The Mob Doctor 1x01

The Mob Doctor 1x01

The Mob Doctor will anders sein, resultiert dabei aber in einer 44-minütigen Reizüberflutung: Ärzteelemente, Zwischenmenschliches und das Gangster-Genre lassen keinen Tiefgang zu. Aber man lernt, was Jungfernhäutchen und der Todesstern gemein haben.

Jordana Spiro ist Dr. Grace Devlin in „The Mob Doctor“. / (c) FOX
Jordana Spiro ist Dr. Grace Devlin in „The Mob Doctor“. / (c) FOX

Wie bereits die ersten Sequenzen von The Mob Doctor eindrucksvoll verdeutlichen, trifft Grace Devlin (Jordana Spiro) mit ihrer Selbsteinschätzung, keine gewöhnliche Ärztin zu sein, den Schraubenzieher auf dem Kopf. So sieht sich die erfolgreiche Chirurgin zunächst damit konfrontiert, in den Räumlichkeiten einer Tierarztpraxis einem Kleinganoven ein Werkzeug aus dessen Frontallappen herauszu„operieren“.

Dann wird Grace auch schon vom Handy in ihre Parallelwelt des Krankenhauses gerufen. Ein paar Minuten später hat sie auch in diesem Universum auf unkonventionelle Weise ein Leben gerettet - nicht, ohne sich dabei noch einen flotten Spruch abzuringen.

Der einzig ruhige Moment in diesem Handlungssprint ist nicht besonders entspannend, zeigt er doch in einer Rückblende Grace als kleines Mädchen dabei, wie sie einem toten Trinker die Augen schließt.

Schuld an dem Dilemma der Ärztin, neben ihrem Job im Krankenhaus auch die medizinische Drecksarbeit für den örtlichen Chefmafiosi Paul Moretti (von Gaststar Michael Rappaport verkörpert) erledigen zu müssen, ist ihr Bruder Nate (Jesse Lee Soffer). Der hatte sich im gefährlichen Spiel mit der Unterwelt verspekuliert. Nur Graces Versprechen, ihre heilenden Fähigkeiten in den Dienst der Mafia zu stellen, hatte sein Leben retten können.

Nicht nur ein Job...

In die rasante Storyline werden ohne Umschweife eine angespannte Mutter-Tochter-Beziehung, die „Liebes“beziehung zu ihrem Arztkollegen Brett Robinson (Zach Gilford), ein schwer kranker Exmafioso aus einem Zeugenschutzprogramm UND eine unbefleckte Empfängnis geworfen.

Wenige Sekunden später erhält Dr. Devlin zudem den Auftrag, erstmalig in ihrem Krankenhaus eine neuartige Herzoperation durchzuführen. Weil es sich bei dem Patienten um besagten Kronzeugen handelt, wird die junge Frau dafür vom Staatsanwalt symbolisch im Team der Strafverfolgenden willkommen geheißen. Bedauerlicherweise geht Graces Freude über die bevorstehende Pionierarbeit unmittelbar darauf in dem gravierenden Dilemma unter, das die Verpflichtung gegenüber zwei - gänzlich verschiedenen - Arbeitgebern mit sich bringt: Per originell verpackter Nachricht wird der Ärztin von ihrem krankenhausexternen Boss aufgetragen, ausgerechnet den singfreudigen Mafioso - den sie doch so aufwendig retten soll - ins Jenseits zu befördern.

Was Jungfernhäutchen und der Todesstern gemeinsam haben

Weil diese Ausgangssituation dem Skurrilen scheinbar noch nicht Genüge tut, erklärt Grace ihrer jungen Patientin (bei der sie früher selbst Babysitter war, was der Ärztin nun die Gelegenheit gibt, ihre kumpelhaft-menschliche Seite zu zeigen - aber das nur am Rande) die Anomalie an ihrem Jungfernhäutchen (fimbriated hymen) auf eine recht unorthodoxe Weise. So bedient sich Grace tatsächlich einer Star-Wars-Methapher inklusive Todesstern (!), um dem Mädchen die Tatsache zu erläutern, warum sie auch ohne Sex schwanger werden konnte.

Doc-Father

Als Vaterfigur dient Grace der frühere Kingpin Constantine Alexander (William Forsythe), der Besserung gelobt, seit er für seine Verbrechen im Gefängnis war. Mit ihm kann sie sich auch über Gotteskomplexe und die Versuchungen austauschen, die die Macht über Leben und Tod mit sich bringt.

Doch bevor der Moment in eine emotionale Tiefe gehen kann, kommen schon wieder die Verfolgung durch einen Mann im Anzug, Sex mit dem Arztfreund, gleich zwei Machtkämpfe im Kollegium und ein zeitlupenbehafteter Ausflug in die Traumwelt Graces dazwischen.

Auch der obligatorische Tiefpunkt, dem die Protagonistin im Lauf des Piloten ausgesetzt wird, fällt um einiges geballter aus als in anderen Formaten. So muss Grace nicht nur die Kritik ihrer Kollegin und die harten Worte ihres Freundes hinnehmen, die sie übrigens, sich selbst charakterisierend, kontern kann (Er:„This isn't legal.“ Sie:„Well, then it's a good thing we're not lawyers.“). Zu allem Überfluss ist auch Graces Mutter (Wendy Makkena) plötzlich in Gefahr, weil Moretti sie für eine Sanktionsmaßnahme in seine Gewalt gebracht hat. Ach ja, weil Grace den Kronzeugen nicht getötet hat.

Dann gesellt sich zu der chronischen Reizüberflutung, die The Mob Doctor mit sich bringt, auch noch eine Art von Übersprunghandlung auf Seiten von Grace hinzu. Allerallerspätestens jetzt fällt der Kiefer nach unten und der Kopf gleitet in eine ungläubige Schräglage: Hat Grace gerade wirklich den vor dem Haus ihrer Mutter geparkten Sportwagen Morettis mit ihrem Geländeauto angefahren? Mehrfach? Während der Besitzer des nun verbeulten Gefährts die eigene Mutter in seiner Gewalt hat? Ok, sie kann deren Platzwunde nicht sehen, aber sie sollte doch aus der LEBENSbedrohung, die dieser für ihren Bruder bedeutet, gelernt haben? Also, ehrlich? Entweder handelt es sich bei Grace in der Tat um eine crazy bitch, wie der Gangster ihr zubrüllt, oder die Powerfrau verfügt insgeheim noch über hellseherische Fähigkeiten, die ihr vorausgesagt haben, dass ihre Mutter diese Dreistigkeit überleben wird. Während das Übernatürliche - zumindest vorerst - noch auf sich warten lässt, bekommen wir in der Serienrealität noch eine spektakuläre Verfolgungsjagd geboten. Merkwürdigerweise ohne Explosionen.

Ende?

Das kriminelle Urgestein Constantine schafft mit Moretti kurzerhand den Gaststar Michael Rappaport und damit auch die unmittelbare Gefahr für Grace - in einer zugegebenermaßen gelungenen Szene - aus der Welt. Dafür wird die Ärztin zukünftig wiederum für Constantine arbeiten müssen. Das ist, in Anbetracht dessen liebevollen Umgangs mit der jungen Frau, zwar etwas verwunderlich, würde aber immerhin als Cliffhanger taugen.

Doch was wäre The Mob Doctor ohne Extreme?

Kurz vor dem Schluss geht es noch einmal richtig los: Der tote Säufer vom Anfang war nicht irgendein Säufer, sondern Graces Vater. UND sie war damals erleichtert über dessen Tod. Dabei offenbart sich - wiederum gleichzeitig - auch noch kein Geringerer als Constantine selbst als dessen Mörder.

Fazit

Wenn es das Ziel einer Serie wäre, einen größtmöglichen Haufen an Handlung und Genres in die zur Verfügung stehenden Minuten zu pressen, dann müsste The Mob Doctor sofort mit allen verfügbaren Emmys ausgezeichnet werden. Aus dem ehrenhaften Versuch, nicht die Kopie irgendeiner Serie zu werden, ist eine verrückte Collage aus sämtlichen Formaten geworden.

Bei der wilden Jagd von einer Unwahrscheinlichkeit zur nächsten (Graces Mutter hat keine Ahnung von der Verbindung ihrer Familie zur Mafia?) bleibt jedoch kein Platz für Tiefe. William Forsythe kann ohne weiteres als Mafioso überzeugen, nicht zuletzt wegen seiner imposanten Erscheinung. Doch egal, wie sehr sich Jordana Spiro um eine glaubhafte Darstellung bemühen mag - niemand kann länger als ein paar Minuten den endlosen Spurt bestehen, der ihr Leben ist, ohne nach kurzer Zeit zuckend in sich zusammenzufallen. Doch Dr. Grace Devlin kann in dem ganzen Chaos auch noch ganz nebenbei den perfekten Kompromiss zwischen Richtig und Falsch an den Tag legen.

Sicherlich zeigt das neue Drama eine Reihe von guten Ansätzen. Es ist jedoch schwer, diese aus dem absurden Handlungsstrudel herauszufiltern. Mit derartig motivierten Drehbuchautoren und dem düsteren Nachwuchsganoven Franco (James Carpinello) als potentiellem zweiten love interest steht nur eins fest: Langweilig wird es bei Grace Anatomy in nächster Zeit nicht.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 18. September 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Mob Doctor 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Deal
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 17. September 2012 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. April 2013
Autoren
David T. Catapano, Miguel Ferrer
Regisseur
Michael Dinner

Schauspieler in der Episode The Mob Doctor 1x01

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