Lucie. Läuft doch!: Review der Pilotepisode

© ristina do Rego als Lucie in der VOX-Serie Lucie. LĂ€uft doch! (c) TVNOW / Richard HĂŒbner
Lucie (Cristina do Rego) (Pastewka) hat ein Problem mit Ungerechtigkeit und keinen einzigen diplomatischen Knochen im Körper. Da ist der Weg vor Gericht vorgezeichnet. In der neuen VOX-Dramedy Lucie. Läuft doch! geht es turbulent her, doch kann es auch inhaltlich ĂŒberzeugen?
Wovon handelt es?
Wir begegnen Lucie in ihrem Job als Kellnerin, mit Herz und Schnauze serviert sie ihren groĂen und kleinen Kunden deren Bestellungen und manchmal bietet sie einem widerlichen Kunden auch Paroli. Ab und an kommt dabei eben auch ihr Tablett schlagkrĂ€ftig zum Einsatz. Zum wiederholten Male landet Lucie vor Gericht, vor welchem der Richter ihr eine letzte Chance gibt: Sie soll Sozialstunden in Kleeberg in Brandenburg ableisten, sonst wandert sie in den Bau.
In der Provinz angekommen, erkennen wir, dass dieser Teil von Brandenburg, in mildes Licht getaucht, wirkt wie eine Mischung aus Saltkrokan und den US-SĂŒdstaaten. Empfangen wird Lucie von dem schweigsamen Ex-TĂŒrsteher BĂ€r (Markus Hammer, 4 Blocks) und einem neuen jugendlichen Bewohner des Heims, Rico. In der Jugendhilfe Kleeberg angekommen, wird sie von dem charmanten Leiter Dr. Gleim (Robert Schupp, Club der roten Bänder) rumgefĂŒhrt und bekommt ihren eigenen kleinen Bungalow zugewiesen. Falls es mal spĂ€ter wird und kein Zug mehr nach Berlin fĂ€hrt... Eigentlich könnte damit auch alles super sein, spĂ€testens nachdem Lucie den charmanten, zukĂŒnftigen love interest Alex (Eugen Bauder, Türkisch für Anfänger) trifft.
Doch Lucie hat noch ein anderes Leben in Berlin - sie kĂŒmmert sich als Einzige um ihren GroĂvater Kurt (Peter Sattmann), bei dem langsam die Demenz einsetzt und fĂŒr den sie einen Platz in einem möglichst guten Heim finden muss. Da wĂ€re auch schon was in Aussicht, wenn Lucie nur nicht ihren Kellnerjob verloren hĂ€tte...
Schon in der ersten Episode zeigt sie, dass sie in Kleeberg nicht nur fĂŒrs KartoffelschĂ€len gut ist. Sie hat einen Draht zu den Jugendlichen aus schwierigen VerhĂ€ltnissen, auch wenn sie in ihrer Hilfe einen ganz anderen Ansatz verfolgt als Dr. Gleim und der Psychiater Bartels (Kai Albrecht, „In aller Freundschaft“). Sie spricht mit ihnen, wie ihr die Schnauze gewachsen ist und bricht auch mal Regeln und Gesetze, wenn sie glaubt, dass es ihnen in die richtige Richtung hilft. Unter anderem ĂŒberlĂ€sst sie Rico ihren Bungalow fĂŒr ein Treffen mit seiner Freundin Mia und erfĂ€hrt so, dass Rico und Mia nach einem Unfall Fahrerflucht begangen haben, bei dem sie möglicherweise einen Menschen verletzt oder gar getötet haben. Sie fĂ€hrt nachts mit Rico an den Ort des Geschehens, um Informationen zu finden und wird fĂŒr den Ausflug von Gleim gefeuert.
Kein Job, keine Sozialstunden, keinen Heimplatz fĂŒr Opa und keine Hoffnung mehr. Doch da greifen die beiden irrsinnig charismatischen KĂŒchenfrauen Frau Kudella (Sanne Schnapp, Babylon Berlin) und Frau Peetz (Hildegard Schroedter, Unorthodox) ein und fĂŒhren Gleim erst einmal vor Augen, welchen Schatz er da mit Lucie im Waldschlösschen hatte.
Lucie begleitet unterdessen Rico vor Gericht, wo dessen Freundin Mira nach Lucies Einwirken den Mut fasst, die Wahrheit zu sagen. Ihr leidenschaftliches Engagement bringt sowohl Rico als auch Lucie ihre PlĂ€tze in Kleeberg zurĂŒck. Am Ende stellt Gleim sie sogar als Betreuerin ein, obwohl sie keine Ausbildung hat.
Wie kommt es rĂŒber?
Auf den ersten Blick und vor allem ĂŒber die ersten Minuten spricht Lucie. Läuft doch! die typische Sprache der RTL-Produktionen in bester Tradition von Serien wie Sankt Maik und Bad Cop. Die PrĂ€misse ist weltfremd und das Drehbuch legt den Charakteren peinlich-obercoole SprĂŒche in den Mund. Doch man braucht nicht einmal besonders viel Geduld, um zu erkennen, dass hier doch mehr dahintersteckt. Denn dank der starken Darsteller, allen voran natĂŒrlich die charmante Hauptdarstellerin, wird es nie wirklich peinlich, dafĂŒr aber so manches Mal urkomisch und manchmal sogar emotional. Auch wenn die Figuren auf zahlreiche Klischees aufgebaut sind und oft lange nicht die Gelegenheit bekommen, mehr von sich zu zeigen, wie der Therapeut Bartels und der Schwarm Alex. Doch manche brauchen auch nicht viel Zeit, um sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen - wie die beiden Damen aus der KĂŒche, die mit ihrem Berliner Akzent in kurzen Szenen zu einem komödiantischen Goldschatz werden.
Fazit
NatĂŒrlich muss man wissen, auf was man sich einlĂ€sst, wir sind hier immer noch im RTL/VOX-Universum unterwegs und eben nicht bei HBO. Doch wer Lust darauf hat, der kann eine charmante Dramedy finden und dazu jede Menge interessanter Darsteller, von denen man einige mindestens vom Sehen kennt. Nach Lucie. Läuft doch! kann man sich dann auch durchaus wĂŒnschen, dass man sie auch schnell wiedersieht.