Lupin 1x01

© erienposter zur Serie Lupin (c) Netflix
Mit der Figur „Lupin“ hatte ich persönlich durch den Anime „Lupin the Third“, der einst bei MTV gezeigt wurde, meine ersten Berührungspunkte. Dabei ist die Figur selbst schon seit 1905 in zahlreichen Literaturabenteuern unterwegs und wurde von Maurice LeBlanc geschaffen. Netflix setzt keine direkte Adaption davon um, sondern lässt die Figur Assane Diop (Omar Sy) sich von den Abenteuern des berüchtigten Gentleman-Dieb inspirieren. George Kay (Killing Eve, „Criminal“) ist gemeinsam mit Francois Uzan Showrunner des Formats. Die Regie beim Auftakt und den ersten drei Episoden hat Louis Leterrier („The Incredible Hulk“, „Now You See Me“) übernommen.
Worum geht es im Auftakt von Lupin?
Im Auftakt erfahren wir, dass Diop als Teenager mit dem literarischen Werk in Berührung kommt. Denn sein Vater Babakar (Fargass Assande) arbeitet als Chauffeur für eine wohlhabende Familie namens Pellegrini und darf sich dort eines der Bücher aus der Bibliothek als Geschenk für seinen Sohn aussuchen. Eines Tages wird er des Diebstahls eines Colliers verdächtigt. Kurz darauf wird er tot in seiner Zelle vorgefunden. Assane ist davon überzeugt, dass sein Vater nicht hinter dieser Tat steckte. 25 Jahre später plant er seine Rache. Das Collier wird im Louvre ausgestellt. Unter falsche Identität arbeitet er als Reinigungskraft dort. Mit einigen Tricks überzeugt er Kleinkriminelle davon, sich ebenfalls als Putzkräfte zu tarnen und das millionenschwere Schmuckstück zu klauen. Diop nimmt gleich mehrere falsche Identitäten an und spielt sein eigenes Spiel.

Denn bei der Auktion selbst schleicht er sich als angeblicher reicher Unternehmer Paul Sernine unter die Bieter. Assane gelingt es, die Organisatoren, die Kleinkriminellen und auch die Polizei aufs Kreuz zu legen. Insgeheim hat er einen Freund mit der Erstellung einer Fälschung des Colliers beauftragt und kommt mit dem echten Stück davon, das er als Reinigungskraft im Müll versteckt, da dieser selten aufmerksam kontrolliert wird.
Chloroform in Spritzflaschen ist nicht zu empfehlen

„Lupin“ ist ein klassisches Heist-Format mit einigen Wendungen. Wie schon bei der Vorlage sollte es klar sein, dass nicht so ist, wie es anfangs scheint. Hauptfigur Assane wird als gern unterschätzter, aber überaus cleverer Kerl vorgestellt. So trifft er sich früh mit seiner Ex (Ludivine Sagnier) und die Zuschauer erfahren, dass er einen Sohn namens Raoul (Etan Simon) hat. Dabei schiebt er ihr unbemerkt die Alimente zu, die sie ihm vorher zurückgibt, damit er seinem Sohn ein Geschenk kaufen kann. Trotz seines elaborierten Planes zur Entwendung des Colliers hält er seinen Termin mit seinem Sohn ein und gibt ihm das Buch weiter, das ihn zu seinem aktuellen Leben inspiriert hat. Viele Zuschauer kennen Omar Sy spätestens seit dem französischen Kinohit „Ziemlich Beste Freunde“, in welchem er viele Herzen im Sturm erobern konnte. Man kann dem Schauspieler seinen Charme kaum absprechen und seine Performance in Lupin hat etwas Magnetisches. Er ist auf jeden Fall der richtige Mann für diese doppelbödige Rolle.
Insgesamt ist Kapitel 1 kurzweilig inszeniert. Über Flashbacks erfahren wir etwas mehr zur Vergangenheit von Diop und seinem Vater sowie zu seinen Verbindungen zur Familie, der das Collier gehört und wir sehen, welche Methoden er nutzt, um seinen Plan, bei dem er allen gerne ein paar Schritte voraus ist, umsetzt. Das alles ist vielleicht nicht ganz so dynamisch wie bei Sherlock, hat aber einen eigenen französischen Charme, den man als Serienjunkie mit Fokus auf US-Serien wahrscheinlich nicht sehr oft sieht. Persönlich war ich selbst 2019 in Paris und kann bestätigen, dass on location gedreht wurde. Vor allem den Louvre erkennt man. Es verwundert allerdings etwas, wie nah Diop der Mona Lisa am Episodenanfang kommt, auch wenn er sich als Reinigungskraft tarnt. Die Bilder aus Paris tragen sonst zum authentischen Gefühl bei.
Ein kleiner Running Gag und mein persönliches Highlight ist, wie die Kleinkriminellen versuchen, über in Spritzflaschen abgefülltes Chloroform Zeugen und Angreifer auszuschalten und damit krachend scheitern. Ich habe mich ohnehin immer schon gefragt, wie effektiv diese aus vielen Filmen und Serien bekannte Trope eigentlich wirklich ist. Üblicherweise nutzt man hier jedoch ein Taschentuch oder einen Lappen.
Fazit

Ich habe mir lange kein Heist-Format mehr angeschaut und war vom Auftakt der Serie Lupin positiv angetan. Sie erfindet sicherlich keine Serienkonventionen neu, hat aber einen kurzweiligen Aufbau, einen charmanten Protagonisten und einige Wendungen, die man eigentlich von der ersten Sekunde an mit einplant, die ich aber dennoch mochte. Gewisse französische Eigenarten (die Dialoge und Ortschaften etwa) lockern die Atmosphäre ebenfalls ein bisschen auf. Ich bin nun gespannt, inwiefern man in den kommenden Folgen Procedural und Serial-Elemente miteinander verweben wird. Netflix ist oft bei den Eigenproduktionen eher im Serial-Bereich unterwegs, wobei ich manchmal ein simples, gut gemachtes Format mit Fällen der Woche doch vermisse.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen französischen Netflix-Serie „Lupin“:
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Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 8. Januar 2021(Lupin 1x01)
Schauspieler in der Episode Lupin 1x01
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