Moonhaven: Review der Sci-Fi-Pilotepisode

Moonhaven: Review der Sci-Fi-Pilotepisode

Eine 500 Quadratmeilen große grüne Enklave auf dem Mond gilt in der Zukunft als letzte Hoffnung für die sterbende Menschheit. Doch von einem Paradies scheint Moonhaven mit seinen bizarren Bewohnern sowie deren Ritualen und Gepflogenheiten weit entfernt zu sein. Mehr dazu in unserem Pilotreview.

Poster zur Serie Moonhaven (c) AMC
Poster zur Serie Moonhaven (c) AMC
© oster zur Serie Moonhaven (c) AMC

Darum geht es in Moonhaven: Die Erde im Jahr 2201 steht kurz vor ihrem Untergang. Als einzige Hoffnung gilt die per Terraforming auf dem Mond erschaffene Kolonie Moonhaven, auf der man versuchen will, die vielfältigen Probleme der Menschheit vor allem durch die Rückkehr zur Natur und Spiritualität zu lösen. Die dortige Harmonie wird jedoch durch den Mord an einer jungen Frau empfindlich gestört. Wenig später wird die Frachter-Raumpilotin Bella Sway (Emma McDonald, „Queens of Mystery“) damit beauftragt, die Gesandte von der Erde Indira Mare (Amara Karan, Hope Street) und ihren Bodyguard Tomm Schultz (Joe Manganiello, True Blood) nach Moonhaven zu bringen, wo erstere Verhandlungen mit Maite Voss (Ayelet Zurer, Losing Alice) führen soll, um eine Reihe von Konflikten zwischen der Erde und der Mondkolonie auszuräumen.

Dabei macht Bella die Bekanntschaft des ungewöhnlichen Polizisten-Duos Paul Serno (Dominic Monaghan, bekannt als Hobbit Merry aus „Der Herr der Ringe“ sowie aus dem Serienklassiker Lost) und Arlo (Kadeem Hardison, K.C. Undercover), die sie über den genannten Mordfall aufklären.

Das Opfer, so erfährt Bella, war ihre Schwester, die sie jedoch nicht kannte, da die in Moonhaven geborene Pilotin bereits in der frühen Kindheit von ihrer Familie getrennt wurde und auf der Erde aufwuchs. Die Ermittlungen sind bereits abgeschlossen, so erfährt Bella, und die beiden Polizisten wollen ihr lediglich mit einem Meditationsritual bei der Trauerbewältigung helfen, eröffnen ihr allerdings, dass der mutmaßliche Täter geflohen ist.

Dieser entfernt sich im Wald ein mysteriöses Implantat aus dem verlängerten Rücken: Wie Bella kurz darauf erfährt, tragen alle Menschen auf Moonhaven ein solches, das sie unter die Kontrolle einer mächtigen Künstlichen Intelligenz stellt, die Moonhaven und ihre Bewohner aus angeblich wohlwollenden Gründen überwacht. Bella beginnt zunehmend zu ahnen, dass die Idylle auf Moonhaven eine trügerische ist, als sie von einem geheimnisvollen Kind mit tierisch glühenden Augen aus dem Wald heraus beobachtet wird und außerdem der vermeintliche Mörder ihrer Schwester an Bord ihres Schiffes auftaucht.

Sci-Fi-Krimi mit Eso-Elementen

Zu Beginn des Pilotfilms von Moonhaven fühlt sich der Zuschauer in die Welt von „Blade Runner“ versetzt, wenn die hoffnungslos übertechnisierte Erde mit ihren hauswandhohen Filmbotschaften zu sehen ist, wenig später hingegen sind eher Ähnlichkeiten mit dem Szenario des Films „Oblivion“ mit Tom Cruise erkennbar, in denen der Rest der Eröffnungsfolge dann auch verbleibt. Es ist schon eine reichlich bizarre und obskure Welt, die die Serienmacher uns da präsentieren: Menschen, die eine Art Neo-Flower-Power-Lifestyle zelebrieren und unbewaffnete Polizisten auf archaisch aussehenden Fahrrädern, die eher die Funktion von psychologischen Helfern als der von Gesetzeshütern auf einem Stück Land erfüllen, auf dem das Verbrechen offiziell nicht existiert. Zwar ist das Ganze in teilweise wirklich wunderschönen Bildern gefilmt, aber es wird vermutlich über den etwas mehr als einstündigen Pilotfilm hinaus dauern, bis der Zuschauer in dieser neuen Serienwelt wirklich ankommt - falls dies denn überhaupt der Fall ist.

AMC
AMC - © AMC

Die Serie verlangt dem Publikum definitiv Geduld ab, da der überwiegende Teil der Pilotfolge dazu dient, mit dem Szenario und den herrschenden Umständen vertraut zu machen, wobei man übrigens fast vollständig auf Action verzichtet, sieht man von einigen wenigen Szenen gegen Ende der Pilotepisode einmal ab. Doch es sei zu bedenken, dass auch andere höchst populär gewordene Science-Fiction-Fernsehserien wie etwa der moderne Klassiker The Expanse keineswegs Action-basiert daherkamen und dennoch große Erfolge feiern konnten. Ob dies auch „Moonhaven“ vergönnt sein wird, bleibt indes natürlich abzuwarten.

Sci-Fi vom TV-Allrounder

Der Showrunner der Serie, Peter Ocko, ist ein bekanntes Gesicht, wenn es um erfolgreiche TV-Formate aus den verschiedensten Genres der vergangenen Jahre geht: So war er an Serien wie Pushing Daisies und Elementary ebenso beteiligt wie an der Piratenserie Black Sails und zuletzt Lodge 49. Bei Moonhaven fungiert Ocko als Showrunner, ihm zur Seite steht Deb Spera, die unter anderem als Produzentin bei Criminal Minds fungierte. „Moonhaven“ wird produziert von den AMC Studios für die Veröffentlichung beim hauseigenen Streamingdienst AMC+, der hierzulande noch nicht verfügbar ist. AMC Studios ist insbesondere Fans morbider Unterhaltung ein Begriff durch den Zombie-Dauerbrenner The Walking Dead. Wo „Moonhaven“ hierzulande zu sehen sein wird, ist übrigens derzeit noch nicht bekannt.

Gewöhnungsbedürftige Umsetzung

Alles in allem ließ die Pilotfolge von „Moonhaven“ mit dem passenden Titel The Pilot den Rezensenten ein wenig ratlos zurück, obwohl dieser ansonsten durchaus keine Schwierigkeiten mit Stoffen auch der eher leisen Gangart hat. Das Szenario in der neuen Serie ist einfach höchst gewöhnungsbedürftig und die Geschichte wird sehr bemessenen Schrittes erzählt, wenngleich der deutliche und natürlich sehr zeitgemäße Öko-Touch „Moonhaven“ zu einer durchaus löblichen Sache macht. Zudem lässt ein Ausblick auf die kommenden Folgen der Serie (inwiefern eine zweite Staffel geplant ist, ist ebenfalls noch nicht bekannt) erahnen, dass die weiteren Ereignisse um die letzte Hoffnung der Menschheit durchaus spannend zu werden versprechen (könnten). Geben wir der Sache also eine faire Chance, obwohl die Pilotfolge nun noch nicht die ganz große Begeisterung wecken konnte. Für drei von fünf grünen Monden reicht es jedoch allemal.

Hier abschließend der Trailer zur neuen Serie „Moonhaven“ bei AMC:

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