Lore: Review ersten Episode der schaurigen Amazon-Anthologieserie

Lore: Review ersten Episode der schaurigen Amazon-Anthologieserie

Aaron Mahnkes Grusel-Podcast über wahre Geschichten, die zur Folklore wurden, ist als Serie für Amazon adaptiert worden. Ist die Pilotepisode von Lore schaurig schön oder einfach nur grässlich? Entscheiden Sie selbst. Mein Name ist Jonathan Frakes.

Szene aus der Pilotepisode von „Lore“ / (c) Amazon
Szene aus der Pilotepisode von „Lore“ / (c) Amazon
© zene aus der Pilotepisode von „Lore“ / (c) Amazon

Während es heute gang und gäbe ist, jeden Film, an den sich die breite Masse einigermaßen erinnert, als Fernsehserie in Entwicklung zu schicken, sind auch Podcasts - selbst nicht-fiktionale - längst nicht mehr vor der TV-Umsetzung sicher, wie Lore von Amazon Prime Video, dessen Pilotepisode They Made a Tonic wir uns heute ansehen, beweist.

Die erste Episode der halbdokumentarischen Anthologieserie befasst sich mit dem selben Thema, wie die Premierenfolge des Podcasts, in welchem Aaron Mahnke verschiedene auf wahren Begebenheiten beruhende Gruselgeschichten aus dem reichen historischen Fundus der Scheußlichkeiten vorträgt. Netterweise darf er auch das Voice-Over zur Serie beisteuern, auch wenn es auf manche unfreiwillig komisch wirken könnte, wenn seine eigensinnige Betonung sich der von Christopher Walken annähert.

Im ersten Segment erfahren wir von einem Vorkommnis aus dem Jahr 1836, bei welchem eine Frau namens Mary Heart lebendig begraben wurde, wie die Exhumierung ihrer Leiche später zutage brachte. Im Stil eines unfreiwillig unheimlichen Kinderbuches wird die Erzählung visuell von ansprechender Animation untermalt und macht den mit Abstand gelungensten Teil Folge aus.

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Amazon - © Amazon

Leider besteht der Löwenanteil der 40-minütigen Episode aus nachgestellten Szenen eines zweiten (wie wir später erfahren, thematisch verwandten) Falls, in welchem ein Mann namens George Brown (Campbell Scott) im Jahr 1883 ein Familienmitglied nach dem anderen an Tuberkulose verliert und letztlich zu einem wissenschaftlich fragwürdigen Tinktur greift. Die Nacherzählung wird immer wieder von Mahnke unterbrochen, um anhand von Archivmaterial zusätzliche Erklärungen abzuliefern, wobei man sich stets fragen muss, ob diese authentisch oder ebenfalls nachgestellt sind.

Wie die beiden Geschichten zusammenhängen und zu welchem Folklore-Aspekt, auf den heute noch für Horrorfilme zurückgegriffen wird, sie führten, verraten wir hier nicht. Über das Live-Action-Segment verraten wir aber, dass es um einiges zu lang geraten ist und mit seinem fragwürdigen Schauspiel und altbackener Horror-Effekthascherei im Sinne knarzender Fensterläden, Erinnerungen an ein ganz ähnliches Format aus vergangenen Fernsehzeiten aufkommen lässt...

Fazit

Amazons Lore erinnert in vielerlei Hinsicht an „X-Faktor: Das Unfassbare“ („Beyond Belief“), welches Ende der 90er-Jahre zum Mitraten einlud, als es um vermeintlich übernatürliche Fälle ging, die entweder authentisch oder fiktiv waren. Jene, die das trotz der wackeligen Qualität der damaligen Mini-Episoden für eine unterhaltsame Angelegenheit halten, sollten „Lore“ unbedingt eine Chance geben. Wer die präsentierten Geschichten zwar im Prinzip spannend findet, sie aber lieber in reinem Dokuformat präsentiert bekommen hätte und nicht über die nachgestellten Szenen hinwegsehen kann, sollte beim Audioerlebnis des gut recherchierten Podcasts bleiben.

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