Longmire 2x12

Manchmal ist es nur ein schmaler Grat zwischen Authentizität und Lächerlichkeit. Die Autoren der Serie Longmire wissen wahrscheinlich ein Lied davon zu singen. In der ersten Staffel gab es ein paar Momente, bei denen man nicht wusste, ob man lachen oder mitleiden sollte. Vielleicht ist es die Sympathie, die man in der Zwischenzeit zu den Figuren fassen konnte oder die Autoren haben gelernt die Story besser auszubalancieren, aber die zweite Staffel ist in dieser Hinsicht viel besser gelungen. Die Episode A Good Death is Hard to Find ist ein gutes Beispiel für diese Steigerung.
Schillernde Figuren
Dass der Beginn dieser Longmire-Episode nicht in Drolligkeit ausartet ist Gastdarsteller Peter Weller (Dexter, 24) zu verdanken, der genau die Stimme und die Ausstrahlung hat, die heroische Geschichte über das Leben der Cowboys zu stemmen. Wir begegnen ihm als Lucien Connally, Branchs Onkel, der sich seinerzeit selbst als Sheriff von Absaroka County seine Sporen verdient hat.
Das Schöne an dem Fall der Woche sind mal wieder die Figuren, denen wir begegnen und die uns mit in ihre Welt nehmen. Auf der einen Seite haben wir den zwielichtigen Ex-Sheriff, der wie offenbar alle in der Connally-Familie stets auf der Grenze zur Illegalität entlang balanciert und von dem man immer alles erwarten muss, im Guten wie im Schlechten.
Dann treffen wir die erst so aufrichtig wirkende Freundin des Opfers, Connie Mallery (Robyn Lively, Saving Grace), die sich als Meisterin der Manipulation herausstellt. Selbst Lucien ist ihrem Charme erlegen. Gut, dass mittlerweile Walt an der Macht ist, der sich uns gegenüber zwar nie anders als ein Gentleman gezeigt hat, sich aber von einem hübschen Gesicht auch niemals hat blenden lassen. Es ist nur eine der Gelegenheiten, die sich in dieser Episode auftun, bei der der Sheriff seine Größe zeigen kann.
Der Gefängniswärter Hank (Cory Tucker, Vegas) präsentiert sich erst als kooperative Nebenfigur und mausert sich zum jüngsten Opfer der Männermörderin Connie. Eine eindrucksvollere Szene liefert der Partner des Mordopfers ab, Riley Manning (Brad Carter). Zunächst wirkt er gefährlich und man kann Ferg (Adam Bartley) gut verstehen, sich nicht mit ihm anzulegen. Doch dann stellt er sich als einer der wenigen in dieser Episode heraus, der kein doppeltes Spiel treibt. Um seine Loyalität zu beweisen hat er einen Finger geopfert und sein Freund James hat ihn im Gegenzug nicht verraten. Eine kriminelle, aber doch irgendwie auch ein bisschen bezaubernde Freundschaft, die alles überstanden hat außer eine manipulative Freundin - das ist traurig.
Ein einsamer Cowboy findet einen Freund
Eine andere Art von Freundschaft sehen wir endlich vor unseren Augen entstehen: Branch (Bailey Chase) und Walt sind wieder als Team unterwegs. Und nachdem Branch sich nun in gewisser Weise die Hörner abgestoßen hat, kann er sich auch auf diese Zusammenarbeit einlassen. Ein bisschen ist es wie eine Vater-Sohn-Beziehung: Walt hat eine spezielle Art, Probleme zu lösen, die seit Jahren funktioniert. Branch kommt mit seinen neuen Ideen dazu und hat erst einmal einen schweren Stand.
Doch immer wieder haben wir gesehen, dass sie zusammen am besten arbeiten. Manchmal ist es wichtig, dass Walt Branch wieder auf den Boden holt, hin und wieder ist es ratsam, dass Walt sich ein Stück weit den neuen Ideen gegenüber öffnet. Nun, nachdem Branch gegen Walt rebelliert hat, ist der Weg für eine produktive Zusammenarbeit frei.
Den Charakter Branch kann man durchaus unterschiedlich sehen. Doch je mehr Mitglieder des Connally-Clans wir kennenlernen, desto mehr tut sich Branch als der Normalste in seiner Familie hervor. Die beiden zusammenarbeiten zu sehen ist wie eine Belohnung für alle, auch uns als Zuschauer. Der einsame Wolf hat einen neuen Mitstreiter gefunden, der ihm ganz schön ähnlich ist und der damit zu einem potentiellen Nachfolger wird.
Die Vergangenheit folgt ihr
Da trifft es sich gut, dass Walts wichtigste Freundin, Vic (Katee Sackhoff), gerade anderweitig beschäftigt ist. Endlich erfahren wir, was es mit ihrer seltsamen Paranoia auf sich hat: In ihrem letzten Job hat sie einen korrupten Cop gemeldet, der sich daraufhin umgebracht hat. Die Freunde des Toten starteten eine Kampagne gegen Vic. Insbesondere der ehemalige Partner des korrupten Cops, Ed Gorski (Lee Tergesen), arbeitet mit Hingabe daran, sich an Vic zu rächen. Mit Walt ist sie da beim richtigen Chef gelandet, denn falsche Loyalität zwischen Cops ist ihm fremd, er würde wohl auch zu Vic halten wenn sie nicht sowieso schon befreundet wären.
Genau diese Freundschaft wird zum Gegenstand der Story: Nicht nur Lizzie fragt sich mittlerweile, wie tief die Freundschaft zwischen dem Sheriff und seinem Deputy geht, und vor allem in welche Richtung sie sich entwickelt. Noch vor nicht allzu langer Zeit haben wir gesehen, wie glücklich Walt mit der lebenslustigen Lizzie werden konnte. Und auch die Ehe zwischen Vic und Sean (Michael Mosley) schien in dieser Staffel viel besser zu laufen als in der letzten. Nun also dieser Ausbruch von Lizzie, der einen schalen Nachgeschmack hinterlässt.
Nie haben wir eine Regung von Walt gesehen, die mehr als Freundschaft und Zuneigung für Vic gezeigt hätte. Nun versucht er ohne rechtliche Grundlage ihren Verfolger zu verschrecken, auf eigene Faust. Doch haben wir nicht oft genug gesehen, dass Walt auch für Menschen, die er kaum kannte, gesorgt hat wenn er fand, dass es notwendig sei?
Vic könnte man da schon eher unterdrückte Gefühle zutrauen. Doch handfeste Beweise oder zumindest eindeutige Hinweise gibt es auch dafür nicht.
Fazit
Vor unseren Augen entwickelt sich Walt gerade zu einem kleinen Sonnenschein - allerdings nur im Geheimen. Nach zwei kleinen Lächeln in der letzten Episode, schenkt der Sheriff uns in der Episode A Good Death is Hard to Find mit einem wunderbaren Grinsen als er feststellt, dass Ferg entgegen aller Erwartung den ein oder anderen smarten Schachzug drauf hat.
Diese gute Laune ist zwar überaus befriedigend für alle, die schon seit der ersten Episode an den Lippen des Sheriffs hängen, aber mit Blick auf das Finale wohl vor allem eine trügerische Ruhe vor dem Sturm. Trotzdem schön.
Was Peter Weller in der Anfangsszene stemmt, wird nur noch von Robert Taylors Gute-Nacht-Geschichte für Vics Verfolger am Ende der Episode getoppt.
Longmire hat sich längst als der Glücksgriff unter den Serien bewiesen, den viele sich zu Beginn versprochen hatten. Diese Episode erinnert einen mal wieder daran, wieso das so ist. Weil die Welt schon ein bisschen heimeliger wäre, wenn man wüsste, dass Sheriff Longmire ein Auge auf einen hätte. Mit diesem übertrieben aufrechten Old-School-Sheriff zielt die Serie sehr hoch und wunderbarerweise darf man feststellen, dass sie der Kitsch-Gefahr in den allermeisten Fällen entgeht und den Anspruch, den sie an sich selbst stellt, erfüllen kann.
Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 1. September 2013(Longmire 2x12)
Schauspieler in der Episode Longmire 2x12
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