Longmire 2x13

Longmire 2x13

Nicht nur Walt, auch Vic und Henry müssen sich im Staffelfinale Bad Medicine den Gespenstern ihrer Vergangenheit stellen. Die Serie Longmire lässt uns mit einer großartigen Episode und jeder Menge Fragen zurück.

Robert Taylor als Sheriff Walt Longmire: Im zweiten Staffelfinale nicht weniger lässig als in der Pilotepisode der Serie „Longmire“. / (c) A&E
Robert Taylor als Sheriff Walt Longmire: Im zweiten Staffelfinale nicht weniger lässig als in der Pilotepisode der Serie „Longmire“. / (c) A&E

In den letzten Episoden schwebte eine mehr oder weniger undeutliche Bedrohung über allen Figuren der Serie Longmire. Mit dem Staffelfinale Bad Medicine bricht das Unglück über alle herein und niemand scheint ungeschoren aus der Sache herauszukommen.

Detective Fales (Charles Dutton) schlägt zu und hat sich Mathias (Zahn McClarnon) als Verbündeten gesucht. Ed Gorski (Lee Tergesen) bekommt eine Abreibung, für die Vic (Katee Sackhoff) geradestehen muss. Henry (Lou Diamond Phillips) und Walt (Robert Taylor) machen endlich reinen Tisch, unterstützt von Hector (Jeffrey De Serrano), der als einziger die richtige Geschichte kannte. Branch (Bailey Chase) ermittelt gegen den Willen Jacobs auf dem Gebiet der Cheyenne weiter und kann einen Teil der Geschichte aufdecken. Doch die ganze Wahrheit ist immer noch unklar, ihnen und uns.

Die großen Themen

Wer hat den Mörder von Walts Frau umgebracht und vor allem, wieso? Was steckt hinter dem Angriff auf Branch? Wohin ist Ed Gorski verschwunden und was hat er vor? Das Staffelfinale von Longmire lässt uns mit vielen Fragen zurück, doch schenkt uns auch eine spannende Geschichte.

Die Serie präsentiert uns seit der ersten Episode eine eigene Welt, in der eigene Gesetze herrschen. Und die sind gar nicht so einfach zu greifen. Es ist auf jeden Fall alles andere als ein rechtsfreies Gebiet. Der Sheriff hat immer wieder gezeigt, welch großes Vertrauen er in das Rechtssystem hat. Doch er ist kein stummer Regelbefolger. Er hat eigene Werte, aber kein ausgeklügeltes System. Er richtet sich nach seinem Menschenverstand, aber ihm ist klar, dass grundlegende Regeln hochgehalten werden müssen, damit ein Zusammenleben funktioniert. Beeinflusst ist er dabei unter anderem von den Regeln, die die Cheyenne für sich festgelegt haben.

Ein großes, wiederkehrendes Thema in der Serie Longmire sind die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn Menschen mit unterschiedlichen Verständnissen von Gerechtigkeit aufeinandertreffen. In der Episode Bad Medicine kollidieren diese bisher hauptsächlich schwelenden Konflikte. Und das führt zu noch mehr Gewalt, Konflikten und Chaos.

Neben dem System her nehmen die Figuren der Serie Longmire das Gesetz immer wieder in die eigenen Hände. Und mit dem Reservat und den eigenen Gesetzen in kleinen Gemeinschaften, die wir im Laufe unserer Bekanntschaft mit Walt schon getroffen haben, muss man sich wirklich fragen, was das eigentlich bedeutet: Das Recht in die eigenen Hände nehmen? Immer wieder scheint es, als wenn das vom Staat ausgegebene Gesetz an den Bedürfnissen der Menschen vorbeizielt und besonders Henry und Jacob (A Martinez) erkennen nur das Cheyenne-Recht als oberste Instanz an. Die Situation ist unübersichtlich und wird es mit jedem weiteren Verständnis von Recht immer mehr.

Es ist ein sensibles Gleichgewicht, das nur funktioniert wenn jemand wie Walt da ist, der versucht, die unterschiedlichen Ansprüche auszugleichen.

Die Richter

Sie sind Feinde geworden weil sie sich zu ähnlich sind: Walt war besessen von dem Mörder seiner Frau, wollte ihn tot sehen, ist losgezogen, ihn zusammenzuschlagen. Er wollte Rache, Vergeltung. Detective Fales sollte das in gewisser Weise gut nachvollziehen können, denn er selbst ist ebenfalls davon besessen, eine Ungerechtigkeit auszugleichen, wie seine kleine Geschichte von korrupten Sheriffs zeigt.

Walt ist in Absaroka County als ausgleichende Instanz bekannt, er hält sich an das Gesetz, versucht jedoch auch die Regeln der Cheyenne zu verstehen und zu berücksichtigen. Detective Fales ist im Prinzip nicht anderes, nur mit einem anderen Hintergrund, anderen Erfahrungen. Er hat gesehen, was passiert, wenn Autorität ausgenutzt wird und diese Ungerechtigkeit will er ausgleichen.

Unmöglich ist es, zu entscheiden, wer im Recht ist. Das ist eine Frage der Sichtweise, die man anwendet. In den letzten Episoden war das für uns als Zuschauer hauptsächlich eine Sache der Sympathie. Lange haben die Autoren uns Henry als wahrscheinlichen Mörder des Meth Heads präsentiert, doch kaum jemand vor der Mattscheibe wird wohl die Daumen für Detective Fales gedrückt haben. Dank Hector wissen wir jetzt, dass weder Henry noch Walt für den Tod des Mörders verantwortlich sind. Damit verschiebt sich die Besessenheits-Waage von Walt zu Detective Fales. Obwohl man fairerweise sagen muss, dass die Beweise gegen Henry wirklich bestechend sind.

Interessant ist auch, dass Fales' kleine Ansprache über allmächtige Sheriffs an Walt nicht ganz ins Leere läuft. Er ist zwar die ausgleichende Instanz in Absaroka County, aber das kann er nur sein, weil er in der Tat die Macht hat und sich wirklich nur ungern etwas sagen lässt. Er nutzt diese Macht anders als Fales ihm unterstellt, aber er hat oft genug Dinge eigenmächtig entschieden, davon kann nicht zuletzt Branch ein Lied singen.

Alte Bekannte

Ähnliches gilt für Vic und ihren Verfolger Ed Gorski. Sie hat seinen Partner verraten, jemanden, von dem wir wissen, dass er korrupt war. Wir halten zu Vic, natürlich, weil wir sie kennen und weil Ed hochgradig wahnsinnig rüberkommt. Aber im Grunde wissen wir nicht, was der korrupte Cop getan hat. Und wenn man den Fokus verschieben würde, könnte man auch eine Serie darüber drehen, die von der Loyalität zwischen Ed, seinem Partner und den anderen Cops handelt und wie Vic diesen Ehrenkodex mit Füßen getreten hat.

Doch im Gegensatz zu der Geschichte um Walt geht Vics Problem nicht ganz auf. Der ehemalige Polizist, der sie wegen dem Selbstmord seines Partners verfolgt, wird nun auch noch zum Ex-Freund. Unterdessen zeigt Sean (Michael Mosley) wieder einmal mehr sein seltsames Verhalten: Statt ihr beizustehen, lässt er Vic dafür büßen, dass Ed sich zum Stalker entwickelt hat, nur weil sie einst, noch bevor sie Sean kannte, eine Affäre mit ihm hatte.

Einiges daran scheint nicht zum Charakter Vic zu passen, zum Beispiel, dass sie sich seit zwei Staffeln immer wieder so von Sean behandeln lässt. Die Story um Ed Gorski wird noch suspekter wenn man bedenkt, dass sie in der letzten Episode dafür herhalten musste, Lizzie (Katherine LaNasa) die Gelegenheit zu einem Eifersuchtsanfall zu geben.

Daran war einiges nervig: Erstens ist es schade um Lizzie, die dem Sheriff in den kurzen Sequenzen, in denen sie vorkam, immer gut getan hat und uns eine neue Seite an ihm zeigen konnte. Zweitens ist das ganze Thema der unterschwelligen Verbindung von Walt und Vic bisher vor allem störend und wirkt fehl am Platze. Laut ausgesprochen hat es nur Lizzie, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die Serienautoren keine Gelegenheit auslassen, uns immer wieder in diese Richtung zu schubsen ohne uns jemals einen echten Beweis dafür zu liefern, dass zwischen Walt und Vic mehr ist.

Darauf möchte man den Autoren entgegnen: Muss das denn wirklich sein? Wir haben fünf, mit Ferg (Adam Bartley) sechs, Hauptpersonen, von denen zwei - Cady (Cassidy Freeman) und Branch - bereits den Bereich schwierige Beziehung mit großer gegenseitiger Anziehungskraft abdecken. Erst kürzlich haben wir erfahren, dass auch Ferg rettungslos in Cady verliebt ist. Können denn da wenigstens diese zwei nicht einfach mal Freunde ohne Subtext sein? Gerade, wo diese Freundschaft zwischen dem griesgrämigen Sheriff und seiner durch Unerfahrenheit manchmal naiven, aber wenn es drauf ankommt immer taffen Mitarbeiterin doch so großartig ist.

Der untote Zeitreisende

Spannender geht es im Staffelfinale um Branch zu: Er ist einer Sache auf der Spur, die größer scheint als ein Kellner, der eine schlechte Entscheidung getroffen hat und dazu noch Pech hatte. Wenn David wirklich aus eigener Motivation Cadys Reifen zerstochen hat, um die Wahl für Branch zu beeinflussen und der Unfall eine Verkettung unglücklicher Zufälle war, wieso sollte Jacob, der uns ja nicht gerade als selbstloser Menschenfreund bekannt geworden ist, dann für ihn lügen und ihn decken? Was hätte David davon, sich tot zu stellen und dann Branch anzugreifen wenn es ihm eigentlich leid tut, dass Cady durch sein Handeln verletzt wurde?

So lassen uns die Autoren also zurück: Branch ist angeschossen, unklarer Ausgang, Vic ist nach wie vor im Fadenkreuz eines Wahnsinnigen, Henry unter Mordanklage und Walt weiß immer noch nicht, wer den Mörder seiner Frau auf dem Gewissen hat. Das ist besonders deswegen beunruhigend weil dieser Jemand seiner Logik nach auch seine Frau ermordet hat und ein potentielles Motiv dafür könnte sein, Walt zu treffen. Unerkannt läuft also jemand durch die Gegend, der Walt und seine Familie so sehr hasst, dass er gleich zwei Morde dafür begehen würde.

Fazit

Nach zwei auffällig idyllischen Episoden setzt das Staffelfinale dazu an, die Welt in Absaroka County, wie wir sie kennen, zu zerstören. Bad Medicine ist eine starke Episode, in der sich die Serie Longmire von ihrer besten Seite zeigt.

Was zurück bleibt ist beunruhigend: Branch angeschossen, Henry im Knast und Vic in Gefahr. Doch ein Grundpfeiler dieser Philosophie ist die Annahme, dass neu nicht immer besser ist und manche Dinge sich nie ändern, dass unüberlegte Aufregung schlecht und ruhige Besonnenheit gut ist, dass die Maßnahmen der Situation angemessen sein müssen. Das ist die Maxime, nach der Sheriff Longmire lebt und die Basis, auf der die Serie fußt. Diese Atmosphäre erschaffen, ist, was das Longmire-Team wirklich gut kann. Und dazu gehört auch, dass die Serie immer wieder zu einem bestimmen Status Quo zurückkehrt, aus dem eine Figur zwar kurzzeitig ausbrechen kann, aber immer wieder zurückkehren muss, so wie es auch Cady in der zweiten Staffel getan hat.

Man muss diese Welt, in der sich nur extrem langsam etwas ändert, nicht gut finden und sich nicht in der Realität wünschen. Trotzdem kann man durchaus anerkennen, dass die Serie Longmire einen unglaublich guten Job macht, diese Welt zum Leben zu erwecken. Und das ist doch auch etwas Wunderbares: Zwischen den vielen Serien vom Schlage Under the Dome und Defiance, die sich auf dem Papier gut anhören, aber in der Umsetzung mehr als hadern, finden wir mit Longmire ein kleines Juwel: In der Beschreibung klingt die Story mehr als schmalzig und pathetisch, aber dank guter Schauspieler und fähiger Autoren, die den Weg weitergehen ohne sich für die Richtung zu entschuldigen oder massenkompatibel anzubiedern, geht die Rechnung auf. Glücklicherweise vergessen sie auch ein kleines Augenzwinkern von Zeit zu Zeit nicht.

Die Serie ist alte Schule und sie hat bisher nicht vorgegeben, etwas anderes sein zu wollen. Longmire punktet nicht mit schockierenden Wendungen oder mutigen Veränderungen, die Autoren haben Cady zurückgeholt und Walt die Wahl gewinnen lassen. Sie sind sich gegen alle Trends treu geblieben, damit sollten sie in der jüngst angekündigten dritten Staffel „52779“ auch nicht aufhören und Branch überleben lassen, Henry zurück ins Red Pony holen und Vic nicht auf die Flucht schicken.

Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 1. September 2013
Episode
Staffel 2, Episode 13
(Longmire 2x13)
Deutscher Titel der Episode
Zeit, sich den Dingen zu stellen
Titel der Episode im Original
Bad Medicine
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 26. August 2013 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. März 2014
Autoren
Hunt Baldwin, John Coveny
Regisseur
Michael Offer

Schauspieler in der Episode Longmire 2x13

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