Motherland: Fort Salem 1x01

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Das neue Freeform-Format Motherland: Fort Salem klingt auf dem Papier extrem cool. Eine Hexenserie aus einer matriarchalen Welt, in der Zauberinnen schon seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg im Militär mitmischen und mit Magie kämpfen? Das könnte eine spannende, alternativhistorsiche Abwechslung zu esotherischeren Hexengeschichten à la Charmed und Chilling Adventures of Sabrina abgeben, die hauptsächlich auf zwischenmenschliches Drama abzielen und weniger das große worldbuilding im Sinn haben.
Dabei sieht das Ganze auf den ersten Blick überhaupt nicht nach einer Freeform-Fantasyserie aus. Während die Abenteuer der Shadowhunters oder von Cloak & Dagger eher comichaft erscheinen, hat Serienschöpfer Elliot Laurence (Claws) hier eine extrem finstere Welt im arkanen Militärmilieu geschaffen, in der die Rekrutinnen von strengen Generals und vom Drill-Sergeant angeknurrt werden, sich untereinander in die Haare kriegen und gleich in der ersten Folge von den terroristischen Magierinnen der Organisation The Spree infiltriert werden. Und nicht eine sprechende comic relief-Katze in Sicht...
In der ersten Episode mit dem Titel Say the Words lernen wir unsere drei Haupthexen kennen, denn auch wenn „Motherland“ wenig mit den Kolleginnen aus „Charmed“ zu tun hat, scheint doch etwas dran zu sein an der „Macht der Drei“. Aus ebenfalls drei Hexen besteht je eine Einheit im Fort Salem, in dem sich die Anwärterinnen während ihres Trainings erst für das War College qualifizieren müssen. Eine Einheit kann nur kollektiv bestehen oder durchfallen, was enormen Druck auf die Frauen ausübt. Besonders auf die elitäre Abigail Bellweather (Ashley Nicole Williams), deren Traditionsfamilie große Leistungen von ihr erwartet. Sie wurde zusammengetan mit der freundlich-idealistischen Tally Craven (Jessica Sutton), die sich gegen den Wunsch ihrer Mutter verpflichtet hat und der aufmüpfigen Raelle Collar (Taylor Hickson), die einen Groll gegen den gesamten Betrieb hegt, seit ihre Mutter an der Front gefallen ist, als ausgerechnet Abigails Mutter das Kommando hatte.
Gleich von Anfang an sind lauter nette Ideen in der Serie zu finden, die uns ohne viel Exposition darüber aufklären, wie alltägliche Magie und Kriegshexerei in dieser Welt funktionieren. Besonders gelungen wird das filmisch verknüpft, wenn eine der Hexen eine kleine magische Rune in einen alten Brief skizziert, was für sie und uns einen Flashback mit dem Inhalt des Geschriebenen triggert. Aber auch magische Türschlösser, das Chortraining mit Gesangsstimmen als Waffen, die unter anderem Stürme herbeirufen, oder die Terroranschläge der Spree, bei denen sich die Menschen selbst unter Einfluss des Zaubers Leid antun, tun dazu bei, das Bild einer ausgetüftelten Fantasiewelt zu zeichnen.

Mehr als mit ihren Zimmergenossinnen kommt die Rebellin Raelle zu Anfang mit einer Nekromantin namens Scylla (Amalia Holm) zurecht, die ihr als Erstes übernatürliche Drogen anbietet, mit denen man buchstäblich abhebt. Obwohl die angehende Heilerin dadurch in große Schwierigkeiten kommt, lässt sie sich später auf eine Liebschaft mit dem anderen Bad Girl ein, das es noch viel dicker hinter den Ohren hat, als sie zunächst vermutet. Wie sich nämlich herausstellt, ist sie eine der Hexen-Terroristinnen, die mit den rigiden Strukturen des militärisch-industriellen Komplexes auf Kriegsfuß stehen und als eindeutiger Hauptgegner der Serie die Akademie infiltriert haben. Dabei bedient sie sich eines ebenfalls sehr cool anzusehenden Feuerzaubers, der das Gesicht in eine andere Gestalt kokelt.
Die Optik der Serie verlässt sich abgesehen von den treffsicheren Tricks etwas zu sehr auf Filter, die über die eine oder andere Sünde im Effekt- und Gestaltungsbereich hinwegtäuschen, aber nicht lange schön anzusehen sind. Viel enttäuschender ist aber, dass die drei zentralen Hexen nicht über ihre gegensätzlichen Funktionen als Snob, Streberin und Rebellin hinauskommen und auch untereinander kaum Chemie miteinander vorweisen. Ihr Zusammenkommen als Einheit wird mit Sicherheit im Fokus der Serie stehen, doch jeder Moment, der hier als Samen dessen darauf hindeuten soll, kam wie aus dem Nirgendwo herbeigezaubert und schien nicht verdient oder organisch herbeigeführt.
Fazit
Motherland: Fort Salem macht mit einer interessanten Prämisse und einer durchdachten Welt auf sich aufmerksam, die auf den ersten Blick nicht nur düster, sondern auch freudlos erscheint. Das liegt nicht nur an dem strengen Milieu der Militärakademie für Magierinnen, sondern vor allem an der fehlenden Verbindung zwischen den drei Protagonistinnen, die weder einzeln noch als Einheit in Erinnerung bleiben oder groß Eindruck hinterlassen. Dass die Dialoge unter den Frauen alles andere als natürlich oder elegant vonstatten gehen, hilft der Sache natürlich ebenso wenig. Vielleicht auch kein Wunder, wenn unter den Autoren und Produzenten der Serie über eine weiblich dominierte Welt kaum eine Frau zu finden ist...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Freeform-Serie „Motherland: Fort Salem“:
Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 19. März 2020Motherland: Fort Salem 1x01 Trailer
(Motherland: Fort Salem 1x01)
Schauspieler in der Episode Motherland: Fort Salem 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?