Nach sieben Jahren The Closer verließ Kyra Sedgwicks Deputy Chief Brenda Leigh Johnson die Major Crimes Division und sorgte so für ein zwar ungewöhnliches, aber doch nicht sonderlich überraschendes Spin-off. Wenn ihnen The Closer gefallen hat, dann...

Der Cast der neuen US-Serie „Major Crimes“ / (c) TNT
Der Cast der neuen US-Serie „Major Crimes“ / (c) TNT

Am vergangenen Montag begann in den Vereinigten Staaten bei TNT eine neue Serie, die eigentlich gar nicht so neu ist: Major Crimes, ein Spin-off zu The Closer. Anders als bei vielen anderen Spin-offs, die meist eine altbekannte Figur an einem neuen Handlungsort zeigen - Frasier aus Cheers, Joey aus Friends, Angel aus Buffy the Vampire Slayer - oder einfach nur im selben Serienuniversum spielen, wurden bei Major Crimes nur drei Figuren aus dem Ensemble ausgetauscht. Entsprechend stark ähneln sich die Serien, wenn auch gewisse Akzente anders gesetzt werden.

Vorgeschichte

Als vor der siebten Staffel von The Closer dessen zentrale Darstellerin Kyra Sedgwick den Senderoberen bei TNT verkündete, dass sie doch so langsam ans Aussteigen aus der Erfolgsserie denke, muss denen Angst und Bange geworden sein. Während der Konkurrent USA Network nach „seinem“ Hit Monk ein überbrodelndes Reservoir an Serienhits aufbauen konnte, war bis zum Start von Rizzoli & Isles bei TNT eine Serie nach der anderen versumpft. Manches erhielt eine zweite Staffel, HawthoRNe gar drei, aber Jahr um Jahr lag man hinter dem wichtigsten Konkurrenten.

Nachdem die Verantwortlichen also notgedrungen das Serienende nach der damals noch anstehenden siebten Staffel verkündeten, ruderten sie schließlich zurück und verkündeten ein Spin-off namens Major Crimes. Wegen der ausscheidenden Sedgwick war klar, dass ihre Funktion als Leiterin der Einheit neu vergeben werden musste. Als sich der Nebel lichtete, zeigte sich, dass auch Corey Reynolds und J.K. Simmons das Serienuniversum verlassen würden. Für die siebte Staffel wurde die Darstellerin Mary McDonnell als Captain Sharon Raydor in den Hauptcast und zur designierten Nachfolgerin von Sedgwick befördert.

Die Ansage

Im Vorfeld der Premiere von Major Crimes wurden von den Verantwortlichen um Serienschöpfer James Duff einige Änderungen angekündigt, die zwischen The Closer und Major Crimes liegen würden. Einerseits sollte die neue Serie stärker auf das Ensemble statt auf die Hauptfigur ausgerichtet sein. Daneben wollte die Serie auch dem Abschied von „Closer“ Brenda und den modernen Gegebenheiten des Rechtssystems Rechnung tragen: Nicht mehr um das Geständnis und die exakte Aufklärung von Verbrechen soll es gehen. Dafür sollen Deals mit den Tätern, die diesen zwar die jeweils schlimmste Strafe ersparen, sie aber immerhin langfristig von der Straße holen und außerdem - ohne großen Prozess - kostensparend daherkommen, im Zentrum stehen.

Introducing: Major Crimes

Die erste Episode von Major Crimes beginnt mit einer großen Ballerei mit automatischen Waffen im Stil des Films „Heat“, die die Zuschauer - wie Lieutenant Provenza (G.W. Bailey) - durch die Aufzeichnungen einer Überwachungskamera sehen. Das martialische Geschehen wird im Folgenden aufgelöst: Eine Undercovereinheit der Polizei hatte die Verdächtigen einer Reihe von Supermarktüberfällen verfolgt. Anders als bei der bisherigen Raubserie ging dabei aber einiges schief. Auch sonst weist dieser Überfall deutliche Abweichungen von den vorherigen auf. Vor allem dadurch, dass die Truppe nun zum ersten Mal an einen Supermarkt geraten war, der über einen stillen Alarm verfügt. Durch den erfuhr auch die „reguläre“ Polizei von dem Überfall und rückte mit Sirenen an.

Der folgenden Schießerei fielen zwei der Räuber zum Opfer, ein dritter ergab sich und zwei weitere konnten entkommen. Während des Versuchs, den festgesetzten Täter zum Verrat an seinem entkommenen Kollegen zu überreden, kommt es zum Hinterhalt - der Polizeiwagen, in dem der Gefangene sitzt, wird von mehreren Schüssen getroffen, der aussagebereite Gangster getötet.

Durch die Ankunft des frisch gebackenen Assistent Chief Taylor (Robert Gossett) und Captain Raydor (Mary McDonnell) wird der Vorgang der Ermittlungen weiter aufgehalten: Taylor nutzt die Krisensituation, um Provenza darüber zu informieren, dass Raydor die neue Chefin der Einheit wird, deren Arbeitsweise sich zudem ändern soll. Dem bleibt nichts anderes übrig, als diese bittere Pille zunächst zu schlucken - zwei mit automatischen Waffen ausgestattete Gangster sind flüchtig. Allerdings durchschaut Provenza das Manöver und ist nicht bereit, diese Demütigung ohne weiteres auf sich sitzen zu lassen.

Zur Undercovereinheit, die bei der aus dem Ruder gelaufenen Beschattung zugegen war, gehört auch Detective Amy Sykes (Kearran Giovanni), die sich stark für einen Wechsel zu „Major Crimes“ interessiert - durch den Abgang von Detective Gabriel ist dort nun ein Platz frei.

Zurück im Büro muss sich Captain Raydor mit einem neuen Problem auseinandersetzen: Rusty (Graham Patrick Martin; Two And A Half Men, The Bill Engvall Show). Der ehemals Obdachlose hatte sich mit seiner neu zugewiesenen Pflegefamilie angelegt und beruft sich nun auf Brenda Leigh Johnsons Versprechen, seine Mutter ausfindig zu machen. Raydor muss sich seiner annehmen, da seine Zeugenaussage noch im Zusammenhang mit Brendas letztem Fall gebraucht wird.

Nachdem sich kurzzeitig Buzz (Phillip P. Keene) um den Jungen kümmert, kommt Raydor auf eine langfristigere Lösung: Sie nimmt den widerspenstigen Jungen auf, schließlich hat sie bereits zwei Teenager großgezogen.

Die feinen Unterschiede

Betrachtet man sich die Entwicklungsgeschichte von Major Crimes, so wird klar, dass der Sender TNT ein großes Interesse daran hatte, sich nicht vom Erfolgsformat The Closer zu trennen. Dass man dies auch nicht getan hat, zeigt bereits der Episodenanfang, bei dem man die für die Mutterserie übliche Anfangssequenz mit den Schwarzblenden verwendet.

Trotz des Willens zur Konstanz wurden einige Zugeständnisse gemacht, denn ganz ohne Umbau kommt man nicht aus, wenn man den Zuschauern ein ähnliches Format liefern will. Mit dem Abgang von Brenda fehlt nämlich nun auch die zentrale, starke Frauenrolle in der Männerclique. So „beförderten“ die Verantwortlichen Raydor. Der fehlte aber bisher die „menschlich sympathische“ Seite, die Brendas komplexes Verhältnis zum Zucker und, zu Beginn von The Closer, auch ihre Ortsfremdheit in Los Angeles verschaffte. Durch die Notwendigkeit, sich um Rusty zu kümmern, erhält die Figur der Sharon Raydor hier mehr Tiefe.

Die angekündigte, stärkere Einbindung des Ensembles funktioniert einerseits so subtil und organisch, dass es ohne die Vorankündigung gar nicht auffallen würde - die persönlichen Momente, die sonst ca. in drei oder vier Folgen zu sehen waren, gab es nun in einer.

Erfolgsrezepte

In nicht wenigen Belangen erinnert der Serienpilot von Major Crimes in seinen Grundzügen an den Auftakt von The Closer: Die weibliche Hauptfigur kommt dank des Assistant Chief zur Einheit. Dort hat sie nur wenige Fürsprecher, viele stehen ihr gar feindlich gegenüber. Nur eine einzelne Figur hält ganz klar zu ihr - in diesem Fall Neuzugang Sykes, die ihre Beförderung ihrer neuen Vorgesetzten zu verdanken hat. Ob es wohl auch eine ganze Staffel brauchen wird, bis Captain Raydor ihr Team auf ihrer Seite hat?

Ebenso wie einst Brenda mit ihrer anfänglichen Pedanz im Umgang mit dem Tatort muss sich Raydor mit dem Widerstand der Kollegen gegen ihre Arbeitsweise auseinandersetzen: Während Brenda sich später durch ihre Erfolge Achtung verschaffen konnte, dürfte es Raydor schwerfallen, für ihren Weg der Deals und Kostenersparnis in absehbarer Zukunft Beifall zu erhalten.

Mauer: Fall

Was beim Serienauftakt deutlich zu kurz kommt: Der eigentliche Fall, der mehr zum Randgeschehen wird. Aus einer Geschichte, in der sich Tatverdächtige im Umfeld der Polizei finden lassen, hätte man deutlich Spannenderes machen können.

Fazit

Im Grunde haben die Verantwortlichen mit dem Spin-off Major Crimes erhalten, was sie wollten: Eine möglichst nahtlose Fortsetzung ihrer Erfolgsserie The Closer. Darüber können sich auch die zahlreichen Zuschauer eigentlich freuen, denn „The Closer“ ist immer einer hochklassige Serie gewesen.

Probleme gibt es demnach nur für drei Arten von The Closer-Fans: die „Die-hard-Fans“ von Kyra Sedgwick, Leute, die mit Mary McDonnell nichts anfangen können, und schließlich die Zuschauer, denen es wichtig war, dass am Ende jeder Episode das Gute siegt und die Schuldigen ihre gerechte Strafe bekommen.

Und gerade hier nimmt der „entromantisierte“ Ansatz von Major Crimes einiges an Sehvergnügen.

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