monitore von E-Corp flimmert, denn offensichtlich steht China im Begriff, einen ganzen afrikanischen Staat zu annektieren, während der von Whiterose gelenkte Frank Cody (Erik Jensen) in seiner Sendung dagegen hetzt und ein entschlossenes und starkes Amerika fordert. Was aus Sicht der in China verwurzelten Dark Army wie Gegenwind anmutet, scheint zumindest das derzeitige Chaos weiter zu befeuern und den Frieden der Welt weiter zu destabilisieren, was der Organisation vermutlich in die Karten spielt. Doch derzeit sehen wir noch längst nicht das komplette Spielbrett, um zu erschließen, um welche Art von Spiel es sich handelt und wie das konkrete Ziel nun aussieht...
Fazit
eps3.4_runtime-err0r.r00 ist eine denkwürdige Episode, die in dieser Form noch von keiner anderen Serie gewagt wurde. Das ambitionierte und schlichtweg beeindruckend umgesetzte Konzept unterstreicht und treibt dabei die dadurch erzielte Atmosphäre auf eine einzigartige Weise. Dass der Plot hierbei außerdem essentielle, aber letztendlich nur kleine Sprünge macht, stört überhaupt nicht, denn als Zuschauer werden wir in den Strudel der Ereignisse gezogen, wie ein Papierschiff auf einem reißenden Fluss.
Was Sam Esmail und sein Team in dieser Episode auf die Beine gestellt haben, ist allein vom technischen Standpunkt ausgesehen ein wahres Meisterwerk, welches sich jegliche Aufmerksamkeit und Würdigung redlich verdient. Davor kann man nur respektvoll den Hut ziehen und sich auf die Ideen freuen, welche diese Staffel noch auf uns warten.
Verfasser: Tim Krüger am Montag, 13. November 2017Mr. Robot 3x05 Trailer
(Mr. Robot 3x05)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 3x05
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