Self Made: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Self Made: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Mit Self Made bringt Netflix die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau auf die Mattscheibe. Madam C.J. Walker stieg zum Ende des 19. Jahrhunderts von einer armen Wäscherin zur erfolgreichen Unternehmerin und Millionärin auf. Wird die Miniserie dieser Lebensgeschichte gerecht?

Self Made (c) Netflix
Self Made (c) Netflix
© elf Made (c) Netflix

Die Netflix-Miniserie Self Made bietet uns in Zeiten der Unsicherheit die wunderschöne Geschichte einer Frau, die gegen alle Widerstände zu außergewöhnlichem Erfolg findet. Wohlfühlfernsehen für schlechte Zeiten mit einem Themenkatalog, den man so nicht oft auf der Mattscheibe findet. Doch reicht das um eine fesselnde Serie zu produzieren?

Worum geht es?

Sarah Breedlove (Octavia Spencer, „Hidden Figures“, „The Help“) wird in arme Verhältnisse geboren und muss sich durch eine schlechte Ehe und miserable Bezahlung kämpfen um überhaupt zu überleben. Wir sehen sie in der Pilotepisode an einem Tiefpunkt in ihrem Leben. Denn zu allem Überfluss fallen ihr auch noch die Haare stellenweise aus. Das klingt vielleicht nach einem Randproblem, aber für Sarah ist das es zentral. Denn Haare sind Leben für sie. So ist sie denn auch mehr als empfänglich als eines Tages Addie (Carmen Ejogo, True Detective) auf ihrer Türschwelle erscheint und ihr verspricht, ihr mit einem Haarwuchsmittel das Leben wieder lebenswert zu machen. Fortan geht Sarah regelmäßig zu Addie in die Behandlung, die im Gegenzug dafür die Dienste der Wäscherin in Anspruch nimmt.

Der Wendepunkt dieses Arrangements kommt als Sarah mehr will. Sie will als Verkäuferin für Addie arbeiten. Doch die schickt lieber junge Mädchen mit hellerer Hautfarbe los und möchte nicht, dass Sarah mit ihrem Produkt identifiziert wird.

Doch so leicht lässt sich Sarah nicht unterkriegen. Sie kreiert ihr eigenes Haarwuchsmittel und schickt sich an, es in St. Louis zu vertreiben. Dabei kann sie auf die Unterstützung ihres Ehemannes Charles (Blair Underwood, Quantico, Dear White People) setzen, einem erfahrenen Verkäufer mit einem Händchen für Werbung.

Schnell erkennt sie, dass sie in der Stadt immer in Addies Schatten stehen wird und entscheidet sich dazu, mit ihrer Familie nach Indianapolis. Begleitet wird sie dabei nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von ihrer erwachsenen Tochter Leila (Tiffany Haddish, The Carmichael Show, The Last O.G.) und deren frisch angetrauten, etwas nichtsnutzigem Ehemann John (J. Alphonse Nicholson). Zum Team des neuen Haarsalons gehört auch Charles' Vater Cleophus (Garrett Morris, 2 Broke Girls).

Was zunächst schwierig anläuft wird ein Hit als Sarah sich auf ihre Stärke besinnt, Menschen mit ihrer Geschichte und ihrem Charisma in ihren Bann zu ziehen und ihnen Hoffnung zu geben.

Dem Optimismus der Familie wird ein Dämpfer versetzt als überraschend Addie in der Stadt auftaucht und einen eigenen Salon eröffnet, ein richtiges Ladengeschäft mitten in der Stadt während Sarah, die dort als Madam C.J. Walker bekannt ist, immer noch Produkte in der heimischen Küche herstellt und ihre Kundinnen im Wohnzimmer empfängt.

Als dann auch noch durch Schwiegersohn Johns Dummheit das Haus in Flammen steht, muss Sarah hart kämpfen um sich nicht unterkriegen zu lassen. Statt klein beizugeben plant sie nun erst richtig loszulegen und eine Fabrik zu bauen, in der sie ihre Haarmittel im großen Stil herstellen kann.

Wie kommt es rüber?

Es gibt einiges Positive über die Netflix-Miniserie zu sagen, vor allem die Dinge, die auf der Hand liegen. Wie die Frau im Zentrum ist auch die Serie in mancherlei Hinsicht außergewöhnlich.

Nicht oft sieht man TV-Produktionen über die Lebensgeschichte afroamerikanischer Frauen aus vergangenen Zeiten. Noch seltener kommt es vor, dass eine Frau aus der Geschichte ihr Leben auf der Mattscheibe erzählen darf ohne dass die Zeit der Sklaverei im Mittelpunkt steht. Natürlich sind das wichtige Geschichten, die ihrerseits mehr Gehör finden sollten, aber ebenso wichtig ist es, Geschichten zu erzählen, die die Sicht auf afroamerikanische Frauen in der Historie erweitern. Sarah wurde zwei Jahre nach der Emanzipationsproklamation geboren, die Sklaverei und ihre Nachwirkungen spielen eine große Rolle in Sarahs Leben, aber sie ist entschlossen, ein anderes Thema zum Mittelpunkt zu machen: die Suche nach dem eigenen Ruhm.

Auf der Castliste stehen zahlreiche große Namen, darunter Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer und Fan-Liebling Tiffany Haddish. Aber auch charismatische Gesichter, die man nicht wieder vergisst, sind dabei, allen voran Sarahs Schwiegervater und 2 Broke Girls-Alumnus Garrett Morris.

Doch da erschöpft sich das Lob für die Serie, die unter anderem von LeBron James produziert wurde, leider auch schon. Denn die Stärke des Casts und die Brillanz des Vorbilds spiegelt die Netflix-Miniserie überhaupt nicht wieder.

In der Pilotepisode werden immer wieder Bilder von einem fiktiven Boxkampf zwischen Sarah und Addie eingeschoben, die schon beim ersten Mal Fremdscham auslösen. Beim 8. Einspieler muss man langsam am Verstand der Serienmacher zweifeln.

Das Drehbuch bleibt flach, die Kostüme wirken wie aus einem Lifetime-Film geliehen. Das wirkt vor allem bei Netflix fehl am Platze, wo das Produktionsbudget in der Regel gut gepolstert scheint.

Das hat die Geschichte über die erste Frau, die sich aus eigenen Kräften zur Millionärin hoch gearbeitet hat, nicht verdient. Zwischen schlechter Ausrüstung, einem flachen Drehbuch und unzähligen Klischees läuft es einfach nicht rund auch wenn die Serie nicht geradeheraus als schlecht bezeichnet werden kann.

Immer wieder jedoch kann einem das eine oder andere sauer aufstoßen bis man mit dem Finger immer näher an den Stop-Button rückt. Zu den Seltsamkeiten der Serie gehört leider auch die Entscheidung, die großartige Tiffany Haddish als Sarahs Tochter zu besetzen. Sie wirkt so sehr aus der Zeit gefallen, passt so wenig zu der Rolle, dass man kaum erahnen kann, was die Serienmacher sich aus der Kombination überhaupt versprochen haben.

Fazit

Die Story der Madam C.J. Walker, die sich kurz nach dem Ende der Sklaverei aus eigener Kraft an die Spitze eines Millionenunternehmens gearbeitet hat, hat ein großes Forum verdient. Es sollte eine Serie sein, die von der Qualität mit den Großen mithalten kann. Stattdessen hat man bei Netflix eine wenig beachtete und kaum beworbene Nischenserie daraus gemacht, auf die man vor allem durch zufälliges Scrollen stoßen könnte. Das ist schade, besonders weil viele Voraussetzungen für eine starke Produktion gegeben sind, allen voran der starke Cast. Als Quarantäne-Binge könnten die vier Episoden dienen, aber das vergebene Potential hinterlässt trotzdem einen schalen Geschmack.

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