Mr. Robot 2x10

In der Episode eps2.8_h1dden_pr0cess.axx der Serie Mr. Robot müssen Cisco (Michael Drayer) und Darlene (Carly Chaikin) eine moralische Entscheidung treffen, während Elliot (Rami Malek) einen Besuch von Joanna Wellick (Stephanie Corneliussen) bekommt. Angela (Portia Doubleday) versucht auszusteigen während Dom (Grace Gummer) fsociety immer näher kommt.
Politics is for puppets
In der E-Corp-Zentrale erläutert Philipp Price (Michael Cristofer) gegenüber von Terry Colby (Bruce Altman) seine Motivation, als einer der mächtigsten Männer der Welt das Zepter in der Hand zu halten. Fernab davon muss Elliot sich gut überlegen, ob er die „Bitte“ von Joanna Wellick, ihre Mann zu finden, ausschlagen sollte.
Er entschließt sich dazu, sie zu unterstützen, muss aber verwundert feststellen, dass ein vermeintlicher Anruf von Tyrell Mr. Robot (Christian Slater) in die Flucht schlägt. Die Spur des Mobiltelefons, welches Elliot im Auftrag von Mrs. Wellick verfolgt, führt laut ihres Bodyguards Mr. Sutherland (Jeremy Holm) zu einem Ort an dem sich Tyrell unmöglich aufhalten kann. Anschließend trifft der junge Hacker sich mit Angela, die ihn vorwarnt, dass sie vorhat, dem FBI ihre Beteiligung an der Unterwanderung des Kommandopostens der Behörde bei E-Corp zu gestehen.
Darlene und Cisco müssen sich derweil mit einem verwundeten Kollegen auseinandersetzen, der dringend medizinische Hilfe benötigt. Nachdem Darlene zunächst strikt gegen die Einweisung des Verletzten in ein Krankenhaus ist, bekommt sie von einem über ihre Entscheidung entsetzten Cisco dermaßen den Kopf gewaschen, dass sie einsieht, dass ihr das Leben ihres Kollegen nicht gleichgültig sein sollte und nicht hinter ihre Ängste um fsociety gestellt werden darf.
Um sich die Wartezeit auf ein Statusupdate bezüglich des Gesundheitszustands ihres Kollegen zu verkürzen, gehen die beiden schließlich gemeinsam eine Kleinigkeit essen. Dom ist ihnen unterdessen dicht auf den Fersen und muss sich damit auseinandersetzen, dass ihr Vorgesetzter entgegen ihrer Warnung eine Suchmeldung nach Cisco herausgibt. Die Konsequenz daraus, bekommt sie mit vernichtender Wirkung zu spüren, als sie es endlich schafft, Darlene und Cisco in einem Diner ausfindig zu machen, denn ein bewaffnetes Überfallkommando eröffnet das Feuer auf die Gruppe und es sieht so aus, als ob nicht alle dieses Attentat unbeschadet überstehen.
Nach der Endsequenz von eps2.8_h1dden_pr0cess.axx muss man erstmal tief Luft holen. Doch bevor wir uns aber darauf stürzen, werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Geschehnisse, die dem Ganzen vorausgegangen sind: Wir beginnen im Büro von Phillip Price (Michael Cristofer) und werden Zeugen einer der ehrlichsten und unverhülltesten Konversationen, die wir bisher mit ihm beobachten konnten.
Terry Colby (Bruce Altman) ist aus einem anderen Holz als Price geschnitzt und hinterfragt dessen Ambitionen beziehungsweise dessen ultimative Motivation. Price strebt nicht nur einfach nach Macht: Alles andere als gottgleiche Kontrolle und ein einsamer Platz an der Spitze wären für ihn eine Enttäuschung. Schicksale von Präsidenten und ganzen Ländern sind für ihn unwesentliche Bestandteile einer Welt, die sein Spielplatz ist.
Grenzen sind ein Konzept, das für ihn als höhere Macht einfach nicht gilt, denn es gibt keine Regeln, denen er sich in seiner absoluten Position verpflichtet fühlt. Seine Obsession mit Führungspositionen wird als zusätzliches Detail von der „Humoristischen Karte von Europa 1914“ hinter seinem Schreibtisch, in der die Anführer der Nationen als Karikaturen dargestellt werden, noch weiter verdeutlicht.

Elliot (Rami Malek) sah sich zunächst einer zielstrebigen Joanna (Stephanie Corneliussen) gegenüber. Deren Auftreten und vor allem die Geschichte ihres ersten Dates mit Wellick passt voll und ganz in das Bild des exzentrischen Psychopathenpärchens, welches, von gesellschaftlichen Konventionen losgelöst, die Grenzen von Moral oder Gewissen gerne austestet und überschreitet. Ergo überlegt sich Elliot ganz genau, ob er ihren Wunsch in seiner gewohnten Manier ausschlagen kann. Interessant ist auch der Eindruck im Elektromarkt, dass Mr. Robot sich eine komplette und detailreiche eigene Welt geschaffen hat, was an Feinheiten wie der Reihe von E-Corp Produkten wie E-Coin oder dem neusten E-Phone zu sehen ist.
Dabei nutzt Elliot anschließend die eigentlich relativ amüsanten Anekdoten von Mr. Sutherland (Jeremy Holm) in Bezug auf seinen ebenfalls exzentrischen ehemaligen Arbeitgeber, um etwas ganz besonderes zu machen: Er bittet uns, den Zuschauer, um aktive Mithilfe. Eine derartige Szene, in der die Kamera im Apartment hin und herschwenkt, um uns Übersicht zu geben, ist ein einzigartiges Erlebnis. Natürlich versuchen wir, einen Hinweis auf den Gegenstand zu finden, der so wichtig für Mr. Robot (Christian Slater) ist. Doch ob wir nun etwas finden oder nicht, diese Art von Involvierung als Zuschauer hebt Mr. Robot als Erlebnis auf eine neue Stufe, denn wir werden aktiver Teil der Geschichte und somit in gewisser Weise auch eine Figur in der Serie.
Damit kommen wir zu Mr. Robot, der uns und Elliot offensichtlich etwas verheimlicht. Der Anruf, den Elliot bekam, muss genug Besorgnis in ihm ausgelöst haben, um unterzutauchen. Begeben wir uns in Paranoia-Territorium, könnten wir über schockierende Möglichkeiten spekulieren: Wenn Mr. Robot Phase Zwei mit der Dark Army geplant hat, könnte er gemeinsam mit diesen auch hinter den Anschlägen stecken, die von den Killerkommandos ausgeführt werden, um jedwede Zeugen zu beseitigen.
Erst einmal muss Eliot sich jedoch weitere Fragen stellen, zum Beispiel: Führen seine Aktionen dazu, dass seine Freunde und Familie immer dichter in dem gefährlichen Netz verwickelt werden? Genau aus diesem Grund möchte er Angela (Portia Doubleday) nicht aufhalten. Deren gemeinsame Szene in der U-Bahn trifft den richtigen emotional geladenen Ton und wir erkennen zum ersten Mal seit langer Zeit, dass sich unter Angelas eiskalter E-Corp-Fassade noch die Person befindet, die solch eine starke Bindung zu Elliot besitzt.

Erstmals schafft es Cisco (Michael Drayer), eine Menge Sympathiepunkte zu sammeln, indem er Darlene (Carly Chaikin) den Kopf wäscht. Sie ist kein Mensch, der die Revolution über das Leben anderer stellt und sie ist beinahe froh, wenn sie ihre Maske vor Cisco abnehmen und sich um den verletzten Kollegen kümmern kann. Er hilft ihr dabei, ihre Menschlichkeit zu bewahren, woraufhin sie ihm die Geschichte ihrer Entführung als kleines Kind anvertraut, die den Eindruck unterstreicht, dass sie nicht nur wie alle Charaktere im Universum von Mr. Robot ihren Platz in der Welt sucht, sondern dass sie jemand ist, der seine Einsamkeit genießen kann. Gleichzeitig fühlt sie sich ihrem Bruder aber auch unglaublich verbunden und verantwortlich gegenüber.
Dom (Grace Gummer) werden von ihrem Vorgesetzten erneut Steine in den Weg gelegt, indem er ihren unübersehbaren Rat ignoriert, nicht mit den Informationen über Cisco an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie macht ihm quasi klar, dass er damit im Grunde genommen dessen Todesurteil unterschreibt und trauriger Weise behält sie damit auch recht.
In den letzten zehn Minuten baut die Episode ein dermaßen dichtes Netz an Spannung auf, das letztendlich in einer sehr einprägsamen Szene endet, die ähnlich wie die Schießerei in eps2.3_logic-b0mb.hc in einer Einstellung gedreht wird: Während wir uns noch Gedanken machen, wer Angela in der U-Bahn abführt, sehen wir dabei zu, wie sich das Unheil im Diner entfaltet, nachdem Dom Darlene und Cisco aufgespürt und eingeholt hat.
Dabei müssen wir genau hinschauen, um die essentiellen Einzelheiten mitzubekommen: Es sieht so aus, als ob die ersten Schüsse des Killers Cisco direkt treffen. Während es so scheint, als ob Dom körperlich weitestgehend unbeschadet aus dem Ganzen hervorgeht, ist unklar, wie es mit Darlene aussieht. Dom stand direkt vor den beiden und die Blutspritzer bestätigen im Grunde genommen schon einmal, dass mindestens einer der beiden im Kugelhagel etwas abbekommen hat.
Fazit
Einzigartige Ideen, die den Zuschauer direkt involvieren, emotionale Szenen sowie eine unglaublich packend inszenierte Schlusssequenz lassen einfach keine Wünsche übrig. eps2.8_h1dden_pr0cess.axx bringt uns Hochspannung pur und fördert unsere Spekulationen mit herrlich fies platzierten Cliffhangern, während der visuelle Erzählstil und die Sounduntermalung perfekt ineinander greifen. Mr. Robot macht auch gegen Ende der Staffel einen ziemlich starken Eindruck und verspricht ein vor Spannung knisterndes Finale. Wenn die Auflösung um das Tyrell-Mysterium auf befriedigende Weise gelingt, dann müssen wir uns keine Sorgen um die Qualität der letzten Episoden machen.
Der Trailer zum Staffelfinale von Mr.Robot:
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 8. September 2016Mr. Robot 2x10 Trailer
(Mr. Robot 2x10)
Schauspieler in der Episode Mr. Robot 2x10
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