The Mob Doctor 1x01

© ordana Spiro ist Dr. Grace Devlin in âThe Mob Doctorâ. / (c) FOX
Wie bereits die ersten Sequenzen von The Mob Doctor eindrucksvoll verdeutlichen, trifft Grace Devlin (Jordana Spiro) mit ihrer SelbsteinschĂ€tzung, keine gewöhnliche Ărztin zu sein, den Schraubenzieher auf dem Kopf. So sieht sich die erfolgreiche Chirurgin zunĂ€chst damit konfrontiert, in den RĂ€umlichkeiten einer Tierarztpraxis einem Kleinganoven ein Werkzeug aus dessen Frontallappen herauszu„operieren“.
Dann wird Grace auch schon vom Handy in ihre Parallelwelt des Krankenhauses gerufen. Ein paar Minuten spÀter hat sie auch in diesem Universum auf unkonventionelle Weise ein Leben gerettet - nicht, ohne sich dabei noch einen flotten Spruch abzuringen.
Der einzig ruhige Moment in diesem Handlungssprint ist nicht besonders entspannend, zeigt er doch in einer RĂŒckblende Grace als kleines MĂ€dchen dabei, wie sie einem toten Trinker die Augen schlieĂt.
Schuld an dem Dilemma der Ărztin, neben ihrem Job im Krankenhaus auch die medizinische Drecksarbeit fĂŒr den örtlichen Chefmafiosi Paul Moretti (von Gaststar Michael Rappaport verkörpert) erledigen zu mĂŒssen, ist ihr Bruder Nate (Jesse Lee Soffer). Der hatte sich im gefĂ€hrlichen Spiel mit der Unterwelt verspekuliert. Nur Graces Versprechen, ihre heilenden FĂ€higkeiten in den Dienst der Mafia zu stellen, hatte sein Leben retten können.
Nicht nur ein Job...
In die rasante Storyline werden ohne Umschweife eine angespannte Mutter-Tochter-Beziehung, die „Liebes“beziehung zu ihrem Arztkollegen Brett Robinson (Zach Gilford), ein schwer kranker Exmafioso aus einem Zeugenschutzprogramm UND eine unbefleckte EmpfĂ€ngnis geworfen.
Wenige Sekunden spĂ€ter erhĂ€lt Dr. Devlin zudem den Auftrag, erstmalig in ihrem Krankenhaus eine neuartige Herzoperation durchzufĂŒhren. Weil es sich bei dem Patienten um besagten Kronzeugen handelt, wird die junge Frau dafĂŒr vom Staatsanwalt symbolisch im Team der Strafverfolgenden willkommen geheiĂen. Bedauerlicherweise geht Graces Freude ĂŒber die bevorstehende Pionierarbeit unmittelbar darauf in dem gravierenden Dilemma unter, das die Verpflichtung gegenĂŒber zwei - gĂ€nzlich verschiedenen - Arbeitgebern mit sich bringt: Per originell verpackter Nachricht wird der Ărztin von ihrem krankenhausexternen Boss aufgetragen, ausgerechnet den singfreudigen Mafioso - den sie doch so aufwendig retten soll - ins Jenseits zu befördern.
Was JungfernhÀutchen und der Todesstern gemeinsam haben
Weil diese Ausgangssituation dem Skurrilen scheinbar noch nicht GenĂŒge tut, erklĂ€rt Grace ihrer jungen Patientin (bei der sie frĂŒher selbst Babysitter war, was der Ărztin nun die Gelegenheit gibt, ihre kumpelhaft-menschliche Seite zu zeigen - aber das nur am Rande) die Anomalie an ihrem JungfernhĂ€utchen (fimbriated hymen) auf eine recht unorthodoxe Weise. So bedient sich Grace tatsĂ€chlich einer Star-Wars-Methapher inklusive Todesstern (!), um dem MĂ€dchen die Tatsache zu erlĂ€utern, warum sie auch ohne Sex schwanger werden konnte.
Doc-Father
Als Vaterfigur dient Grace der frĂŒhere Kingpin Constantine Alexander (William Forsythe), der Besserung gelobt, seit er fĂŒr seine Verbrechen im GefĂ€ngnis war. Mit ihm kann sie sich auch ĂŒber Gotteskomplexe und die Versuchungen austauschen, die die Macht ĂŒber Leben und Tod mit sich bringt.
Doch bevor der Moment in eine emotionale Tiefe gehen kann, kommen schon wieder die Verfolgung durch einen Mann im Anzug, Sex mit dem Arztfreund, gleich zwei MachtkÀmpfe im Kollegium und ein zeitlupenbehafteter Ausflug in die Traumwelt Graces dazwischen.
Auch der obligatorische Tiefpunkt, dem die Protagonistin im Lauf des Piloten ausgesetzt wird, fĂ€llt um einiges geballter aus als in anderen Formaten. So muss Grace nicht nur die Kritik ihrer Kollegin und die harten Worte ihres Freundes hinnehmen, die sie ĂŒbrigens, sich selbst charakterisierend, kontern kann (Er:„This isn't legal.“ Sie:„Well, then it's a good thing we're not lawyers.“). Zu allem Ăberfluss ist auch Graces Mutter (Wendy Makkena) plötzlich in Gefahr, weil Moretti sie fĂŒr eine SanktionsmaĂnahme in seine Gewalt gebracht hat. Ach ja, weil Grace den Kronzeugen nicht getötet hat.
Dann gesellt sich zu der chronischen ReizĂŒberflutung, die The Mob Doctor mit sich bringt, auch noch eine Art von Ăbersprunghandlung auf Seiten von Grace hinzu. AllerallerspĂ€testens jetzt fĂ€llt der Kiefer nach unten und der Kopf gleitet in eine unglĂ€ubige SchrĂ€glage: Hat Grace gerade wirklich den vor dem Haus ihrer Mutter geparkten Sportwagen Morettis mit ihrem GelĂ€ndeauto angefahren? Mehrfach? WĂ€hrend der Besitzer des nun verbeulten GefĂ€hrts die eigene Mutter in seiner Gewalt hat? Ok, sie kann deren Platzwunde nicht sehen, aber sie sollte doch aus der LEBENSbedrohung, die dieser fĂŒr ihren Bruder bedeutet, gelernt haben? Also, ehrlich? Entweder handelt es sich bei Grace in der Tat um eine crazy bitch, wie der Gangster ihr zubrĂŒllt, oder die Powerfrau verfĂŒgt insgeheim noch ĂŒber hellseherische FĂ€higkeiten, die ihr vorausgesagt haben, dass ihre Mutter diese Dreistigkeit ĂŒberleben wird. WĂ€hrend das ĂbernatĂŒrliche - zumindest vorerst - noch auf sich warten lĂ€sst, bekommen wir in der SerienrealitĂ€t noch eine spektakulĂ€re Verfolgungsjagd geboten. MerkwĂŒrdigerweise ohne Explosionen.
Ende?
Das kriminelle Urgestein Constantine schafft mit Moretti kurzerhand den Gaststar Michael Rappaport und damit auch die unmittelbare Gefahr fĂŒr Grace - in einer zugegebenermaĂen gelungenen Szene - aus der Welt. DafĂŒr wird die Ărztin zukĂŒnftig wiederum fĂŒr Constantine arbeiten mĂŒssen. Das ist, in Anbetracht dessen liebevollen Umgangs mit der jungen Frau, zwar etwas verwunderlich, wĂŒrde aber immerhin als Cliffhanger taugen.
Doch was wÀre The Mob Doctor ohne Extreme?
Kurz vor dem Schluss geht es noch einmal richtig los: Der tote SĂ€ufer vom Anfang war nicht irgendein SĂ€ufer, sondern Graces Vater. UND sie war damals erleichtert ĂŒber dessen Tod. Dabei offenbart sich - wiederum gleichzeitig - auch noch kein Geringerer als Constantine selbst als dessen Mörder.
Fazit
Wenn es das Ziel einer Serie wĂ€re, einen gröĂtmöglichen Haufen an Handlung und Genres in die zur VerfĂŒgung stehenden Minuten zu pressen, dann mĂŒsste The Mob Doctor sofort mit allen verfĂŒgbaren Emmys ausgezeichnet werden. Aus dem ehrenhaften Versuch, nicht die Kopie irgendeiner Serie zu werden, ist eine verrĂŒckte Collage aus sĂ€mtlichen Formaten geworden.
Bei der wilden Jagd von einer Unwahrscheinlichkeit zur nĂ€chsten (Graces Mutter hat keine Ahnung von der Verbindung ihrer Familie zur Mafia?) bleibt jedoch kein Platz fĂŒr Tiefe. William Forsythe kann ohne weiteres als Mafioso ĂŒberzeugen, nicht zuletzt wegen seiner imposanten Erscheinung. Doch egal, wie sehr sich Jordana Spiro um eine glaubhafte Darstellung bemĂŒhen mag - niemand kann lĂ€nger als ein paar Minuten den endlosen Spurt bestehen, der ihr Leben ist, ohne nach kurzer Zeit zuckend in sich zusammenzufallen. Doch Dr. Grace Devlin kann in dem ganzen Chaos auch noch ganz nebenbei den perfekten Kompromiss zwischen Richtig und Falsch an den Tag legen.
Sicherlich zeigt das neue Drama eine Reihe von guten AnsĂ€tzen. Es ist jedoch schwer, diese aus dem absurden Handlungsstrudel herauszufiltern. Mit derartig motivierten Drehbuchautoren und dem dĂŒsteren Nachwuchsganoven Franco (James Carpinello) als potentiellem zweiten love interest steht nur eins fest: Langweilig wird es bei Grace Anatomy in nĂ€chster Zeit nicht.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 18. September 2012(The Mob Doctor 1x01)
Schauspieler in der Episode The Mob Doctor 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?