Merlin 5x13

Merlin 5x13

An Heiligabend ist in Großbritannien die fünfte und letzte Staffel der Fantasyserie Merlin zu Ende gegangen - mit der großen Schlacht um die Zukunft Albions und einem Schluss, der sicher für manche Verwirrung gesorgt haben wird.

Die zentrale Bromance der Serie: Merlin (Colin Morgan, l.) und Arthur (Bradley James, r.). / (c) BBC
Die zentrale Bromance der Serie: Merlin (Colin Morgan, l.) und Arthur (Bradley James, r.). / (c) BBC

Das passiert im Serienfinale von Merlin The Diamond of the Day: Part One / The Diamond of the Day: Part Two:

Außer sich vor Zorn über die Hinrichtung seiner Freundin hat Mordred (Alexander Vlahos) die Seiten gewechselt - und Morgana (Katie McGrath) die Identität von Emrys verraten. Nachdem sie erfahren hat, dass sich dahinter niemand anders als Merlin (Colin Morgan) verbirgt, experimentiert sie mit einem Zauber, der andere Magier ihrer Mächte beraubt. Sie weiß: Wenn sie Arthur (Bradley James) schlagen will, dann muss sie seinen Schutzpatron aus dem Weg räumen. Und tatsächlich hat sie damit auch Erfolg. Merlin verliert seine Kräfte. Auch Gaius (Richard Wilson) kann ihm nicht weiterhelfen.

Die einzige Chance, seine Fähigkeiten wiederzuerlangen ist eine Reise ins Tal der vier Könige, an die Geburtsstätte der Magie selbst. Merlin ist klar, dass er Arthur ohne seine magischen Kräfte kaum eine Hilfe ist. Deshalb begleitet er ihn auch nicht, als der König mit seinen Rittern auszieht, um die heranrückenden Truppen von Mordred und Morgana zu stoppen. Stattdessen macht sich Merlin gemeinsam mit Gwaine (Eoin Macken) auf den Weg ins Tal - nichtsahnend, dass das Ziel ihrer Reise Morgana bereits zu Ohren gekommen ist...

Kairos

Vor wenigen Tagen ist die kanadische Actionserie Flashpoint nach fünf Staffeln zu Ende gegangen. Und im Grunde lässt sich das dort gezogene Fazit fast Wort für Wort auch auf Merlin übertragen: Die Serie hat genau den richtigen Punkt zum Aufhören gefunden. Die König-Artus-Legende hätte zwar vielleicht noch Stoff für weitere Folgen geboten. Das, was die Autoren jedoch mit den Figuren erzählen wollten, war ganz offenkundig auserzählt. Deshalb ist es den Machern hoch anzurechnen, dass sie von sich aus, ohne dass dazu aus Sicht der Einschaltquoten auch nur die geringste Veranlassung bestanden hätte, den Schlussstrich gezogen und die Serie würdig verabschiedet haben.

Freundschaft

Im Kern ist Merlin immer eine Serie über das Knüpfen enger menschlicher Banden gewesen, egal ob Freundschaft (allen voran die zwischen Merlin und Arthur) oder romantische Liebe (wie zwischen Arthur und Gwen). Das hat die Serie in emotionaler Hinsicht für den Zuschauer so interessant und spannend gemacht. Fast mehr noch als um die einzelnen Figuren haben wir um die Beziehungen zwischen ihnen gezittert und mitgefiebert. Gerade weil es sich um so unwahrscheinliche und deshalb fragile Beziehungen gehandelt hat: Die unstandesgemäßen Gefühle zwischen dem Prinzen und der Dienerin. Und natürlich die komplizierte Bromance zwischen dem arroganten Königssohn und dem treu ergebenen Diener.

Was letztere für den Zuschauer so lebendig gemacht hat, sind nicht zuletzt die entgegengesetzten Hoffnungen und Befürchtungen gewesen, die an die Freundschaft zwischen Merlin und Arthur geknüpft waren: Einerseits gab es nichts, was wir uns mehr wünschten, als das Arthur endlich erkennt, dass er es nicht nur mit einem einfachen Diener zu tun hat, sondern mit einem mächtigen Zauberer, der ihm schon oft - ohne sein Wissen - aus der Patsche geholfen hat. Andererseits mussten wir angesichts des anhaltenden Verbots von Zauberei in Camelot genau jenen Moment fürchten, in dem Arthur dahinterkommt, dass Merlin ein Zauberer ist. Diese Dynamik hat die Serie über fünf Jahre hinweg wunderbar getragen.

Verrat

Wir waren gerührt von Merlins bedingungsloser Treue und Hingabe, haben mit den beiden gelacht, wenn sie sich gegenseitig gefoppt und auf den Arm genommen haben - und haben uns über jedes Zeichen der Anerkennung und des Respekts gefreut, welches Arthur Merlin immer mal wieder entgegengebracht hat. Nicht wenige Zuschauer werden einen dicken Kloß im Hals gehabt haben, als Arthur im Serienfinale - noch vor der Enthüllung von Merlins wahrer Identität - seinem Diener gesteht, dass er ihn mit dem ganzen Gerede, dass er ein Feigling sei, eigentlich immer nur habe aufziehen wollen, und dass er ihn in Wahrheit für den tapfersten Mann halte, den er je gekannt habe.

Genau deshalb, weil es in Merlin eigentlich um nichts anderes als die Freundschaft, Kameradie und Liebe zwischen den Figuren ging, haben die Autoren immer wieder gerne auf Plots gesetzt, welche diese Beziehungen auf eine harte Probe gestellt haben, wobei es meist um die Frage von Vertrauen und Verrat ging: Eine Figur wird willentlich (Morgana) oder unwillentlich (Gwen in der fünften Staffel) zum Maulwurf für die andere Seite. Enge Vertraute geraten unter der Last erdrückender (aber natürlich gefälschter) Beweise unter falschen Verdacht. So ist es schon Gaius, Gwen und natürlich immer wieder Merlin ergangen. Und man muss sich - Mittelalter hin oder her - doch schon ernstlich fragen, wie nach all diesen Erfahrungen mit fälschlichen Anklagen eigentlich immer noch die Todesstrafe in Camelot bestehen kann.

Offenbarung

Häufiger als bis zur fünften Staffel hätte man diese Plots allerdings auch nicht länger durchspielen können, ohne dass sie sich zu sehr abgenutzt hätten. Von daher war jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Serie zu beenden. Dabei dreht sich auch das Finale um die Thematik von (in diesem Fall: vermeintlich) enttäuschtem Vertrauen. Nachdem Arthur durch Mordreds Schwert schwer verwundet wurde und dem Tod nahe scheint, offenbart sich ihm Merlin als Zauberer. Der junge Königin reagiert erst ungläubig, dann geschockt und abweisend.

Es ist ein Moment, der einem das Herz brechen könnte. Merlin hat durch sein Eingreifen die Armee der Sachsen zurückgeschlagen und Camelot damit gerettet, doch seine Freundschaft zu Arthur scheint zerstört. Eben jene Beziehung, die uns an die Serie gebunden hat. Was von Arthurs Seite nicht ganz unverständlich ist: Schon wieder ist er von jemanden, den er zu kennen glaubte, belogen und getäuscht worden. Natürlich muss er da im ersten Moment Enttäuschung und Verärgerung empfinden. Nach und nach wird ihm jedoch klar, dass diese Täuschung keine war, um ihm oder Camelot zu schaden, sondern im Gegenteil, dass Merlin selbstlos, ohne an seine eigenen Interessen zu denken, als sein Diener und als sein Freund gehandelt hat.

Der Wandel, den die Beziehung der beiden nach Merlin Enthüllung durchläuft, dieses Seinen-Freund-auf-einmal-mit-anderen-Augen-sehen, welches Arthur am Ende von The Diamond of the Day: Part Two vollzieht, ist der Moment, auf den wir fünf Staffeln lang gewartet haben. Dafür nimmt man dann auch gerne in Kauf, dass es gerade an dieser Stelle (ebenso wie in einigen anderen Szenen des Finales) ganz schön knirscht, was die erzählerische Plausibilität angeht. Da Arthur so schwer verwundet war und sie dringend nach Avalon mussten, wäre es da nicht besser gewesen, schon von Anfang an, den Drachen als Transportmittel herbeizurufen - und nicht erst in dem Augenblick, wo es schon eigentlich zu spät war? Ja, sicherlich, wäre es das gewesen. Es hätte uns allerdings die wunderschönen Merlin-Arthur-Szenen im Wald gekostet. Von daher wollen wir hier mal ein Auge zukneifen.

Auferstehung?

Dass die Rettung am Ende misslingt und Arthur tatsächlich stirbt, ist - wenn man bedenkt, dass sich die Serie nicht zuletzt an Kinder richtet - eine sehr harte Entscheidung. Aber natürlich sehr konsequent im Hinblick auf die zu Grunde liegende Sage. Ein wenig nehmen die Macher dem Ende die Spitze, indem sie die Prophezeiung vom „einstigen und zukünftigen König“ in der Weise interpretieren, dass Arthur auf Avalon ruht, bis Albion ihn wieder braucht - und er an diesem Tag auferstehen wird. Der anschließende Sprung in die Gegenwart kommt sehr unvermittelt - und wird bei manchen Zuschauern die Reaktion hervorgerufen haben „Was soll denn das jetzt?“ Aber auch hier ist die Serie letztlich nur ungemein konsequent: Merlin ist Arthur bis weit über dessen Tod hinaus als Freund ergeben. Und hält sich für den Tag bereit, an dem Arthur zurückkehrt. Ein perfektes Ende: Traurig und doch irgendwo hoffnungsvoll zugleich.

Etwas enttäuschend, weil vergleichsweise unspektakulär, ist der Abgang von Morgana. Sie wird einfach von Merlin mit dem Schwert durchbohrt. Für die zentrale Gegenspielerin der Serie wäre ein etwas dramatischeres Ende wünschenswert gewesen. Ihre Todesszene machte ein wenig den Eindruck, dass sie nun - nach der Enthüllung Merlins als Zauberer - nur noch lästiges Beiwerk war, dessen man sich schnellstmöglich entledigen wollte.

Doch das sind nur kleine Schönheitsfehler eines ansonsten sehr runden, spannenden und effektvoll in Szene gesetzten Serienfinales, welches den Schlussstrich unter eine höchst unterhaltsame Serie gezogen hat. Merlin hatte in der ersten Staffel leichte Anlaufschwierigkeiten gehabt. Aber nachdem diese erst mal überwunden waren, steigerte sich die Serie von Staffel zu Staffel.

Die verfolgte Minderheit

Für ein zentrales thematisches Problem, welches immer wieder angeschnitten wurde (zuletzt in The Drawing of the Dark), hat die Serie allerdings nie eine Lösung gefunden: Um die Prämisse der Serie aufrecht zu erhalten, dass Merlin seine magischen Kräfte vor Arthur verbergen muss, musste die Zauberei auch über Uthers (Anthony Stewart Head) Ableben hinaus in Camelot illegal und die Zauberer eine verfolgte Minderheit bleiben. Merlin stellt sich gegen die Seinen - in der vagen Hoffnung, dass Arthur schon irgendwann einmal seine Meinung zur Zauberei ändern werde. Weil es „sein Schicksal“ ist, hält Merlin auf Biegen und Brechen zu einem - wenn auch sonst mehr oder minder gütigen - Tyrannen. Ideologisch ist das schon grenzwertig heikel.

Gerade [episodeThe Drawing of the Dark, Merlin] hat gezeigt, dass eigentlich gar nicht einmal so viel dazu gehört hätte, um in Merlin genau mit der anderen Seite zu sympathisieren: Wenn nicht die machtbesessene Morgana, sondern die Freiheitskämpferin Kara (Alexandra Dowling) die zentrale Gegenspielerin von Merlin und Arthur gewesen wäre - zu wem hätten wir dann wohl gehalten?

Letztlich hat die Art, wie Merlin damit umgegangen ist, allerdings auch etwas für sich: Schließlich ist es nicht das Schlechteste, in einer Serie Gegner zu haben, deren Standpunkt und Motivation durchaus etwas für sich haben.

Fazit

Natürlich ist es traurig, dass es keine weiteren Folgen von Merlin mehr geben wird. Und doch muss man sagen: Die Serie ist genau zum richtigen Zeitpunkt gegangen. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs und mit einem starken Finale, welches das zentrale Thema der Serie rund um Freundschaft und Vertrauen zu einem mitreißenden Abschluss gebracht hat. Die Fehler, welche die Serie hatte (die geradezu Once Upon a Time-schlechte Animation des jungen Drachen gehört hier fraglos dazu), sollen darüber nicht vergessen werden. Sie nehmen sich aber bescheiden aus im Vergleich zu der herzlichen und spannenden Unterhaltung, welche die Serie in den letzten vier Jahren geboten hat.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 25. Dezember 2012
Episode
Staffel 5, Episode 13
(Merlin 5x13)
Titel der Episode im Original
The Diamond of the Day: Part Two
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Montag, 24. Dezember 2012 (BBC)

Schauspieler in der Episode Merlin 5x13

Darsteller
Rolle
Colin Morgan
Angel Coulby
Bradley James

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