Mr. Inbetween 1x01

© ??Mr. Inbetweenâ (c) FX/Showcase
Im Jahr 2005 brachte das bis dahin unbeschriebene Filmemacherblatt Scott Ryan seine australische Auftragskiller-Mockumentary „The Magician“ heraus, die kurz darauf mit Regierungsgeldern unterstĂŒtzt und in aufwendigerer Manier neuveröffentlicht wurde. Die davon inspirierte Serie Mr. Inbetween erscheint nun als Koproduktion des australischen Showcase und des US-Sender FX. Ryan fungiert in seinem zweiten Projekt erneut als Autor und Hauptdarsteller.
In der Pilotfolge The Pee Pee Guy erfahren wir einiges ĂŒber das Leben von Handlager und Hitman Ray Shoesmith (Ryan). Er ist ein Mann fĂŒrs Grobe und macht den Job schon so lange, dass er mit sĂ€mtlichen Unterweltwassern gewaschen ist. Anders als jĂŒngere Nachwuchs-Ganoven, geht er mit beinahe gelangweilter Gelassenheit an seine Arbeit heran und weiĂ genau, welche Knöpfe er bei seinen „Klienten“ zu drĂŒcken hat. Vor allem aber fĂŒhrt der Mann mit dem ulkigen LĂ€cheln (und unheimlicher Ăhnlichkeit zu Mackenzie Crook) ein einsames Leben, wie die erste Episode mehrfach untermalt.
Dass Ray ein kaltblĂŒtiger Killer mit angestauter Aggression ist, soll uns aber nicht weiter stören. Zum einen, weil „Mr. Inbetween“ sich selbst nicht ganz sicher ist, wie ernst wir es nehmen sollen. Zum anderen, weil die Serie wie so viele Hitman-Storys darauf besteht, dass er trotz seiner Berufswahl ein total einfĂŒhlsamer Typ ist, der hilflose Insekten aus der Dusche rettet und gut zu seinem Hund, seiner bei der Mutter lebenden Tochter und seinem kranken Bruder ist. Ein strauchelnder Versuch, den Charakter mit KomplexitĂ€t zu versehen, wie es wirklich jedes Geschichte ĂŒber Auftragskiller anstellt und ohne weitere Beilage nur noch abgedroschen wirkt. „Ein Killer, der gleichzeitig GefĂŒhle hat? Gibt's ja gar nicht...“ HBOs Comedyserie Barry stellte sich in dieser Angelegenheit weitaus geschickter an.

„Mr. Inbetween“ ist aber eben kein Drama, sondern verortet sich auch als schwarze Komödie beziehungsweise Dramedy. Die groĂe Kicherparade kommt eines Tages anmarschiert, als Ray einem Bekannten aus der Patsche helfen soll. Seine russische Karikaturfrau hat eine Porno-DVD gefunden und droht mit Scheidung, sofern Ray nicht selbstopfernd einrĂ€umt, der Besitzer des Schmuddelfilmchens zu sein. Der Plan geht auf, woraufhin wir trĂ€ge wie ein Verurteilter zum Schafott zur Pointe schlurfen: Es handelt sich um einen Pipi-Porno, woraufhin Ryan als der pee pee guy aus dem Episodentitel belĂ€chelt wird. So viel ist sicher, vor lauter Lachen wird sich hier so schnell niemand in die Hosen machen.
Man muss nicht einmal zur im Grunde validen Kritik ausholen, dass Gewalt laut Serie in Ordnung geht, ausgefallene kinks aber nicht. Es mag sogar Teil der eingebauten Ironie sein. Ebenso wie der Umstand, dass das ungalant eingebaute love interest Ally (Brooke Satchwell) als SanitĂ€terin fĂŒr den Rettungsdienst arbeitet. Problematisch gerĂ€t höchstens die verdĂ€chtige Ambivalenz, mit der Ray zwar als tragische Figur, aber gleichzeitig auch Bronson-esques badass gezeichnet wird, das sich hinter dem RĂŒcken der Tochter heimlich an jugendlichen GroĂmĂ€ulern rĂ€cht. Eine nach Motten miefende, mĂ€nnliche Machtfantasie, die am Ende der Episode durch ein Date mit Ally belohnt wird. 80er-Jahre-Actionfilmlogik also, die bei vielen sicherlich gerade deshalb gut ankommen wird.
Zwar kann man nur hoffen und beinahe sicher sein, dass Rays Charakter in den kommenden Folgen eine kritischere Dekonstruktion erfÀhrt. Nach der ersten Episode hÀlt sich die Lust darauf, ihn intimer kennenzulernen, jedoch in Grenzen.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 26. September 2018(Mr. Inbetween 1x01)
Schauspieler in der Episode Mr. Inbetween 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?