Mr. Robot 2x03

Mr. Robot 2x03

Elliots Kampf mit sich selbst geht in die nächste Runde und führt ihn über unangenehmere Züge hinaus bis an seine Grenzen. Fsociety muss derweil einen weiteren Verlust verkraften und sich unangenehmen Fragen stellen.

Rami Malek und Christian Slater in „Mr. Robot“ / (c) USA Network
Rami Malek und Christian Slater in „Mr. Robot“ / (c) USA Network

In der Episode eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd der Serie Mr. Robot unternimmt Elliot (Rami Malek) den Versuch, Mr. Robot (Christian Slater) mit drastischen Mitteln, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, loszuwerden. Fsociety verliert eines ihrer Mitglieder, während Angela (Portia Doubleday) tiefer in die rücksichtslose Welt des Kapitalismus bei E Corp eintaucht.

Internal fatal error

Elliot will Mr. Robot loswerden, koste es, was es wolle. Eine Überdosis Adderall soll Abhilfe schaffen, doch sein alternatives Ich macht ihm unmissverständlich klar, dass es bereits zu tief in Elliots Gehirn verwurzelt ist, um sich entfernen zu lassen. Nachdem er Kontakt zu Ray (Craig Robinson) sucht, unterbreitet dieser ihm den Vorschlag, einen Kompromiss beziehungsweise Frieden mit seinem Alter Ego zu schließen.

Angela wird von Price (Michael Cristofer) zu einem Geschäftsessen eingeladen, an dessen Ende er sie vor eine schwierige Entscheidung stellt, welche ihren moralischen Kompass innerhalb ihres Werdegangs bei E Corp weiter prägen dürfte.

Darlene (Carly Chaikin) und fsociety müssen feststellen, dass Romero (Ron Cephas Jones) ermordet wurde, was unter ihnen die Frage aufwirft, ob möglicherweise die „Dark Army“ für den mittlerweile zweiten Todesfall verantwortlich ist, welcher im Zusammenhang mit dem Hack steht, der die Finanzwelt erschütterte. Darlene hält diese Verbindung jedoch für absurd und verordnet ihren Mitgliedern, die Nerven zu bewahren.

FBI-Agentin Dominique DiPierro (Grace Gummer) ermittelt im Mordfall von Romero und stolpert zufällig über Hinweise, die sie direkt ins ehemalige Hauptquartier von fsociety in die mittlerweile verlassene Spielhalle führen.

You're not buying any of this either, are you?

eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd zentriert sich zu einem großen Teil auf Elliots vergebliche Bemühungen, Mr. Robot den Laufpass zu geben. Dabei geht er an seine physischen und psychischen Grenzen, was selbst für den Zuschauer unangenehm mitanzusehen ist. Dass dies nur schwer zu ertragen ist, macht diese Momente umso eindrucksvoller. Und um dem Ganzen einen endgültig surrealen Touch zu verleihen, erleben wir die High-Phasen des vom Adderall aufgedrehten Protagonisten ebenso intensiv mit.

Den temporären Schlüssel für den Fortschritt im fortwährenden Tauziehen um den Verstand und die Kontrolle von Elliot erhält dieser in Form von Ray (Craig Robinson). Dessen Rolle und Identität geben im Laufe der Folge mehr Rätsel als Lösungen auf. Ist er ebenfalls ein Gebilde Elliots angeschlagenen Verstandes? Die Existenz von Mr. Robot ist schließlich keine milde Tendenz, sondern ein akuter Indikator dafür, dass Elliot ohne konkretes Bewusstsein Figuren kreiert. Zudem zeigt er auffällig viel Verständnis für Elliots einzigartige Situation. Zumindest lässt sich darüber spekulieren, ob Ray im Auftrag von Mr. Robot handelt, denn schließlich hat dieser ihn bereits besucht und dessen Überzeugungsmission könnte Teil des Plans von Elliots zweitem Ich sein.

The minute you remove emotion from this, you'll do just fine

Für das aufmerksame Auge wurden wieder einmal viele interessante Details versteckt: Elliots Tagebuch trägt beispielsweise den Namen „REDWHEELBARROW“ (rote Schubkarre) und in der Szene, in der Elliot den Zement eingetrichtert bekam, wurde dieser in einer roten Schubkarre angemischt. Das ist nur einer der vielen Hinweise, welche immer wieder bei Mr. Robot zu finden sind. Die Fehlermeldung, die immer wieder vor Elliots geistigem Auge auftauchte, dürfte sicherlich auch eine gewisse Symbolik mit sich tragen, wenn man den Bildschirm anhalten und diese analysieren würde.

Portia Doubleday in %26bdquo;Mr. Robot%26ldquo; © USA Network
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Angela (Portia Doubleday) erlebt mit Price (Michael Cristofer) einen erwartungsgemäß dominanten Repräsentanten des Kapitalismus, der es liebt, sowohl im Hintergrund als auch im Vordergrund die Fäden zu ziehen. Das moralische Dilemma, dem sie sich nun gegenüber sieht, stellt einen ersten signifikanten Test dar, dem sie unterzogen wird, damit Price sie gemäß seiner nächsten geplanten Schachzüge formen kann. Es scheint sicher, dass er noch viel mehr mit dem zielstrebigen, aber gleichzeitig auch unsicheren Neuzugang vor hat.

If I don't listen to my imaginary friend, why the fuck should I listen to yours?

Dieses Mal erhalten wir einen ausgiebigen und intimen Einblick in das Leben und die Routine von FBI-Agentin Dominique DiPierro (Grace Gummer), die im Einklang mit Elliots abschließenden Worten aus dem Off über eine heiße Spur stolpert. Es wird ein bemerkenswert großer Zeitanteil darin investiert, den Zuschauer am Leben der Agentin teilhaben zu lassen. Auch wenn man bei Mr. Robot immer wieder im Hinterkopf hat, dass die Charaktere viel zu verbergen haben, soll dies bei uns eben den Eindruck erwecken, dass Dominique genau das ist, was sie zu sein scheint.

Neben Kompetenz und Aufmerksamkeit werden wir auch Zeuge von Schlaflosigkeit und einer gewissen Einsamkeit. Dass sie das Masturbieren unterbricht, um Siri-Verschnitt Alexa auf trockene Art nach dem Ende der Welt zu fragen, greift die bizarre, pessimistische und düstere Grundstimmung der Serie wunderbar auf und macht uns darauf aufmerksam, dass auch DiPierro keine sonderlich positive Weltanschauung besitzt.

Grace Gummer in %26bdquo;Mr. Robot%26ldquo; © USA Network
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Während man Price sicher einen gewissen Gottkomplex attestieren kann, dreht sich auch Elliots atheistischer Monolog um Religion und die Flucht in illusorische Geborgenheit. Dabei schaltet er alle seine Filter aus und lässt seinen bitteren Frust über eine ausweglose Situation heraus, indem er die anderen seiner schonungslosen Weltanschauung aussetzt. Rami Malek liefert dabei einen Beitrag ab, der Gänsehaut auf der Gänsehaut hinterlässt. Während seine Performance bereits in den Episoden zuvor exzellent gewesen ist, so erreicht sie erstaunlicherweise noch weitere Höhen.

Unsicherheit und Zweifel herrschen nicht nur bei Elliot, der sich völlig bewusst ist, dass beispielsweise Wellicks Stimme, wie so viele andere Dinge, seiner Einbildung entspringen könnte, sondern auch bei fsociety. Darlene zeigt dabei interessante Parallelen zu Price auf, denn auch sie fordert auf gewisse Weise, dass ihre Kollegen ihre Emotionen ausschalten und einen furchtlosen Blick nach vorne richten sollen.

Fazit

Elliots Kampf mit sich selbst war dieses Mal für den Zuschauer nur schwer zu ertragen, wirkte aber dementsprechend umso intensiver. eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd hinterlässt ein flaues Gefühl der Ausweglosigkeit im Magen und deutet dabei auf ein lediglich kleines Licht am Horizont. Dies reflektiert Elliots Zustand und die Beteiligung des stillen Zuschauers, welcher Euphorie und Leiden des Protagonisten gleichermaßen miterlebt. Mr. Robot spielt auf vielen Ebenen mit den Emotionen seiner Figuren und der Zuschauer, weswegen wir gespannt auf die nächste Episode blicken, um zu erleben, wohin die Reise geht.

Der Trailer zur nächsten Episode der Serie „Mr. Robot“ „eps2.2_init1.asec“(2x04):

Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 21. Juli 2016

Mr. Robot 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(Mr. Robot 2x03)
Deutscher Titel der Episode
k3rnel-pan1c.ksd
Titel der Episode im Original
eps2.1_k3rnel-pan1c.ksd
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 20. Juli 2016 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 30. September 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 30. September 2016
Autor
Sam Esmail
Regisseur
Sam Esmail

Schauspieler in der Episode Mr. Robot 2x03

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