Lost Girl 4x05

Lost Girl 4x05

Wer schon Probleme damit hatte, welche tiefgreifende Entscheidung Succubus Bo in Lost Girl in der letzten Episode traf, muss bei dieser Folge ganz tapfer sein - und ein starker Magen schadet auch nicht. Ein Gastreview von sw2012.

Let the Dark Times Roll! - „Lost Girl“ / (c) Showcase
Let the Dark Times Roll! - „Lost Girl“ / (c) Showcase

Unsere Bo (Anna Silk), eine Dunkel-Fae? Wie konnte das bloß passieren! Die Morrigan Evony (Emmanuelle Vaugier) mag aus dem Grinsen nicht herauskommen, aber für Bos Bande beginnt in Let the Dark Times Roll die verzweifelte Suche nach einem Weg, die Zuordnung rückgängig zu machen und den Verantwortlichen zu finden. Dabei zwingt der engere Kontakt zu den dunklen Geschwistern die Hauptfiguren von Lost Girl, ihre Einstellung zu dem angeblich bösen Lager zu überdenken. Als wäre das alles nicht genug, fällen die Una Mens eine weitreichende Entscheidung - und ihre Macht ist viel größer, als man uns bislang hat ahnen lassen.

I Love Those Girls in Black

Der Hammer in dieser Episode kommt wieder spät, aber um so heftiger: Lauren (Zoie Palmer) hat sich für die Dunklen Fae entschieden. Sie ist nicht dazu gezwungen worden, sie wird nicht erpresst, sie tut es freiwillig, und ihre Logik ist bestechend: Als sie in der Patsche saß, war es die dunkle Seite, die ihr geholfen hat, nicht die helle. Auch Bo (Anna Silk) hat ihrem Fazit „They came when no one else did“ eigentlich nichts entgegenzusetzen: Dyson (Kristen Holden-Ried) mag sich auf der Suche nach Lauren die Hacken abrennen, aber das ist eine Einzelaktion. Koordinierte Hilfe der Light Fae gab es offenbar nicht.

Laurens Entscheidung passt perfekt zu einer Figur, deren berechnender Umgang mit der eigenen Situation schon immer im Kontrast zu dem emotionalen Sturm-und-Drang ihrer Succubus-Freundin stand. Es ist die Entscheidung einer Frau, die sich zur Leibeigenen der Light Fae machen ließ, um ihre Freundin Nadia (Athena Karkanis) zu retten, und die dann von den hellen Fae betrogen und ausgenutzt wurde. Wenigstens, so ihre Überlegung, weiß man bei den dunklen Fae woran man ist.

Come to the Dark Side, We Have Cookies

Let the Dark Times Roll ist eine Episode, in der die Dark Fae zu ihrem Recht kommen - endlich, will man sagen. Zwar wurde bei Lost Girl immer wieder die These in den Raum gestellt, dass sie so viel schlimmer als die Light gar nicht sind, insbesondere als Bo mit dem Loki Ryan Lambert (Anthony Lemke) eine Affäre hatte. Aber erst jetzt in der vierten Staffel wird das unterfüttert. Wir können davon ausgehen, dass nach dieser Folge die plumpe Unterteilung zwischen guten hellen Fae und bösen dunklen Fae Geschichte ist.

Die vielleicht beste Analogie für die Dark Fae ist ein Wolfsrudel. Die Menschen sind Beute, Schafe sozusagen, und diese Einstellung wird offen gelebt, während die Light zwar Menschlichkeit predigen, aber Lauren wie Dreck behandelt haben. Auf der dunklen Seite wird eine gewisse Aggressivität und sogar Brutalität der Fae im Umgang miteinander toleriert - wie hier der Todesfall bei dem Tanz-Duell, der die Party erst so richtig anheizt. Diese Haltung schließt sogar ein begrenztes Verständnis für Anflüge von Selbstbehauptung bei Menschen ein, wie bei Kenzis (Ksenia Solo), die Evony (Emmanuelle Vaugier) Widerworte gibt. Kenzi gibt uns im Gespräch mit Tamsin (Rachel Skarsten) ein bezeichnendes Fazit von ihren mehr als drei Jahren mit den Fae: „The light are assholes, and the dark are assholes who have fun.

Gesucht: Ein Ash, der kein Arsch ist

Nun mag Evonys Aussage „We are honest about what we are“ wahr sein, aber der Kontrast entsteht auch dadurch, dass bei den Light Fae Chaos herrscht. Seitdem sich Lachlan (Vincent Walsh) zum Wohle der Welt opferte, fehlt ein starker Führer. Auch Hale (K.C. Collins) war eine völlige Fehlbesetzung (was man vorher hätte wissen können). Gesucht wird ein Machtmensch.

Daher kann man die Entscheidung der Una Mens nachvollziehen, Trick (Richard Howland) die Stelle als Übergangs-Ash anzubieten, damit endlich wieder Ordnung in die Bude kommt. Trick mag - angeblich - nur ein Wirt sein, aber er hat The Dal erfolgreich als neutralen Ort verteidigt, wird im Großen und Ganzen respektiert und verfügt über ein reiches Wissen über die Fae. Niemand anders scheint sich bislang anzubieten.

An dieser Stelle wird vom Zuschauer verlangt zu glauben, dass Trick seine wahre Identität als Blood King gegenüber den Una Mens und überhaupt den Fae als Ganzes geheimhalten konnte. Wenn jeder Fae eine Fähigkeit hat, muss irgendwann die Frage aufkommen, was denn der Typ hinter der Bar so kann, obwohl wir wissen, dass solche Fragen unhöflich sind. Zumal die Una Mens gezielt nach dem König suchen, denn er soll eigentlich der sechste Borg in ihrem kleinen Fae-Kollektiv sein.

Resistance is Futile

Ist das alles nur eine List der Una Mens? Vermutlich nicht. Wir erfahren in Let the Dark Times Roll - wohlgemerkt, bereits die fünfte Folge der Staffel - wie sie aufgebaut sind und was sie wollen: Eine Gruppe von fünf Fae - ein Posten bleibt leer - die ihre Identität als Einzelperson aufgegeben haben, um gemeinsam die Gesetze des Blutkönigs umzusetzen. Das macht sie ungeheuer stark, das gibt ihnen eine große, quasi-religiöse Autorität, das erklärt ihr Desinteresse an materiellen Gütern. Nichts deutet darauf hin, dass List und Tücke zu ihren Werkzeugen gehören, alles ist direkt und brutal. Sie wissen offenbar wirklich nicht, dass ihr designierter Six-of-Six vor ihnen steht.

Auf der einen Seite erhöht das die Spannung. Trick ist in akuter Gefahr, denn er könnte gezwungen werden, den sechsten Samen zu essen (wenn er wieder auftaucht) und Teil des Kollektivs zu werden. Dann würden die Una Mens offenbar auch allmächtig. Selbst wenn unsere Fae diesmal die Inquisition wieder loswerden, besteht in der Zukunft immer das Risiko seiner Enttarnung. Jetzt wissen wir, warum Trick das Rampenlicht vermeidet.

Auf der anderen Seite sehen wir wieder das alte Problem bei Lost Girl, dass selbst zentrale Handlungspunkte nicht langfristig vorbereit werden. Erst jetzt wird der Samen eingeführt, den Trick in einer Kiste umherschleppt. Diese Szene hätte man vor Wochen oder sogar in der vorherigen Staffel irgendwo einbauen können. Entweder fehlt es hier an langfristiger Planung, was angesichts der Qualität der jüngsten Folgen kaum zu glauben ist. Oder hier wird bewusst eine Struktur gewählt, die es Späteinsteigern leicht macht, sich zurechtzufinden. Wer sonst Serien wie Fringe guckt, knirscht hier mit den Zähnen.

Jetzt braucht Vex eine Kettensäge

Zur Haupthandlung: Bo (Anna Silk) muss nun den mysteriösen „Rainer“ finden, der für sie als neues Mitglied der Dark Fae gebürgt hat. Es ist eine Person, die wohl so mächtig ist, dass sie ihren Eintrag im (auch plötzlich eingeführten) Buch des Königs verstecken kann und der den Una Mens ein wirklicher Dorn im Auge ist. Wir können mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass wir damit den Namen des Wanderers kennen. Der deutschsprachige Leser mag hier den Kopf schütteln - ehrlich, warum nicht gleich Stefan, Peter oder Klaus - aber zur Erinnerung: In Kanada ist der Name geradezu exotisch.

Und weil das Wort „Ash“ gefallen ist: Zu den unerwartet gruseligen Augenblicken der Folge gehört Vex' (Paul Amos) Entscheidung, sich die Hand abzuhacken - „Evil Dead“ lässt grüßen. Die Szene ist umso eindrucksvoller, weil sie eher witzig anfängt mit Bos geknebelter Schimpftirade und man bis zum Ende erwartet, dass sie ihn noch aufhalten wird, natürlich. Jetzt ist die Hand auf Eis, was immerhin heißt, dass sie vermutlich wieder angenäht werden kann. Auch zu Vex war mehr Hintergrund lange überfällig.

Sushi Girl mal anders

Noch ein weiteres Lob haben die Macher in dieser Woche verdient: Das für die Serie so wichtige Gleichgewicht zwischen ernster Handlung, Humor und Sex wurde fast perfekt eingehalten. Zwar landen Bo (Anna Silk) und Lauren (Zoie Palmer) nicht sofort im Bett, was eine Überraschung ist. Aber Laurens Bekenntnis zu den Dunklen Fae liefert einen glaubwürdigen Grund für die Zurückhaltung. Vielleicht ist auch der Schock einfach zu groß, Lauren einmal in einem solchen Kleid zu sehen statt in ihrer üblichen Straßenkluft. Die Episode ist nicht zu ernst, trotz der Hand, und nicht zu albern, trotz des Tanzes.

Diese wunderbar schlechte Tanzeinlage von (Rachel Skarsten) zeigt erneut, welche Bereicherung Tamsin für die Serie ist. Man kann auch nur hoffen, dass Bruce (Rob Archer) weiter in Kenzis (Ksenia Solo) Nähe bleibt - seine Konfrontation mit Hale (K.C. Collins) steht noch aus. Diese Episode besticht darüber hinaus durch viele kleine Details, wie die Ausgabe der Fae-Zeitschrift („Torture Tales“) im Wartezimmer der Morrigan. Schön auch die Frage der Una Mens, wie Trick denn in die „Kolonien“ geraten ist.

Fazit

Let the Dark Times Roll setzt die Reihe hervorragender Episoden von Lost Girl fort. Zwar kann man meckern, dass gewisse Hintergründe früher hätten transportiert werden müssen oder dass einige Punkte besonders im Zusammenhang mit den Una Mens und Trick doch schwer zu glauben sind. Betrachtet man die Folge aber als eigenständiges Werk, ist sie selbst ohne große Bettszene nahezu perfekt für die Serie. Daher volle Punktzahl.

Überhaupt wollen wir nach fünf Episoden eine erste Bewertung wagen: Die vierte Staffel von Lost Girl ist dabei, die beste der Serie zu werden. Da kann man nur Daumen drücken, dass die Qualität so bleibt - und sei es auch nur mit einer Hand.

Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 10. Dezember 2013

Lost Girl 4x05 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 5
(Lost Girl 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Das Spiel der Faes der Finsternis beginnt
Titel der Episode im Original
Let the Dark Times Roll
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Sonntag, 8. Dezember 2013 (Showcase)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. Juli 2014
Autor
Jeremy Boxen
Regisseur
Ron Murphy

Schauspieler in der Episode Lost Girl 4x05

Darsteller
Rolle
Richard Howland
Rachel Skarsten

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