Mr. Robot 3x03

Mr. Robot 3x03

In dieser Woche setzt Mr. Robot vollends auf Aufklärung und stellt in einer Episode voller Flashbacks mit Tyrell im Zentrum quasi lückenlos den Übergang zwischen der ersten und der zweiten Staffel sowie weiteren, dem Zuschauer bisher vorenthaltenen Ereignissen her.

Martin Wallström in „Mr. Robot“ / (c) USA Network
Martin Wallström in „Mr. Robot“ / (c) USA Network
© artin Wallström in „Mr. Robot“ / (c) USA Network

In der Episode eps3.2_legacy.so verlässt sich Mr. Robot ganz auf Tyrell (Martin Wallström) und rückt den Fokus auf dessen Verbleib seit den 5/9 Hacks. Dementsprechend werden wir auch Zeuge der Intervention und Involvierung der Dark Army in ihre Pläne und der Entwicklung seiner Elliot-Obsession.

Zunächst erleben wir in der Nacht der 5/9 Hacks erstmalig, was geschah, nachdem Mr. Robot (Christian Slater) die versteckte Pistole aus dem Popcornautomaten nahm und auf Tyrell zuschritt. Zwar wussten wir bereits, dass Wellick diese Konfrontation überlebt hat, können jedoch ein wenig überrascht feststellen, dass Mr. Robot tatsächlich den Abzug gedrückt hat und lediglich eine Fehlfunktion der Waffe Tyrell vor dem Tod bewahrte.

Dieser interpretiert dies als göttliche Intervention, wirft sich Mr. Robot devot zu Füßen und bietet ihm seine uneingeschränkte Treue an. Mr. Robot wägt dessen Instabilität gegen den möglichen Nutzen ab und entscheidet sich dafür, ihn am Leben zu lassen. Kurz darauf bekommen beide ungebetenen Besuch von der Dark Army, welche in Anbetracht eines durch den Hack verursachten potentiellen Sicherheitsrisikos das Zepter in die Hand nimmt und die beiden vorerst voneinander trennt.

Während Elliot (Rami Malek) verhaftet wird, sorgt Irving (Bobby Cannavale) dafür, dass Tyrell in Sicherheit in einer kleinen Landhütte abseits der Stadt die Vorbereitungen für Phase zwei einleiten kann. Parallel veranlasst Whiterose (BD Wong) die Freilassung von Elliot und bringt politische Schachfiguren in Stellung.

Unzufriedenheit und viele andere angestaute Emotionen verleiten Tyrell zu einem Fehler, durch den er vorübergehend in Polizeigewahrsam landet. Agent Santiago (Omar Metwally), Di Pierros (Grace Gummer) Boss, kann ihn allerdings aus dieser unliebsamen Situation befreien. Kurze Zeit später kommt es nach der Entlassung von Elliot zu dem uns bekannten Wiedersehen der beiden. Während ein aufgelöster Tyrell im Anschluss daran mit sich selbst aufgrund des Schusses auf seinen Kumpanen hadert, weiht ihn Angela (Portia Doubleday) in ein Geheimnis in Bezug auf Elliot ein.

In eps3.2_legacy.so räumt Mr. Robot mit den vagen Andeutungen und Lücken der zweiten Staffel auf und besinnt sich zugunsten seiner Thrillerwurzeln auf klare Auflösungen. Das nimmt einerseits der mysteriösen Stimmung etwas ihre Kraft, sorgt gleichzeitig aber dafür auch für wesentlich detailliertere Charakterzeichnung, die für einige Figuren im kleinen Rahmen und für Tyrell im großen Stil hinzugefügt wird.

Als eine zentrale Figur der Geschichte halte ich es für eine wichtige und richtige Entscheidung, dem instabilen Wellick mehr Tiefe zu geben und uns dessen Entwicklung während der Ereignisse der zweiten Staffel nachvollziehen zu lassen. Bisher funktionierten Episoden, in denen Elliot (Rami Malek) abwesend war, eher mäßig. Doch aufgrund des entstandenen Nachholbedarfs bezüglich Wellicks Figur, des charismatischen Schauspiels von Martin Wallström und Sam Esmails verlockender Charakterzeichnung geht das Konzept der Folge vollends auf.

Da stört es auch nicht, dass der aktuelle Plot durch die Flashbacks nicht vorangetrieben und die Episode kein großes Tempo vorlegt, denn mehr Charaktertiefe und viele neue Informationen legen ein wunderbares Fundament für die dritte Staffel. Nun verstehen wir, wie es dazu kam, dass Tyrell Elliot dermaßen vergöttert, denn wahrscheinlich sieht er den Fakt, dass Mr. Robot sich mit der defekten Waffe bei einem weiteren Schussversuch die Hand weggesprengt hätte und sich stattdessen dagegen entschied, abzudrücken, ebenso als göttliche Intervention an.

Genau genommen ist es allerdings lediglich Elliots Mr.-Robot-Persona (Christian Slater), zu dem er diese tiefe Verbundenheit spürt und wie er auf dessen Geheimnis nun reagiert, können wir momentan nur erahnen.

Spannend mit anzusehen und schauspielerisch stark war die psychologisch intensive Befragung durch den kokainschniefenden freundlichen älteren Herrn namens Mr. Williams (Wallace Shawn), dem es durch ein wenig Druck mühelos gelingt, den labilen Tyrell an seine Grenzen zu bringen. Dabei scheint das einzige Unerschütterliche für Tyrell seine Loyalität zu Elliot und dessen Vorhaben zu sein. Daran klammert er sich verbissen fest. Erstaunlicherweise schafft es die Serie dabei tatsächlich, beim Zuschauer für einen Psychopathen wie Tyrell Empathie zu wecken. Ich wäre jedenfalls sehr enttäuscht, wenn ihm in nächster Zeit etwas zustoßen würde, zumal wir als Zuschauer diese Episode gemeinsam mit ihm durchs Exil gegangen sind. Wenn aber ausgerechnet jemand wie Mr. Robot ihn schon als „Looney Tunes“ bezeichnet, sagt das bereits einiges über seinen Geisteszustand aus...

Die kurze Szene zwischen Cisco (Michael Drayer) und Darlene (Carly Chaikin) untermauert noch einmal, wieso Elliots Schwester derzeit am Boden zerstört ist: Es ist nicht nur der Verlust von Cisco an sich, der sie verständlicherweise mitgenommen hat, sondern eben auch, dass er nach einer Gelegenheit suchte, gemeinsam mit ihr auszusteigen. Doch zur damaligen Zeit konzentrierte sie sich vollends auf die Geschehnisse in und um fsociety und verschob die Gelegenheit nach hinten. Das dürfte sicherlich einer der Gründe sein, weswegen sie sich Vorwürfe macht und sich die Schuld an Ciscos Tod gibt.

Bobby Cannavale in „Mr. Robot“
Bobby Cannavale in „Mr. Robot“ - © USA Network

Irving (Bobby Cannavale) wirkt nach dieser Episode nicht mehr ganz wie ein Fremder, schließlich wissen wir nun auch, dass er chronologisch gesehen seit Anfang der zweiten Staffel aktiv für Whiterose ins Geschehen eingreift. Zudem erfahren wir ein paar persönliche Dinge über ihn: Er ist geschickt darin, andere Menschen, wie in diesem Fall Wellick, mit erfundenen Geschichten zu manipulieren und sie auch ohne Waffengewalt dazu zu bringen, seine und die Ziele seines Arbeitgebers umzusetzen. Zudem hat er, wenn man die Wiedergabe an der richtigen Stelle seines sich in Arbeit befindenden Manuskripts stoppt, einen wirklich passablen Schreibstil als Autor...

Eine der größten Offenbarungen der Episode ist das Auftauchen von Di Pierros Vorgesetztem beim FBI (Omar Metwally), denn nun wissen wir, dass Agent Santiago für Whiterose arbeitet und mürrisch, aber bestimmt dazu bereit ist, sich die Hände schmutzig zu machen. Das dürfte also in Zukunft einen nicht unwesentlichen Einfluss auf Di Pierros Ermittlungen nehmen, zumal ebenfalls stark suggeriert wird, dass der Angriff auf das FBI im Zuge der Chinareise von Whiterose ausging und Santiago bereits vorgewarnt war.

Whiterose selbst ließ mit Talkshowhost und Verschwörungstheoretiker Frank Cody (Erik Jensen) jemanden einfligen, der viel mehr als nur ein mächtiger Meinungsmacher zu sein scheint und durch seine Manipulationen offenbar sogar Präsidenten ins Amt heben kann, egal wie kompetent oder berechenbar diese in seinen Augen sind. Dies ist eine Szene, in der Sam Esmail durch den Seitenhieb auf Trump bisher am deutlichsten ein politisches Statement in seiner Serie platziert hat, mit dem Twist, dass die Chinesen unter Whiterose für den orangefarbenen Mann im Weißen Haus verantwortlich sind.

Fazit

Eine komplette Flashbackepisode ohne Elliot klingt gewagt, geht jedoch vollends auf. Mein Wunsch, nach dem Staffelstart etwas mehr Aufklärung und Klarheit zu erhalten, wurde offenbar erhört, denn eps3.2_legacy.so präsentiert umfassende Informationen zu den Geschehnissen der zweiten Staffel und liefert dabei wichtige Charakterzeichnungen nach. Neben Elliot ist eben auch Tyrell eine große Kernfigur der Serie und Martin Wallströms charismatische Darbietung zeigt auf, wie sehr seine Präsenz vermisst wurde.

Zwar hat die relativ ruhige Episode keinen riesigen „Wow-Effekt“, doch sie stellt die richtigen Weichen für eine unterhaltsame dritte Staffel und packt die richtigen Punkte an, damit wir unseren Blick dank dieses sehr soliden Fundaments ohne Ablenkungen auf das Kommende richten können. Und eben genau das macht diese Episode so richtig stark.

BD Wong in „Mr. Robot“
BD Wong in „Mr. Robot“ - © USA Network
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 26. Oktober 2017

Mr. Robot 3x03 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 3
(Mr. Robot 3x03)
Deutscher Titel der Episode
legacy.so
Titel der Episode im Original
eps3.2_legacy.so
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 25. Oktober 2017 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Januar 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 15. Januar 2018
Autor
Sam Esmail
Regisseur
Sam Esmail

Schauspieler in der Episode Mr. Robot 3x03

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