Love and Death: The Huntress - Review der Pilotepisode

© HBO Max
Das passiert
Candy Montgomery (Elizabeth Olsen) lebt mit ihrem Mann Pat (Patrick Fugit) und den beiden Kindern Ian (Liam Pileggi) und Jenny (Amelie Dallimore) ein beschauliches, aber auch langweiliges Leben in der texanischen Kleinstadt Wylie. Wie ihre Freunde, Allan und Betty Gore (Jesse Plemons und Lily Rabe), sind die Montgomerys in der örtlichen Methodistenkirche aktiv und in der Nachbarschaft beliebt. Doch die Leidenschaft zwischen Candy und Pat ist schon lange erloschen und die attraktive Frau kann ihr tristes Dasein kaum noch ertragen. Eines Tages beginnt sie eine Affäre mit Allan, die am 13. Juni 1980 in einer Tragödie enden wird.
Die Hintergründe
Love and Death erzählt die Geschichte der US-amerikanischen Hausfrau Candy Montgomery, die 1980 die Ehefrau ihres Geliebten mit 41 Axthieben erschlug und dafür wegen Mordes angeklagt wurde. Als Grundlage diente das 1984 erschienene Sachbuch „Evidence of Love: A True Story of Passion and Death in the Suburbs“ von Joe Bob Briggs. Obwohl die Tat äußerst brutal durchgeführt worden war, sprach das Gericht die damals 30-Jährige frei, weil sie in einer mit einem Polygraphen durchgeführten Befragung angab, zuvor von Betty mit der Tatwaffe angegriffen worden zu sein. Der Fall wurde erstmalig 1990 im Film „A Killing in a Small Town“ mit Barbara Hershey in der Titelrolle thematisiert. Gerade mal ein Jahr ist es her, dass sich Hulu der True-Crime-Story erneut in einer fünfteiligen Miniserie namens Candy annahm, diesmal mit Jessica Biel als Candance Lynn Montgomery.
Variationen
Mit „Love and Death“ variiert nun David E. Kelley (Big Sky) den Tathergang erneut. Dabei darf man sich durchaus die Frage stellen, wozu, das allein schon deshalb, weil die Geschichte mit der Vorgängerserie von 2022 im Grunde genommen auserzählt ist. Nun ist es nicht so, dass das Produktions-Team schlechte Arbeit geleistet hätte. Die späten 70er und frühen 80er Jahre sind stimmig eingefangen und Elisabeth Olson sowie ihr Filmpartner Jesse Plemons leisten gemeinsam mit den Nebendarstellern hervorragende Arbeit.
Um dies genießen zu können, muss man allerdings bereit sein, über die Hälfte der Episode hinweg das langweilige Leben einer Kirchengemeinde in einer texanischen Kleinstadt zu ertragen. Denn die ersten Minuten gehen in alltäglichen Belanglosigkeiten und purer Langeweile auf. Fast erscheint es so, als hätte sich Kelley so sehr in das Leben in Wylie vertieft, dass er beim Schreiben selbst die sprichwörtlichen Bordsteine um 19.00 Uhr hochklappte. Nicht falsch verstehen bitte. Aus dramaturgischer Sicht hat das absolut Sinn, denn nur so ist es möglich, zu verstehen, was Candy bewegt, als sie aus ihrem sicheren Leben ausbricht, um eine Affäre mit Allan zu beginnen.
Während die Männer ihren Jobs nachgehen, sitzt die intelligente und attraktive Frau allein im Haus, kocht und putzt, oder nimmt an einem Literaturkurs teil. Abends singt sie im Kirchenchor und am Wochenende spielt sie in mit ihren Nachbarn Volleyball. Das alles ist auf dem Bildschirm genauso beschaulich umgesetzt, wie es sich anhört und macht deutlich, wie unglücklich Candy im Grunde genommen ist. Ihr Leben plätschert ereignislos vor sich hin und sie sehnt sich danach, sich endlich wieder spüren zu können. Wie gesagt, ist die Einführung strukturell und kontextuell nachvollziehbar. Was den Unterhaltungswert angeht, ist es allerdings eine Frage des Geschmacks, ob man einen so langen Vorlauf sehen möchte, oder nicht.
Leidenschaft und Geheimniskrämerei

Die Leidenschaft bahnt sich erst nach etwa einer halben Stunde während eines Volleyball-Matches ihren Weg an die Oberfläche, als Allan sie ausversehen umstößt und ihr anschließend aufhilft. „He smells like Sex“ wird sie ihrer Freundin Sherry Krysten Ritter kurz darauf erzählen und dass sie sich eine Affäre mit ihm vorstellen könnte. Doch Allans Frau Betty ist gerade schwanger geworden und als Candy eines Tages den Mut fasst, ihm zu beichten, dass sie ihn anziehend findet, reagiert er überrascht und beinahe schon abweisend.
Nach Wochen des Durchhaltens lässt er sich jedoch hinreißen und beginnt, mit Candy über Sexdates zu reden. Ab hier wird die Sache interessant, denn die penible Planung des verhängnisvollen Paares ist durchaus amüsant anzusehen. Sie wälzen Kalender, schreiben Post-its mit Dingen, die sie auf keinen Fall tun wollen, und überlegen sich haarklein, wo und wann sie sich treffen werden. Lediglich Sex soll es sein, keine zu tiefen Gefühle, niemand darf etwas erfahren, Treffen nur innerhalb der Woche vormittags und so weiter. Die Liste ist lang und wird detailliert zu beschwingter Musik ausgearbeitet.
Hier entfaltet der Einfallsreichtum der Autoren ihre ganze Stärke. Hinzu kommt, dass Elizabeth Olsen und Jesse Plemons eine grandiose Performance hinlegen, die zu überzeugen weiß. Olsen verleiht ihrer Figur eine leicht affektierte Attitüde, die nicht jedermanns und jederfraus Geschmack treffen mag, aber hervorragend zu dieser abenteuerlustigen Vorstadt-Mutter passt. Plemons charakterisiert Candys love interest hingegen als erfolgreichen Geschäftsmann, der seine Frau zwar liebt und mit ihr ein Kind erwartet, sich in der Ehe aber bevormundet und sexuell unbefriedigt fühlt.
Candance ist indes eine anziehende Persönlichkeit, die durchaus Sexappeal versprüht. So kommt es, wie es kommen muss. Am 12. Dezember 1978 trifft sich das Paar zum ersten Mal in einem abgelegenen Motel. Nach ein paar leidenschaftlichen Stunden ist ersichtlich, dass aus dem Liebesabenteuer mehr werden könnte, als den beiden zunächst klar war. Dennoch lassen sie sich auf die Affäre ein. Wie die Geschichte ausgeht, ist bekannt, es stellt sich lediglich die Frage, ob der Plot für eine Lauflänge von immerhin sieben einstündigen Episoden tragfähig ist.
Fazit
Love and Death gehört zu den Serien, die nicht so leicht zu bewerten sind. Rein technisch betrachtet machen Crew und Cast sehr vieles richtig. Die Idee, die Pilotfolge mit einem Blick in das blutverschmierte Haus der Täterin beginnen zu lassen und sie in der letzten Szene verstört und bluttriefend unter der Dusche zu zeigen, ist nicht neu, aber sinnvoll. Die Stars leisten großartige Arbeit und die Setdekorateure und Make-up-Künstler lassen die späten 70er und frühen 80er Jahre glaubwürdig aufleben. Dennoch könnten sich vornehmlich die ersten 30 Minuten für einige Zuschauerinnen und Zuschauer als recht zäh erweisen, weil das Vorstadtleben der Montgomerys und Gores regelrecht zelebriert wird. Es dauert eine Weile, bevor die Geschichte richtig Fahrt aufnimmt und es spannend wird. Dafür gibt es einen Punkt Abzug.
Einen weiteren halben Punkt ziehen wir für die Ideenlosigkeit (man könnte fast schon sagen: Frechheit) ab, ein und dasselbe Thema innerhalb nur eines Jahres zweimal auszuschlachten. Auch wenn Hulu zu Disney und HBO Max zu Warner Bros. Discovery gehört, darf man sich die berechtigte Frage stellen, ob es nicht genug anderes True-Crime-Material gegeben hätte, aus dem man eine spannende Miniserie hätte kreieren können. Ein Blick zur Konkurrenz hätte genügt, um zu wissen, dass man in einem leeren Teich fischt. Davon abgesehen dürfte die Show aber ihre Fans finden, denn hochwertige Serien mit starken Schauspielerinnen und Schauspielern produzieren, das kann HBO - eine Tatsache, die „Love and Death“ erneut unter Beweis stellt. Dreieinhalb von fünf Zimmerschlüsseln.
Hier abschließend noch der Trailer zur hier rezensierten, nun gestarteten Miniserie „Love & Death“: