MacGruber: A Good Day to Die - Review der Pilotepisode

MacGruber: A Good Day to Die - Review der Pilotepisode

Nach Sketchen bei Saturday Night Live und einem eigenem Kinofilm gibt es die MacGyver-Parodie MacGruber nun auch als Serie beim Streamingdienst Peacock zu sehen. Will Forte kehrt natürlich zurück, genauso wie seine Filmkameraden. Doch: Ist der Witz langsam ausgereizt?

Keyart zur Serie MacGruber (c) Peacock
Keyart zur Serie MacGruber (c) Peacock
© eyart zur Serie MacGruber (c) Peacock

Sketche aus der Comedyinstitution „Saturday Night Live“, die seit 1975 bei NBC auf Sendung ist, werden nicht selten zu Filmen. Bekannte Exemplare sind „The Blues Brothers“, „Wayne's World“, „Coneheads“ oder „MacGruber“ (Will Forte, The Last Man on Earth), der 2010 bereits ein Kinoabenteuer erlebte und im Jahr 2021 nun seine eigene Peacock-Serie erhält. Angefangen hat das alles einst als krude MacGyver-Parodie und sehr viel Entwicklung gab es seitdem eigentlich nicht, sieht man mal von den Freiheiten ab, die der Film und die Serie auf sprachlicher Seite gegenüber der Sketche auf einem Network haben, in denen sich MacGruber vergleichsweise zahm zeigen muss.

Das alles ist in der Streaming-Serie vollkommen egal. MacGrubers Art des Humors schlägt ganz tief und fest unter die Gürtellinie und es gibt auch noch das Herausreißen der Kehle (sein Markenzeichen) als Bonus obendrauf. Wer also mit zotigem Humor und Jokes rund um Penisse, Fürze, Sex, Popos und Co nichts anfangen kann, sollte einen größtmöglichen Bogen um das gesamte Format machen.

Wer weder Sketche noch Film je gesehen hat, wird von den Machern an die Hand genommen, denn Maya Rudolph, die die erste tote Exfrau des Protagonisten spielte, singt uns alles im Recap-Format vor, was man wissen sollte. Doch schon da wird überdeutlich gemacht, was den Zuschauer erwartet: übersexueller insult- und cringe-Humor, der sicherlich nicht bei jedem ankommt. Nebenbei wird das Intro noch zur „James-Bond“-Parodie...

Ein Beispiel der Grenzüberschreitung und der Humorfarbe an sich hatte auch der Teaser zur Serie geliefert, der MacGruber in einer Interviewsituation gezeigt hatte:

Worum geht es in MacGruber?

Nach den Ereignissen des Filmes, an dessen Ende MacGruber seine Nemesis, Frauenmörder Dieter Von Cunth (Val Kilmer), mit rabiaten Mitteln für immer ins Jenseits befördert (er war vorher von den „Toten“ zurückgekommen) und ihn beim Fall von der Klippe noch bepinkelt (!) hatte, muss sich der ultimative amerikanische Held nun für seine Taten verantworten. Zwar wollte Cunth (get it?!?) auch seine Hochzeit mit Vicky St. Elmo (Kristen Wiig) in die Luft jagen, doch trotz allem wurde an MacGruber und Teilen seiner Crew, darunter Dixon Piper (Ryan Philippe), ein Exempel statuiert. MacGruber saß bereits zehn Jahre ein und sollte eigentlich lebenslang im Knast verrotten.

Wäre da nicht eine nationale Notlage, die eine Selbstmordmission von ihm erfordert, denn die Tochter des Präsidenten wurde entführt und nur MacGruber scheint für so etwas gewappnet zu sein. Erst lehnt er den Auftrag mit allerhand blumigen Beschimpfungen und Begründungen ab, allerdings erinnert er sich dann an den Moment, als seine Mutter ausgerechnet an seinem Geburtstag von einer mysteriösen Figur umgebracht wurde. Diese stellt sich am Episodenende als Brigadier Commander Enos Queeth (Billy Zane) heraus. Auch dessen Namen spielt auf ein sexuell anzügliches Wort an... Der Schurke der Serie fordert zuvor noch von MacGruber, dass er sich splitterfasernackt macht, was natürlich nicht ohne Joke auf Kosten seines Penis ablaufen kann... Nun gilt es also, den Schurken aufzuhalten.

Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass Vicky ihr Geld als Sängerin mit einer Reimsucht (cringe) verdient, während Piper nun als Fahrlehrer arbeitet und auch fünf Jahre im Knast für seine Beihilfe hatte absitzen müssen. Besonders die Art und Weise, wie der Song von Vicky wirklich in Grund und Boden geritten und überstrapaziert wird, ist der Humor, auf den Forte und Wiig auch häufig in „SNL“ setzten, was man mögen muss, um diesem wahnsinnig langen Gag etwas abzugewinnen.

Hier kannst Du „MacGruber (Der Film) im Stream“ bei Amazon.de kaufen

MacGruber (Der Film) im Stream

I don't mind that you put your penis in Vicky's vagina, but put it in her heart, too

Solche Sätze wie in der Überschrift sind Beispiele für die Gag- und Niveauqualität von MacGruber und da kann es schon verwundern, wer sich so dafür hergibt. Neben den bereits genannten lassen sich auch Sam Elliott (Perry), Laurence Fishburne (General Barrett Fasoose), Joseph Lee Anderson (Major Harold Kernst) und Timothy V. Murphy (Constantine Bach) durch den Kakao ziehen und spielen größtenteils straight men für den anzüglichen MacGruber, der ein Militärbriefing sprengt, um über das Arschloch des Generals zu sprechen, den er vorher beim Sex mit der eigenen Ex beobachtet hat. Denn Vicky dachte natürlich ebenfalls, dass MacGruber den Rest seines Lebens im Gefängnis (wo er sich in der Pilotfolge auch einen kleinen Squash-Ball in den Po schiebt), verbringt.

Man merkt wahrscheinlich schon: Das Niveau ist so flach wie Papier und man muss in Stimmung sein, um das witzig zu finden. In kleinen Dosen mag ich das ab und zu, nur kennt MacGruber keine vorsichtige Dosierung, sondern nimmt immer gleich die große Schöpfkelle an cringe, wenn er es kann. Das ist allerdings ein wenig anstrengend und nur bedingt amüsant.

Auf gewisse Weise ist „MacGruber“ eine Evolution von Parodiefiguren wie aus „Die nackte Pistole“ respektive „Die nackte Kanone“ (oder auch das grandiose Angie Tribeca), wobei in diesem Serienneustart mehrere Figuren eingeweiht sind und auch albern sein dürfen, während vor allem das Militär einfach so tut, als würde das, was der Protagonist von sich gibt, in irgendeiner Art und Weise okay sein.

Fazit

Cringe-Humor, wie bei „MacGruber“ gibt es oft auch in Mockumentary-Formaten wie The Office, Parks and Recreation oder The Office, doch diese Serien bringen allesamt eine gewisse Wärme mit sich, die dem Pseudo-MacGyver völlig bewusst abgeht.

Kennt man obendrein noch die ursprünglichen „SNL“-Sketche (in denen es immer darauf hinauslief, dass eine Bombe explodiert), dann fragt man sich vielleicht, wie die Figur es zu Film plus Serie geschafft hat, denn das alles ist doch ein sehr spitzer und spezieller Humor, der eigentlich keine große Zielgruppe haben dürfte.

Hier einige Beispiele für einen typischen „MacGruber“-Skit:

Aber Peacock kann sich als Verfolger der großen Streaming-Platzhirsche wohl auch mehr Experimente leisten, wenn denn genug Leute streamen, die grobe Erinnerungen an die Figur haben. Gerade eine amerikanische Collegecrowd dürfte wahrscheinlich ihren Spaß an dem insult-Humor haben, den Fortes Kunstfigur ständig vom Stapel lässt. Alle anderen haben bei Nichtgefallen genug Alternativen in der Generation Peak-TV. Wem's gefällt...

Hier abschließend noch der offizielle Serientrailer zur neuen Serie „MacGruber“:

Hier kannst Du „MacGruber (Der Film) im Stream“ bei Amazon.de kaufen

MacGruber (Der Film) im Stream

Diese Serie passen auch zu «MacGruber»