Mirella Schulze rettet die Welt: Review der Pilotepisode der TVNOW-Serie

© er Cast der Serie Mirella Schulze rettet die Welt auf dem Serienposter. (c) TVNOW
Das Phänomen des jungen Mädchens, die für ihr Umweltengagement geehrt wird und damit an vielen Ecken auf Ablehnung trifft, ist brandaktuell. Daraus hat Showrunner und Head-Autor Ralf Husmann (Stromberg, Merz gegen Merz) für TVNOW eine neue Comedyserie gestrickt, die sich sehen lassen kann.
Wovon handelt die Serie Mirella Schulze rettet die Welt?
Mirella (Tilda Jenkins) engagiert sich für die Umwelt. Doch mit den 10.000 neuen Bäumen für die Stadt ist die Dreizehnjährige schon lange nicht mehr zufrieden, denn die werden die Natur als Ganzes auch nicht mehr retten, wenn zeitgleich der Regenwald gerodet wird. Mit ihrer ruhigen und bestimmten Art hat sie es damit in ihrer Stadt zu einiger Berühmtheit gebracht. Als wir sie kennenlernen, bereitet ihre Familie sich gerade auf eine Ehrung durch den Bürgermeister vor. Mirella ist jedoch alles andere als aus dem Häuschen. Wir erfahren schnell, wieso. Niemand ist so richtig begeistert. Ihre Schwester Maya (Ella Lee) will lieber mit Falco ins Kino, ihre Mutter Pia (Jördis Triebel) hat Angst, dass sie eine Aktion gegen ihren Arbeitgeber Winterfeld plant, ihre Schuldirektorin will ihre Schule am liebsten aus dem „Klimaquatsch“ raushalten und ihre Mitstreiter sind zunehmend genervt davon, dass immer nur Mirella im Mittelpunkt steht. Auch Mirella selbst will das gar nicht, aber wenn es der Sache dient, dann macht sie auch den Heldenkult widerwillig mit.
Auf der Ehrung versuchen nun die Erwachsenen, das Mikrofon in die Hand zu bekommen, darunter auch der Vorsitzende der Winterfeld AG, der Bürgermeister, die Schulleiterin und der Leiter von Mirellas Klima-AG. Doch alle wollen eigentlich nur die 13-jährige hören, die losgezogen ist, um die Welt zu retten. Nach den blumigen Worten mit den schön klingenden Versprechen geht sie dann widerwillig ans Mikrofon, um zu verkünden, dass sie sich mit einem „Naturschnuller“ wie den 10.000 Bäumen nicht mehr zufrieden geben will.
Der Familienstreit im Anschluss ist schon geplant, besonders, als der Winterfeld-Chef das Gespräch mit den jugendlichen Aktivisten sucht, doch ihre Mitstreiter nicht wollen. Sie sind genervt, weil nie was zu trinken im AG-Raum ist, weil sie auf keinem der Bilder vom Protest zu sehen sind und weil die Welt ungerecht ist... Doch Mirellas verständnisvoller Vater greift durch und so findet das Gespräch statt. Doch die Lösung ist das nicht.
Wie kommt es rüber?
Manche deutsche Serien funktionieren, manche weniger. Oft liegt es an den Vorbildern und wie sie verarbeitet werden. Wer schlicht von Erfolgsmodellen aus den USA abkupfert, der findet vor den Augen der Zuschauer, die mehr als nur nach der Arbeit abschalten wollen, wenig Gnade. Das gilt besonders für Comedys, denn observational comedy funktioniert halt besser, wenn die Zuschauer sich selbst und ihre eigene Lebenswirklichkeit erkennen können.
Wer eigene Ideen mitbringt, der kann mit einer deutschen Serie was reißen. In der neuen TVNOW-Serie Mirella Schulze rettet die Welt stecken viele eigene Ideen und darum liefert der RTL-eigene Streamingdienst hier einen echten Überraschungstipp ab.
Jeder, der uns in der Pilotepisode über die Mattscheibe läuft, fügt etwas hinzu, was man von sich selbst, seinen Lieben oder seiner Umgebung kennt. Das war laut Pressemitteilung auch der Anspruch der Serienmacher. „Die Schulzes sind wie wir alle, nur lustiger“, so Ralf Husmann. Das ist gelungen und gilt auch für die anderen Figuren der Serie. Über die jeweils 20 Minuten langen Episoden kann man zahlreiche innere Konflikte ausgetragen sehen, auf urkomische Art und Weise. Zwischen dem Anspruch der Jungen, die Welt zu retten, dem Bedürfnis der älteren Schwester, die am liebsten mit ihrem Schwarm ins Kino gehen will, bis hin zu den zahlreichen Ausreden der Erwachsenen, wieso Umweltschutz als abstrakte Idee auf jeden Fall unterstützenswert ist, bis es an den eigenen Job, den eigenen Teller oder das eigene Portemonnaie geht.
Doch das besondere Geschick einer starken Serie mit einem neuen Thema ist gelungen. Die Figuren vertreten ihre Ideen und Werte, ohne zu Karikaturen zu verkommen. Sie bleiben eigenständige Charaktere, die auch unterhaltsame Beziehungen zu ihren Mitmenschen haben. So sind zum Beispiel auch die Szenen zwischen den Eltern Schulze und ihre Familiendynamik so witzig und clever, dass es für eine eigene Serie reichen würde.
Manchmal wird es auch süß, ohne zu rührselig zu sein. Zum Beispiel, wenn Mirellas Bruder, der designierte Trottel der Serie, zeigt, dass er eine sensible und clevere Seite hat und seine Schwester tröstet, ohne auf Klischees zurückgreifen zu müssen.
Jede kleine Unterhaltung sitzt, das Drehbuch bringt in 20 Minuten mehr zitierwürdige Highlights unter, als andere Serien in einer ganzen Staffel.
Doch auch der Cast ist eine der absoluten Stärke der Serie - dabei gibt es keine Ausreißer, jede Hauptfigur füllt ihre Rolle komplett aus, jede Nebenfigur hat Scene-Stealer-Potential. Und dann ist da natürlich die wunderbare Jördis Triebel, die nicht erst seit Dark und Warten auf'n Bus einfach überall auftaucht, wo die deutsche Serienwelt glänzen kann.
Jeder Aspekt der Serie ist mit Hingabe gefüllt worden. Das gilt neben dem Drehbuch und dem Cast auch für Bereiche wie die gelungene Musikauswahl, die Regie und die Kulisse.
Fazit
Es gibt wenige Kritikpunkte an der Serie Mirella Schulze rettet die Welt. Sie ist ein urkomischer Einblick in eine Welt, in der die meisten Zuschauer auch leben. Eine normale und generell glückliche Familie, die sich im Alltag gerne mal auf die Nerven geht und sich an den Herausforderungen der Gegenwart, darunter allen voran der Umweltschutz, abarbeiten muss. Die Schulzes wollen die Guten sein, wie wir alle: weniger Fleisch essen, Müll trennen, aber dieser Anspruch zerschellt zu oft an der Realität. Unters Mikroskop kommt der Familienalltag vor allem deswegen, weil die jüngste Tochter Mirella als Aktivistin zu besonderem Ruhm gefunden hat. Das führt die Schulzes und uns immer wieder in absurde und doch zu vertraute Situationen, die die Serienmacher gekonnt humorvoll umsetzen.
Das Ärgerlichste an der Serie ist, dass sie durch die exklusive Verfügbarkeit über den RTL-Streamingdienst TVNOW viel weniger Zuschauer haben wird, als sie es verdient hätte.
Mirella Schulze rettet die Welt: Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Mirella Schulze rettet die Welt“: