Magic City 1x01

Isaac „Ike“ Evans (Jeffrey Dean Morgan, Supernatural) ist der GrĂŒnder und Besitzer des Miramar Playa Hotels in Miami Beach. Wir schreiben den 31. Dezember 1958 - und Ike steht unter enormem Stress. Frank Sinatra soll am Abend im Ballsaal auftreten. Doch Streikposten blockieren den Zugang zum Hotel. Ike fĂŒrchtet, dass er mit dem Miramar erledigt ist, sollte dieser Abend zum Desaster werden. Einer gewerkschaftlichen Organisation seiner Mitarbeiter will er aber um keinen Preis zustimmen. Um zu verhindern, dass das Event um Mitternacht gestört wird, wendet sich Ike deshalb an seinen Teilhaber Ben „The Butcher“ Diamond (Danny Huston), der mit solchen Problemen auf ganz eigene Weise umzugehen versteht.
Ikes Sohn Stevie (Steven Strait) soll unterdessen dafĂŒr sorgen, dass die Alkoholika am Streikposten vorbei geliefert werden können. In einer Bar trifft er die mysteriöse Schönheit Lily (Jessica Marais, Packed to the Rafters), in die er sich umgehend verliebt. Er ahnt nicht, dass es sich um die Gattin von Ben Diamond handelt, der etwaigen auĂerehelichen TurnĂŒbungen seiner Frau gegenĂŒber wenig liberal gesinnt ist...
Chris Albrecht hat ein Problem. Der ehemalige Chef von HBO, der heute GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Starz ist, hat an seiner neuen WirkungsstĂ€tte bislang keinen einzigen echten Hit vorzuweisen. Die eine groĂe Erfolgsserie des Senders, Spartacus, hat er von seinem VorgĂ€nger geerbt. Alles, was er selbst bislang an Eigenproduktionen angefasst hat, ob Camelot, Torchwood oder Boss, ist vom Starz-Publikum nur mit mĂ€Ăiger Begeisterung aufgenommen worden.
Und irgendwie kann man den Verdacht nicht ganz abschĂŒtteln, dass sich das mit Magic City nicht Ă€ndern wird. Trotz der nackten Haut von Ex-Bond-Girl Olga Kurylenko und dem Beckensport von Jessica Marais. Dazu bemĂŒht sich die Serie viel zu sehr Mad Men zu sein - und ist bei weitem nicht rustikal genug. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Albrecht zwar gesagt, dass sich Starz von anderen Pay-TV-Sendern unterscheiden mĂŒsse. So ganz verinnerlicht hat er seine Worte aber, wie es scheint, selbst noch nicht. Vor allem bei Boss und Magic City - bezeichnenderweise beides Serien, denen er noch vor Sendestart eine zweite Staffel spendiert hat „38876“ - kommt es einem so vor, als hĂ€tte er eigentlich Serien fĂŒr seinen alten Arbeitgeber bestellen wollen.
Das könnte man als Kompliment fĂŒr Magic City verstehen. Ist es aber nur zum Teil. Als PortrĂ€t der Zeit funktioniert die Serie wunderbar: Angefangen beim Vorspann, der einen unwillkĂŒrlich an James Bond denken lĂ€sst (ganz groĂartig: wie auf einmal statt der nackten Frau ein Hai durchs Wasser schwimmt). Ăber das Design, die Ausstattung und die fortwĂ€hrende Lungenkrebs-Werbung. Bis hin zur (Selbst-) Darstellung von Ike als self-made man, der buchstĂ€blich den amerikanischen Traum verkörpert. Der Mann, der es - vermeintlich - aus eigener Kraft geschafft hat.
WĂ€hrend auf der anderen Seite des Golfs ChĂ© und Fidel gerade dabei sind, die vertraute Ordnung umzustoĂen, ist auf dieser Seite noch alles so, wie es sein sollte: Sozialer Aufstieg verdankt sich - im Falle des Mannes - der eigenen Tatkraft oder - im Falle der Frau - der gĂŒnstigen Partnerwahl. Die Angestellten werden aus eigenem Wohlwollen gut behandelt und bezahlt. Eine gewerkschaftliche Organisation, welche den unternehmerischen Erfolg in Gefahr brĂ€chte, ist dagegen bis aufs Blut zu bekĂ€mpfen. Und das ist in diesem Fall wörtlich zu verstehen. Einzig die AlbtrĂ€ume erinnern einen an die Wasserleichen, die unter der OberflĂ€che schlummern - und damit an die Tatsache, dass der man nicht ganz so self-made ist, wie er einen glauben machen will, sondern seinen Aufstieg einem Pakt mit dem Teufel verdankt. Oder vielmehr mit einem Skorpion.
Das ist eine interessante PrĂ€misse - und auch sehr schön anzuschauen. Aber noch nicht wirklich packend. Dazu ist Magic City - zumindest in der Pilotfolge - etwas zu behĂ€big erzĂ€hlt. Es passiert halt nicht wirklich viel. Die Zahl der Konflikte und Wendungen hĂ€lt sich in sehr engen Grenzen. So etwas wie Nervenkitzel kommt allenfalls in der Szene auf, als der Gewerkschaftsanwalt damit rechnet, dass die Prostituierte gleich sein bestes StĂŒck in den Mund nimmt, und er stattdessen auf einmal ein StĂŒck von der MĂŒndung eines Revolvers im Mund hat.
Mit Ausnahme von Ike fĂ€llt die Charakterisierung der meisten Figuren bislang noch etwas dĂŒnn aus. Vieles, wie zum Beispiel die „Freundschaft“ zwischen Danny (Christian Cooke) und dem ZimmermĂ€dchen Mercedes (Dominik Garcia-Lorido), wird angerissen, aber wohl erst in Zukunft von gröĂerer Bedeutung werden. Das ist einerseits nicht ungeschickt, weil so von Beginn weg der Eindruck eines ganzen Figurenkosmos entsteht, in den wir als Zuschauer hineingeworfen werden. Andererseits betont es den stark expositorischen Charakter der Episode: Wir sehen viel, erleben aber bislang noch wenig.
Fazit
Ein interessantes Zeitbild vor traumhafter Kulisse, besetzt mit vorzĂŒglichen Schauspielern, allen voran Jeffrey Dean Morgan. Einzig die Geschichte könnte doch noch eine ganze Spur mitreissender sein. Gerade, wenn man bedenkte, dass es sich um eine Serie auf Starz handelt, geht es einfach noch ein bisschen zu beschaulich zu.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 1. April 2012(Magic City 1x01)
Schauspieler in der Episode Magic City 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?