Die Schergen des Midas: Review der Pilotepisode

© ie Schergen des Midas (c) Netflix
Bei Netflix ging heute die sechsteilige Miniserie Die Schergen des Midas („Los favoritos de Midas“) online, deren erste Episode wir uns für Euch angesehen haben. Sowohl die Prämisse als auch die erste Episode wirken so, als würde ein aalglatter Finanz- und Politthriller von jemandem wie John Grisham oder einem der anderen Dad-Literaturgrößen dahinter stecken. Dabei kommt die Buchvorlage aus einer viel unwahrscheinlicheren Ecke, was die Angelegenheit doch ein wenig interessanter macht als sie auf den ersten Blick erscheint.
Zuerst aber worum es geht: Victor Genoves (Luis Tosar) ist der Geschäftsführer eines einflussreichen Medienunternehmens, das er vor wenigen Monaten und recht unerwartet von seinem verstorbenen Vorgänger übernommen hat. Er erhält einen mit Wachs versiegelten Brief, der ihn höflich aber bestimmt dazu anhält, 50 Millionen Euro auszuhändigen, um den Tod einer unbekannten Person zu verhindern. Natürlich nimmt er die Drohung zunächst nicht ernst, doch als zur angegebenen Zeit am angegebenen Ort tatsächlich eine Frau überfahren und tot liegengelassen wird, schaltet er die Polizei ein. Die Verantwortlichen, die sich als Schergen des Midas bezeichnen, haben bereits ein weiteres Opfer angekündigt, sollte die Summer nicht innerhalb von acht Tagen übergeben werden.
Parallel zum Erpressungsdrama zündelt eine weitere Person an einem politischen Pulverfass, das auch Victors Unternehmen betrifft. Die idealistische Reporterin Monica Baez (Marta Belmonte), die für eine seiner Zeitungen arbeitet, deckt in Syrien die Verbindung zwischen legalen, jedoch moralisch fragwürdigen Waffengeschäften und jener Bank, die auch Victors Unternehmen mitfinanziert, auf. Gibt er grünes Licht zum Drucken der Story, drohen erhebliche Konsequenzen für ihn und die Firma. Er entscheidet sich letztendlich, das Risiko einzugehen und die News selbst zu News zu machen. Ob aus journalistischer Verantwortung oder oder Geschäftssinn wird nicht ganz klar.

Nach Ablauf der vorgegebenen Frist gelingt es der Polizei, das angekündigte Attentat zu verhindern und den Terroristen zu erschießen. Doch der Mann war nicht, wer oder was sie erwartet haben und so bleibt die Frage offen, was das eigentliche Ziel der gefährlichen Gruppe ist, die sich nach dem alles in Gold verwandelnden König beziehungsweise dessen Untertanen benannt hat und nun den Druck auf Victor erhöht.
Als Vorlage diente die nur wenige Seiten umfassende Kurzgeschichte „The Minions of Midas“ des amerikanischen Autors Jack London. Er lebte von 1876 bis 1916, war ein kommerzieller Superstar im amerikanischen sowie internationalen Literaturgeschäft, zählt zu den Pionieren des Science-Fiction-Genres und war selbsternannter Sozialist, wobei seine Ideale gleichzeitig von eigenen Ideen, die dem Sozialdarwinismus näher kommen, geprägt waren. Hinter der Adaption seiner Geschichte verbergen sich Mateo Gil, der auch das Drehbuch zur spanischen Vorlage von „Vanilla Sky“ geschrieben hat und Miguel Barros, eine der Größen im spanischen Fernsehen.
Die erste Version stellten sie bereits 2001 in Form eines Filmdrehbuchs fertig. Laut eines Interviews mit Yahoo Finance, das Gil vor dem Serienstart gegeben hat, passe die Geschichte jedoch viel besser in eine Zeit nach der letzten Finanzkrise: „Die Krise hat viele Wahrnehmungen über die Welt, in der wir leben und unsere Beziehung zum Wohlstand in Frage gestellt. Es herrschte ein Gefühl der Ungerechtigkeit, was die Verteilung des Reichtums angeht. In der Serie spiele ich mit diesen Dingen, die besser in der heutigen Realität, in der wir leben, widergespiegelt werden.“
Fazit
Die Schergen des Midas startet als slicker Business-Thriller, der stellenweise etwas trocken wirken kann, mit ein wenig Recherche aber eine zumindest interessante Vorlage zum Vorschein bringt, die über den weiteren Verlauf der Geschichte spekulieren lässt. Ob nach sechs Folgen der abgeschlossenen Miniserie eine subtile Kapitalismuskritik, eine weniger subtile Umverteilungsfantasie oder nur ein Thriller im pseudorevolutionären Gewand vorliegt, lässt sich nach dem Auftakt natürlich noch nicht sagen.
Hier noch die Trailer zur Season:
