Luke Cage Staffel 2 Episodenguide: Alle Folgen im Überblick!

Luke Cage Staffel 2

Luke Cage Staffel 2 Episodenguide

Review zu Luke Cage Staffel 2

Nach einem kleinen Intermezzo in den Reihen von Marvel's The Defenders setzt nach „Jessica Jones“ nun ein weiterer „Straßenheld“ aus New York City zum nächsten Soloabenteuer an: Die zweite Staffel von Luke Cage ist seit Freitag, den 22. Juni auf Netflix verfügbar und erzählt die Geschichte des kugelsicheren Hünen aus Harlem weiter. Nach einer durchwachsenen ersten Staffel, die nicht bei allen Zuschauern Anklang fand, will Serienschöpfer und Showrunner Cheo Hodari Coker nun mit den neuen Folgen den Beweis antreten, dass mit „Luke Cage“ in diesem Jahr zu rechnen ist. Wir haben uns die zweite Staffel der Marvel-Serie genau angeguckt und für Euch zusammengefasst, was funktioniert und wo es Probleme gibt. Wo pendelt sich „Luke Cage“ auf der Top-oder-Flop-Skala am Ende ein?

Netflix
Netflix - © Netflix

Top: Luke Cage

Beginnen wir mit dem titelgebenden Helden der Serie: Luke Cage (Mike Colter). Nach den Ereignissen am Ende der ersten Staffel ist dieser unfreiwillig zum neuen Helden von Harlem aufgestiegen, zu dem die Bewohner des New Yorker Bezirks aufblicken. Damit geht natürlich eine ganze Menge Verantwortung einher, was in den neuen Folgen auch schon mal in unfaire Erwartungen an seine Person ausartet. Charakterlich macht die Figur indes einen Sprung nach vorne: Der unzerstörbare, unverletzliche Luke war in der ersten Staffel der Serie zu oft schrecklich langweilig und seine Charakterzeichnung gestaltete sich ein Stück weit eindimensional, was natürlich eher weniger prickelnd ist, wenn es sich um die Titelfigur der Serie handelt, mit der man mitfiebern soll.

In der zweiten Staffel bekommt Luke jedoch ein schärferes Profil verpasst, was ihn sogleich viel interessanter macht. Neben einer komplexen Beziehung mit seiner Freundin Claire (Rosario Dawson), die bisweilen sehr gegensätzliche Standpunkte als Luke vertritt, wird Luke jetzt nicht nur von irgendwelchen finsteren Mächten herausgefordert, die ihm und Harlem ans Leder wollen. Er steht vor der schwierigen Aufgabe, permanent sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen, da mit seinen besonderen Fähigkeiten logischerweise eine große Verantwortung einhergeht. Das ist ein beliebtes Thema im Superheldengenre, hier gelingt es jedoch sehr gut, diesen Konflikt des Charakters mit sich selbst unverbraucht und nachvollziehbar wiederzugeben. Hinzu kommt, dass Luke ebenfalls mit ein paar Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert wird, was dazu beiträgt, dass der Charakter mehr Tiefe bekommt und sich in eine Richtung entwickelt, die ihn zu einer vielschichtigeren Persönlichkeit als noch in Staffel eins macht.

„Luke Cage“, Staffel 2: Interview mit Lucy Liu und Cheo Hodari Coker zur Marvel-Serie von Netflix:

Netflix
Netflix - © Netflix

Flop: Luke Cage

So positiv einige Maßnahmen von Cheo Hodari Coker und seinem Autorenteam sind, die Hauptfigur der Marvel-Serie komplexer zu gestalten, so holprig ist teilweise der Weg dorthin, vor allem im ersten Drittel der zweiten Staffel von Luke Cage. Es ist eben ein gutes Stück Arbeit, wenn aus einer vergleichsweise monotonen Figur eine weitaus facettenreichere Person gemacht werden soll, die nicht nur ein einziges Merkmal auszeichnet. Dass man sich an diesen notwendigen Entwicklungsschritt heranwagt, ist löblich. Die Art und Weise, wie man den „neuen“ Luke Cage zutage fördert, ist gelegentlich jedoch etwas seltsam. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Beziehung zwischen Luke und Claire, in der ersterer gerade zu Beginn der Staffel immer wieder eine furchtbar bockige Position einnimmt, von der er partout nicht abweichen will. Der coole Muskelmann präsentiert sich in diesen Szenen fast schon wie ein stures Kleinkind, das nur einen Weg kennt: seinen eigenen.

Was folgt, ist eine Art erzwungener Konflikt zwischen ihm und Claire, der sich unnötig und phasenweise arg aufgesetzt anfühlt. Ohnehin versucht man im ersten Drittel der Staffel, möglichst viele Feuer zu legen, ob jetzt zwischen Claire und Luke oder Luke und seinem Vater, der Pastor James Lucas (Reg E. Cathey), mit dem der enttäuschte Sohnemann das eine oder andere Hühnchen zu rupfen hat. Die Konflikte, die entstehen, sind verständlich, mitunter aber dermaßen überspielt, dass es fast schon frustrierend ist mit anzusehen, wie die verschiedenen Charaktere dazu „gezwungen“ werden, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, wenn die Lösung der meisten Probleme doch mit einem einfachen, ehrlichen Gespräch zum Greifen nahe scheint... Dann hätte man aber wahrscheinlich kein Drama. Doch es ist auch die Aufgabe der Autoren, das Drama so zu konzipieren, dass es sich natürlich anfühlt und einen nicht wahnsinnig macht.

Netflix
Netflix - © Netflix

Top: Der Soundtrack und die Inszenierung

Der Soundtrack von Luke Cage war bereits in der ersten Staffel ein absoluter Genuss - kein Wunder, ist Cheo Hodari Coker, der sich lange Zeit als Musikjournalist verdingte, doch ein absoluter Fachmann auf diesem Gebiet. In den neuen Folgen legt man nun noch mal eine Schippe drauf, denn zu den vielen Hip-Hop- und RnB-Tracks, von denen erneut ein Großteil in Form einer Live-Performance im Nachtclub Harlem's Paradise zum Besten gegeben wird, gesellt sich nun eine weitere Musikrichtung: Reggae. Das hat vor allem mit dem Plot und einer neuen zentralen Figur zu tun, doch dazu gleich mehr. Rein musikalisch gesehen wird die Serie durch diese neue Facette wunderbar bereichert. Neben bekannten Interpreten wie Ghostface Killah, Gary Clark junior, Joi oder auch Christone „Kingfish“ Ingram gibt nun zum Beispiel auch der jamaikanische Roots-Reggae-Star Stephen Marley, der Spross des legendären Bob Marley, sein Stelldichein.

Der Mix der verschiedenen Musikstile ist aber nicht nur belebend und abwechslungsreich, durch dieses Elemente erzeugt man auch ein exzellentes Bindeglied zwischen den verschiedenen Handlungssträngen. Musik ist ohnehin ein immens wichtiger Faktor in dieser Serie, denn mehr als einmal fungieren die verschiedenen Songs als perfektes erzählerisches Mittel, während sie an anderen Stellen in schicken Montagen zum Einsatz kommen, die zum allgemeinen Flow der Erzählung beitragen. Inszenatorisch hat man sich ebenfalls weiterentwickelt und dafür hat es gerade einmal ein paar kleine Kniffe gebraucht. Die erste Staffel spielte sich zumeist in der Dunkelheit ab, neben vielen Nachtszenen fanden zahlreiche Handlungsstränge in geschlossenen Räumen statt. Die zweite Staffel von „Luke Cage“ öffnet sich nun, man lässt im wahrsten Sinn mehr Licht in diese Welt, was sofort einen weitaus dynamischeren Eindruck hinterlässt.

Coker setzt auf eine sehr diverse Riege an Regisseuren und Regisseurinnen (darunter Lucy Liu, die die erste Folge der Staffel inszeniert hat) und gewährt diesen augenscheinlich viele Freiheiten, sich auszuprobieren und die Geschichte auf andere Art und Weise einzufangen, als es in den Folgen der ersten Staffel der Fall gewesen war. Zwar gibt es nach wie vor genügend übertriebene Aufnahmen in Zeitlupen, die etwas zu reißerisch wirken. Insgesamt zeichnet die Inszenierung ein neuer Schwung aus, ob nun in den verschiedenen Kampfsequenzen, die sehr bewusst verteilt und extrem kurzweilig sind, oder in den ganz normalen Szenen, die den Plot vorantreiben. Kurz: Die zweite Staffel von „Luke Cage“ fühlt sich audiovisuell frisch und ungemein lebendig an. Einen großen Anteil an dieser „Frische“ hat unter anderem auch ein Neuzugang...

Netflix
Netflix - © Netflix

Top: Bushmaster

Eine der positiven Überraschungen der zweiten Staffel von Luke Cage ist der neue Charakter John McIver, genannt Bushmaster und gespielt von dem charmanten Mustafa Shakir. Bushmaster reitet in Harlem ein und hat dort noch eine offene Rechnung mit der Lokalpolitikerin Maria Dillard - Entschuldigung, brethren - Mariah Stokes zu begleichen. Dabei trifft er auch auf Luke Cage, der den Frieden in dem Stadtteil wahren will und somit zu einer Art personifizierter Pufferzone zwischen den verfeindeten Fronten wird. Bushmaster zeichnet eine fantastische Präsenz aus, was nicht nur auf seine beeindruckende Physis zurückgeht, sondern auch auf die Intensität (und diesen fabelhaften jamaikanischen Akzent), mit der Shakir die bekannte Figur aus den Marvel-Comics zum Leben erweckt. John McIver ist ein extrem zielgerichteter, konsequenter Zeitgenosse, über dessen Methoden durchaus diskutiert werden kann. Das Feuer, das in ihm brennt, ergreift von der ersten Minute an Besitz von den Zuschauern.

Über den Bushmaster tauchen wir außerdem in die farbenfrohe, pulsierende jamaikanische Community von New York und Harlem ein, was der Serie eine neuartige Facette gibt. McIver wird von einer vergleichsweise simplen Motivation angetrieben (Rache, wobei es ihm auch um Gerechtigkeit und den Widerstand gegen die jahrhundertelange Unterdrückung geht), und sein Handeln, so bestialisch es teilweise auch ist, können wir stets nachvollziehen. Darüber hinaus lässt er sich auf ein paar sehr unterhaltsame Duelle mit Luke ein, dem er dank einer mysteriösen Substanz locker das Wasser reichen kann. Der Bushmaster ist ein durch und durch belebendes Element, unberechenbar und auf seine eigene Art charismatisch. Mit ihm kommt Licht in das düstere Harlem, was jedoch eher wortwörtlich gemeint ist, sind die Szenen um ihn, seine jamaikanische Gang und Community doch stets sehr hell und in satten Farben gehalten. Der Bushmaster selbst ist ein äußerst gefährlicher Charakter, der von einer Dunkelheit tief in sich langsam, aber sicher zerfressen wird, was ihm als Bösewicht einen letztlich sehr soliden Handlungsbogen beschert.

„Luke Cage“, Staffel 2: Interview mit Mustafa Shakir (Bushmaster) zur Marvel-Serie von Netflix:

Netflix
Netflix - © Netflix

Flop: Mariah Stokes

An der von Alfre Woodard gespielten Mariah Dillard scheiden sich die Geister: Viele Kritiken zur zweiten Staffel von Luke Cage heben den Charakter als eines der Highlights der neuen Folgen hervor. Tatsächlich übernimmt die Lokalpolitikerin eine sehr zentrale Rolle, angetrieben von ihren gewaltigen Ambitionen durchläuft sie eine mitunter sehr krasse Entwicklung hin zu der eigentlichen Bedrohung, mit der es Luke letztlich zu tun bekommt. Mariah intrigiert und schmiedet einen Plan nach dem anderen, um noch reicher, mächtiger und unantastbarer zu werden. So verwandelt sie sich von einer selbstbewussten Clubbesitzerin, die nach außen nur das Beste für Harlem will und zwischendurch sogar aufrichtig eine wohltätige Einrichtung eröffnet, zu einer skrupellosen Schurkin, die jeden von sich wegstößt, der ihr je etwas bedeutet hat. Bühne frei für „Black Mariah“, eine Schurkenfigur, die einigen Comickennern eventuell bekannt sein könnte.

Eigentlich umgibt Mariah ein spannender, komplexer Handlungsstrang, der mit so mancher mittelgroßer Überraschung aufwarten kann. Wir tun uns aber nach wie vor sehr mit der Darbietung von Alfre Woodard schwer, die bisweilen extrem ins Seifenoperngenre abdriftet und durch ihre überzeichnete Performance immer wieder für Irritation sorgt. Auf dem Papier ist es eine exzellente Idee, Mariah mehr in den Fokus zu rücken, weil ihre Geschichte aus Staffel eins somit konsequent weitergeführt wird. Und wie oft bekommt man es in der Serienwelt schon mit einer über 40-jährigen, schwarzen Frau als tonangebende Antagonistin zu tun? Dennoch trägt die Gute phasenweise furchtbar dick auf, so dass man sich als Zuschauer so vorkommt, als wäre man in einer überdramatischen Soap Opera von vor über 30 Jahren gelandet. Liegt es an Woodard selbst, arbeitet sie mit spezifischen Anweisungen, die ihr gegeben werden, ist eine Kombination aus beidem oder etwas gänzlich anderes? Wir können es leider nicht sagen...

Netflix
Netflix - © Netflix

Neutral: Daddy Issues, Mommy Issues, Issue Issues

Es ist eine bekannte Trope des Superheldengenres: Der Held oder die Heldin der Geschichte wird früher oder später mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert, genauer: den Eltern. Zuletzt haben wir das in der zweiten Staffel von Jessica Jones gesehen, die erste Staffel von „Iron Fist“ setzte sich im übertragenen Sinne ebenfalls mit dieser Materie auseinander. Und auch Daredevil, das sich bereits in der ersten Staffel intensiv mit Matt Murdock und dessen verstorbenem Vater beschäftigt, möchte allem Anschein nach in seiner dritten Staffel in ähnliche Gefilde vordringen. Die Marvel-Serien von Netflix scheinen Gefallen an der Thematik gefunden zu haben, so auch „Luke Cage“, wo uns in der zweiten Staffel sowohl die Beziehung von Luke zu seinem Vater James als auch die Beziehung von Mariah zu ihrer Tochter Tilda (Gabrielle Dennis) nähergebracht wird.

Auf der einen Seite entstehen so interessante Konflikte, so zum Beispiel, was das Elternteil vom Nachwuchs erwartet, welche Vorwürfe die enttäuschten Kindern denjenigen machen, die sie in die Welt gesetzt haben, und ob es überhaupt eine Chance auf Wiedergutmachung zwischen den Beteiligten gibt. Als Zuschauer kann man sich relativ einfach in die Charaktere hineinversetzen, darüber hinaus kommt es auch zu sehr bewegenden Momentaufnahmen, allen voran zwischen Luke und seinem Vater, hervorragend von Reg E. Cathey verkörpert, der traurigerweise im Februar 2018 verstorben ist. Cathey hinterlässt als Darsteller einen sehr starken Eindruck, die Plotformel „Charakter A/B hat Daddy beziehungsweise Mommy Issues“ kann hier und da aber auch etwas abgenutzt wirken. Es soll weniger Kritik, sondern vielmehr eine interessante Beobachtung sein, dass man bei den Marvel-Serien von Netflix immer wieder nur allzu gerne zurück zum selben Brunnen geht, um seine Geschichten dramatisch etwas aufzufrischen. Völlig legitim oder vielleicht doch ein bisschen zu bequem?

Netflix
Netflix - © Netflix

Top: Die Nebencharaktere

Zwar gibt Titelheld Luke Cage zwischendurch nonchalant in einem unfreiwillig komischen Metamoment zu Protokoll, dass es sich hier immer noch um seine „Show“ handelt - ohne die vielen verschiedenen Nebencharaktere, von denen einige immer wieder besagte Show stehlen können, wäre die zweite Staffel von Luke Cage aber nur halb so unterhaltsam. Allen voran Misty Knight haut ordentlich auf den Putz und muss sich nach dem traumatischen Verlust ihres rechten Armes in The Defenders erst einmal wieder zurechtfinden. Doch es dauert nicht lange, bis sie zurück zu ihrer alten Stärke findet. Und auf dem Weg dorthin lernt sie auch die eine oder andere wichtige Sache über sich selbst.

Simone Missick sorgt dafür, dass man sich heimlich eine Soloserie für Misty Knight wünscht, vielleicht sogar im Zusammenspiel mit der von Jessica Henwick gespielten Colleen Wing, die in den Marvel-Comics als „Daughters of the Dragon“ unterwegs sind. Das explosive Duo ist auch Teil einer der besten Kampfszenen der gesamten Staffel. Wir wollen Misty Knight aber nicht allein auf ihre Schlagkraft (es gibt ja auch ein gewisses Upgrade...) hervorheben, sondern auch, weil sie ein vielschichtiger Charakter ist, der sich stets zwischen der gesetzestreuen Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung sowie der praktischen Anwendbarkeit von Selbstjustiz bewegt und aufgrund dessen ein kompliziertes Verhältnis zu Luke Cage pflegt. Misty Knight ist aber nicht die einzige Nebenfigur, die in der zweiten Staffel von „Luke Cage“ positiv auffällt. So wird zum Beispiel Mariahs Handlanger und Liebhaber Hernan „Shades“ Alvarez (Theo Rossi) näher beleuchtet und existiert jetzt nicht mehr nur als wandelndes Sonnenbrillenmodel. Shades bekommt eine überraschend emotionale Hintergrundgeschichte verpasst und zeigt nachvollziehbare Gewissensbisse, als Mariah immer mehr ihrer finsteren Seite nachgibt.

Generell stimmt der Einsatz von Figuren in der zweiten Staffel, die eher am Rande der Geschichte in Erscheinung treten. Colleen Wing, gewohnt lässig und erfrischend direkt, haben wir bereits erwähnt, zwischenzeitlich lässt sich auch kurz Foggy Nelson (Elden Henson) blicken, um Luke Rechtsbeistand zu geben. Dem Gastauftritt von Danny Rand aka Iron Fist (Finn Jones), der in seiner eigenen Serie wahrlich nicht den besten Eindruck hinterlassen hat, haben einige sicherlich gespannt entgegengeblickt, und, siehe da, es funktioniert! Bereits in The Defenders bildeten Luke und Danny ein unterhaltsames, ungleiches Duo. Cheo Hodari Coker gibt jetzt allen Fans der „Heroes for Hire“-Comicreihe, in der Luke Cage und Iron Fist gemeinsame Sache machen, etwas Futter. Aber eben auch nicht zu viel, sondern genau richtig, so dass man Lust auf mehr von der Interaktion zwischen den beiden Helden bekommt. Danny avanciert in seinen wenigen Auftritten zu einer hilfreichen Stütze für Luke, ein toller Rücken-an-Rücken-Kampf der beiden gegen ein paar Fieslinge in einer Lagerhalle ist derweil ein sehenswerter Bonus.

Hinsichtlich Claire (Rosario Dawson) wirkt es indes ein wenig so, als wolle man sich noch ein bisschen was aufheben. Gerade zu Beginn der Staffel steht sie sehr im Mittelpunkt des Geschehens, bis sie sich plötzlich komplett zurückzieht. Ob Rosario Dawson demnächst überhaupt noch ein Teil der Marvel-Serien von Netflix sein wird, steht in den Sternen, hat sie doch durchscheinen lassen, dass sie aufgrund privater Verpflichtungen kürzertreten will. Zu Gabrielle Dennis, die Mariahs Tochter Tilda spielt, fällt es uns ehrlich gesagt nicht ganz einfach, ein Urteil zu fällen. Ihr Charakter wechselt wild die Seiten, was Tilda als Figur nur schwer greifbar macht. Zum Ende der Staffel ist sie jedoch in ein paar starken Momentaufnahmen zu sehen, ebenso wie in einer fabelhaften Szene, in der Dennis ihr musikalisches Talent eindrucksvoll zur Schau stellt, nachdem Tilda eine schwierige Entscheidung getroffen hat, wie es zwischen ihr und ihrer Mutter Mariah weitergehen soll. In dieser Beziehung stecken gleich mehrere Dramen (und eine schockierende Enthüllung bezüglich Mariah und ihrer Tochter), die jedoch nicht immer vollends überzeugend freigelegt werden können.

Hier kannst Du „Daughters Of The Dragon (2006) #1“ bei Amazon.de kaufen

Netflix
Netflix - © Netflix

Flop: Das Pacing

Keine Review zu einer Marvel-Serienproduktion von Netflix ohne den mittlerweile fest etablierten Kritikpunkt, von dem man sich einfach nicht freimachen kann: Pacing-Probleme. Wie gut eine Serie vorankommt, wie spannend die Handlung ist und ab wann man sich nur noch langweilt, ist natürlich total subjektiv. Uns ist in der ersten Hälfte der zweiten Staffel von Luke Cage nicht wirklich aufgefallen, dass es dahingehend Probleme gibt, eher im Gegenteil. „Luke Cage“ legt eigentlich ein ordentliches Tempo vor und tritt selten auf der Stelle. Zwar könnten wie so oft einige der fast einstündigen Episoden weitaus kürzer sein, wodurch sich die Erzählung kompakter und prägnanter gestalten würde, aber das kriegen wir wohl einfach nicht mehr aus den Marvel-Serien von Netflix raus, die immer wieder heftig an der Uhr drehen und oft den Moment für den perfekten Abschluss verpassen.

In der zweiten Hälfte der zweiten Staffel macht sich dann jedoch wiederum bemerkbar, dass Cheo Hodari Coker und sein Autorenteam immer wieder auf Zeit spielen und die Auflösung verschiedener Handlungsstränge unnötig in die Länge ziehen. Allen voran der eigentlich grandiose Bushmaster wird zum Opfer einer zähen Auseinandersetzung mit Mariah Dillard, die immer weiter und weiter und weiter gesponnen wird. Bis zum Ende der Staffel möchte man so viele Bälle wie möglich in der Luft jonglieren, um einen besonders eindringlichen Effekt zum Abschluss der Erzählung zu erzielen. Unglücklicherweise leidet im späteren Verlauf der Staffel das Erzähltempo und das Pacing unter dieser Entscheidung, die eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre. Die Geschichte darf gerne auch mal etwas schlanker sein, um gewisse Längen zu vermeiden.

Netflix
Netflix - © Netflix

Neutral: Hero for Harlem

Die erste Staffel von Luke Cage hat seine Hauptfigur zum Ende hin auf ein gewaltiges Podest gestellt und zum neuen Retter und Beschützer einer ganzen Community gemacht: den Held von Harlem. Als schwarzer (kugelsicherer) Superheld hat Luke Cage eine besondere Rolle inne, repräsentiert er doch eine große Bevölkerungsgruppe, die nicht nur im Superheldengenre für sehr lange Zeit unterrepräsentiert gewesen ist. Dank „Luke Cage“, Black Lightning oder auch dem Marvel-Spielfilm „Black Panther“ wurden zuletzt Veränderungen angestoßen, die längst überfällig gewesen sind. So wichtig diese Repräsentation ist, so unausgewogen war aber in Teilen die Umsetzung des Ganzen in der ersten Staffel der Marvel-Serie gewesen.

Luke Cage“ ist auch eine sehr politische Serie, doch nicht immer zeigte man das richtige Gespür, seine Anliegen nachhaltig vorzutragen. Luke Cage wurde plötzlich mit aller Macht zum Heilsbringer einer Gemeinschaft gemacht, um die er sich erst am Ende der ersten Staffel wirklich kümmerte. Staffel zwei verfolgt nun einen anderen Weg, der die politische Bedeutung eines Luke Cage weitaus dezenter in die Handlung einwebt und den Zuschauern die außergewöhnliche Rolle des Heldens für Harlem nicht um jeden Preis aufdrängen will. Bisweilen fühlt es sich sogar so an, als wäre die Serie wesentlich unpolitischer als vorher, da man sich stark auf die persönlichen Probleme des Hauptcharakters konzentriert. Und dadurch, dass die Figur facettenreicher als zuvor ist und dass er so wiederum auch unerwartete Schwächen offenbart, ist es eben nicht so einfach, ihn zu einer idealen Heldenfigur zu machen.

Den perfekten Mittelweg hat man nach wie vor nicht gefunden, was natürlich auch extrem schwer ist. Manchmal setzt man sich in der zweiten Staffel von „Luke Cage“ zu simpel und oberflächlich mit realen, sozioökonomischen Problemen wie soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Polizeikorruption auseinander. An anderen Stelle verpackt man seine politischen Botschaften wiederum zu offensichtlich und nahezu salbadernd. Die Richtung, die man in den neuen Episoden eingeschlagen hat, ist in ihrer Gänze jedoch differenzierter, was die Auseinandersetzung mit Repräsentation und dem Gedanken hinter dem Bild „The Hero of Harlem“ gleich viel interessanter macht. Nicht nur die Frage, ob Luke überhaupt ein solcher Held sein will, sondern auch, ob er für diese Aufgabe überhaupt qualifiziert ist, steht im Raum. Vielleicht steckt halt doch nur ein einfacher „hero for hire“ in ihm drin. Und wäre das so schlimm? Oder es verbirgt sich eine weitere, ungeahnte Seite in Luke, die langsam, aber sicher zum Vorschein kommt...

Netflix
Netflix - © Netflix

Top: Das Staffelfinale

Für das Finale der zweiten Staffel von Luke Cage haben sich die kreativen Köpfe um Showrunner Cheo Hodari Coker etwas Besonderes einfallen lassen - und wir sind begeistert. Letztlich nimmt Luke Cage auf dem „Thron von Harlem“ im Nachtclub Harlem's Paradise Platz und schwingt sich so zum neuen Schutzpatron des Stadtteils auf. Dafür geht er jedoch auch ein paar krumme Deals mit benachbarten Gangsterfamilien ein, was eigentlich nicht im Sinne eines Heldens sein sollte, der Gutes bewirken will. Doch Luke sieht eben keine andere Möglichkeit, als diesen schwierigen Kompromiss einzugehen, um zumindest das Beste für „sein“ Harlem herauszuschlagen. Doch behält Mariah eventuell Recht und dies ist nur der Anfang eines neuen Luke Cage, für den die Grenzen, was moralisch verwerflich ist oder nicht, immer mehr verschwimmen?

Auch Misty verfolgt diese Entwicklung aufmerksam, aus Sorge, dass Luke möglicherweise von den Dingen korrumpiert werden könnte, die in jedem Menschen schlummern, ob man nun Superkräfte hat oder nicht: das Streben nach Macht, Kontrolle und Einfluss. Dies ist ein extrem spannender Abschluss der zweiten Staffel, den man sich Stück für Stück erarbeitet hat. Man hat viel Zeit darin investiert, Luke als Person zu hinterfragen und aus allen denkbaren Blickwinkeln zu beleuchten. Schon sein Vater warnte zwischenzeitlich immer wieder davor, dass sein Luke nicht über jeden Zweifel erhaben ist und daher Demut zeigen sollte. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Luke aufgrund seiner Fähigkeiten zu einer großen Gefahr werden kann...

Mit dem fantastischen Schlussbild von Luke auf der Empore im Nachtclub (und der rotzfrechen „The Godfather“-Anspielung davor, die einfach nur genial ist) stößt man eine Tür auf, die den Machern etliche Möglichkeiten gibt, die Geschichte in neue, aufregende Bahnen zu lenken. Wird Luke zu einer Art „softer“ Gangsterboss, der seine kugelsicheren Hände über Harlem hält und irgendwann vielleicht mehr als nur das will? Was ist mit Claire? Könnte sich an dieser Front ein Konflikt zwischen den beiden Verflossenen zusammenbrauen, nachdem Claire Luke immer davor gewarnt hat, was aus ihm werden könnte? Kommt es im extremsten Fall zum Kampf mit den restlichen Defenders, die ihrem Freund die Augen öffnen wollen? Wir sind gespannt und erhoffen uns von einer dritten Staffel, sofern diese denn von Netflix in Auftrag gegeben wird, dass Cheo Hodari Coker und sein Team ein paar mutige Einfälle zurückgelegt haben, die uns Luke Cage von einer ganz neuen Seite zeigen werden.

Habt Ihr die zweite Staffel von „Luke Cage“ schon gesehen? Wie fällt Euer Urteil aus? Was hat Euch gefallen, was nicht? Und was wollt Ihr in einer potentiell dritten Staffel der Marvel-Serie sehen? Stimmt ab und schreibt uns Genaueres in Euren Kommentaren.

Trailerzur zweiten Staffel von „Luke Cage“:

«Luke Cage» Trailer

Luke Cage Staffel 2 Episodenguide

22. Juni 2018

Luke Cage (Mike Colter) muss lernen, mit seiner steigenden Popularität umzugehen. Er versucht den Weg der gefährlichen Droge zu unterbrechen, der nach ihm benannt wurde. Doch dabei muss er sich... weiterlesen

22. Juni 2018

Luke (Mike Colter) unterzieht sich und seinen Fähigkeiten einem Test und zieht dabei nicht nur die Aufmerksamkeit der Bewohner von Harlem, sondern auch von potentiellen Sponsoren auf sich. Misty... weiterlesen

2x03 – Wig Out
22. Juni 2018

Claire (Rosario Dawson) macht sich Sorgen, dass sich Luke (Mike Colter) auf einen dunklen Pfad begeben könnte, also sucht sie den Vater von ihm auf, um sich beraten zu lassen, wie sie vorgehen... weiterlesen

22. Juni 2018

Nachdem Luke (Mike Colter) vom Bushmaster (Mustafa Shakir) in die Schranken gewiesen wurde, macht ein Video von dem Kampf der beiden die Runde, was Luke wiederum sehr belastet. Er hat mit den... weiterlesen

22. Juni 2018

Luke (Mike Colter) braucht schnellstens eine ganze Menge Geld, um sich gegen eine Klage zu wehren. Er bekommt ein verlockendes Angebot von einem Fan, das alle seine Finanzprobleme lösen könnte,... weiterlesen

22. Juni 2018

Harlem wird von einer Welle der Gewalt überrollt und die Straßen versinken im Chaos. Sowohl Luke (Luke Cage) als auch die Behörden versuchen eine Verbindung zwischen Piranha (Chaz Lamar... weiterlesen

2x07 – On and On
22. Juni 2018

Nachdem es erneut zu einem Duell zwischen Luke (Mike Colter) und dem Bushmaster (Mustafa Shakir) gekommen ist, hängt der Held von Harlem ganz schön in den Seilen. Er schließt sich mit Misty... weiterlesen

22. Juni 2018

Während Shades (Theo Rossi), Mariah (Alfre Woodard) und Misty (Simone Missick) die jüngsten Ereignisse verarbeiten und im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen aneinander geraten, sucht der... weiterlesen

22. Juni 2018

Die Gruppe um Luke (Mike Colter) und Misty (Simone Missick) zieht sich in einen scheinbar sicheren Unterschlupf zurück, wo die beiden darüber diskutieren, wie sie mit Mariah (Alfre Woodard)... weiterlesen

22. Juni 2018

Danny Rand (Finn Jones) besteht darauf, Luke (Mike Colter) bei der Suche nach Bushmaster (Mustafa Shakir) zu helfen - jedoch auf seine Art und Weise. Mariah (Alfre Woodard) nimmt sich derweil vor,... weiterlesen

2x11 – The Creator
22. Juni 2018

Luke (Mike Colter) und die Menschen von Harlem sind von der jüngsten Gräueltat in einem jamaikanischen Restaurant erschüttert. Die Suche nach Zeugen beginnt, um Mariah (Alfre Woodard) zu... weiterlesen

22. Juni 2018

Luke (Mike Colter) schließt sich mit Danny (Finn Jones) zusammen, um eine neue Heroinplage in Harlem zu beenden und macht dabei eine interessante Entdeckung. Shades (Theo Rossi) zieht derweil... weiterlesen

22. Juni 2018

Mariah (Alfre Woodard) passt sich an ihre neuen Umstände an und ergreift extreme Maßnahmen, um ihre Spuren zu verwischen. Luke (Mike Colter) schlägt derweil einen neuen Weg ein, um Harlem und... weiterlesen

Diese Serie passen auch zu «Luke Cage»